Was wir uns von und für Sturm im Jahr 2024 wünschten …
Anfang 2024 haben sich die Redakteure von SturmNetz zusammengesetzt und diskutiert, in welchen Teilaspekten unseres Lieblingsverein noch Handlungsbedarf hat und wo noch Luft nach oben besteht. Daraus wurden individuelle Wünsche formuliert. Adaptierungen, die wir uns von – vor allem aber für den Sportklub Sturm – für das Kalenderjahr 2024 ersehnt haben. Ein Jahr danach beleuchten wir, inwieweit diese Wünsche zur Gänze, teils oder überhaupt nicht in Erfüllung gegangen sind.

(c) Martin Hirtenfellner – Fotografie
Lukas Gradischnig (Jänner 2024): Sportlich und wirtschaftlich blicken wir sehr positiv auf das letzte Jahr zurück, wobei natürlich vor allem diese Nacht in Klagenfurt unsere Herzen höher schlagen lässt. Wirtschaftlich wird der SK Sturm wieder schwarze Zahlen schreiben, nachdem der im Juli abgewanderte Emanuel Emegha für ordentlich frisches Geld in den Kassen des SK Sturms sorgte. Man möchte meinen, es blieben kaum Wünsche für das neue Jahr offen – wäre da nicht die Infrastruktur-Thematik. Sei es ein Trainingszentrum oder ein – mittlerweile in weite Ferne gerücktes – Stadionprojekt, der SK Sturm bleibt langfristig auf der Strecke, wenn es nicht endlich Lösungen gibt. Lösungen, an denen alle mitarbeiten müssen. Daher wünsche ich mir für das neue Jahr eine Rückkehr zu produktiven Gesprächen, ein Ende der „Schau-Ma-Mal-Kultur“ und endlich realisierbare und nachhaltige Lösungen seitens des SK Sturm, des Stadtrivalen aus Weinzödl und allen voran der Verantwortlichen in Stadt- und Landesregierung.
Lukas Gradischnig (Jänner 2025): Ein historisches Jahr liegt hinter den Anhängern des SK Sturm. Nachdem der Pokalsieg im vergangenen Jahr schon ein großer Erfolg war, gelang Christian Ilzer und Co der nächste Coup – der Gewinn des Doubles aus Pokal und Meisterschaft. Mehr geht nicht, mehr kann man in Fußballösterreich nicht erreichen. Belohnt wurde der SK Sturm mit gleich acht Spielen im besten Klubbewerb der Welt, und obwohl die Auslosung es nicht allzu gut meinte und große Kracher wie Real Madrid ausblieben, durfte man nach dem Sieg gegen den FC Girona auch zum ersten Mal seit Jahrzehnten in der Champions League anschreiben. Ein historisches Jahr, in dem sportliche keine Wünsche offen blieben. Vor ziemlich genau einem Jahr äußerte ich in diesem Format den Wunsch, dass in Sachen Infrastruktur und Stadionthematik dem größten Sportverein des Bundeslandes auch eine entsprechende Wertschätzung seitens der Stadtpolitik entgegengebracht wird. Dieser Wunsch blieb weitgehend unerfüllt, wenngleich eine Förderung für Damen- und Jugendmannschaften zugesichert wurde – ein Schritt, in die richtige Richtung. Die Zukunft des Stadions ist nach wie vor ungewiss, die Grazer Stadtpolitik hat auch 2024 jede Möglichkeit genützt, dem SK Sturm und auch dem Stadtrivalen auf der Nase herum zu tanzen. 2024 ist nämlich genau nichts passiert, wie schon in den Jahren zuvor. Aktuell läuft die Machbarkeitsstudie Nummer 1909, die Printmedien sprachen im Herbst von weitgehenden Modernisierungen der Merkur Arena in Liebenau, und was eigentlich positiv klingt, lässt Herr und Frau Sturm-Fan aber kalt. Zu viele Versprechen wurden gemacht, zu viele Machbarkeitsstudien führten nur dazu, möglichst viel Zeit zu kosten. Und obwohl die Richtung stimmt, ist der SK Sturm noch weit, sehr weit hinter der Konkurrenz aus Wien oder Linz, wenn es um die Stadienthematik geht. Hier bleibt mein Wunsch der selbe – Heimspiele nur in Liebenau!
