Mutige Phase reicht nicht: Bournemouth am Ende obenauf

Spielbericht: AFC Bournemouth vs. SK Sturm Graz (3:0)

Von über 600 Fans begleitet trat der SK Sturm die Reise ins beschauliche Bournemouth an, wo The Cherries ihren allerersten internationalen Heimauftritt feiern durften und das gegen die Grazer, die im Sommer noch ihren allerersten vollen Erfolg auf der Insel verbuchen konnten. Dass mit den Hausherren des kleinesten Stadions in der Premier League aber gut Kirschen essen sein würde, durfte bezweifelt werden. Zwar plagen Marco Rose, dessen Mannschaft jene mit dem höchsten Transfermarktwert in der Europa League ist, aktuell auch prominente Ausfälle, unter anderem Junior Kroupi und Alex Scott, jedoch ist seine Verletztenliste im Gegensatz zu jener des SK Sturm geradezu kurz. Immerhin konnten wenigstens Albert Vallci und Jürgen Heil wieder Einsatzbereitschaft vermelden. Mit Blick auf die vollen Betten im Lazarett schonte Trainer Sandro Ingolitsch die gegen die Wiener Austria groß aufspielenden Luca Weinhandl und Oumar Diakité (vorerst). Belmin Beganovic, Petar Petrovic und Jürgen Heil spielten von Beginn an, Arjan Malic rückte hinten von der rechten Seite ins Zentrum.

(c) SturmTifo.com

Wenig Luft

Bournemouth, von Beginn weg spielbestimmend, drückte die Schwarz-weißen zumeist in die eigene Hälfte zurück und zwang die Defensive damit in die ungewohnte Fünferkette. Dennoch fehlte es Marcus Tavenier ausgerechnet nach einem Konter in der 12. Minute an Treffsicherheit dafür, die bis zu diesem Zeitpunkt beste Chance zu verwerten. Trotz dieser Überlegenheit blieben so richtig gefährliche Torszenen auch im Grazer Strafraum lange weitestgehend aus. In der ersten halben Stunde sollten lediglich ein Abschluss aus der Distanz, mit dem Álvaro Rodríguez das Ziel deutlich verfehlte, und ein vermeintliches Führungstor für die Hausherren, das der französische Schiedsrichter schnell aufgrund eines Handspiel Bafodé Diakités im Strafraum-Wirrwarr eines Corners aberkannte, in Erinnerung bleiben. Erst in der 33. Minute wartete Tavenier mit dem ersten richtigen Stresstest für Sturm auf, als sein Schuss aus gut 20 Metern an die Stange krachte. Stressresistenz musste dann auch die medizinische Abteilung der Grazer in der 14. Minute beweisen, als Jon Gorenc-Stankovic von Evanilson heftig und kartenwürdig – er sah dafür auch Gelb – gefoult wurde. Nach kurzer Behandlung mit schmerzverzerrtem Gesicht konnte der Kapitän aber weiterspielen.

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Verdiente Führung

Defensiv ließen sich die Grazer angesichts des Dauerdrucks erstaunlich wenig zu Schulden kommen, offensiv kamen sie jedoch gar nicht zur Geltung – zumindest bis zur 41. Minute, als Belmin Beganovic plötzlich nach einem Angriff im Strafraum der Briten zu Fall kam. Entscheidung des Unparteiischen? Schwalbe und Gelb für den Stürmer – hart, hier eine Unsportlichkeit zu ahnden, richtig, keinen Strafstoß zu geben! Kurz darauf verließ Sturm das Glück des defensiv durchaus Tüchtigen dann doch: Evanilson übertölpelte Torwart Daniil Khudyakov mit einem sehr gut platzierten Kopfball aus gut zwölf Metern und das Spielgerät segelte über den jungen Russen hinweg zum 1:0 in die Maschen.

