Das sagen die Rennaise zum Spiel gegen den SK Sturm

Wir haben zwei spannende Personen aus dem Umfeld von Stade Rennes zum Spiel gegen Sturm befragt

Wie wir HIER bereits umfangreich berichteten, trifft der SK Sturm nach dem starken Heimsieg gegen den Meister aus Linz am Mittwoch auf Stade Rennes. Anlass genug, um nebst unserem Vorbericht über den Verein und seine Geschichte auch Menschen im Umfeld der Rennaise zu Wort kommen zu lassen.

Unser erster Gesprächspartner ist Francois Rauzy. Francois arbeitet für ICI Armorique, ein regionaler Radiosender, der bis Jahresbeginn noch France Bleu Armorique hieß. Der sympathische Franzose ist tief verwurzelt, sowohl mit der Region Bretagne, als auch mit dem Verein Stade Rennes. Was er von Mika Biereth, dem SK Sturm und Multi-Club-Ownership hält, lest ihr hier:

Francois, was waren deine Gedanken nach der Auslosung gegen Sturm Graz und was wusstest du über den Klub?

Ich musste zunächst an das Champions-League-Spiel von Brest gegen Sturm vor einigen Jahren denken. Außerdem kam mir Mika Biereth in den Sinn, der nach seinem Wechsel zu Monaco einen beeindruckenden Start in der Ligue 1 hingelegt hat – auch wenn es für ihn aktuell etwas schwieriger läuft. Ehrlich gesagt, wusste ich nicht besonders viel über den Klub. Ich wusste lediglich, dass Sturm Graz ein guter österreichischer Verein mit Erfahrung im europäischen Fußball ist.

Stimmt es, dass Rennes in Maribor bleiben wird? Und weißt du, warum?

Ja. Der Klub wird wegen des MotoGP-Rennens in Spielberg in Maribor bleiben. Die besten Hotels waren aufgrund dieser Veranstaltung bereits ausgebucht, sodass es in Graz keine Möglichkeit gab, die Delegation von Rennes unterzubringen. Die Mannschaft wird sogar noch einige Tage nach dem Spiel in Maribor bleiben. Dadurch möchte man zwei anstrengende Flüge vermeiden und sich optimal auf das Spiel in Lyon am Samstag vorbereiten.

Was erwartest du aus taktischer Sicht? Und auf welche Spieler sollte man bei Rennes besonders achten?

Rennes spielt in einem 4-3-3 mit sehr hoher Intensität. Seit Beginn der Saison ist es wahrscheinlich die laufstärkste Mannschaft der Ligue 1. Besonders beeindruckend ist das Mittelfeld, in dem ein echter Konkurrenzkampf herrscht. Vier sehr gute Spieler – Valentin Rongier, Adrien Thomasson, Mahdi Camara und Sebastian Szymanski – kämpfen um drei Plätze in der Startelf.

Wo siehst du Stärken und Schwächen bei Rennes?

Mit Esteban Lepaul verfügt Rennes über den Torschützenkönig der vergangenen Ligue-1-Saison. Er steht kurz davor, zum ersten Mal für die l’Equipe Tricolor nominiert zu werden. Im Moment scheint die Schwäche von Rennes auf den Außenbahnen zu liegen, da sowohl die Außenverteidiger als auch die Flügelspieler bisher nicht ganz so gut performt haben. Taktisch geht es vor allem darum, den Gegner mit hoher Intensität und guter technischer Qualität unter Druck zu setzen und dessen Fehler auszunutzen.

Sturm Graz ist zu 100 Prozent im Besitz seiner Fans. Was hältst du grundsätzlich vom Besitz traditioneller Klubs durch Milliardäre?

Ich finde es großartig, dass der Klub zu 100% den Mitgliedern gehört! – unser Gesprächspartner Francois.

Ich finde es großartig, dass der Klub zu 100 Prozent den Mitgliedern gehört! Dieses Modell hat in Frankreich allerdings nie wirklich funktioniert – die wenigen Versuche, es umzusetzen, sind leider gescheitert. In Frankreich gehören mittlerweile immer mehr Vereine zu sogenannten Multi-Club-Ownership-Strukturen, was zunehmend für Diskussionen und Bedenken sorgt. Das Socios-Modell erscheint mir grundsätzlich als das fairste, solange genügend finanzielle Mittel vorhanden sind, um den Klub zu unterstützen.

