Selten deppertes Last-Minute-Unentschieden

Spielbericht light: SK Sturm 2:2 (1:1) SV Ried

Wenn man ein Spiel sieht, bei dem das eigene Team im Elf-gegen-elf klar überlegen und in Führung ist, und am Ende trotzdem nur einen Punkt holt, dann tut die Ursachenforschung besonders weh. Besonders, wenn sie so schnell vorbei ist. Diesmal liegt der Grund in der 45. Minute.

Diakité blieb erstmals seit längere Torlos. (c) Sturmtifo.com

Davor war es eine Machtdemonstration mit schlechter Chancenauswertung. Sturm Graz schnürte die SV Ried von Beginn an ein, nach elf Minuten hatte man schon rund 80 Prozent Ballbesitz. Leitner im Rieder Tor hielt gegen Diakité (3.), Malić (20.) und Seidl (30.) stark, in der 31. Minute war er aber geschlagen: Seidl traf zum verdienten 1:0. Ried kam offensiv kaum vor, Sturm hatte Ball und Gegner im Griff.

Simon Seidl bewies erneut seine gute Form. (c) Sturmtifo.com

Dann kam der Moment, den man in Zeiten des VAR nur mit Dummheit erklären kann. Arjan Malić, bis dahin mit einem seiner besseren Spiele, stieß Rhodes weit weg vom Spielgeschehen während einer Einwurfunterbrechung mit dem Ellenbogen in den Rücken. Ein dämlicher, kleiner Rempler, aus dem der Gegenspieler viel machte. Aber so dermaßen unnötig, dass es beim Hinsehen weh tat. Natürlich musste ein Schiedsrichter dafür die Ampelkarte zücken, wenn der VAR sich einschaltete. Und dieser tat es. Nach VAR-Check blieb Schiedsrichter Barmaksiz nur diese dämlichste aller Roten Karten (45.+2). Eine Aktion ohne Ball und ohne Not, bei einer klaren Führung in einem Spiel, das keineswegs hitzig geführt wurde – kurz vor der Pause. In der Nachspielzeit folgte das nächste Blackout – J.P. Hödl streckte den Arm aus, um einen Ball zu stoppen. Das bedeutete einen denkbar unnötigen Elfmeter nach einem noch unnötigeren Handspiel, die SV Ried sagte Danke und Pomer glich zum 1:1 aus (45.+5). Aus einer kontrollierten Führung wurde in drei Minuten ein Spiel, das plötzlich alle Erwartungen brach.

Mit diesem Wirkungstreffer ging es in die Pause (c) Sturmtifo.com

Nach der Pause musste Sturm umstellen und überließ Ried den Ball. In der 55. Minute köpfelte Kiese Thelin nach einer Rossdorfer-Flanke zum 1:2 ein, Gorenc Stanković kam im Luftduell nicht hin – weil er von Kiese Thelin nach unten gedrückt wurde. In der Premier League zählt dieser Treffer immer, aber gerade im kleinlichen Österreich hätte es bei anderen Teams auch schon mal eine VAR-Intervention geben dürfen. Ried hatte jedenfalls mehr vom Spiel, Helac verhinderte mit den Fingerspitzen gegen Thelin das mögliche 1:3 und hielt die Chance auf einen Punkt fest.

Die Kurve brachte über volle 90 Minuten ihre Leistung. (c) Sturmtifo.com

Dass es diesen einen Punkt doch noch gab, ist Belmin Beganović zu verdanken, ausgerechnet dem Ex-Rieder. Nach einem Fersler von Halwachs, ging Hödl per Gurkerl in den Strafraum und legte quer, Beganović verwertete mit Hilfe der Lattenunterkante (90.+2). Diese Koproduktion bügelte auch Hödls-Elfmeterverschulden aus.

Großer Jubel nach feiner Kombination der jungen Spieler Halwachs, Hödl und Beganović (c) Sturmtifo.com

Insgesamt war das 2:2 am Ende ein starkes Zeichen von zehn Mann. Es bleibt dennoch ein Punkt, der sich nach diesem Spielfilm eher wie ein verlorener Sieg anfühlen muss. Nach Schlusspfiff sah dann passenderweise auch noch Trainer Ingolitsch Rot – wegen Kritik am Schiedsrichter. Unsouverän und erneut unnötig.

Bitter: Malić fehlt einem bereits durch Verletzungen dezimierten Kader nun gesperrt, Sturm liegt nach zehn Runden neun Punkte hinter Rapid und der Trainer wird auch Pause machen müssen. Zuhause bleibt man in der Liga aber weiter ungeschlagen. Sportlich war an diesem Nachmittag nichts auszusetzen, aber sympathisch und souverän war dieser Auftritt keinesfalls. Weiter geht es im Cup am Donnerstag, 29.10. um 18 Uhr im Stadion der Lustenauer Austria. Hoffentlich dann wieder mit kühleren Köpfen. Die Kurve forderte nach dem Spiel lautstark das Cupfinale ein.

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