Andi Schicker: „Man braucht Träume, um sich inspirieren zu lassen“
Nach dem Spiel bei Slovan Bratislava ließ ein sichtlich entspannter Geschäftsführer-Sport tief blicken, sprach über Werder Bremen, inwieweit er es für realistisch hält, dass Sturm im Achtelfinale der Conference-League ausweichen wird müssen, zur noch ausbleibenden Förderung der Stadt Graz für ein neues Trainingszentrum und ob in seinem Kalender der 29. Mai bereits mit dem Wort Athen versehen ist:

(c) SturmNetz
Wohin und wie lange könnte diese Reise in Europa noch gehen?
Ich hab mich bislang nur ein wenig damit beschäftigt, wer die kommenden Gegner sein könnten. Es ist natürlich so, dass das alles sehr gute Mannschaften sind. Allerdings haben wir auch gegen vermeintlich bessere Teams schon bewiesen, dass wir performen und bestehen können.
Stimmt es, dass der Austragungsort Graz für die nächste Runde noch gar nicht fix ist?
Egal wer kommt, wir wollen in Graz spielen. Das ist unser Stadion. Egal mit wem du redest, jeder kennt die besondere Energie, die Liebenau geben kann. Ich hoffe, wir werden am 7. März einen Fußballabend erleben, an dem alle letztendlich sehr glücklich nach Hause gehen.
Wie sehr schmerzt es, wenn man sieht was in Bratislava stadiontechnisch möglich ist?
Als ich gestern hier reingekommen bin, habe ich sofort gesagt, das da ist das ideale Stadion für Graz. Bis auf die bunten Sitze hätte es alle Facetten, die uns ein Stadion bieten sollte. Die Sitze noch schwarz einfärben, dann würde es sehr gut nach Graz passen. Wenn man rein hört, weiß was das vor fünf Jahren gekostet hat, wäre das da ein Traum.
Könnte auch der zugeloste Gegner entscheidend sein, wo man das nächste Heimspiel austrägt?
Wie gesagt, wir wollen in Graz bleiben. Aber natürlich, bekommen wir zum Beispiel Fenerbahce, wäre das ein Gegner, wo man sich das nochmals überlegen müsste. Das hat jetzt nicht unbedingt mit der Größe des Vereins zu tun, eher mit Sicherheitsaspekten. Die Merkur-Arena ist dahingehend ja auch alles andere als optimal.
Hast du überhaupt noch Hoffnung, dass sich bezüglich Stadion doch noch was tut?
Ich bin da gar nicht der richtige Ansprechpartner. Ich gehe zu den Gesprächen mit der Politik schon lange nicht mehr mit. Da habe ich bessere Dinge zu tun. Hoffnung habe ich schon, da wir im Verein alle optimistische Menschen sind. Aber ich trau mich zu behaupten, dass ich ein neues Stadion in Graz nicht erleben werde. Was aber nicht bedeutet, dass ich bald den Verein verlassen werde. Sondern, dass das noch sehr sehr lange dauern wird.
Auch die Causa Trainingszentrum scheint ja überaus kompliziert zu sein.
Stadion ist das Eine, aber das ist ein Punkt, der mich noch mehr ärgert. Das Land Steiermark hat klar signalisiert, hinsichtlich einer Akademie für unsere Damen, für unsere Jugend, uns zu unterstützen,. Auch wir als Verein haben klar signalisiert, dass wir ein Drittel beisteuern werden. Stand Jetzt ist von der Stadt Graz nichts gekommen. Das enttäuscht mich schwer. Wenn da absolut nichts kommt, muss man sich überlegen, ob man nicht wo anders hin geht. Das wäre zwar sehr bitter, aber man muss sich auf Sicht langsam fragen, ob Spitzenfußball in Graz überhaupt erwünscht ist. Ich schau ohnehin schon regelmäßig, ob die Bagger schon auffahren. Wir alle wissen, dass unsere Infrastruktur nicht mehr zeitgemäß ist. Es muss etwas passieren.
Gibt es so etwas wie eine Dead-Line?
Wir haben ja nächsten Mittwoch Generalversammlung, ich denke, da wird es weitere Infos vom Präsidenten geben. Sollte bis dahin die Förderungsabsage da sein, wird eine Entscheidung meiner Meinung nach relativ zeitnah fallen, Graz zu verlassen. Wenn für so etwas kein Platz mehr ist, muss man sich wirklich hinterfragen.
Was magst du uns noch zum Thema Werder Bremen verraten?
Ich hab mich mit diesem Thema wirklich wenig beschäftigt. Mein Fokus lag im Jänner auf die Transferzeit, im Februar auf unsere zahlreichen Partien. Es ist ja kein Geheimnis, dass es Kontakt mit Werder gab. Aber ich bin dann auch immer froh, wenn es Klarheit gibt. Die gibt es jetzt, jetzt fallen die Spekulationen weg. Jeder weiß, dass ich mich in Graz sehr wohl fühle und ich jeden Tag gerne zur Arbeit gehe. Wenn wir wie heute international weiterkommen, natürlich noch lieber.
Besteht wieder Hoffnung, dass es den Sportdirektor Schicker noch lange in Graz gibt?
Ich sage immer, dass sind Dinge, die kommen ohnehin von selber. Das sage ich den Spielern ja auch. Man sollte nie etwas erzwingen. Es war eine Ehre, dass so ein großer Verein wie Werder Interesse bekundet hat, mehr gibt es da auch nicht zu sagen. Es kam nicht überraschend, dass Clemens Fritz den Vorzug bekommen hat
Den Vorzug, weil Andi Schicker abgesagt hat?
(lacht). So weit ist es gar nie gekommen. Ich habe immer gesagt, dass es für beide Seiten passen muss.
Gibt es im Schattenkader von Andi Schicker auch einen Schatten für Andi Schicker?
Natürlich gibt es so etwas.
Intern oder Extern?
Beides
Hast du dir schon einmal Gedanken gemacht, was wir am 29. Mai so machen werden?
Im Idealfall sind wir da in Athen. Das ist natürlich noch sehr weit hergeholt. Das ist ein Traum. Aber man braucht Träume, um sich inspirieren zu lassen. Die haben wir. Aber natürlich muss man das Ganze realistisch betrachten.

sehr aufschlussreiches Interview, danke dafür!
Es freut einen zu lesen, dass Träume im Verein erlaubt und erwünscht sind. Denn was bringt es, in einer Liga oder Gruppenphase etc. mitzuspielen, wenn man nicht davon träumt, sie auch zu gewinnen? Natürlich sollte man dabei immer mit den Füßen auf dem Boden der Realität bleiben, um nicht ohne Sicherung völlig abzuheben. Zur Thematik Stadion und Trainingszentrum (hier sollten alle, egal ob weiblich, männlich oder kindlich, am selben Ort trainieren) ist das ein Fass ohne Boden. Zu viel wurde in den letzten Jahren versäumt. Mittlerweile sind wir bei Baukosten angekommen, die gewisse Träume zu Albträumen lassen werden. Von Seiten der Stadt darf man sich auch nichts erwarten, sie bevorzugt ihre Radwege-Straßen und andere ideologische Träume.
So bleibt uns einfach nur, das aktuelle, was den Verein und die Mannschaft betrifft, zu genießen und zu hoffen, dass die Träume eines Herrn Schicker bezüglich des SK Sturm nicht nur Träume bleiben, sondern Realität werden..
Achtung, Lille wir kommen!