Die Abwehr
Aufgeteilt auf vier Ausgaben werden wir euch in den nächsten Tagen ein kleines Zwischenfazit über jeden eingesetzten Spieler der Blackys liefern. Hier fließen die durchschnittlichen Noten aus allen Leserzeugnissen, Spieldaten sowie unsere subjektive Meinung mit ein. Wir wünschen viel Spaß!

Foto: SturmTifo.com
Jusuf Gazibegovic (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 2,24)
Obwohl unser Gazi mittlerweile lieber Kölner Karneval als Grazer Meistertitel feiert, ist es auch hier nochmal an der Zeit, seine Leistungen im Dress des SK Sturm zu erwähnen. 14 Spiele bestritt der sympathische Bosnier in der Bundesliga, fünf weitere in der Champions League, dabei erzielte er ein Tor gegen den roten Stadtrivalen. Gewürdigt wurden seine Leistungen mit der Bestnote aller Abwehspieler unter unserer Leserschaft. Gazibegovic lieferte in dieser Saison genau das, wofür man ihn so zu schätzen gelernt hat. Unermüdliche Läufe, aggressives Verteidigen, akkurate Flanken und fragwürdige Torjubel vor den gegnerischen Fans. Seine Leistungen blieben internationalen Scouts natürlich nicht ganz verborgen, weshalb „Jussi“ im Winter für etwa zwei Millionen Euro zum 1. FC Köln wechselte und mit den Geißböcken auch prompt den Aufstieg in die Bundesliga feierte. Gazibegovic war vor dem Spiel gegen die Wolfsberger auch im Stadion und hatte einen kurzen Gastauftritt auf der Bühne am Ivica-Osim-Platz. Wir gratulieren zum Aufstieg und wünschen einem verdienten Spieler nur das Beste in Deutschland.
Niklas Geyrhofer (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 2,29)
Auch das Grazer Eigengewächs darf seinen zweiten Meisterteller gebührend feiern, immerhin hat er daran auch einen großen Anteil. Zwar war seine Saison von mehreren kleineren Wehwehchen ebenso geprägt wie von einer Knie-OP, die ihm seit Anfang April zu schaffen machte, trotzdem kam „Geyr“ auf 19 Einsätze in der Bundesliga und sechs Spiele in der UEFA Champions League. Im historischen 7:0-Heimerfolg gegen die Klagenfurter durfte er sich nach einem Energieanfall auch in die Torschützenliste eintragen. Geyrhofer in Reinkultur. Unermüdlich, lästig für die Gegenspieler, solide im Verteidigen. Mankos im Spielaufbau haben sich im Vergleich zum Vorjahr gebessert, dafür wurde er im März mit einer Verlängerung seines ablaufenden Vertrages gewürdigt. Für Geyrhofer geht eine erfolgreiche Saison zu Ende, mit einem bitteren Beigeschmack einer Knieverletzung.
Gregory Wüthrich (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 2,53)
Vor ziemlich genau einem Jahr war der sympathische Eidgenosse der gefeierte Held im Dress des SK Sturm. Nie werden wir den Moment vergessen, in dem er die Schwoazn mit seinem Goldtor zum 1:0 gegen die Klagenfurter Austria und damit zum vierten Meistertitel in der Vereinsgeschichte köpfelte. Diese Saison hätte aber bitterer kaum starten können – in seinem ersten Champions League Spiel für den SK Sturm verletzte sich der Schweizer nach nur zehn Minuten gegen Stade Brest schwer am Knie. Die befürchtete schwere Verletzung blieb zwar aus, trotzdem verpasste „Gregy“ viele Spiele und kehrte erst im November wieder in den Kader zurück.

