Pyrrhussieg: Sturm schreibt Derby-Geschichte

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. Grazer AK (6:1)

Mit nur wenig Vorbereitungszeit und einer nicht kürzer gewordenen Verletztenliste bat der SK Sturm am Sonntagnachmittag für die 9. Bundesligarunde zum ersten großen Grazer Stadtderby in dieser Saison. Beinahe hatte man in Kalenderwoche 43 trotz Europa League das Gefühl, das wichtigere der beiden anstehenden Spiele fände nicht im Süden Englands, sondern am südlichen Ende der Grazer Conrad-von-Hoetzendorf-Straße statt und während man sich gegen AFC Bournemouth gar nicht so viel ausrechnen durfte, wäre alles andere als ein Sieg im Grazer Derby eine herbe Enttäuschung gewesen. Große Choreos auf beiden Seiten zeigten die Wichtigkeit vor Anpfiff jedenfalls deutlich an.

(c) SturmTifo.com

Unfassbares Pech

Denkbar ungünstig endeten für den SK Sturm die ersten, intensiven zehn Minuten, als Christopher Cvetko nach einem weiten Einwurf und einigem Strafraumchaos in der schwarz-weißen Defensive komplett unbedrängt zum Abschluss kam, mit dem er Daniil Khudyakov ohne Chance ließ und die frühe Führung für die Roten erzielte. Die direkte Reaktion glückte Oumar Diakité nach schöner Vorarbeit Simon Seidls leider nicht. Sein Schuss aus kürzester Distanz konnte von der Linie gekratzt werden (12.). Schlimmer kam es für den SK Sturm in der 22. Minute: Jacob Italiano attackierte den ballführenden Sturm-Torhüter mit Höchsttempo, berührte zuerst den Ball und durchschlug mit dem zweiten Bein das Schienbein Khudyakovs, der vor Schmerzen schreiend und mit sichtbarer Fehlstellung im Knöchel liegen blieb – ein absoluter Horror-Zweikampf, auch für Italiano, der danach offensichtlich mit sich haderte. Arm in Arm standen Spieler beider Mannschaften rund um den bemitleidenswerten Tormann und wünschten ihm alles Gute. Für den Russen zog sich Ammar Helac die Handschuhe an.

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Unfassbares Comeback

Nach minutenlanger Unterbrechung tat sich der SK Sturm zunächst noch etwas schwer, in die Partie zurückzufinden. Simon Seidl näherte sich in der 35. Minute mit seinem Abschluss aus der Distanz dem gegnerischen Tor zumindest wieder an und leitete damit ein, was am Ende des Spiels auch Stoff für einen längeren Eintrag in Vereinsgeschichtsbüchern beider Kontrahenten liefern sollte: Innerhalb von vier Minuten drehten die Hausherren den Rückstand in eine 3:1-Führung um: Luca Weinhandl, der an JP Hödls Stelle diesmal wieder in die Startaufstellung einberufen worden war, erzielte in der 37. Minute mittels wunderbarem Schlenzer aus gut 20 Metern ins linke untere Eck den Ausgleich, Jürgen Heil nach perfekt scharfem Stanglpass Luis Balbos per Kracher ins Kreuzeck die Führung (39.) und Diakité per Abstauber das 3:1 (41.). Plötzlich – nach dieser extrem pechbehafteten ersten halben Stunde – hatte Sturm bis zur Pause alles im Griff, wie man sich es nur wünschen konnte. Dem vierten Treffer erteilten die Unparteiischen gleich zweimal richtigerweise eine Absage: zuerst Diakité nach schöner Seidl-Vorarbeit (43.) und dann Joshua Quarshie bei seinem Kopfball in der 7. Minute der Nachspielzeit.

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Unfassbares Finish

Als hätte es die Pause nicht gegeben, spielte der SK Sturm nach dem Seitenwechsel nun weiter. Zuerst klopfte Diakité per Seitfallzieher noch sehr sachte am Tor des Stadtrivalen an. In der 49. Minute versenkte er den Ball dann nach Seidl-Freistoß per Kopf und nur zwei Minuten später mit dem Fuß – erneut nach Zuspiel Sturms Nummer 19. Fünf zu eins und Triple Pack für den Ivorer, Auflösungserscheinungen beim Gegner. Das 6:1 hatte zunächst Luis Balbo am Fuß, als er zusammen mit Matoshi mit viel Tempo zum Gegenstoß kam und eine perfekte Vorlage des Schweizers nicht zu verwerten wusste (58.), weil Cican Stankovic das kurze Eck gut dichtmachen konnte.

