Sturm Graz ist frei – 20 Jahre Zwangsausgleich
Der Herbst 2006 war für den SK Sturm und seine Anhänger schmerzhaft, prägend und lehrreich zugleich. Nur wenige Jahre nach der erfolgreichsten Ära des Klubs standen die Schwoazen mit mehr als einem Bein am Abgrund. Kurz nachdem man nie für möglich geglaubte nationale und internationale Erfolge einfuhr, zog bald der Größenwahn ein, zu viele Spieler wurden mit nicht finanzierbaren Verträgen ausgestattet, Schwarzgelder bezahlt und Einnahmen aus Ticketverkäufen am Finanzamt vorbeigeschleust. Durch die daraus resultierenden Forderungen war der Verein zahlungsunfähig und am 23. Oktober 2006 musste Hannes Kartnig am Handelsgericht Graz einen Konkursantrag stellen – auch die Fortführung des Spielbetriebs stand auf der Kippe. Kartnig musste abtreten, Gönner und Investoren sprangen ein und wie durch ein Wunder konnte der Klub nach langem Kampf doch noch in letzter Minute gerettet werden. Da es beim Stadtrivalen fast zeitgleich ebenfalls zu massiven finanziellen Ungereimheiten kam, dem GAK sogar 28 Punkte abgezogen wurden beziehungsweise in weiterer Folge die Lizenz entzogen wurde, war ein erstmaliger Abstieg nach fast vier Jahrzehnten zudem schnell kein Thema mehr.
Am 2. Oktober 2026 steht der vierte Sturmhistorische Themenabend in der Sportsbar ganz im Zeichen dieser dunklen Phase. Wir haben uns mit Macher Benjamin Sikora über seine persönlichen Erinnerungen an jene Zeit und was uns an diesem Abend erwarten wird, unterhalten:
SN: Benni, 2006 warst du erst 17 Jahre alt, aber bereits schwarz-weiß durch und durch. Wie erinnerst du dich persönlich an jene prägenden Tage?
BS: Einen Tag bevor der Zwangsausgleich durchging, habe ich meinen 18. Geburtstag gefeiert. Natürlich sehr gedämpft. Zum Feiern war mir erst am Tag danach zu Mute. Wie viele andere Jugendliche in diesem Alter stand ich auch auf einem Scheideweg, was ich mit meiner Freizeit anfangen werde. Wo möchte ich hin in meinem Leben? Ich habe mich meiner sehr prägenden Kindheit mit Sturm besinnt, die Angst alles sehr abrupt zu verlieren, war allgegenwärtig. Die letzten zwei, drei Jahre vor dem Konkurs war ich eher seltener im Stadion, mit dieser drohenden Pleite, mit der Gefahr, dass mein Verein ausgelöscht werden könnte, begann wieder eine Zeit der noch intensiveren Zuwendung. Ich glaube, es ist damals vielen so gegangen. Viele haben gespürt, dass der Verein sie nun ganz besonders braucht. Und andersrum genau so.
Wann begann damals deiner Meinung nach der Absturz? Was waren die gravierendsten Fehler, die gemacht wurden?
Ich würde sagen, das war ein Mehrteiler. Beginnend schon mit der dritten, für lange Zeit letzten und an und für sich so erfolgreichen Champions League-Saison. Die Lehren, die man daraus gezogen hat, waren definitiv nicht, dass man wusste wo als Verein man im europäischen Fußball steht, sondern man wollte an diese Erfolge anknüpfen, eventuell sogar noch mehr. Ein weiterer Knackpunkt waren natürlich die Abgänge von Ivica Vastic und Ivica Osim im Jahr 2002. Für mich war der spürbarste Faktor, der nachhaltigste, negativste Faktor der Verkauf der Gruabn. Diese vielen falschen Versprechungen mündeten in eine Negativspirale.
Für viele damals Beteiligte war dieser Beinahe-Tod des SK Sturm eine echte Zäsur. Findest du auch, dass manche Dinge klubintern gegenwärtig noch immer aufgrund dieser damaligen Ereignisse so passieren? Und was macht man heute wesentlich besser als damals?
