Neuzugang Joshua Quarshie im Portrait

Wir haben uns intensiv mit dem sympathischen Deutschen beschäftigt.

Letzte Woche wurde es seitens der Vereine offiziell verkündet: Joshua Quarshie wechselt für die laufende Saison leihweise vom FC Southampton aus der englischen Championsship zum SK Sturm, Kaufoption wurde keine verankert.

Quarshies frühe Jahre

Der 22-jährige Innenverteidiger, dessen Eltern aus Togo und Ghana stammen, hatte bereits in seinen ersten Jahren eine Odyssee an Vereinswechseln hinter sich. Achtjährig schnürte er seine Fußballschuhe zuerst für die Jugend des Duisburger FV 08, dessen Kampfmannschaft in der sechstklassigen Landesliga Niederrhein spielte. Nach drei Jahren folgte der Wechsel innerhalb seiner Geburtsstadt Duisburg zum SC Preußen, also eine Station tiefer. Nach nur einem Jahr ging es wieder eine Liga tiefer zum TuRa 88 Duisburg. TuRa steht hier – für Neugierige – für Turn- und Rasensportverein, wobei der Verein vor allem für seine Sektion Trampolinspringen bekannt ist. 

2017 konnte Quarshie dann offenbar auf sich aufmerksam machen, immerhin klopfte zum ersten mal ein echtes Kaliber im deutschen Fußball an seine Tür. Der FC Schalke holte den damals 13-jährigen in seine Jugend, wo er zwei Jahre verbrachte, ehe er 2019 in die Jugend des Hauptstadtklubs aus NRW wechselte – zur Fortuna Düsseldorf. Doch wieder bahnte sich ein Wechsel an, ein Jahr später wechselte Quarshie in die U17 des damaligen U-17-Bundesligisten RW Essen

Dort kam er auch zu seinem Debut in der U17-Bundesliga, also der höchsten Spielklasse der B-Junioren, als er gegen die Alterskollegen von Borussia Mönchengladbach gleich in der Startelf stand und die vollen 80 Minuten (sic!) durchspielte. 

Im Folgejahr wurde Quarshie dann in die U19 der Essener befördert, wo er gleich am ersten Spieltag über die volle Distanz – diesmal von 90 Minuten – gegen die Kölner Viktoria mit dem Wattener Innenverteidiger David Kubatta zum Einsatz kam. Dass der 1,96 große Turm auch seine Qualitäten im Abschluss hat, zeigte er in den beiden folgenden Spieltagen, als er sowohl gegen die Altersgenossen aus Mönchengladbach und aus Bochum jeweils ein Tor erzielte. Bei zweiterem ließ er mit Tim Oermann auch einen späteren Sturm-Akteur alt aussehen. In der U19 der Essener entwickelte sich Quarshie zum Leistungsträger und Stammspieler, also folgte der logische Schritt in den Erwachsenenfußball, im zarten Alter von 18 Jahren wechselte er zur TSG Hoffenheim, wo zu jenem Zeitpunkt noch Andre Breitenreiter den Ton angab. 

Vorgesehen war Quarshie zu Beginn schon für die Zweitvertretung der Sinsheimer in der viertklassigen Regionalliga Südwest, trotzdem fand sich gleich am ersten Bundesligaspieltag sein Name auf dem Match-Sheet. Mit Christoph Baumgartner und Co trat er also die Reise nach Leipzig an, wo er gegen RB mit Xaver Schlager aber noch ohne Einsatz blieb. Sein Debut folgte zwei Wochen später, und wieder war der Gegner ein fragwürdiger Kommerzverein – gegen den VfL Wolfsburg kam er in der Nachspielzeit zu einem Kurzeinsatz, nur wenige Jahre nach seinen zahlreichen Vereinswechseln feierte er mit 18 Jahren sein Debut in Deutschlands Oberhaus. 

Mehr als eine Minute in der Bundesliga blieb ihm allerdings verwehrt, die restliche Saison verbrachte er – wie geplant – bei der „Zweier“ der TSG in der Regionalliga, wo er allerdings sowas wie ein Dauerbrenner war. Wenn er ein Spiel verpasste, dann fast nur aufgrund von (doch zahlreichen) Gelb- oder gar Rotsperren. 

Die Saison 2023/24 ging für Quarshie so los, wie die Vorsaison endete. Für den Bundesligakader war er in der Regel kein Thema, in der Regionalliga war er unverzichtbarer Teil der Mannschaft, der im Übrigen mit Fisnik Asslani (ehem. Austria Wien), Melayro Bogarde (LASK) und Quincy Butler (WSG Tirol) auch drei weitere Spieler mit Bezug zur heimischen Bundesliga angehörten. 

Erste Zweitligaerfahrungen

Im Dezember 2023 folgte dann der Deadline-Day Wechsel zu seinem Ex-Klub Fortuna Düsseldorf, wo er endlich auch im Profifußball ankommen konnte. In der 2. Bundesliga war er sofort gesetzt, beim Heimsieg über den Hamburger SV kam es aber zu einer Muskelverletzung, an der er lange laborierte. Zwar verpasste Quarshie nur ein Spiel, machte im Verlauf der restlichen Saison aber nur mehr etwa 20 Spielminuten für die Fortunen. Auch die mehr als historische Relegation zwischen der Fortuna und dem VfL Bochum musste – oder vielmehr durfte – Quarshie von der Bank aus beobachten. Nach einem furiosen 3:0 Auswärtserfolg der Düsseldorfer in Bochum, in dem es übrigens zu einem Wiedersehen mit Tim Oermann kam, folgte beim Heimspiel in Düsseldorf ein historischer Nackenschlag. Das 3:0 aus dem Hinspiel wurde vor allem durch eine individuell absolute Weltklasseleistung von Kevin Stöger egalisiert, im Elfmeterschießen unterlag man schließlich und das Bochumer Sommermärchen war geschrieben. 