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Es fiel allerdings in der 75. Minute, als Jon Gorenc Stankovic seine Chance nach einem Corner per Kopf zu nutzen und diesen Erfolg in die Annalen zu bringen vermochte. Mit Chancen von Weinhandl (60.) und Paul Koller (79.) und Arjan Malic (86.) war durchaus Potenzial für weitere Treffer da. Ganz abgemeldet waren die Roten in der zweiten Halbzeit offensiv auch nicht. In der 63. Minute lief Mark Grosse, nachdem Sturm vollzählig sehr weit aufgerückt war, plötzlich alleine auf Ammar Helac zu. JP Hödl, der zuvor für Weinhandl ins Spiel gekommen war, holte ihn ein und konnte beim Abschluss entscheidend stören. Sturms Ersatzmann im Tor, erledigte den Rest mustergültig. Der SK Sturm feierte gegen den GAK jedenfalls den höchsten Sieg in der Geschichte des Grazer Stadtderbys, wenn auch einen mit ungemein bitterem Beigeschmack.

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23 Kommentare

  1. Fanatiker sagt:

    Wahnsinn unsere schwoarze, bzw deren Mentalität!

    Chapeau – mit einem brutalen Beigeschmack!!!

  2. AndyPI sagt:

    Wahnsinns Ergebnis, bin überwältigt. Alles Gute und baldige Genesung Daniil. Eine mentale Meisterleistung unsere Mannschaft.

  3. Jocole sagt:

    Höchster Sieg der Derbygeschichte!
    Ich ziehe den Hut vor dieser Truppe und dem Team rundherum!
    Was hat diese Truppe heuer schon alles einstecken müssen und wird trotzdem immer stärker!
    Man hat es im Sommer nach Hearts schon erahnen können, hier entsteht wieder großes!
    Heute wieder so unfassbares Pech mit der schweren Verletzung, die Truppe schüttelt sich und zerlegt den Stadtrivalen.
    Nicht zu vergessen, ein paar Stunden nach einem Europacupauswärtsspiel in England!

  4. fid82 sagt:

    Gute Besserung, Khudy!

    Der Rest war bis auf die Chancenverwertung überragend!

    • Mikelangelo sagt:

      Vollkommen agree! Nach dem 0.1 hatte ich ehrlich gesagt Sorge, dass das heut schief geht, weil die Roten in der ersten viertel Stunden deutlich aggressiver waren als wir und höher gepresst haben. Zudem ist uns bis dahin offensiv nichts gelungen. Ab dem Ausgleich nur mehr ein Spiel auf 1 Tor. Heute fast jeder Schuss / Kopfball ein Treffer, sodass‘t normal zweistellig gewinnen musst.

      Mit Diakité haben wir offenbar (vorübergehend) DEN neuen Scorer gefunden. Schade um sein Abseits-Tor… wie locker und mit welcher Selbstverständlichkeit der den Ball am Tormann vorbeischupft…Schade, dass es hier keine KO gibt – aber wenn der so weitermacht, könnten wir uns den eh nicht leisten (schon jetzt 5 Millionen wert). Im Idealfall lässt sich die Leihe im Sommer ja verlängern.

    • LutzVoller sagt:

      Ergänzung: bei Diakité haben wir eine Kaufoption (die Frage ist wohl nur wie hoch). Bei Weiper und Quarshie haben wir keine.

    • Bozo Bazooka sagt:

      Oder es passiert mit Diakité dasselbe wie mit Mitchell: Die Kaufoption wird gezogen um ihn sofort wieder teurer weiterzugeben.

    • jorge72 sagt:

      I agree ebenfalls wie mikelangelo zu sagen pflegt aber insbesondere mit dem ersten teil deines posts – gute Besserung KHUDI

    • HGS sagt:

      Sollten wir Weinhandl im Winter wirklich um die kolportieren 20 Mio verkaufen, werden wir bei Diakite, sollte er weiterhin entsprechen, natürlich die KO ziehen

  5. Bozo Bazooka sagt:

    Da weiß man gar nicht, was man sagen soll … So knapp liegen Hoch und Tief beieinander. Alles Gute dem Daniil – wieviel Pech kann man eigentlich haben? Der Rest zeigt, wie unfassbar das Spielgeschehen durch ein unvorhersehbares Ereignis kippen kann, wenn die Mentalität passt und das Momentum auf der eigenen Seite ist.

  6. jorge72 sagt:

    Ich unterstelle italiina sicher keine absicht – hat man danach auch an seinem gesichtsausdruck erkannt – aber gegen dieses tamische anlaufen muss im regulativ durchgegriffen werden auch wenn der Gegenspieler meist nicht getroffen wird, ist das als gefährliches Spiel zu ahnten. Hier werden jedesmal schwere verletzungen des gegners in kauf genommen.

    • jorge72 sagt:

      Italliano natürlich – hier war wohl der wunsch der vater des gedanken

  7. zw78 sagt:

    Ich versteh diese Aussagen (”… war zuerst am Ball”) bezüglich der Italiano absolut nicht.
    Kudy ist absolut zuerst dran (kein Pressball!), er schlägt den Ball weg. Italiano hält hin, blockt den Ball und trifft mit seinem zweiten Bein völlig unkontrolliert Kudy’s Unterschenkel.
    Wenn ein Gegenspieler den Ball wegschiesst und du den Fuß drauf- oder hinhälst, dann ist das immer Gelb.
    Also Gelb war das immer, Rot muss man nicht geben.
    Das Resultat interessiert mich heute wenig.

