Mehr Licht als Schatten

Das Einordnen der aktuellen Situation rund um Sturm Graz fällt zunächst schwer. Kollege Steinkellner titelte zuletzt nach Schlusspfiff der äußerst schmerzhaften Heim-Pleite in der Euroleague wie folgt: „Diakité einziger Lichtblick gegen Celje“. Da möchte der Verfasser dieser Zeilen der wortgewandten Slam-Poetry-Koryphäe ausnahmsweise widersprechen, zumindest in einem weiter gefassten Kontext. Denn bei genauerem Blick werden trotz einer gegenwärtigen Achterbahnfahrt weitaus mehr Lichtblicke deutlich.

Dafür bedarf es einer kurzen Rückblende. Als Sturm zwei Mal in Folge gleichermaßen überraschend wie auch sensationell den Meistertitel holte, passte einfach alles: Man konnte eine für Grazer Verhältnisse überragende Mannschaft mit enormer Qualität aufbieten und größtenteils auch halten, mit Ilzer und Schicker harmonierte ein kongeniales Duo, die Konkurrenz schwächelte quer durch die Bank gewaltig, das Spielglück lag nicht selten bei den Blackys, knappe Schiedsrichterentscheidungen fielen mitunter auch zugunsten Sturms aus und Treffer fielen häufig genau in den richtigen Momenten. So oder so ähnlich hätte man das im Vorfeld auch prophezeit. Damit Sturm Meister werden kann, muss vieles – vermutlich eher alles – zusammenpassen. Und genau das tat es. Dennoch, rückblickend sogar schwer vorstellbar, mühte man sich trotz eben erwähnter Umstände in beiden Jahren bis zur allerletzten Runde gerade noch so zum  verdienten Titel. Soll heißen: Selbst wenn sehr vieles für Sturm und gegen die unmittelbare Konkurrenz läuft, ist eine Meisterschaft immer noch eine Sensation, keinesfalls aber etwas Erwartbares. Das sollte eigentlich relativ klar sein.

Im darauffolgenden Jahr, einer Umbruch-Saison, reichte es „nur“ noch für den Vizemeister. Was mit etwas Abstand beinahe sarkastisch anmutet, spielte man immerhin bis zuletzt um den Titel, war dennoch enttäuschend, zumal die Konkurrenz bekanntlich weiterhin schwächelte. Zahlreiche wenig ansehnliche Partien und eine Remis-Serie im Finish taten ihr Übriges. Zufrieden konnte mit der Saison eigentlich niemand sein, wäre schlicht mehr drinnen gewesen. Hätte man aber vielleicht sollen. Denn auch ein zweiter Platz ist statistisch betrachtet ein riesiger Erfolg. Über das Wie lässt sich freilich immer streiten.

Nun zur Gegenwart: Michael Parensen hat mit wenig Mitteln für einen qualitativ wie auch quantitativ überdurchschnittlich starken Kader gesorgt, der auch gleich zu Beginn der Saison enormes Potential versprach. Ein Gesamtscore von 6:0 gegen den schottischen Fast-Meister ist sicherlich nichts Alltägliches. Auch Trainer Fabio Ingolitsch schien die Mannschaft zu erreichen, war endlich wieder Feuer im Team und ein starker Zusammenhalt und Spirit unübersehbar. Die ersten Rückschläge ließen allerdings nicht lange auf sich warten. So sammelten die Blackys zu Beginn der Saison deutlich weniger Punkte, als man vermutlich eingeplant hat. Es sollte aber noch dicker kommen. Nämlich in Form einer Verletzten-Liste, die beinahe einer gesamten Einser-Garnitur entspricht, für die uns die meisten Bundesligisten beneiden würden. Aller Widrigkeiten zum Trotz wussten die Blackys dennoch – zumindest phasenweise – zu überzeugen, Liebesbekundungen des Coaches inklusive. Nach dem desaströsen Cup-Aus, zwei unnötigen Remis, die den Abstand zu einer nicht mehr schwächelnden Konkurrenz deutlich werden lässt, sowie der Niederlage gegen Celje, die sämtliche internationale Aufstiegs-Ambitionen zunichtemachen zu scheint, bleibt dennoch überwiegend eines: Enttäuschung. Und die Frage, wie viel besser man dastehen könnte, gäbe es nicht dieses unerträgliche Lazarett und wären die Akteure am Feld nicht sichtbar massiv überspielt. Oder hätte Malic nicht eine derart vermeidbare Rote kassiert, oder der sonst so starke Diakité den Sitzer gegen Celje nicht ausgelassen. Oder hätte das georgische Nationalteam etwas behutsamer agiert … Was viel Konjunktiv enthält, sollte dennoch eines verdeutlichen: Es sind dann eben Nuancen, oder einfach Pech, die – verglichen auch mit den eingangs erwähnten Meisterjahren – zwischen Enttäuschung und Sensation zu liegen vermögen. Irgendwo dazwischen finden sich jedoch ebenfalls zahlreiche Lichtblicke: Ein 6:1 nach denkbar schlechtem Start gegen den Lokalrivalen, vier Punkte in zwei Spielen gegen französische Top-Teams als jüngste Mannschaft im gesamten Bewerb, regelrecht explodierende Aktien von Youngstars oder eben ein treffsicherer Stürmer.