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Pausentee wirkte

In der Pause gab es für Fabio Ingolitsch also einiges nachzujustieren – eine ganze Spielhälfte ohne einen einzigen Schuss aufs Tor abzugeben, kann selbst gegen einen Premier League-Klub in der Ferne auf gar keinen Fall angehen. Viel zu schnell verlor man hart erkämpfte Bälle wieder, weil man dem gegnerischen Pressing nichts entgegenzusetzen hatte. Anders gestaltete sich das Auftreten Sturms direkt nach Seitenwechsel. Plötzlich konnten die Grazer Bournemouth minutenlang hinten einschnüren, ein wenig platzierter Schuss aus spitzem Winkel durch Simon Seidl markierte den ersten Offensivhöhepunkt auf schwarz-weißer Seite (52.), ein Abschluss Gorenc Stankovics von der Strafraumgrenze aus (59.) den zweiten. In der 63. Minute brannte es im britischen Strafraum dann erstmals lichterloh: Zuerst prüfte Heil nach Seidl-Vorabeit mit seinem Stangenkracher die Standfestigkeit englischen Aluminiums und JP Hödl jene des gegnerischen Schlussmanns mit seinem Nachschuss.

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Bittere Pille

Es war offenbar ein Ruck durch die Mannschaft gegangen! Schnelle Pässe, Kombinationen und sogar eine Weiterleitung per Ferserl ließen in dieser vielversprechenden Phase Hoffnung aufkeimen. Sturm wirkte aggressiver, mutiger und vor allem spielfreudiger. Ein Fallrückzieher des für Beganovic eingewechselten Oumar Diakité (83.) beschloss eine erfreulich starke Phase mutigen Fußballs des SK Sturm, aufgrund derer das, was in der 76. Minute dargeboten wurde, umso bitterer schmeckte. Einen Corner Bournemouths faustete Khudyakov äußerst unglücklich weg, nämlich genau vor die Füße Rayans, der – bestens positioniert – natürlich sofort abzog. Zwar war Sturms unglücklicher Keeper noch am Ball dran, konnte ihn aber nicht unter Kontrolle bringen, was das 2:0 für die Gastgeber und damit das Ende aller Hoffnung bedeutete. Zuvor hatten Evanilson und Christie schon Chancen auf die Vorentscheidung liegen gelassen, Sturm war in dieser Phase des Aufbegehrens einem vollumfänglichen Comeback dennoch einigermaßen nahe. Dem erstaunlichen Aufbäumen des Underdogs wurde letztlich ein schmerzhaftes Ende bereitet. Justin Kluivert und James Hill scheiterten daraufhin noch an Khudyakov. Nach Gorenc Stankovics Handspiel im gegnerischen Strafraum (Korrektur, Anm.) zeigte der Schiedsrichter auf den Punkt. Rodriguez trat an und bescherte dem Heimpublikum den letzten Treffer des Spiels zum 3:0-Endstand.

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Spieldaten

13 Kommentare

  1. Schworza99 sagt:

    Die Rollenverteilung war eh schon vorm Spiel klar, dafür hat man sich eh relativ gut verkauft, besonders in Phasen in HZ2. Dennoch haben wir halt Eigenfehler gemacht die die 600Mio Truppe eiskalt ausnutzt. Unmöglich wär ein Punkt wohl nicht gewesen wenn alle fit dabei gewesen wären und ein bisschen Glück auch mitgespielt hätte. In Summe aber verdient mit einer okayen Leistung verloren.

    Im Derby sollte dafür wenig anbrennen wenn man wie in diesen Phasen dann spielt.