Mario Rosenmayer (Jänner 2024): Man sollte nie vergessen woher man kommt und daher möchte ich damit starten, dass wir aktuell in vielen Belangen wohl eine der erfolgsreichsten Zeiten der Vereinsgeschichte erleben. Aber schließlich geht es hier um Wünsche. Einer der wenigen Kritikpunkte an Chris Ilzer seit er bei Sturm ist war der fehlende Plan B abseits der von ihm bevorzugten Raute. Diese Saison gab es auf einmal, ein wenig aus dem Nichts, diesen Plan B mit einer Doppel-6 in einem 4-2-3-1, die vermutlich auch ein wenig dem Glücksgriff Dimitri Lavalée geschuldet gewesen sein dürfte. Ich würde mir einen Plan B, C oder X wünschen, bei dem in der Rückwärtsbewegung bei Bedarf (wie zum Beispiel am Besten aufgezeigt in den Spielen gegen Eindhoven) die Außenverteidiger unterstützt werden und der Fokus nicht nur aufs Zentrum gelegt wird. Offensiv würde ich mir als ‚Osim-Jünger‘ bei Bedarf als Alternative zum Direktspiel etwas mehr Tiki-Taka wünschen, oder einen anderen Weg um Wloda noch besser in Szene zu setzen, bei dem ich mir sicher bin, dass er Sturm und uns noch ganz viel Freude bereiten wird. Ich glaube, dass Sturm für beide Wünsche das Spielermaterial hätte, aber die Frage ist, ob diese Überlegungen in einer der erfolgreichsten Zeiten der Vereinsgeschichte überhaupt notwendig sind. Aber wie eingangs geschrieben, geht es heute schließlich um Wünsche.
Mario Rosenmayer (Jänner 2025): Doublesieger – es scheint, als wäre kein Plan B, C oder X notwendig gewesen. Ein Fan der Raute bin ich zwar immer noch nicht, aber man wird sehen, wie dieses System in Hoffenheim funktionieren wird. Für Österreich passt dieses System in Kombination mit Intensität, Leidenschaft, dem Kader und dem Niveau der Gegner offensichtlich sehr gut. Auch in der Champions League hat man sich meiner Meinung nach bisher gut geschlagen. Jürgen Säumel wird an der Taktik vermutlich wenig ändern – außer, dass der SK Sturm unter ihm wohl öfter tiefer stehen wird. Wenn er damit die Erfolge vom Vorjahr wiederholen kann, werde ich in naher Zukunft keine neuen Taktikwünsche äußern. Wie ich bereits im Januar 2024 schrieb: Wer weiß, ob solche Überlegungen überhaupt notwendig sind. Was Wloda betrifft, glaube ich weiterhin, dass er beim richtigen Verein und im passenden System mit ein paar Erfolgserlebnissen ein guter Stürmer sein könnte. Derzeit scheint meine Einschätzung jedoch leider nicht zuzutreffen.