Es erscheint durchaus positiv, dass sich das Selbstverständnis im schwarz-weißen Graz dahingehend verändert hat, an Erfolge zu glauben und sie für greifbar zu halten. Eine einigermaßen realistische Erwartungshaltung muss dennoch gewahrt werden. Und sollten Titel ausbleiben, was für diese Saison bereits jetzt wahrscheinlich ist, muss man das auch richtig einzuordnen wissen. Für wen eine Saison ohne Aussicht auf einen Titel bereits vorzeitig gelaufen ist, wie man aktuell auffällig häufig vernehmen kann, der wird am schwarz-weißen Fantum vermutlich auch in Zukunft eher weniger Freude empfinden. Aktuell alles und jeden infrage zu stellen, wie man es nur allzu gerne tut („wir leben in der Zeit der Aufgeregtheit“, sagte Günter Kreissl einst in einem Gespräch), erscheint jedenfalls absurd. Denn betrachtet man die Arbeit der Verantwortlichen, allen voran von Michael Parensen und Fabio Ingolitsch, so bleibt auch da mehr Licht als Schatten.

3 Kommentare

  1. Ennstaler sagt:

    Der Kommentar ist gut und durchaus angebracht, um den ganzen negativen Ton, der sich in den letzten Wochen durch die Kommentare zieht, etwas zu relativieren. Aber wie es schon in der Bibel heißt, macht es keinen Sinn, ein Licht unter den Scheffel zu stellen, auf gut steirisch: lieber Michael Parensen, tua a bissal mehr kommunizieren, dann vastehn die Fans vieles besser und hör’n auf zu sudern.

    • Siro sagt:

      @Ennstaler: „Nachdem es mir in drei Transferfenster nicht gelungen ist einen Stürmer zu verpflichten der das leere Tor trifft, hat der Fabio zum Glück das Heft in die Hand genommen und sich an einen gewissen Oh Mann oder Oumar aus gemeinsamen Lieferinger Zeiten erinnert“

      So? Besser nicht oder? Bin eher froh, dass der sich zurückhaltet und uns erzählt was er uns nicht erzählen darf (Vertragsdauer, Verletzungen usw…)

  2. Schworza99 sagt:

    Finde irgendwie komisch dasman Ilzer und Schicker, Ingolitsch und Parensen…aber Säumel nicht erwähnt. Ich mein wenns sogar Foda und Kreissl hier rein schaffen in den Artikel wäre für die Genese der aktuellen Situation die Fehde Säumel-Parensen ned ganz unwichtig. Das Gefühl es gibt zuviel Schatten kommt ja nur daher weil man sich vom Präsi an ned sicher im ganzen Verein war ob man den Säumel spritzen muss wegen seinem Fußball oder doch den Parensen wegen des Kaders. Es war halt eine 51:49 Entdcheidung und ned 90:10. I. Conclusio darf man den Namen Voldemorts schon nennen. Und wennst einige ärgern willst und doch zuviel Angst hast vor dem Namen schreibst halt Meistertrainer 😉