    • AndyPI sagt:

      Eigentlich ist alles schon gesagt: Mit weniger Eigenfehlern und etwas mehr Fortuna an unserer Seite nimmt man einen Punkt mit. Vor dem Spiel wäre eine Niederlage mit drei Toren Unterschied vom Gefühl her in Ordnung gewesen – und so ist es letztendlich auch gekommen. Wir haben kein Debakel erlitten und sind somit vor dem Derby nicht niedergeschlagen. Hoffentlich sind alle Spieler für Sonntag fit und können die Strapazen gut wegstecken.
      Mit der Aussage, dass im Derby „wenig anbrennen“ sollte, tue ich mir ziemlich schwer. Denn erstens ist der GAK heuer stärker als in den Jahren davor, und zweitens steckt uns noch das gestrige Spiel in den Knochen, während wir zudem extrem ersatzgeschwächt sind. Unsere Lebensversicherung ist auf jeden Fall Oumar Diakite. Sollte er verletzt ausfallen, haben wir ein riesiges Problem. Sowohl Beganovic als auch Kayombo oder die restlichen Stürmer sind zwar alle sehr bemüht, treffen aber leider das Tor nicht. Somit wird es gegen den GAK keine sogenannte gmahte Wiesn. Wir sollten auf jeden Fall das Spielglück wieder auf unserer Seite haben und idealerweise in Führung gehen.

  2. Ennstaler sagt:

    Kleine Korrektur: der Elfer wurde wegen eines Handspiels des zu Boden stürzenden Stankovic gegeben.

  3. Pipinovic sagt:

    Ich muss mich mal kurz aufregen. Spiel: ja war gut. mit Glück nimmst einen Punkt mit. Konzentration auf Sonntag. Erledigt.
    Was mich allerdings extrem aufregt, is dieses Thema statt Graz etc.
    Dem SK Sturm wurden jetzt ungefähr lt. Medienberichten 500 k entzogen.
    jo ok, is ungut aber sollte dann den SK Sturm doch nicht so hart treffen um so einen Aufstand zu machen. (Gleiches gilt für die 99ers und den GAK). Es gibt in Graz aktuell sehr viele Vereine die Ihre Rechnungen nicht bezahlen können und faktisch vorm Ende stehen. Das sind zum einen Vereine, die teilweise 150 – 200 Kinder im Verein haben und zum anderen aber auch Vereine aus Randsportarten, die sowieso kaum Aufmerksamkeit bekommen. Ich bin seit klein auf Sturmfan, bin bei jedem Heimspiel, aber ich find das echt net geil. Und dann noch so einen kindischen Schwachsinn, wie das Graz beim aufwärmen überkleben.
    Mir ist auch klar, da gehts viel um die Außenwirkung. Ich will auch echt hier nicht über Politik und was wie wo warum diskutieren. Finde es einfach gegenüber den Vereinen, die ums nackte Überleben kämpfen ein bisschen respektlos von den 3 Vereinen.

    • Siro sagt:

      Danke!!!!
      Dieses österreichische „die Allgemeinheit muss einen Profi-Fußballklub unterstützen“ ist echt peinlich. Die 400.000 die von Sturm an kleine Sportvereine die um ihre Existenz kämpfen umverteilt werden werden Sturm net umbringen.

    • icegue sagt:

      Es geht nicht nur um die Streichung von Sponsoring, Sturm ist gegenüber dem Rest der Top-Klubs in Österreich durch die Stadt doppelt im Nachteil: Einerseits haben andere Städte es geschafft, neue Stadien zur Verfügung zu stellen, mit denen man richtig viel Geld machen kann (Skyboxen!), wohingegen Sturm alleine durch das desolate Stadion mehrere Millionen im Jahr verloren gehen. Andererseits wird jetzt auch noch das Sponsoring zurückgefahren und Sturm entgehen durch die Stadt weitere Einnnahmen.

      Man kann durchaus diskutieren, in welchem Ausmaß Gemeinden Profi-Vereine unterstützen sollen – aber wenn Graz als einzige (!) Stadt in Österreich mit einem Verein im Spitzenfeld der Liga nicht für die selben Voraussetzungen wie die Städte der anderen Spitzenvereinen in Österreich sorgt, ist das eine klare Wettbewerbsverzögerung zu Lasten Sturms – und das Jahr für Jahr.

    • Wenn wir hier stehen sagt:

      @icegue es gibt wichtigere Dinge als Vereine die Millionen umsetzen zu unterstützen. Zum Beispiel kleine Vereine zu unterstützen.