Yannick Steinkellner (Jänner 2024): Na bumm! Als hätten die Verantwortlichen höchstpersönlich meine Wünsche gelesen und versucht umzusetzen, wenn ich mir meinen Beitrag für 2023 so durchlese. Was für ein schönes Gefühl, ein Jahr später. Trotzdem sind meine Ansprüche, wie bei so vielen Sturm-Knofel, durch die positiven letzten Jahre ein wenig gestiegen. Auch der wirtschaftliche Ausblick hat sich durch den Verein verbessert, wenngleich sich das wie von den Kollegen angesprochen (noch) nicht in der Infrastruktur niederschlägt. Die verzwickte Torhüter-Situation ist leider noch immer verzwickt, eine Mariella El Sherif gibt es bei den Männern derzeit leider nicht. Taugt mir natürlich net so, aber das ist nicht die größte Baustelle im Verein. Mein Fokus liegt, wenn es bei den Herren sportlich rennt, meistens woanders: Ich wünsche mir noch mehr Heimspiele der Frauen in der Gruabn, denn das waren tolle erste Spiele im Herbst. Genau so etwas brauchen die Frauen, vielleicht ziehen sie bei mehr Sichtbarkeit in der Stadt dann auch finanziell noch bessere Geldgeber für die eigene Abteilung an. Denn der Verein steckt für meinen Geschmack im Verhältnis zu den Herren noch immer (viel) zu wenig Geld in die Damen-Abteilung. Karner, Degen und Erlitz geben ihr Bestes, aber links und rechts rückt die Konkurrenz heran, wenn sie (wie in Form von Altach) nicht sogar schon vorbeigezogen ist. Wo ist der Vorsprung des einst als Vorreiter-Verein geltenden SK Sturm Graz in der österreichischen Frauen-Bundesliga hin? Ist den Entscheidern im Verein ein Titel bei den Frauen nichts wert? Im Moment wäre ein solcher nämlich sogar für Sturm noch leistbar… Geld schießt die Tore und holt in der Regel die Titel – das lehrt uns der moderne Fußball seit Jahren.
Yannick Steinkellner (Jänner 2025): Schade. Was die Frauen-Abteilung angeht, war das leider ein schwieriges Jahr. Die erste Saison nach Mario Karner (mit einem nun immerhin voll angestellten Michael Erlitz) ist ein hartes Jahr. Mühselig ernährt sich das Eichhörnchen und langsam mahlen die Mühlen der Gleichberechtigung beim SK Sturm Graz. Im Moment kämpft das finanziell notorisch unterversorgte Team um das Mindestziel der Top Vier in der Tabelle für das erstmals ausgetragene Meister-Playoff. Es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass in die Spitze bei den Frauen zu wenig Geld investiert wird. Es bräuchte mehr Geld für die Sportlerinnen, für den Betreuerstab und einen attraktiven Spielort für das Team. Außerdem bräuchte das Team auch eine echte Stürmerin, die nicht verletzt ist. Jeder Neuzugang hilft.
Tobias Silberschneider (Jänner 2024): Wenn nicht jetzt, wann dann? Diese Frage stelle ich mittlerweile sehr häufig, wenn es in angeregten Diskussionen um das Stadionthema in Graz geht. Aus meiner Sicht sollte man die aktuell sehr stabile finanzielle Lage, in der man sich befindet, nun endlich nutzen und den Schritt in eine neue Richtung wagen. Vielleicht hin zu einem neuen, modernen Sturmstadion. Auch wenn das für viele unrealistisch klingt, Wünsche darf man ja äußern. Gerade für mich als Rollstuhlfahrer ist das Stadion in Liebenau von allen Bundesligamannschaften mit Abstand am schlechtesten ausgebaut. Die Plätze sind fast auf Höhe des Spielfelds und zusätzlich wird einem die Sicht von dem Dach der Gästebank verdeckt. In jedem anderen Stadion in Österreich, in dem ich schon war, hatte ich einen besseren Überblick über das Spielgeschehen. Hinzu kommt der weite Weg vom Behindertenparkplatz in der Tiefgarage bis zu den Plätzen. Ein Blick nach Wien, Salzburg oder Wolfsberg (um nur ein paar Beispiele zu nennen) zeigt, dass es durchaus gute Lösungen für diese Probleme gibt. Von einem österreichischen Topklub wie Sturm Graz darf man sich meiner Meinung nach auf dieser Ebene mehr erwarten. Sportlich wünsche ich mir einen ähnlich spannenden Meisterschaftskampf wie in der vergangenen Saison und aufregende Spiele in allen Wettbewerben.