    Das Problem mit dem Titel verlangen hat halt begonnen als man argumentiert hat „der Säumel hat die Meisterschaft eh nur übers Ziel gerettet“. Damit sagt man natürlich a) der Kader ist Meisterwürdig und b) mit einem anderen Trainer gehts besser = klar Meister werden der Logik nach. Die Erwartungshaltung haben weder Fans noch Verein eingefangen und folgerichtig wurde Säumel gekickt auf Platz 3 mit 4 Punkten Rückstand vor der Teilung. Wennst z.B. EC als Ziel angegeben hättest für die Umbruch-Saison wäre Säumel zumindest länger geblieben und auch Parensen hätte weniger Schmalz für den Kader bekommen. Nur da die beiden sich lieber gegenseitig eliminieren wollten war des halt eher ned realistsich.

    Der Absatz zu den Verletzungen folgt keiner Logik. Man kann ned einserseits sagen die Burschen gehn am Zahnfleisch und es fehlen zu viele Schlüsselspieler…und dann aber die Lichtblicke anführen wie die Spiele gegen die Franzosen. Wenn die Lichtblicke kein reiner Zufall waren muss der Restekader wenn man so will zumindest gegen den WAC und Lustenau auch reichen. Ein Helac hat erst einen Fehler gemacht der ist erst kürzlich Nummer 1 geworden, wenn der überspielt ist dann in Fifa. Ein Malic hat sich selbst ein Spiel Pause verschafft. Ein Matoshi mit eklatanten Fehler spielt dort wo wir noch genügend Spieler haben die fit sind. Ein Diakite spielt viel aber leistet auch viel dahinter aber mit Bega, Wloda und Kayombo 3 Wechselspieler. In der Defensive kann man eher das Argument machen nur bei Stanko (Alter) und Koller (Qualität) spielen andere Faktoren ehrlicherweise auch eine Rolle. In Summe kannst das Argument halt ned gelten lassen weil im Umkehrschluss würde es heißen wenn der Kader ist zu unausgewogen wenn z.B. der 2. Anzug gegen Lustenau untergeht (wobei da von einem 2. Anzug zu reden auch arg ist wenn der Weinhandl allein mehr wert ist als der gesamte Gegner).

    Der letzte Absatz erschließt sich mir auch nicht. Glaube Titel verlangen tun die wenigsten…nur wennst den letzten Trainer auf Platz 3 stanzt dann wird der einfache Fan ned verstehen warum Platz 4 mit dem neuen Trainer okay sein soll.

    Cup war eine Blamage. Ned nur das Ausscheiden auch das Wie. Egal der Umstände. Des ist realistisch.

    In der Liga sind Siege außer gegen die Top3 auch realistisch forderbar. Sonst sind wir ein UPO-Team.

    EL sind Punkte gegen Celje, Ofi, Zagreb realistisch forderbar. Hoffenheim, Rennes, Marseille, Alkmaar , kannst nix erwarten. 3-9 Punkte Spanne ca. – kann man sagen im Soll..Aber was hilft dir die Leistung gegen die Franzosen wennst sie gegen die Slowenen weghaust? Ärgerlich halt.

    Für mich macht halt die Haltung „mehr Licht als Schatten“ wenig Sinn. Wenn der Kader passt, der Trainer, die Teamchemie…warum schwächeln wir dann gegen Teams wo wir selbst in 2ter und 3ter Garnitur rüber müssen? Bringt ja nix die Erwartungshaltung runterzuschrauben just wenn die Punkteteilung abgeschafft wurde. Lass ich mir eher einreden zu sagen „bis zur Teilung is es eh mehr oder weniger wurscht dann zählt es“ und man hätte Säumel seinen Vertrag einfach ausgewartet oder ihn halt bei fehlendem Erfolg in der Meistergruppe gestanzt. Jetzt zu „chillen“ wo die 5JW drückt, weniger Punkte, keine Teilung, andere Teams stärker usw…vorige Saison hätte man wohl den Säumel am Schöckl gekreuzigt hätte er gesagt was der letzte Absatz übersetzt heißt:
    „Ich weiß nicht woher die hohen Ansprüche kommen“

    Der EC muss immer Anspruch sein.

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