      Dass diese logischerweise ungeliebten Entscheidungen getroffen werden zeigt, dass durchaus durchdacht gespart wird. Da wo es möglich ist, und das ist es einfach, wird gespart. Dort, wo es nicht möglich ist, wird nicht gespart und teilweise sogar etwas mehr gefördert. Das ist nunmal, was gute Politik macht. Nicht die emotional beliebten Entscheidungen treffen, sondern die, die langfristig der Allgemeinheit (und da zählen nunmal auch nicht Sturm/Gak/99ers Fans dazu) am besten dienen.

    • Wenn wir hier stehen sagt:

      nicht NUR*

    • Wenn wir hier stehen sagt:

      Nachtrag:

      Kurz zusammengefasst:

      Es wurde ein Haufen Schulden übergeben.
      Die muss man abbauen.
      Die 3 Vereine werden das definitiv überleben.
      Andere (Sport- und nicht-Sport-)Vereine kämpfen ums Überleben.

      Wo soll denn sonst gespart werden? Vielleicht noch weiter beim Gesundheitssyszem? Oder gleich bei der gesamten Sozialversicherung? Pension streichen?

      Mir ist lieber, es wird bei denen gespart, denen es gut geht, als wiedermal am unteren (Einkommens-)Ende der Gesellschaft. Das passiert ja eh auf Bundesebene.

  4. Strauss sagt:

    Das abkleben UNSERES Logos grenzte schon an Blasphemie! Ich will es nicht kleinreden, aber bei 92,1 Mio Gesamtumsatz sind die kolportierten 500000 ein Auftrag, diese im Budget halt woanders einzusparen/ finden. Wozu haben wir einen neoliberalen Banker an der Spitze? Die Aktion ist maximal infantil. (Sorry gleich mal an die Kinder) Gernot Jurtin hätte einen Patzen Geld verlangen sollen, als er klein Jaukerl besucht hat. Jurtin hat das auch gratis gemacht. Zum Spiel: Die Floskel, „daraus lernen wir“ ist schon so abgelutscht. Weil wenn sie dann lernen, sind sie eh gleich wieder weg. Trotzdem solider Auftritt und mit ein wenig mehr hätti, wari… Egal. Hoffentlich kommt der eine, oder andere bald aus dem Krankenstand retour und am Wochende heißt es sowieso endlich wieder DERBYTIME! Auf die Schwoazen!

    • Strauss sagt:

      Und noch was. Bodö Glimt hat ein Jahresbudget von 40 Mio. und die haben auch nicht ein San Siro als Stadion. Aber die haben vor nur wenigen Jahren mit einem klaren Konzept etwas auf die Beine gestellt. Sie können mit dem Budget den Kader, der meist einheimischen Kicker halten! Das gilt auch für die anderen norwegischen Spitzenvereine. Vielleicht sollte mal jemand von Sturm- ohne Graz dort mal hospitieren? Falls jetzt für den Flug kein Geld mehr da ist, ich bezahle ihn!

    • Strauss sagt:

      Weils mich echt aufregt, schmeiss ich jetzt noch einen hinterher. Wir haben fast die gleichen Sponsoren, wie zu Kartnigs Zeiten. Kaum was neues dazugekommen. Trotz permanenter internationaler Beteiligung. Wer ist dafür verantwortlich? Hätte Jaukerl sich auch so aufgeregt, wenn sie nur den Frauen, Jugend und special needs Bereich gestrichen hätten? Seine Aussage, dass die Vereine die Kinder zum Sport bringen, stimmt nicht! Es ist das Elternhaus, dass die Kinder zum Sport bringt! Tja, hätten wir eine Reichensteuer, dann müßten wir nicht den Sparstift bei den Reichen ansetzen, wenn kein Geld da ist. Ich zahle auch mehr Steuern, als ich bekomme. Und wenn man alleine den Panikkauf Malone rechnet, dann hätte der Verein 4 Jahre Stadtförderung in der Tasche.

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