Fahren die Leauge-1-Teams gut mit diesem Modell?

Das Problem in Frankreich ist, dass die Liga und die Vereine aufgrund schlechter Vereinbarungen mit den TV-Rechteinhabern mittlerweile jedes Jahr strukturell Schulden machen. Diese werden offenbar nur noch durch die Unterstützung philanthropischer Eigentümer aufgefangen. Der Rennes-Eigentümer ist Milliardär, François Pinault, stammt aus der Region und ist seit seiner Kindheit Fan des Klubs. Pinault besitzt unter anderem Gucci, Balenciaga, Christies und Yves Saint Laurent. Rennes kann sich glücklich schätzen, ihn als Eigentümer zu haben. Im Vergleich zu vielen anderen französischen Klubs hatte der Verein in den vergangenen Jahren nie wirklich finanzielle Schwierigkeiten – ähnlich nur wie Paris Saint-Germain.

Kannst du eine besondere Geschichte oder etwas Besonderes über den Klub, die Stadt oder die Region erzählen?

Es gibt einige besondere Dinge, die man über Rennes wissen sollte.

1. Rennes war noch nie französischer Meister

Rennes ist – hinter Marseille – der Verein mit den zweitmeisten Spielzeiten in der französischen ersten Liga. Trotzdem wurde der Klub noch nie französischer Meister. Das ist schon ziemlich verrückt: 70 Saisons in der ersten Liga und kein einziger Meistertitel.

2. Rennes hat eine der besten Nachwuchsakademien Frankreichs

Die Jugendakademie von Rennes gehört zu den besten, die der französische Fußball zu bieten hat. Spieler wie Ousmane Dembélé, Désiré Doué, Eduardo Camavinga und Jérémy Jacquet sind allesamt Absolventen der Rennes-Akademie. Auch bei der Weiterentwicklung junger Spieler hat der Klub eine gute Bilanz. Spieler wie Jérémy Doku und Raphinha kamen bereits in jungen Jahren nach Rennes und schafften dort den nächsten Schritt. Die Nachwuchsakademie ist wahrscheinlich das, wofür der Verein in Europa am ehesten bekannt ist.

3. Auch der aktuelle Trainer hat eine Verbindung zum Klub

Franck Haise hat eine enge Verbindung zum Klub. (c) Wikimedia Commons

Der aktuelle Trainer Franck Haise, der zuvor bei Lens und Nizza erfolgreich gearbeitet hat, war früher Jugendtrainer in der Rennes-Akademie. Es gab schon immer das Gerücht, dass er eines Tages die erste Mannschaft von Rennes trainieren würde – selbst während seiner Zeit bei Lens und Nizza. Seit seiner Ankunft im vergangenen Februar ist Rennes die Mannschaft, die in der Liga die meisten Punkte geholt hat – sogar mehr als Paris Saint-Germain!

Gibt es noch etwas Wissenswertes über die Region, dass Du gerne mit uns teilen würdest?

Die Bretagne ist eine große Fußballregion. Sie besteht aus vier Départements, und der größte Verein jedes dieser Départements spielt im Profifußball: Guingamp in der Ligue 2 sowie Lorient, Brest und Rennes in der Ligue 1, wobei Rennes wohl der beliebteste Klub der Region ist. Bei europäischen Auswärtsspielen reisen normalerweise sehr viele Fans mit. Vor zwei Jahren waren beispielsweise mehr als 10.000 Rennes-Fans im San Siro.Das Auswärtsspiel in Graz dürfte in diesem Jahr allerdings das am wenigsten besuchte sein. Soweit ich weiß, werden nur etwa 200 bis 300 Rennes-Fans erwartet.

Nachtrag: Nach einer brandaktuellen Information, werden exakt 123 Fans aus Rennes die Reise in den Murpott antreten.

 

Wir danken Francois für seine Zeit!