Tobias Silberschneider (Jänner 2025): 2024 war für die gesamte Sturm-Familie ein unvergessliches Meisterwerk! Bleibt es im neuen Jahr 2025 unnachahmlich? Die Zukunft wird es zeigen. Darf man nach so einer erfolgreichen Saison überhaupt noch Wünsche äußern? Ich denke schon. Mit dem Ende der Schicker/Ilzer Ära kamen vor kurzem neue Akteure auf die Bildfläche, die ebenso versuchen werden, den bestmöglichen sportlichen Erfolg einzufahren. Dass Jürgen Säumel ein Trainer mit Siegermentalität ist, hat er in den bisherigen Spielen schon unter Beweis stellen können. Ich kann mir einen eklatanten Leistungsabfall aktuell nicht vorstellen und blicke somit positiv gespannt auf die weiteren Aufgaben. Wie viele meiner Kollegen schon angesprochen haben, spiegeln sich all die sportlichen und wirtschaftlichen Errungenschaften noch nicht wirklich in der Infrastruktur wider. Hier gäbe es an vielen Ecken und Enden Verbesserungspotenzial. Um abschließend nochmals auf meine Wünsche aus dem Vorjahr Bezug zu nehmen, möchte ich sagen, dass ich von der versprochenen Modernisierung des Liebenauer Stadions nicht viel halte. Das Verkehrskonzept für An- und Abreise ist eine Katastrophe, ebenso wie die Parkplatzsituation. Ich würde mir nach wie vor ein neues Sturmstadion an einem anderen Standort wünschen.
Florian Karner (Jänner 2024): Kontinuität. Nach Duden: Stetigkeit; gleichmäßiger Fortgang. Synonyme: Ausdauer, Beharrlichkeit, Beständigkeit und Fortbestand. Viele Wörter für ein Substantiv, die unterschiedlich interpretiert werden können. Das beharrliche Streben nach oben, jedoch ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren, ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen. Das ist das, was ich mir (auch weiterhin) von Sturm im Jahr 2024 wünsche. Hoch geflogen sind schon viele, nur um danach tief zu fallen. Auch der Sportklub Sturm nahm bereits diesen Weg. Und hätten nicht einige Persönlichkeiten in praktisch letzter Sekunde ihr letztes Hemd gegeben – wer weiß ob dieser Artikel jemals entstanden wäre. Entwicklung ist wichtig und unumgänglich, um im modernen Fußball als Verein Schritt zu halten. Und diese Entwicklung war in den letzten Jahren nicht zu übersehen. Freilich waren diese Entwicklungsschritte in manchen Bereichen größer, in anderen kleiner. Visionen als Verein zu verfolgen bedeutet auch, den eigenen Fans Visionen zu geben. Für viele Menschen ist der Sturm Graz noch viel mehr als „nur“ ein Verein, sondern ein wichtiger Lebensinhalt. Ein Lebensinhalt, der von den lenkenden Personen viel Verantwortung erfordert. Gerade zu diesen Zeiten, in welchen von mancher Seite der Ruf nach einem starken Geldgeber immer lauter wird, wünsche ich mir, dass man den aktuell eingeschlagenen Weg weiter geht, sich kontinuierlich auf allen Ebenen nach Möglichkeiten verbessert, ohne jedoch das starke Fundament zu gefährden und die Verbindungen zu den eigenen Wurzeln zu verlieren.
Florian Karner (Jänner 2025): Was soll man sagen? Rein auf der sportlichen Ebene wurden alle Erwartungen/Hoffnungen übertroffen. Sturm schaffte das lange unmöglich geglaubte Double und setzte sich damit an die Spitze des österreichischen Vereinsfußballs. Und das in Zeiten vorn Red Bull. Ohne Mäzen oder Investor. Man ließ sich auch nach einem etwas holprigen Start in die neue Herbstspielzeit sowie nach dem Ilzer/Schicker-Abgang überhaupt nicht beirren und zeigte in weiterer Folge sportlich auch auf höchstem internationalen Niveau eine beeindruckende Entwicklung, die sich meist einzig und alleine nicht in den Endergebnissen widerspiegelte. Andere Ebenen, hinken natürlich noch deutlich der sportlichen Entwicklung hinterher, deren Fokus die Verantwortlich nicht aus den Augen verlieren dürfen.