Abwehrchef Gregory Wüthrich (c) SturmTifo.com
Spätestens bei seinem „Wer nicht hüpft…“ Auftritt bei der Meisterfeier wussten wir: Unser Gregy ist wieder da! Wüthrich brachte es auf 21 Einsätze in der Bundesliga und vier in der lang ersehnten UEFA Champions League. Vermutlich aufgrund seiner Verletzung und der damit einhergehenden mangelnden Spielpraxis im Frühjahr ließen seine Leistungen im Vergleich zum Vorjahr etwas nach, neben der einen oder anderen Konzentrationsschwäche fiel Wüthrich auch mit einer „sloppy“ roten Karte gegen Salzburg auf. Am Ende war alles egal, Meister wurde trotzdem der SK Sturm, und unterm Strich konnte Wüthrich trotzdem überzeugen. Neben seinen Stärken am Platz, nämlich grundsolides Stellungsspiel, gute Spieleröffnung und eine saubere Zweikampfquote sowohl am Boden als auch in der Luft, wurde Gregy auch abseits des Platzes zu einer echten Führungsfigur im Kader des SK Sturm. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, aus Fan-Sicht wäre eine Verlängerung auf jeden Fall wünschenswert, denn mit Wüthrich hat der SK Sturm nicht nur einen Innenverteidiger der Marke österreichische Weltklasse im Kader, sondern auch eine echte Identifikationsfigur.
Dimitri Lavalee (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 2,56)
Eigentlich kam Diii-Miii-Triii als Ersatz für oben genannten Wüthrich an die Mur, durch den geplatzten Wechsel schien der sympathische Belgier auf die Bank verbannt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich Lavalee aber zu einer echten Stütze. Nicht nur sein Einsatz und seine Laufbereitschaft sprachen für ihn, auch seine Diversität in der Abwehr. „Dimi“ kann sowohl innen als auch links in der Kette spielen, außerdem auf der Sechs. 30 Mal trug Lavalee die Wäsch‘ des SK Sturm in der Bundesliga, sieben weitere Male in der Champions League. Damit gehört er jedenfalls zu den „Dauerbrennern“ im Kader der Schwoazen, und das hat seine Gründe. Defensiv spielte Dimitri eine solide Saison, auch im Spiel nach vorne machte er Fortschritte. Drei Assists sprechen für ihn. Lavalee ist so etwas wie der „unsung hero“, und ein Meistwerk von der Achse Schicker/Ilzer – geholt als Perspektivspieler aus Mechelen per Leihe, nur um ein Jahr später die Option um leistbare 700.000 Euro zu ziehen, zu diesem Zeitpunkt hatte Lavalee bereits einen Marktwert von 4 Millionen Euro. Ein „Sunnyboy“, der immer gut gelaunt zu sein scheint, der neben hoher Qualität auch jede Menge gute Laune mit in den Verein bringt. Eine weitere gelungene Saison für den 28-Jährigen.
Max Johnston (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 2,57)
Nur hauchdünn in der Leserbewertung von SturmNetz liegt der junge Schotte Max Johnston, der in seinem zweiten Jahr beim SK Sturm bereits seinen dritten Titel feiern durfte und damit Papa Allan Johnston, ehemals Trainer bei Kilmarnock und Dunfermline in der zweithöchsten schottischen Spielklasse, wohl mächtig stolz macht. Zu Beginn der Saison noch als glasklare Nummer zwei hinter Jusuf Gazibegovic, mauserte sich der Jungspund im Frühjahr zu einer echten Stütze und zu einem der großen Profiteure der Abgänge von Gazibegovic nach Köln und Trainer Chris Ilzer nach Hoffenheim.

Max Johnston in Action. Copyright: SturmTifo.com
Man wird das Gefühl nicht los, dass Johnston mit der Rolle als Nummer zwei der nötige Antrieb fehlte, denn seitdem er mehr oder weniger gesetzt ist, blüht er auf und entwickelt sich von Spiel zu Spiel weiter. Läuferisch und vor allem taktisch kann er zwar noch nicht ganz mit einem Gazibegovic mithalten, mit dem Ball machte Max aber auf jeden Fall Fortschritte. Aktuell wird Johnston wohl von so manchem Klub gejagt, etwa vom Hamburger SV und Ipswich aus England. Die Meinung des Autors ist ganz klar: Ein Jahr als Stammspieler beim SK Sturm und schlechtestenfalls in der Europa League würde Johnston auf jeden Fall noch ganz gut tun.
