Scheiblehner: „Das sind auch keine Fans“

Drei Tage nach der Bundesligapartie zwischen Sturm und dem GAK, die eigentlich ein großes Fußballfest sein sollte, wird die Grazer Polizei am Mittwoch in einer eigens anberaumten Pressekonferenz Bilanz ziehen. Thema sind all jene Vorkommnisse rund um das Grazer Derby, die kein halbwegs normal denkender Fußballfan mehr ertragen will.

17.247 Besucher und Besucherinnen waren in Liebenau mit dabei, doch auf einige wenige unter ihnen hätten wahrlich die meisten von uns gerne verzichten können. Unter anderem auf jene, die sich von Slowenien aus auf den Weg machten, mit dem einzigen Ziel, zusammen mit ihren Roten Brüdern im Geiste hier für Radau und Chaos zu sorgen.

Nach einer „Einsatzbesprechung“ rund um den Grazer Sportpark zogen diese speziellen „Fans“  marodierend Richtung Stadion, stürmten ein beliebtes Burgerlokal im Businesscenter und sorgten – dank des raschen Einsatzes von Spezialeinheiten der Grazer Polizei „nur“ – für Sachbeschädigungen. Man warf Böller Richtung Exekutive und schaffte es tatsächlich, dass sich die Mitarbeiter des Lokals geschockt verbarrikadieren mussten. Zwei Beamte wurden verletzt, sogar nach Polizeihunden wurde gezielt mit Böllern geworfen, Schlagstöcke wurden sichergestellt. Auch während der Begegnung sorgten Böllerwürfe dafür, dass das Spiel – das trotz Sicherheitsbedenken zum Glück angepfiffen werden konnte – kurz vor dem Abbruch stand.

Der Gastrobetrieb war am Tag danach mit Aufräumarbeiten beschäftigt, und man fragt sich immer mehr, ob sich zukünftig überhaupt noch Unternehmer rund um das Liebenauer Stadion finden, die bereit sind, dieses Service anzubieten. Welche Konsequenzen die Grazer Polizei ziehen will, wird man am Mittwoch erfahren. Es würde aber nicht überraschen, wenn infolge von Personalmangel und Einsparungsdruck klar betont wird, dass man Beamte in Zeiten wie diesen gerne sinnvoller einsetzen würde als bei einem Fußballspiel. Und man sollte Zahlen auf den Tisch legen, wie viel dieser Wahnsinn den Steuerzahler jedes Mal aufs Neue kostet.

Ganz abgesehen davon, dass es ganz bestimmt einige echte GAK-Fans gegeben hätte, die bei diesem ausverkauften Spiel anstatt der importierten Radaubrüder dabei gewesen wären, distanzieren sich auch immer mehr echte Rote Kurvengeher löblicherweise von dieser Minderheit, die aber dennoch leider Gottes immer wieder die Schlagzeilen dominiert. Und in der Öffentlichkeit ein Bild vom Fußball erzeugt, das diesem wunderbaren Sport nicht gerecht wird. Der Sturm-Präsident prangerte diesen „Tourismus aus dem Ausland“ ganz dezitiert an, auch sein Gegenüber Rene Ziesler betonte zum wiederholten Male, man werde sämtliches Videomaterial sichten und dann Konsequenzen setzen. Es bleibt die Hoffnung.

Hervorzuheben ist die Reaktion von Gerald Scheiblehner. Der GAK-Trainer, der sein erstes Grazer Stadtderby erleben durfte, sprach davon, dass solch ein Verhalten vor und im Stadion schlichtweg „inakzeptabel sei“, dass das „auch keine Fans sind“ und davon, dass es traurig sei „wenn Väter und Mütter nicht mit ihren Kindern bei einem Derby dabei sein können, weil die Kids Angst haben.“ Sowohl als Anhänger als auch als Entscheidungsträger eines Klubs neigt man ja oft vorschnell dazu, die Bösen nur in den anderen Klubs zu verorten. Man sollte sich aber – wie der Coach der Rotjacken – eingestehen, dass es diese ein bis zwei Prozent, die der Rest einfach nicht mehr haben will, wohl überall gibt. Egal ob in Rot, Schwarz, Grün oder Violett. Wie fast alle von uns Fußballkultur und Leidenschaft erleben wollen, wurde wenige Tage zuvor in Bournemouth eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Genauso solch eine Atmosphäre sollte auch bei Grazer Stadtderbys in der Luft liegen.

 

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