Mario Singer (Jänner 2024): Sportlich steht der SK Sturm Jahr für Jahr besser da. Hier kann man es sich zweifelsohne wünschen, dass der eingeschlagene Weg von Andi Schicker und Chris Ilzer so weiterverfolgt wird. Der Titelkampf wird jährlich spannender und nach 23 Jahren schafften die Schwoazn wieder das Überwintern in einem internationalen Bewerb. Man kann nur hoffen, dass eventuell sogar noch weitere Runden überstanden werden und natürlich, dass die erwirtschafteten Einnahmen nachhaltig und sinnvoll in die Infrastruktur investiert werden. Apropos Infrastruktur, natürlich wünschen wir uns eh jährlich, dass sich endlich mal was tun wird. Viele haben die Hoffnung auf eine positive Lösung bei der Never-Endig-Story mit der Grazer Stadtregierung, egal wer dort vertreten ist, verloren. Ob im Wahljahr 2024 Entscheidungen gefällt und Nägel mit Köpfe gemacht werden? Es ist, vor allem wenn man in andere Bundesländer blickt, allerhöchste Zeit, dass sich etwas tut, mit oder auch ohne „Sportstadt“ Graz – vielleicht findet sich heuer ja auch eine alternative spannende Option in dieser Thematik, die noch niemand am Schirm hat.
Mario Singer (Jänner 2025): Schon vor einem Jahr stand der SK Sturm auf sportlich mehr als stabilen Beinen. Für das Jahr 2024 gibt es wohl keine Superlative. Mit dem erneuten Cup-Triumph, der gewonnenen Meisterschaft und der Teilnahme an der Champions League gehört das Jahr auf jeden Fall zu den besten der Vereinsgeschichte. Personell gab es allerdings gegen Ende 2024 ob der großen Erfolge Personalrochaden im Verein. Die gesamte sportliche Führung ist nach Hoffenheim gewechselt und hat nach 4 1/2 Jahren das Kapitel in Graz geschlossen. Ob die Nachfolger Michael Parensen und Jürgen Säumel mit dem SK Sturm die Leistungen vom Vorjahr wiederholen oder sogar toppen können, steht noch in den Sternen – natürlich hoffen wir es. Der Start unter El Capitano und Neo-Coach Säumel ist vor allem nach dem 7:0-Kantersieg gegen Klagenfurt und dem ersten Sieg in der Champions League vielversprechend. Bzgl. Infrastruktur haben die Kollegen eh schon gut zusammengefasst: Auch 2024 hat die Sportstadt Graz nichts außer leere Versprechungen gemacht.
Micha Pesseg (Jänner 2024): Es ist ein Luxusproblem, über das ich mich in den folgenden Zeilen beklagen möchte. Denn die Verkäufe von Yeboah, Höjlund und Co. haben dem SK Sturm in den vergangenen Jahren unfassbar viel Kohle eingebracht. Außerdem hat Christian Ilzer trotz der Abgänge gute Karten, sich bald durch einen Meistertitel unsterblich zu machen. Und trotzdem: Manchmal wünsche ich mir wieder mehr Identifikationsfiguren für unsere Blackys. Die Abgänge von Siebenhandl und JJ hatten wohl nachvollziehbare Gründe – trotzdem taten sie unfassbar weh. Denn als Fan hat man gelegentlich Lust auf ein geiles Märchen. Darauf, Bundesliga-Profis zu sehen, mit denen man in grauen Vorzeiten vielleicht sogar gemeinsam auf dem Sportplatz stand. Ich wünsche mir, dass 2024 zumindest ein junger Spieler den Sprung von der Akademie in die erste Mannschaft schafft.
