„amore senza fine“ auch wenn es nicht läuft
Eine für die jüngsten Sturm-Verhältnisse lange sieglose Serie sollte am 8.11.26 gegen das finanziell seit Jahren stärkste Team Österreichs beendet werden. Dass Salzburg in den letzten Saisons schlagbarer war als davor, lag auch am der Stärke der Schwoazen. Diese Selbstverständlichkeit, die „Dosen“ ohne Punkte nach Hause schicke zu können, war in dieser Spielzeit aber abhanden gekommen. Trotz der jüngsten Niederlage in der Europa League präsentierte sich Salzburg 2026/27 stark verbessert und auch an diesem Sonntagabend, ging das Spiel nicht gut los.

Fehlt nicht nur JGS: Otar Kiteishvili (c) Sturmtifo.com
Fehlstart in Schwarz-Weiß
Die Tifosi Neri feierten ihr 15-jähriges Jubiläum in der Kurve mit einer beeindruckend aufwendigen Choreo. Doch bevor richtig Stimmung aufkommen konnte konnte Jesper Lindstrøm unbedrängt in den Strafraum dribbeln, Tabaković flach anspielen, der mit der Ferse verwertete. 5. Minute: Fehlstart par excellence.
Die Stimmung im Stadion, die aufgrund der letzten Ergebnisse von Beginn an nicht allzu euphorisch war, wurde auch nach einem Abseitstor der Salzburger in der 8. Minute nicht besser. Kleine Foulentscheidungen und Pfiffe von Walter Altmann trugen ihres dazu bei.

Wie fast immer: die Kurve in Topform. (c) Sturmtifo.com
Langsam wachte die Kurve auf und so kam auch die Mannschaft gemächlich in der Partie an, gewann mehr Zweikämpfe, spielte schärfere Pässe, nahm etwas Risiko. Simon Seidl versuchte die Zuschauer im Süden beim Eckball mitzunehmen. Ein Lattenpendler von Diakité und eine Linienklärung eines zweiten Versuches des Ivorers in Folge genau dieses Corners zündete Liebenau endgültig an. Es sollte an diesem Abend nach so vielen Spielen nur gemeinsam gehen…
VAR-Entscheid rüttelt Sturm wach
Das Spiel wurde unterbrochen und eine glasklare Fehlentscheidung des Schiedsrichterteams am Feld wurde ausgebügelt. Oumar Diakité durfte sich feiern lassen – achtes Saisontor (15. Minute). Und plötzlich war Feuer auf den Tribünen und dem Feld. Keine drei Minuten später schickte Gorenc Stanković den Goalgetter erneut, der Volley abschloss und das Torkonto souverän auf neun erhöhte. Die Kurve wusste, was zu tun ist, und nahm das Stadion mit – allez, allez!

GRALE – Grazer Lebensversicherung: Oumar Diakité (c) Sturmtifo.com
Jetzt galt es das zu tun, wofür Sturm zu Beginn von Ingolitschs Ära bekannt war: gut verteidigen, keine Gegentore kassieren! Die schnellen Flügel der Bullen machten Balbo und Malić immer wieder zu schaffen, Abschlüsse wurden aber immer wieder verhindert. Das Publikum goutierte jeden Ballgewinn mit Applaus. Mitte der ersten Hälfte streute RB mehrere Fehlpässe ein und wirkte etwas angeknockt, doch genau in dieser Phase nahm ein Zauberpass von Mazurek die Schwoazen auseinander, Morgalla schob ein und glich aus (29. Minute). Zwei Minuten später rettete Helac, nachdem Lindstrøm Begleitschutz bis in den Strafraum bekommen hatte. In der folgenden Unterbrechung sah Danny Röhl die rote Karte wohl für seine Protestwortwahl gegenüber dem vierten Offiziellen. Als Sturm-Fan wird man sich nie darüber beschweren, wenn ein RB-Verantwortlicher des Spiels verwiesen wird.
Eine Doppelchance nach einem weiteren Seidl-Standard für Heil (Glanzparade Zawieschitzky) und Diakité (vorbei) meldete Sturm auch offensiv wieder an. Beide Teams wirkten defensiv enorm unsouverän und teilweise fahrig. Eine ereignisreiche Halbzeit ging danach mit erhitzten Gemütern (vor allem auf der Gästeseite) in die Pause.
Unverändert in Hälfte zwei
In der zweiten Halbzeit kamen beide Teams unverändert auf’s Feld. Auch die Fehleranfälligkeit beider Defensiven blieb gleich. Das sorgte weiterhin für ein unterhaltsames Hin und Her. Die erste Großchance vergab Hödl allein vor Zawieschitzky nach einem ungenauen Laufpass von Heil (50.). Nach einem wilden Geflipper schlenzte JGS einen Weitschuss drüber (57.) und auch sonst wurde die Partie unansehnlicher, weil Zweikampf-betonter.

Kopfballungeheuer. (c) Sturmtifo.com
Salzburg fand offensiv bis dahin nicht statt. Ingolitsch nahm nach einer guten Stunde den starken, aber etwas müden Hödl für Matoshi runter. In der 66. Minute dann ein Lochpass von Vertessen, der Redzić erreichte. Dieser tanzte Balbo aus und schoss zum 3:2 ein. Doch Sturm steckte nicht auf, versuchte es mit Pressing und langen Bällen. Einer dieser langen Bälle fand JGS, der den glücklicherweise aus dem Tor geeilten Salzburger Keeper per Kopf überhob (69.). Auch das beendete die wilden Tor-Festspiele in dieser Partie nicht. Lindstrøm durfte sich von links in den Strafraum dribbeln, schloss ab – 4:3 für Salzburg (73. Minute). Ein Spiel ohne Verteidigung.
Schlussphase: Comeback von Jatta
Für Heil und Seidl kamen Mamageishvili und Jatta (77.), um den Ausgleich zu erzwingen. Stimmungstechnisch auf der Tribüne noch immer unglaublich, dass in diesem Spiel sieben Tore fielen und das Publikum abseits der Kurve so lethargisch war. Mamageishvili schlug lange Bälle nach vorne. Quarshie warf und warf weite Bälle. Wenn Diakité keinen Energieanfall hatte, wurde es für die Gäste nicht mehr brenzlig. Salzburg wechselte defensiv und wollte Sturm für’s Erste aus dem Meisterrennen befördern. Einen weiten Ball von Malić köpfelte Koller auf das Tor, die Nachspielzeit brach an. Nichts passierte mehr.

Fels in einer Unserie: Weinhandl (c) Sturmtifo.com
Nach dem Schlusspfiff vom schwachen Walter Altmann war klar: das wird noch eine lange Saison, wenn Sturm die Defensive nicht unter Kontrolle bekommt. Den Anschluss an die Spitzenplätze hat man verloren, der Cup ist vorbei, die Europa League Kräfte raubender Bonus. Mit dieser fehlenden Stabilität muss man dankbar sein, dass eine Länderspielpause bevorsteht. Fünf Spiele ohne Sieg – das sitzt.
Die wichtigste Info zum Schluss: Schwoaze helfen hat begonnen.



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