Arjan Malic (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 2,58)
Wieder ein hauchdünner Rückstand für den jungen Bosnier, der im Vorjahr von Zweitliga-Aufsteiger Ried nach Graz wechselte und zunächst in der zweiten Mannschaft Spielpraxis sammelte. Dass Malic aber durchaus das Zeug für die Bundesliga hat, bewies er relativ schnell. Elf Mal stand er für die Kampfmannschaft auf dem Feld, die meisten davon im Frühjahr. Auch Malic profitierte vom Wechsel von Gazibegovic, immerhin wurde er zuhauf auch als rechter Verteidiger eingesetzt. Seine Sternstunde schlug dann am 29. Januar in Klagenfurt, als er gegen die klar favorisierten Leipziger das 1:0 und den SK Sturm damit zu einem versöhnlichen Abschluss der internationalen Saison schoss. Malic zeichnete sich durch robustes Verteidigen, Speed und Antritt aus, Luft nach oben gibt es im Spielaufbau und allgemein im Offensivspiel. Aber mit gerade einmal 19 Jahren konnte Malic bereits beweisen, warum Andreas Schicker im Vorjahr rund 700.000 Euro nach Ried überwiesen hat.
Emanuel Aiwu (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 2,87)
Groß war die Erwartungshaltung, als der SK Sturm im Vorjahr den abwanderungswilligen David Affengruber – der im Übrigen mit dem FC Elche am besten Weg zum Aufstieg ist – mit Emanuel Aiwu ersetzte. Der Innenverteidiger, der sich seinen Weg über die Admira und den SK Rapid in die italienische Serie A bahnte, sah sich also prompt einer großen Erwartungshaltung ausgesetzt. 1,6 Millionen Euro wechselten den Besitzer, nachdem Aiwu mit Cremona die Klasse in der Serie A nicht halten konnte. Zunächst konnte Aiwu den Erwartungen nicht ganz gerecht werden, zu oft merkte man, dass Aiwu in Italien gegen den Ball gerne sehr passiv verteidigte und sich eher zurückzog, als den Ballführenden zu attackieren. Ganz hat man die Serie A noch nicht aus Aiwu raus gebracht, immer noch kommt es zu Abstimmungsschwierigkeiten mit dem jeweiligen Nebenmann. Trotzdem brachte er es auf 27 Einsätze in der Bundesliga und sechs Spiele in der Champions League. Im historischen 5:0-Sieg gegen die Mozartstädter durfte er sich – wie auch gefühlt die halbe Mannschaft – in die Torschützenliste eintragen. Was bleibt ist die Hoffnung, dass Aiwu nach dem wohlverdienten Urlaub und einer vollen Vorbereitung mit Jürgen Säumel und Co. in der kommenden Spielzeit besser in die Abläufe integriert wird, denn ein funktionierender Emanuel Aiwu ist auf jeden Fall für jede Mannschaft eine Bereicherung.
Emir Karic (ø-SturmNetz-Leserzeugnisnote: 3,02)
Nach dem Abstieg mit dem SV Darmstadt wechselte Karic ablösefrei nach Graz, um den in die MLS abgewanderten David „Schnegginho“ Schnegg zu ersetzen. Recht schnell wurde klar, dass sein Profil nicht wirklich zu den Vorstellungen von Christian Ilzer passte. Daher musste Karic weitgehend mit einem Platz auf der Bank Vorlieb nehmen. Wenn er denn spielte, wirkte er unkonzentriert, träge und lauffaul.

Emir Karic (r) beim Jubel mit William Böving (l)
Im Herbst brachte er es daher auch nur auf wenige Minuten Spielpraxis, ein Debüt in der Champions League blieb ihm ebenso verwehrt. Mit dem Wechsel von Christian Ilzer nach Hoffenheim änderte sich aber alles für den Linzer. Jürgen Säumel gab Karic immer wieder die Chance, sich zu beweisen. Und Karic bedankte sich mit immer ansprechenderen Leistungen. Plötzlich wirkte Karic frischer, energiegeladener, machte weniger Fehler und wirkte besser ins Team integriert. Die Formkurve zeigt also in die richtige Richtung, und auch bei Emir Karic bleibt zu hoffen, dass er in der kommenden Spielzeit mehr von seinem Skillset zeigen wird können.
