Dobro došao u Graz! – Neuzugang Petar Petrovic im Portrait
Lange ließ der erste Sommertransfer des SK Sturm nicht auf sich warten. Das Saisonfinish, das am Ende den Linzer ASK zum verdienten Meister krönte, war erst fünf Tage alt, da inszenierte die Medienabteilung den Neuzugang vom FK Javor Ivanjica den 20-jährigen Serben Petar Petrovic medienwirksam und charakteristisch mit würzigen Cevapcici mit Ajvar am Grazer Schlossberg. In seiner Hand ein Dress der Schwoazen. Ein gutes Omen – der 23. Mai ist übrigens auch der Geburtstag des letzten Serben, der sich ebendieses überstreifte – Uros Matic erzielte sechs Scorerpunkte in 22 Spielen für den SK Sturm ehe er 2017 zum FC Kopenhagen wechselte.

Einmal Ceve mit Ajvar und extra Zwiebel – Petar Petrovic nach seiner Ankunft in Graz. Foto: SK Sturm / David Ferk
Über die ersten fußballerischen Stationen des sympathischen Abwehrspielers ist wenig bekannt. Seine Fußballschuhe schnürte er in jungen Jahren aber für den strauchelnden Hauptstadtklub Partizan Belgrad, bei denen er alle Jugendmannschaften durchlief. 2015 folgte dann der erste Schritt zum FK Teleoptik, dem Kooperationsteam von Partizan. Im Alter von 16 Jahren feierte er in der serbischen „Kadetska liga“, also der nationalen U17-Liga, sein Debut gegen die Altersgenossen des FK Spartak Subotica. Obwohl das Spiel verloren ging, avancierte Petrovic in der Mannschaft zum unangefochtenen Stammspieler und absolvierte mit Ausnahme einer Gelbsperre alle verbleibenden Spiele über die vollen 90 Minuten.
Wenig verwunderlich wurde Petrovic 2022 auch prompt in die U19 des zehnfachen serbischen Meisters befördert und machte dort weiter, wo er in der U17 aufhörte: als absoluter Stammspieler. Wie viel Wert Partizan Belgrad auf „hausgemachte“ Spieler setzt, wird einem beim Blick auf den damaligen Kader bewusst. Vanja Dragojevic, Nikola Simic, Milan Roganovic sind nur drei Namen von zahlreichen Stammkräften in der Kampfmannschaft des Drittplatzierten der abgelaufenen Saison, die mit Petrovic gemeinsam in der U19 aufliefen und die bereits bei internationalen Scouts aus den europäischen Topteams Begehrlichkeiten weckten.
28 Spiele bestritt Petrovic in der Saison 2023/24, dazu konnte er in vier Einsätzen in der UEFA Youth League gegen den rumänischen Vertreter CS Craiova und Sheriff Tiraspol aus Moldau erste Europacupluft schnuppern, bei der Niederlage gegen Sporting Braga nahm Petrovic nur auf der Bank Platz.
Entgegen dem Verständnis der Fans ließ man Petrovic trotz seiner guten Leistungen in den Jugendauswahlen ziehen. Wie der serbische „Telegraf“ berichtete, drängte Petrovic selbst auf einen Profivertrag, der ihm allerdings verwehrt wurde. Also schloss er sich dem serbischen Zweitligisten Javor Ivanjica aus dem überschaubaren Städtchen Ivanjica aus dem Okrug Moravica an, um auf höherem Niveau im Erwachsenenfußball Fuß zu fassen. Im nach Radomir Antic – LaLiga Fans kennen ihn von seiner Zeit bei Real Sarragossa in den frühen 1980ern – benannten Heimstadion des FK Javor wurde Petrovic aber zunächst nicht glücklich. Zwar feierte er in seiner ersten Profisaison prompt den Aufstieg aus der zweitklassigen Prva Liga in die erstklassige Super Liga Srbije, zum Einsatz kam er allerdings nur drei Mal. Sein Profidebut feierte er im August 2024 im Spiel gegen FK Indjija unter Trainer Radovan Curcic, der Petrovic bereits als Co-Trainer beim FK Partizan auf die Beine schaute, als er in der 94. Minute für Milan Ilic ins Spiel kam und naturgemäß einen eher bescheidenen Beitrag zum 1:0 Heimsieg vor gerade einmal 200 Zusehern beitrug. Drei Monate wiederholte sich das Szenario, wieder war besagter FK Injija der Gegner, wieder kam es zu einer Einwechslung tief in der Nachspielzeit, wieder war die Besucherzahl mit etwa 70 Zusehern überschaubar. Einzig im Pokalspiel gegen den Ligakonurrenten FK Zemun kam Petrovic länger zum Einsatz, hier reichte es für etwa 20 Minuten, in denen er durchaus zu überzeugen wusste. Die Pokalsaison endete für den FK Javor eine Runde später im Elfmeterschießen gegen den FK Napredak Krusevac. Das Frühjahr verbrachte Petrovic im Anschluss als Leihspieler beim drittklassigen FK Zlatibor aus dem 3300-Seelen-Dorf Cajetina im Westen Serbiens.