Micha Pesseg (Jänner 2025): Mehr Identifikationsfiguren für unsere Blackys“ – das war mein Wunsch für das Jahr 2024. Ging er in Erfüllung? Die Abgänge von Trainer Ilzer und Sportdirektor Schicker lassen mich daran zweifeln. Noch mehr schmerzt der Abgang von Jusuf Gazibegovic. Er war für mich mehr als nur ein Spieler, er hat dem Sturm-Trikot mit seinen Grätschen, Freistößen und Vorstößen Leben eingehaucht. Doch es gibt auch Positives zu verkünden: Otar Kiteishvili ist dem SK Sturm auch nach einer guten EM treu geblieben, Mika Biereth hat sich einen Stammplatz in meinem Herzen verschafft und auch Jon Gorenc Stankovic ist immer noch hier. Mein zweiter Wunsch, „dass 2024 zumindest ein junger Spieler den Sprung von der Akademie in die erste Mannschaft schafft“, ist ebenfalls in Erfüllung gegangen. Leon Grgic steht eine goldene Zukunft bevor. Und Niklas Geyrhofer hat sich nach der Meistersaison endgültig in der österreichischen Bundesliga etabliert. Alles in allem kann ich also zufrieden sein
Daouda Kapfer (Jänner 2024): Der SK Sturm Graz ist mehr als „nur“ ein Verein. Er ist aber vor allem auch mehr als „nur“ die erste Mannschaft der Herren, bei der es momentan bekanntlich so gut wie selten läuft. Deswegen betreffen meine heurigen Wünsche den Nachwuchs und die Sturm Damen. Auch wenn sich in den letzten Jahren kein Eigenbauspieler nachhaltig bei den Profis durchsetzen konnte – der SK Sturm hat einen guten Nachwuchs! Um das zu erkennen, genügt ein Blick auf die Kader der 28 (Semi-)Profivereine in Österreich. In nahezu jedem wird man einen oder mehrere schwarz-weiße Akademiker finden, die dort oftmals eine wichtige Rolle einnehmen. Zuletzt hat man auch in der Bundeshauptstadt Gefallen an in Messendorf ausgebildeten Ballesterern gefunden. Wünschenswert wäre, dass das auch in Graz wieder einmal der Fall ist. Mit Elias Lorenz wird eine Nachwuchs-Hoffnung in Voitsberg am Unterfangen „Aufstieg in die 2. Liga“ mitwirken und dabei hoffentlich viel Spielzeit und Erfahrung sammeln – vielleicht hat dann in zwei, drei Jahren die Ära der Leih-Goalies bei den Profis einmal ein Ende. Ich wünsche mir, dass Sturm II die Liga hält, damit auch künftige Generationen von Grazer Nachwuchsspielern diese Plattform nützen können. Und natürlich, dass für das Trainingszentrum für Jugend, Akademie, und Damen eine Lösung gefunden wird. Bei den Damen gab es einen Umbruch und in dieser Übergangssaison hinkt man bislang den gewohnten Ansprüchen hinterher. Sollte aber wirklich der Weg mit selbst ausgebildeten Spielerinnen forciert werden, wäre das mehr als zu verkraften und könnte sich langfristig bezahlt machen. Diesbezüglich hoffe ich, dass es sich hierbei um mehr als Lippenbekenntnisse handelt. Das und die Gruabn als fixe Heimstätte (spätestens) ab der kommenden Saison könnte dem Team einen wichtigen Push geben.
Daouda Kapfer (Jänner 2025): Spät, aber doch kam in diesem Jahr tatsächlich wieder einmal ein Eigenbauspieler auf regelmäßige Einsatzminuten in der ersten Mannschaft, und zeigte dabei Topleistungen. Während Niklas Geyrhofer in der Saison 23/24 auf nur 662 Minuten in 15 Spielen kam (sowie 3 Spiele in der 2. Liga), hält er in der laufenden Saison bereits bei 1185 Minuten in 19 Spielen, 5 davon in der Champions League! Der talentierte Innenverteidiger, der in den letzten Jahren immer wieder seine Themen hatte, nützte die Chance, die sich ihm durch den schmerzlichen Wüthrich-Ausfall bot, perfekt. Wie es mit ihm weitergeht, ist Stand jetzt aber nicht klar. Einerseits wackelt sein Stammplatz, da der Innenschweizer wieder fit ist, andererseits steht eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrags noch aus. Ein anderes Talent, das sich 2024 über mehr Spielzeit freuen durfte, ist das Stürmer-Talent Leon Grgic. Nach enttäuschenden 2 Einsätzen und insgesamt 28 Minuten in Europa League und ÖFB Cup vergangene Saison durfte er 24/25 bereits 4 Mal für die Bundesliga-Mannschaft auflaufen. In seinen 64 Minuten in der höchsten Spielklasse ließ er sein Talent aufblitzen, erzielte dabei 3 Tore und darf sich mit einem Wert von 1 Tor/21,3 Minuten als der wohl effizienteste Stürmer Österreichs rühmen. Nach den Abgängen von Yardimci und Biereth soll er nun im Winter doch nicht verliehen werden und darf sich wohl weiter in der Bundesliga beweisen. Mit Konstantin Schopp durfte ein dritter Eigenbauspieler für die Profis debütieren und gleich ein paar Minuten in der Champions League auf dem Feld stehen. Neo-Sportdirektor Parensen hat angekündigt, künftig vermehrt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, was unter Ex-Sturm-II-Coach Säumel nicht abwegig erscheint. Die Richtung stimmt in diesem Bereich also, man darf gespannt sein, wohin der Weg noch führt.