 

Unser zweiter Interviewpartner ist ein klassischer Fan. Der Kontakt kam über die bretonische Fußballplattform „Phare-Ouest“ zustande, wo Clement unter Gleichgesinnten über seinen Klub debattiert. Er ist seit 26 Jahren Fan von Stade Rennes und nennt sich selbst „anspruchsvoll“ und merkt bereits vor dem Interview seine Missgunst gegenüber dem Sportdirektor der Rennaise Loic Desire, dem er Korruption und schlechte Transferpolitik attestiert. 

Clement, was ging dir durch den Kopf, als Rennes Sturm Graz als Gegner zugelost bekam? Und was wusstest du vorher über unseren Verein?

Ehrlich gesagt kannte ich Sturm Graz vorher nur dem Namen nach. Ich habe mir dann auf Transfermarkt das Profil des Vereins angesehen, um mehr über eure Spieler zu erfahren. Dabei ist mir aufgefallen, dass ihr rein vom Wert her nicht ganz auf dem Niveau von Red Bull Salzburg seid und noch weniger auf dem von RasenBallsport Leipzig. Der Name „RasenBallsport Leipzig“ ist übrigens ziemlich lustig. Sturm ist meiner Meinung nach genau die Art von Mannschaft, die in der Europa League unangenehm zu bespielen ist und sehr hart kämpft. Ihr habt in diesem Duell wahrscheinlich mehr zu gewinnen als wir. Genau solche Spiele hätte das alte Rennes oft verloren. Aber sorry, dieses Jahr wird es anders laufen!

Während meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass euer Besitzer und seine Gruppe viel Geld in die Nachwuchsakademie und die Jugendentwicklung investiert haben und dass sich diese Investitionen offensichtlich ausgezahlt haben. Wie sehen Fans wie du die Tatsache, dass ein Verein einem Milliardär gehört? Sturm Graz ist zu 100 Prozent im Besitz seiner Mitglieder.

„Er liebt den Verein“ – Milliardär und Besitzer Francois Pinault. (c) Wikimedia Commons

Ja, der Besitzer von Rennes ist sehr reich, und er liebt den Verein. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass der Klub finanziell sehr gut dasteht. Einen lokalen, wohlhabenden Besitzer zu haben, ist heutzutage eher selten. Darauf sind wir stolz. Am Anfang hat er allerdings viel Geld für schlechte Spieler ausgegeben. Er hat aber schnell gelernt, dass die Nachwuchsarbeit der Schlüssel zum Erfolg ist. Mittlerweile haben wir eine der besten Jugendakademien Europas.

Wie würdest du den Spielstil von Rennes unter Trainer Franck Haise beschreiben? Und welche Spieler sollte man besonders im Auge behalten?

Franck Haise, der selbst aus dem Nachwuchsbereich kommt, ist ein wirklich sehr talentierter Trainer. Er hat zunächst Jugendmannschaften trainiert und ist anschließend in den Profibereich gewechselt, wo er mit Lens große Erfolge gefeiert hat. Er steht für intensiven Fußball, mit einem System, das stark auf hoch  stehende Außenverteidiger beziehungsweise Schienenspieler und schnelle, vertikale Umschaltmomente setzt. Eines eurer größten Probleme könnte uns dabei allerdings in die Karten spielen: Unsere Außenverteidiger sind nicht besonders stark. Quentin Merlin ist sehr schwach und Frankowski baut meiner Meinung nach zunehmend ab.

Wie würdest du das Transferfenster von Rennes bewerten, insbesondere den Abgang von Jacquet und die Verpflichtung von Mayenda?

Mit dem Verkauf von Jacquet haben wir viel Geld eingenommen, was dem Verein hilft, finanziell nachhaltig gesund zu bleiben. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es wirklich die beste Entscheidung war, einen großen Teil dieses Geldes in Mayenda zu investieren. Vielleicht liege ich damit auch falsch. Das wird letztendlich nur die Zukunft zeigen.