Der große Durchbruch gelang Petrovic nach seiner Zeit in der dritten Liga. Im Juli 2025 las sich zum ersten Mal sein Name am Flipchart von Trainer Curcic in Serbiens höchster Spielklasse. Und wie es der Zufall so wollte, war der Gegner gleich der Serienmeister Crvena Zvezda, die man hierzulande besser unter „Roter Stern Belgrad“ kennt, also der große Konkurrent seines Jugendklubs Partizan. Zu einem Einsatz kam Petrovic noch nicht, allerdings dauerte es nicht lange – nämlich zwei Wochen – bis er sein Debut in der serbischen Super Liga feiern durfte.
Gegen den kleinsten der serbischen Hauptstadtklubs und viermaligen Pokalsieger OFK Belgrad fand sich Petrovic gleich als Starter wieder. Das Debut in der ersten Liga war also erreicht. Dass dieser Abend für Petrovic allerdings ein mehr als bitteres Ende nehmen wird, wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ausgerüstet mit einem medizinischen „Turban“, der eine blutende Wunde nach einem Zweikampf versorgte, war es ausgerechnet Petrovic, der nach einem Einwurf in den Sechzehner den Ball akrobatisch, aber potschert mit der letzten Aktion des Spiels in Minute 97 ins Tor beförderte – ins eigene. Das Spiel ging mit 0:1 verloren und ein Tag, der etwas ganz Besonderes in seiner Karriere hätte werden sollen, hinterließ einen mehr als bitteren Beigeschmack.

Das Schwarz steht ihm! Foto: SK Sturm / David Ferk
Seine Leistung als Innenverteidiger in der Dreierkette war trotzdem ansprechend, sodass er seinen Stammplatz wider aller Prognosen nach seinem Lapsus nicht verlor. Im Gegenteil, bereits eine Woche später startete er gegen Radnicki 1923 wieder, diesmal mit ähnlich guter Leistung und ohne Eigentor. Das Spiel endete 2:2 und markierte den ersten Punkt für den FK Javor in dieser Saison.
Seitdem avancierte Petrovic zur Stammkraft des FK Javor. Bereits Ende August schlug seine nächste Sternstunde. Im Auswärtsspiel beim FK Backa Topola – eingefleischte Sturmfans erinnern sich noch an die 1:3 Niederlage in der Saisonvorbereitung 2023 in Messendorf – erzielte Petrovic sein erstes Tor im Dress des FK Javor. Beim Stand von 2:1 für die Hausherren aus Backa Topola im äußersten Norden Serbiens stand Petrovic nach einer Ecke goldrichtig und staubte aus kurzer Distanz nach einem Gestochere im Sechzehner eiskalt ab. In der 95. Minute, diesmal ins richtige Tor. Im Verlauf der Saison gelangen ihm sogar noch nennenswerte drei weitere Tore, darunter ein äußerst wichtiges, als Petrovic gegen Spartak Subotica wieder einmal tief in der Nachspielzeit traf und seiner Mannschaft den 10. Platz im Grunddurchgang fixierte.
Auch in der Abstiegsrunde – die serbische Liga kennt ein ähnliches System wie die heimische Bundesliga – war Petrovic fixer Bestandteil seiner Mannschaft, die die Saison auf Rang 12 beendete und somit den Klassenerhalt mit einem beeindruckenden Vorsprung von 20 Punkten vor Absteiger Napredak fixierte.
