Acht Tore im K.O.-Spiel

SK Sturm Frauen gewinnen wilde Auswärtspartie

Um elf Uhr vormittags schaltet man doch gerne den Livestream ein, um die Arbeit etwas zu vernachlässigen und stattdessen den schwoazen Kickerinnen auf die Wadeln zu schauen. Das Wetter sah auf den Bildern nicht gerade gemütlich aus, dafür schmeckte der Kaffee umso besser. Und das Spiel sollte nicht minder gut tun. Doch Eines nach dem Anderen.

Die eigenen Statistiken sind oft die beste Selbstvertrauens-Injektion. (c) Sturmtifo

Bereits am Vormittag in der letzten Spielbesprechung fand Trainer Djaković die richtigen Worte. Einem unerfahrenen Team, dem es auf europäischer Ebene noch an Selbstvertrauen mangelt, hilft es, die eigene Stärke anhand von überzeugenden Statistiken aus dem Hinspiel vor Augen zu führen. Das 2:1 in Graz war nach Zahlen hochverdient. Und auch eine mögliche Wiederholung der emotionalen Feier mit den Fans in Liebenau sollte als Ansporn dienen.

Coach Tode Djaković motiviert das Team mit emotionalen Erinnerungen. (c) Sturmtifo

Was am 2.9.2026 um kurz nach 12 Uhr Ortszeit in Litauen abging, das war schwer zu erklären. Der SK Sturm Graz war mit einer knappen 2:1-Führung aus dem Hinspiel ins Auswärtsmatch gegangen, traf nach vier Minuten zur 1:0-Führung und lag nach 15 Minuten dennoch 1:3 gegen FC Gintra zurück.

Die Startelf im Rückspiel in Litauen. (c) Sturmtifo

Im Gegensatz zum Hinspiel war Sturm wie aufgezogen auf’s Feld marschiert. Die Defensive nahm allerdings zu viel Risiko, den Litauerinnen ging alles auf und so sah man sich plötzlich einem Rückstand hinterherrennen. Die Taktgeberin im Mittelfeld, Sara Pavlović, fand schließlich mit einer gelben Karte in der 22. Minute den richtigen Hebel und das Team nahm den Kampf an. Auch Brigitta Pulins holte sich Gelb ab, Sturm war nun nicht nur auf dem Scoreboard, sondern auch in den Zweikämpfen angekommen.

Wildes Spiel. Gestocher. Pulins trifft. Das war das Motto. (c) Sturmtifo

Sturm drückte an, wie man es bereits aus der zweiten Hälfte der Vorwoche kannte. Gintra war zwar ideal ins Spiel gekommen, verlor allerdings immer mehr den spielerischen Faden. Die schwoaze Offensive in weißen Trikots nahm Fahrt auf. Mentalitäts- und Unterschiedsspielerin Lilla Sipos erzielte in der 26. Minute den Anschlusstreffer. In der 33. Minute erzwang Sturm per Eigentor (Spieß hatte ihre Beine entscheidend im Spiel) den Ausgleich. Und in der ersten Minute der Nachspielzeit holte Sturm sich die Führung zurück – der Pulins-Treffer wurde jedoch ebenfalls als ein weiteres Eigentor gewertet (45.+1).

Das magische Dreieck des SK Sturm: Breznik, Pulins, Sipos. (c) Sturmtifo

Die zweite Hälfte startete ebenfalls unterhaltsam, allerdings nicht so vogelwild wie die erste. Doch diesmal ließ sich Sturm nicht von der Erfahrung der Gegnerinnen abkochen, sondern hielt dagegen. Einmal mehr war es Brigitta Pulins, die mit dem 5:3 aus Grazer Sicht erhöhte. Sie verwandelte einen Elfmeter (53. Minute).

Brigitta Pulins trifft und trifft und trifft… (c) Sturmtifo

Die Zwei-Tore-Führung markierte tatsächlich die Vorentscheidung. Der FC Gintra verlor zusehends den Glauben an eine Wende und Sturm spielte das Spiel nach Hause. Ein, zwei etwas härtere Einlagen der Gastgeberinnen zeigten die Unzufriedenheit mit ihrem eigenen Spiel. Sturm war am Ende oft einen Schritt schneller, wacher und ließ sich nicht mehr aus der Reserve locken. Besonders die läuferisch starken Leistungen von Laura Krumböck (öffnete immer wieder Räume für Pulins), Sophie Maierhofer (Defensivabräumerin) und Marie Spieß (offensiv und defensiv überall zu finden) machten den Unterschied in dieser Phase.

Nach dem vorentscheidenden 3:5 wurde die Gangart der Litauerinnen ruppiger. (c) Sturmtifo

Das Wetter klarte auf, die Defensive um Großgasteiger, Bormans und Wattilete hielt dicht und am Ende strahlte das Grazer Team mit der Sonne um die Wette. Bereits am selben Abend ist die Heimkehr geplant – und bestimmt auch das eine oder andere Feiergetränk auf der Reise zurück. Ein Gesamtscore von 7:4 lädt jedenfalls dazu ein.

Auf der Funktionärsbank gute Stimmung: Michael Erlitz, Susanne Gorny und Helmut Degen (v.l.n.r.) (c) Sturmtifo

Ein ungeschlagener September wie es der August war, ist natürlich der Traum. Mit zwei weiteren Europacup-Spielen Ende des Monats – eines davon hoffentlich wieder in Liebenau – dürfte das Vorhaben schwieriger, aber auch aufregender werden.

Michael Erlitz (Sportl. Leiter Frauen): „Es war heute ein unglaublich wildes und intensives Spiel. Durch die schwierigen Platzverhältnisse sind wir zu Beginn etwas aus unserer Spur gekommen und haben uns mit dem Rückstand das Leben zusätzlich schwer gemacht. Wir haben unsere Spielweise etwas angepasst und sind immer besser ins Spiel gekommen. Was unsere Mannschaft danach gezeigt hat, war einfach unglaublich. Diese Mentalität, dieser Glaube und die Bereitschaft, bis zum Schluss alles zu investieren, haben uns den Sieg gebracht. Mit dem 5:3 schreiben wir Vereinsgeschichte und schaffen es erstmals, international eine Runde weiterzukommen. Darauf können wir unglaublich stolz sein.“

FC Gintra 3:5 (3:4) SK Sturm Graz

Sturm: Dübel; Großgasteiger, Bormans, Wattilete; Spieß, Pavlović, Maierhofer, Sipos; Breznik; Krumböck, Pulins

Wechsel: Keutz für Breznik (83.); Tragl für Krumböck (90.)

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