Sein Leihvertrag galt ein Kalenderjahr, also bis zum Winter 2024, und von den möglichen 19 Spielen absolvierte Quarshie nur fünf, meist kam es auch nur zu Kurzeinsätzen. Er wird also recht froh gewesen sein, dass sich mit Greuther Fürth bereits ein weiterer Interessent um seine Dienste bemühte, sodass er einen fliegenden Wechsel innerhalb der 2. Bundesliga machte. In Fürth brauchte er nicht lange, um anzukommen, er absolvierte jedes mögliche Spiel über die vollen 90 Minuten und kam überwiegend im Zentrum oder rechts in der Dreierkette zum Einsatz. 

Nach seiner Leihe in Fürth kam dann bereits der Wechsel auf die Insel, die Sinsheimer – mittlerweile mit Christian Ilzer und Andreas Schicker – kassierten etwa 3,5 Millionen Euro. In der ersten Saisonhälfte kam Quarshie noch regelmäßig zu Einsätzen, als der Vorstand den Trainer mit dem klingenden Namen Will Still aber durch Tonda Eckert ersetze, ließen seine Einsatzzeiten nach. Immerhin ein Highlight blieb auf der Insel – im vergangenen April schlug man sensationell den späteren Meister Arsenal mit 2:1 im heimischen St. Mary’s Stadium, Quarshie kam in der 97. Minute für Ryan Manning ins Spiel und durfte ganz kurz in die absolute Weltklasse schnuppern – immerhin standen zu diesem Zeitpunkt auch Spieler wie Martin Odegaard, Kai Havertz, Viktor Gyokeres oder William Saliba auf dem Feld. 

Quarshie im Nationalteam

Foto: Wikimedia Commons

28 Mal durfte sich Quarshie auch das Schwarz-Rot-Gold verschiedener Jugendauswahlen des DFB überstreifen, die meisten davon in der U20 (11). In der U21 kam er sechs mal zum Einsatz, sein letztes Nationalteamspiel datiert auf vergangenen März. Dabei durfte er immerhin auch bereits einen Bekannten in Graz haben, immerhin teilen sich Mainz-Leihgabe Nelson Weiper und Joshua Quarshie mehrere gemeinsame Nationalteameinsätze in diversen U-Auswahlen. Auch Emran Soglo dürfte Quarshie noch ein Begriff sein, immerhin wurden beim Aufeinandertreffen der deutschen und englischen U20-Auswahl im November 2023 sowohl Quarshie (für Tim Oermann), als auch Emran Soglo eingewechselt, das spektakuläre Spiel endete mit einem 3:2 Sieg der Three Lions im Regensburger Jahnstadion. 

Spielerisch ist Quarshie ein Ausnahmespieler, vor allem, was seine Physis betrifft. Mit seinen 1,96 Metern Seehöhe bringt er nochmal mehr Körpergröße als Jeyland Mitchell mit, dazu dürften auch seine Einwürfe ähnlich weit gehen. Überraschend ist aber vor allem, wie schnell Quarshie in Bewegung kommt und wie schnell er am Ende auch ist – bis zu 38km/h. 

Taktisch passt Quarshie perfekt in eine Dreierkette bzw. Fünferkette, wo er vor allem bei Greuther Fürth starke Leistungen zeigte. Zumeist kam er auf der Position des rechten Innenverteidigers zum Einsatz, er wurde aber auch im Zentrum und auf der linken Seite eingesetzt. Seine Beidfüßigkeit ist hier bestimmt kein Nachteil, sodass er auch beim SK Sturm – sollte sich Fabio Ingolitsch zu einer Dreierkette überreden lassen –  diese Rolle übernehmen könnte. 

Neben seinen Stärken, also insbesondere seiner Physis, seiner Schnelligkeit, seines Antritts und seines Zweikampfverhaltens insbesondere in der Luft, bringt ein junger Spieler natürlich auch Schwächen mit, die dürften sich bei Quarshie aber in Grenzen halten. Ungestümes Zweikampfverhalten führte speziell in jüngeren Jahren zu Sperren. Seine Entscheidungsfindung gegen den Ball, insbesondere bei schnellem Umschaltspiel des Gegners, hat noch Mängel, die mit einem routinierten Abwehrchef und Dirigenten, wie etwa Albert „Bertl“ Vallci, sich aber mit Sicherheit verbessern werden. 

Wir beglückwünschen Florian Sittsam und Michael Parensen zu diesem Transfer und heißen Joshua herzlich Willkommen in Graz! 

3 Kommentare

  1. ...und wir dahinter sagt:

    SturmNetz wird auch immer kryptischer. Zuerst der Stürmer der uns verklagt, jetzt gratulieren wir Florian Sittsam zum Transfer 🙂 … danke für den tollen Artikel. Bin gespannt. Ob es eine Kaufoption gibt, wird natürlich nicht kommuniziert 🙂

    • Lukas Gradischnig sagt:

      danke, ist korrigiert!

    • ...und wir dahinter sagt:

      @Lukas: Ich hab jetzt nicht gemeint, dass es mich stört, dass da Florian Sittsam stand 🙂 … mich hätten nur die Hintergründe interessiert. Also hat er den Kontakt hergestellt/Transfer abgewickelt…(so wie es der damalige Chefscout Andi Schicker bei Dante gemacht hat)? Weißt du da näheres? 🙂

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