Zu kurz eingesetzt
Der eine oder andere Akteur wurde zu kurz für eine valide Bewertung eingesetzt, verdient sich aber trotzdem eine Erwähnung. Emran Soglo, der immerhin den frisch gebackenen Conference-League Sieger Chelsea FC und Olympique Marseilles in seiner Vita stehen hat, kam im Winter zum SK Sturm und wurde hauptsächlich in der zweiten Mannschaft eingesetzt, allerdings nur fünf Mal. Den Sprung in den Bundesliga Kader schaffte er, drei Einsätze stehen zu Buche. Wirklich glänzen konnte Soglo nicht, allerdings sieht man vor allem in seiner Technik, wo er ausgebildet wurde. Gute Basics, für den Bundesligakader muss aber wohl vor allem körperlich und taktisch noch gearbeitet werden. Wenn Soglo sein volles Potential ausschöpfen kann, werden wir alle aber noch Grund zur Freude haben.
Weniger Grund zur Freude hatte Alexandar Borkovic, für den eine weitere absolute Seuchensaison zu Ende geht. Erneut plagt eine schwere Knieverletzung den Innenverteidiger, kein einziges Bewerbsspiel machte „Borko“ in dieser Saison.
Positiver muss man aber anmerken, dass aus Sturms „Zweier“ der eine oder andere Spieler kurz vor dem Sprung in die Kampfmannschaft steht. Den Kritikpunkt, dass der SK Sturm zu wenige Eigenbauspieler einsetzt, kann man sich mittlerweile getrost sparen, stehen doch Spieler wie Jacob Hödl, Belmin Beganovic, Konstantin Schopp oder Oliver Sorg kurz vor dem Sprung in die Kampfmannschaft.

Emran Soglo mit Michael Parensen. Foto: SK Sturm
Speziell die beiden letztgenannten konnten bereits Profi-Luft schnappen. Schopp feierte sei Profidebüt gar in der Champions League bei Sporting Lissabon, wenige Wochen später auch jenes in der Bundesliga gegen Salzburg. Zu einem Einsatz kam es bei Oliver Sorg noch nicht, aber er durfte die Mannschaft bereits in der Champions League begleiten. Seine Leistungen in der zweiten Liga machen jedenfalls Lust auf mehr – ein Debüt in der Kampfmannschaft ist wohl nur mehr eine Frage der Zeit.
Fazit
„Offense wins games, defense wins championsships“ ist ein Zitat des legendären Football Coaches Bear Bryant, und natürlich auch sehr gut auf den „echten“ Fußball übertragbar. Dass daran auch wirklich was dran ist, wissen wir seit letzter Saison, in der kein Zweifel daran bestand, dass unsere Abwehr uns dieses Double geholt hat. In dieser Saison bin ich persönlich minimal weniger überzeugt. Mit David Affengruber, David Schnegg und Jusuf Gazibegovic wurden quasi drei Viertel unserer Abwehr ausgetauscht, wenn man das bedenkt, muss man der Abwehr auch in dieser Saison Respekt zollen, wenngleich die Viererkette in Sachen Konsequenz, Konzentriertheit und Konstanz Federn gelassen hat. Das spiegelt auch ein Blick auf die Statistik wieder – 39 Gegentore sind eigentlich zu viele für einen Meister. Vizemeister Salzburg (36), die Wiener Austria (32), Sensationscupsieger Wolfsberg (38) und der Linzer ASK (36) bekamen jeweils weniger Gegentore. Mit 66 erzielten Toren führen wir die Statistik der erzielten Tore aber ganz klar an, was im Wiederspruch zu eingangs erwähnter These steht.
Trotzdem fühlt sich das Schreiben dieser Zeilen gut an – nicht nur weil der Meisterteller wieder in Graz gelandet ist, sondern weil man trotz der vergleichsweise vielen Gegentore das Gefühl nicht los wird, nach wie vor eine sehr solide Abwehr zu haben. Vor allem aber haben wir eine Abwehr, die in dieser Saison wenig Möglichkeit hatte, sich wirklich einzuspielen. Beinahe jeder Verteidiger verletzte sich im Laufe der Saison für mehrere Spiele, speziell im Defensivspiel sind Abläufe das Um und Auf. Dazu kommen natürlich die Personalrochaden, verdiente und eingespielte Spieler verließen den Verein, Spieler mit weniger Spielpraxis mussten diese Lücken schließen und machten das weitgehend gut.

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