    • Bernhard Pukl sagt:

      Edit: geklärt! 🙂

    • zw78 sagt:

      Nein, war auf die Berichterstattung auf Sky und ORF bezogen.

    • CrazyBusiness sagt:

      ich glaube, mit dem zuerst ist nicht gemeint, daß er vor Khudy am Ball war sondern vor dem Schienbeinzertreten.
      Kann aber natürlich auch anders verstanden werden

  8. ...und wir dahinter sagt:

    Auch wenn es ein hoher Sieg ist. Die Verletzung überdeckt für mich alles. Die 3. schwere Verletzung die DK hat… Helac zum Glück ein solider Ersatz. Lt ersten Berichten für Khudy entweder Saisonaus oder zumindest bis Ende März. Da wird man am Tormannsektor wohl nochmal aktiv werden

  9. Schworza99 sagt:

    Eigentlich kann ich mich gar ned über den Sieg freuen…die Szenen wie wild gewunken wurde, der Kreis gebildet wurde und es still wurde im Stadion…alles scheiße.

    Man kann nur auf das Beste hoffen für unsern Russn…so viel Pech wie der Daniil kannst fast gar ned haben. Hoff ma er hat hier zumindest etwas Glück und er kommt schnell wieder zurück.

    Und natürlich ist es eine reine rote Karte. Die Verletzung des Gegenspielers wurde in Kauf genommen = Rot. Sicher wars keine Absicht nur wennst so anrauscht steigt die Gefahr für Verletzungen deutlich. Zudem wird bei Tormännern ja gerne mal Gelb gegeben wenn Spieler hier in Zweikämpfe gehen…heute ned mal Foul zu geben ist ein Skandal.
    Und nein Ball spielen ist ned automatisch ein Grund für die Pardonierung. Und auch die Absicht ist egal.

    • zw78 sagt:

      Er ”spielt” ja den Ball nicht, sondern wird beim Ausputzen angeschossen, weil er an sich zu spät kommt.
      Für mich ist das dunkelgelb, weil von vorne und niemand kann ihm Absicht unterstellen. Aber übermotiviert dem Goalie sein Standbein wegtreten, nachdem er zuerst zu spät kommt, löst bei mir keine sofortige Pardonierung aus.

    • CrazyBusiness sagt:

      Sturm – St. Pölten, 10.11.2018: Rot für Maresic!

      Maresic spielte in dieser Aktion klar und deutlich zuerst den Ball. Er traf Luxbacher mit seinen Beinen überhaupt nicht, da dieser im richtigen Moment hochsprang, um dem Tackling auszuweichen.

      Begründung: Obwohl es keinen physischen Körperkontakt gab, wurde das Einsteigen als „rohes Spiel“ gewertet. Da Maresic mit beiden Beinen voran und mit hohem Tempo von hinten herangerauscht war, argumentierte das Schiedsrichterteam, dass er eine schwere Verletzung des Gegenspielers billigend in Kauf genommen habe – das bloße Verletzungsrisiko reichte für den Platzverweis aus.

      Das Eingreifen von Maresic erfolgte nicht einmal von hinten sondern vielmehr von der Seite…

      Das Spiel endete torlos

    • Schworza99 sagt:

      Naja es muss Rot sein. Absicht, von vorne usw. schön und gut aber es wurde die Sicherheit des Gegenspielers gefährdet was automatisch rot ist. Sicherlich wars keine Absicht aber es war rücksichtslos (was schon mal gelb ist) und auch überhart (was Rot ist). Hier weder Foul noch Rot zu geben ist halt klar falsch.

      Gelb würde ja heißen es gibt noch eine Eskalation…was defacto ja nicht möglich ist. Er war im Vollsprint und ist voll reingegangen mit wenig Chance auf den Ball und großer Chance den Gegenspieler zu verletzen…was will man da noch eskalieren?

      Macht halt ein komisches Bild wenn alle geschockt sind aber keine Konsequenz daraus folgt…deswegen gibt es ja die Regel. Wäre halt gaaaanz komisch wenn ein Diakite Gelb bekommt fürs Trikot ausziehen aber auch der Rote während der Khudy operiert wird…aber wäre regeltechnisch eh falsch. Aber gar kein Foul ist halt ein Skandal.

      Am Ende halt wieder eine Kerbe im Bereich „oida Schiri“.

  10. fid82 sagt:

    Christensen spielt in Florenz übrigens keine Rolle.
    Aber da wir erst im Winter handeln können, bringt das wahrscheinlich auch nicht mehr viel.

    Ansonsten wäre Stejskal vertragslos…

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