Auf der Torhüterposition ist alles ein bisschen anders gekommen und dennoch dürfte auch hier mein Wunsch zumindest bald in Erfüllung gehen. Zwar bestritt Sturm das Jahr 2024 noch mit den Leih-Goalies Jaroš und Scherpen – mit großem Erfolg. Aber im Sommer verpflichtete man mit Daniil Khudyakov einen talentierten jungen Torhüter, der ab der Saison 25/26 Scherpen als Einser-Keeper nachfolgen und somit die Ära der geliehenen Torwarte beenden soll. Aufgrund eines operativen Eingriffs beim Hünen aus Holland kurz vor der Winterpause durfte der Russe schon früher als gedacht eine Talentprobe abgeben und behielt bei 2 CL- und 2 BL-Spielen zwei Mal die weiße Weste. Bei Elias Lorenz, einem anderen möglichen Nachfolger, verlief das Jahr 2024 nicht ganz so wie erhofft. Seine kurze Zeit als Kooperationsspieler beim Zweitliga-Aufsteiger ASK Voitsberg verbrachte er auf der Bank, bevor er zu Sturm zurückgeholt wurde und in der verbleibenden Saison 23/24 in der U18 zum Einsatz kam. Dafür durfte er sich in der laufenden Saison bereits 6 Mal in der Youth League beweisen – mindestens ein weiteres Spiel wird folgen – und kam auch in der 2. Liga zwei Mal zum Einsatz, als Stamm-Goalie Bignetti nach dem Scherpen-Ausfall als Zweier-Keeper in die KM nachrückte. Auch bei ihm steht eine Zukunftsentscheidung bevor, sein Kontrakt soll im Sommer auslaufen. Vom Gesamteindruck her wirkt es so, dass Sturm II sich auf einem guten Pfad befindet. Nach einem glücklichen Klassenerhalt in der Saison 23/24 liegt man aktuell auf Rang 9 und Talente wie Hödl, Sorg, Schopp oder Weinhandl lassen auf eine gute Restsaison hoffen.
Schon länger auf den Nachwuchs gesetzt wird bei den Sturm Damen. Spielerinnen wie Julia Keutz, Leonie Tragl oder die in die deutsche Frauen-Bundesliga abgewanderte Mariella El Sherif gehör(t)en zu den Stützen des Teams, Marie Spieß und Lena Breznik drängen in der aktuellen Saison nach. In der Liga wurde man von den Wiener Vereinen – Stand jetzt – zwar aus der Spitze verdrängt, aber man ist auf Kurs, das wichtige Zwischenziel Top 4 im erstmals ausgetragenen Play-off-Modus zu erreichen. Und: Am Ende des Tunnels ist ein Licht zu erkennen. Das Trainingszentrum Puntigam befindet sich auf Schiene, der Spatenstich soll im ersten Halbjahr 2025 erfolgen. Zwar werden Heimspiele in der Gruabn vorerst weiterhin die Ausnahme bleiben, aber schon 2026 könnten die Sturm Damen im neuen Trainingszentrum endlich eine fixe Heimstätte finden, die ihnen auch würdige Bedingungen bietet. Alles in allem hat mir Sturm im Jahr 2024 also so einige Wünsche erfüllt und weitere Verbesserungen sind für die kommenden Jahre absehbar.

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