Quentin Merlin – hier im Dress von Marseilles – soll die Schwachstelle der Rennais sein. (c) Wikimedia Commons

Gibt es etwas Besonderes über den Verein, die Fans, die Stadt oder die Region Rennes, das du mit den Sturm-Fans teilen möchtest? Vielleicht eine besondere Geschichte oder Anekdote?

Rennes war früher für einen sehr ruhigen und eher sanften Fußball bekannt. Unsere Konstanz und unsere Geduld werden sich irgendwann auszahlen. Die Frage ist nur: Wann?

Vielleicht steht Sturm Graz gerade dem zukünftigen französischen Fußball-Giganten gegenüber!

Wir danken Clement für seine Einblicke!

 

Wir haben natürlich auch versucht, mit Andres Fleurquin und Philipp Hosiner zu sprechen. Ersterer war leider für uns nicht erreichbar, Philipp Hosiner hätte sich Zeit genommen, aus organisatorischen Gründen mussten wir dieses Interview aber vertagen. 

8 Kommentare

  1. icegue sagt:

    Weil es zum Thema EL passt: Auf der Sturm-Website hat gestern der geschützte Verkauf für den Flug und Karten für das Bournemouth-Spiel begonnen. Phase 1 für Abonnenten und gleichzeitige Mitglieder dauert ganze 2 Tage vom 15. bis zum 16.9. Zum Flug gibt es (außer zum Preis) NULL Details: Weder Abflugort (Graz, Wien, …?) noch Ankunfts- und Abflugtag (1- oder mehrtägig?), geschweige denn die Abflug- und Ankunftszeiten sind bekannt.

    Schön, dass man als Mitglied und Abonnent ein Vorkaufsrecht hat, aber als Berufstätiger wäre es halt schon entscheidend, dass man irgendwelche Details erfährt, um eine Reise planen zu können. Ohne jegliche Informationen muss man sich dazu entscheiden, entweder die Katze im Sack zu kaufen oder lieber nichts zu riskieren. Auch wird der Verkaufsstart nirgendwo beworben bzw angekündigt.

    Alles in allem agiert Sturm wieder einmal amateurhaft.

    • Yannick Steinkellner sagt:

      Be careful the cat! No say the cat is in the sack when you no have the cat in the sack!

    • Lukas Gradischnig sagt:

      Wirklich sehr eigenartig. Man hat halt die letzten Jahre mit Titeln und Champions League quasi tun und lassen können, was man wollte, und die Leute haben trotzdem jeden Preis dafür bezahlt, dabei zu sein. Diese Zeiten sind vorbei, und wenn man weiterhin so stümperhaft agiert, wie von dir beschrieben, darf man sich nicht wundern, wenn wir dann wieder nur 10.000 Fans im Stadion haben oder nur Dutzende die Auswärtsfahrt antreten.

    • Mikelangelo sagt:

      Im Notfall kann man sicher noch canceln, wenn die Flugzeiten – und -orte dann doch ungünstig angelegt sind. Einfach alles dokumentieren und bei Problemen an AK / Konsumentenschutz melden. Würde dann sicher mehrere Leute betreffen als nur einzelne. Oder vor der Reisebuchung bei der AK erkundigen, ob „blind“ buchen ratsam ist.

      Glaub zudem ehrlich gesagt nicht, dass tausende Abonnenten oder Tageskartenkäufer ihre Stadionbesuche in Zukunft überdenken werden, nur wegen mangelnder Details zu einem einzigen Auswärtsspiel.

  2. AndyPI sagt:

    Nachdem wir heute in der Offensive eine Personalmisere haben, wird es noch schwieriger, dass wir heute punkten. Bei Rennes spielt der Torschützenkönig aus dem Vorjahr mit 21 Toren mit. Es wird eher auf Rennes ankommen als auf uns, ob wir punkten.

    • Wenn wir hier stehen sagt:

      Tjo, lag schon auch an uns heute, dass wir gepunktet haben.

    • Mikelangelo sagt:

      Stimmt! Vom Tormann bis zum Stürmer eine taktische und kämpferische Topleistung. Das gepaart mit der Technik durch die Rückkehrer kann großes versprechen

  3. CrazyBusiness sagt:

    Murpott!!!
    wödklasse, Shampoo!

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