Ein weiteres Highlight hatte das Jahr 2026 aber noch zu bieten. Nicht nur erarbeitete sich Petrovic als Leihrückkehrer aus der dritten Spielklasse einen Stammplatz im Kader, auch der serbische Verband wurde auf den Jungspund aufmerksam. U21-Trainer Zoran Mirkovic, seines Zeichens ehemaliger Spieler des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin, nominierte ihn bereits im März zu einem Lehrgang und zwei freundschaftlichen Testspielen gegen Kirgisistan, bei denen er zum ersten Mal das Rot-Weiß der „Beli Orlovi„, also der weißen Adler überstreifen durfte. Lange war Petrovic nicht Teil dieser Mannschaft, drei Monate später berief Teamchef Veljko Paunovic Petrovic 20-jährig zum ersten Mal in Serbiens A-Team ein.
Im Testpiel auf den Kap Verden nahm Petar noch auf der Bank Platz, Seite an Seite mit Topstars wie Aleksandar Stankovic, dem Junior der ehemaligen Inter-Legende Dejan Stankovic und dem Neffen des hierzulande noch gut bekannten Austria-Mittelfeldmotors Milenko Acimovic. Vielleicht erkundigte er sich zu diesem Zeitpunkt bereits zum ersten Mal über den SK Sturm, immerhin waren auch hierzulande bekannte Gesichter wie der Ex-Salzburger Strahinja Pavlovic (FC Bayern) oder der Wahlwolfsberger Dejan Zukic ebenfalls Teil des Kaders.
Am 5. Juni war es dann so weit. Acht Monate nach seinem ersten Einsatz in Serbiens höchster Spielklasse und dem bitteren ersten Eigentor kam Petrovic zu seinem Debut im serbischen Nationalteam. Der Gegner war der WM-Gastgeber Mexiko mit seinen Superstars wie Milans Santi Gimenez oder der Kapitän von Fenerbahce Istanbul Edson Alvarez. Serbien gelang eine frühe Führung durch Petar Stanic, ehe Mexiko aufwachte und Serbien am Ende mit einem verdienten 5:1 aus dem berühmten Aztekenstadion schoss. Petrovic kam nach 75 Minuten für seinen Ex-Teamkollegen von Partizans U19 Nikola Simic ins Spiel, konnte die klare Niederlage aber nicht mehr verhindern.
Für Petrovic wechselt eine Million Euro den Besitzer – ein absoluter Rekordverkauf und Geldregen für seinen Ex-Klub und selbstredend der teuerste Verkauf der 114-jährigen Vereinsgeschichte des FK Javor, der seinen Namen im Übrigen vom nehegelegenen Javor-Gebirge bekam. Sportlich ist Petrovic für sein zartes Alter schon ein echter Allrounder. Er sieht sich als beidfüßig und hat in seiner Karriere bereits alle Positionen einer Fünferkette gespielt, am öftesten allerdings als linker Innenverteidiger. Mit einem Gardemaß von 191cm wird er auch einiges an Physis in die Abwehrreihe des SK Sturm bringen. Physis, die er aber gut in Szene zu setzen weiß – hervorragende Zweikampfwerte sprechen für ihn. Dazu dürfte er auch einen für einen Innenverteidiger untypischen Drang nach vorne haben, des öfteren treibt er selbst den Ball nach vorne, mit viel Tempo und Wucht verschafft er seiner Mannschaft auch offensiv Räume. Vier Tore in seiner Debutsaison sprechen auch für ein ausgeprägtes „Naserl“ bei Standardsituationen und einen guten Abschluss vor dem Tor.
Makel gibt es bei Petrovic allerdings oft in der Entscheidungsfindung. Ausflüge nach vorne führten nach Ballverlusten des öfteren zu Lücken in der Abwehrreihe. Dazu ist Petrovics Physis Segen und Fluch – seine Zweikämpfe wirken zuweilen ungestüm.
In der Abwehr des SK Sturm wird Petrovic aber aller Voraussicht nach eine ausgezeichnete Ergänzung sein, darüber hinaus beschreiben serbische Medien ihn als Sympathieträger mit Herzblut und Energie auch abseits des Platzes. Unserer Ansicht nach ist dem SK Sturm hier ein ausgezeichneter Transfer gelungen, insbesondere aufgrund namhafter Konkurrenz im Werben um die Dienste des Serben insbesondere aus der französischen Ligue 1 (Metz, Rennes) und der Serie A (Parma). Michael Parensen scheint nun endlich in Graz angekommen und ist in diesem Sommer bereits eifrig am Kochen – statt Packerl-Grießnockerlsuppe mittlerweile aber echte serbische Bohnensuppe.
Wir gratulieren zu diesem Transfer und wünschen Petar alles Gute beim SK Sturm!

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