Natürlich. Ich glaube, für Viele, die den Verein beobachten, ist das etwas ganz Offensichtliches. Einerseits denkt man intern ab und an etwas konservativer, wirtschaftet sorgfältiger. Andererseits merkt man das auch von der politischen Seite, am Beispiel der Stadionthematik. Auch da wird mit dem Worst-Case-Szenario gedroht. Weswegen man sich auch da nicht in finanzielle Abenteuer einlassen will. Das hängt natürlich noch nach. Vor allem diese Kombination aus den Pleiten beider Grazer Klubs. Gleichzeitig glaube ich aber, dass wir das bei uns im Verein nun besser machen. So kalkulieren wir nicht über unseren Verhältnisse. Wir rechnen nicht fix mit irgendwelchen europäischen Gruppenphasen, sondern sehen das nur als etwaigen Bonus für die Folgesaison. Das ist etwas, was mich beruhigt, eine Sache, die wir aus der Geschichte gelernt haben.

Erste Bedingung aller Gönner, Investoren und auch der Fans war ein sofortiger Rückzug von Hannes Kartnig (c) SturmTifo.com
Was dürfen wir uns von diesem Abend erwarten und warum sollte kein geschichtsaffiner Blacky diesen Termin verpassen?
Ich glaube, jeder der zumindest einen der bisherigen sturmhistorischen Abende beiwohnte, hat gesehen, wie akribisch und detailliert Patrick Weißenbacher und ich versuchen, die jeweilige Epoche der Sturmgeschichte aufzuarbeiten, immer mit prominenter Besetzung und entsprechenden Gesprächspartnern. Gleichzeitig kommt der Schmäh nicht zu kurz. Das wird auch am 2. Oktober so sein. Jeder, der sich für die Geschichte unseres Klubs interessiert und vor allem jeder, der das Wort „Traditionsverein“ irgendwo mitausspricht und danach lebt, sollte sich mit der Historie auseinandersetzen. Gerade mit einem Thema, das neben der Verpflichtung von Ivica Osim die zweite ganz große Wendeperiode in unserer Geschichte war.
Sturm Graz ist frei – 20 Jahre Zwangsausgleich
Datum: 2. Oktober 2026
Gäste: Christian Jauk, Mario Kienzl, Alexander Stangl
Einlass: 18:30 Uhr
Beginn: 19:09 Uhr
Thema: Sturm Graz ist frei – 20 Jahre Zwangsausgleich
Location: SportsBar – Das Eggenberg (auf der Eventfläche beim Stadion Graz Liebenau)
Dauer: ca. 2 Stunden
Preis: €24,50 (Für Mitglieder €19,09) – der Reinerlös geht an „Schwarze hilft“
Hier könnt ihr Tickets für die Veranstaltung kaufen.


War es nicht schnell absehbar, dass hier der Spielbetrieb fortgeführt werden konnte? Von Auflösung und Liquidierung war nie die Rede, soweit ich mich erinnere. Auch von „wie durch ein Wunder“ und „in letzter Minute gerettet“ kann man eher nicht sprechen, da früh Lösungen/Rettungen im Raum gestanden haben (durch Fedl und Rinner – beide mittlerweile RIP). Und nur durch den Punktabzug des GAK sind wir auch nicht in der Liga geblieben, der sportliche Abstieg war trotz 13 Punkten Abzug in der Saison 06/07 nie Thema. Der Vorletzte Wacker hatte am Ende 7 Punkte weniger.
Trotzdem schaurige Zeiten, die wir da durchtauchen mussten, umso mehr sollte man sich zu Gemüte führen, wie gut wir jetzt dastehen: Titel und internationale Gruppenphasen (die 5. hintereinander?) sind nicht selbstverständlich!
Wie knapp es war sah man beim GAK. Begonnen hat es ja schon mit dem Transferwahnsinn nach nach/während der CL. Wie viel man da für Spieler und „Berater“ ausgab, wo sehr vieles nicht aufging. Der Portugiese der dann plötzlich Russe war, Yuran der sich verletzte, Angibeau ein Invalid, Nigeria, Spanier und Südamerikaner die nie spielten, ein Slowene der die Sekretärin heiratete, einer aus der DR Kongo der nur Skandale verursachte und was weiss ich alles. Und natürlich CA! Er kann nix dafür. Dann fab uns Stronach Geld, gab uns Spieler und nahm Spieler. Kurzzeitig war sogar im Gespräch, ob Red Bull einsteigt. Dan wären wir jetzt Red Bull Graz! Hmm… gut is gegangen!