Zumindest 17 Minuten bestand echte Hoffnung

Spielbericht: FC Rubin Kazan vs. SK Sturm Graz 1:1
(C) sturmnetz.at

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Mit einer völlig umgekrempelten Startelf versuchte Sturm in Kasan die doch sehr enttäuschende, unnötige 2:3-Heimniederlage gegen Rubin in Vergessenheit geraten zu lassen. In der Vierer-Abwehrkette blieb im Vergleich zum Hinspiel nur mehr Michael Madl, Wilson Kamavuaka rückte ins defensive Mittelfeld vor, wo er im Zusammspiel mit Daniel Offenbacher statt des in der bisherigen Saison enttäuschenden Simon Piesinger dem Spiel der Blackies Stabilität verleihen sollte. Charalampos Lykogiannis feierte als linker Verteidiger sein Pflichtspieldebüt. In der Offensivabteilung ersetzte Marc Schmerböck den gesperrten Donis Avdijaj, er rückte auf die linke Seite, während Kristijan Dobras die zentrale Rolle übernehmen sollte.

Die beiden Mannschaften, die in dieser Saison bislang den eigenen Erwartungen und Ansprüchen meilenweit hinterherhinkten, starten vorsichtig ins Spiel. Wenig überraschend konnten doch die Russen aufgrund des Hinspieles abwartend agieren und hatte auf der anderen Seite Franco Foda angekündigt, nicht auf Teufel komm raus zu stürmen, sondern zu Beginn des Spiels erst einmal die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive finden zu wollen. Die erste richtige Chance im Spiel hat Thorsten Schick, der sich nach einer Viertelstunde im Zusammenspiel mit Krijstian Dobras auf der rechten Seite durchtankt und auch zum Abschluss kommt – den Schuss auf die lange Ecke kann allerdings Ryzikhov zum Corner abwehren. Kazan versucht sich danach auf nichts einzulassen und wird offensiver. Schon in Minute 17 kommen die Russen auch zur ersten Torchance, doch der türkische Routinier Gökdeniz Karadeniz verfehlt nach einer Maßflanke das Tor des sich schon in die andere Ecke unterwegs befindlichen Michael Esser. Aber Sturm bleibt bissig, agiert kompakt und geht aggressiv in die Zweikämpfe. Ein Schuss aus 20 Metern von Daniel Offenbacher geht an die Außenstange. In der Folge bleiben größere Chancen Mangelware, das offensive Mittelfeld von Sturm versucht zunehmend Rubin Kazan das Spiel aufzudrängen, Lykogiannis interpretiert seine Außenverteidigerrolle überraschend offensiv und auch Wilson Kamavuaka ist in der Vorwärtsbewegung alles andere als inaktiv. In Minute 35 wird Josip Tadic erstmals auffällig: Nachdem er bis hierhin im Strafraum förmlich in der Luft hing, erkämpft er sich den Ball im Mittelfeld und tankt sich auf rechts durch, sein gutes Zuspiel auf Dobras verstolpert dieser aber stümperhaft: Er wäre aus fünf Metern relativ frei zum Schuss gekommen – die bis dahin gelungenste Offensivaktion seitens der Grazer. Nur fünf Minuten später schon folgt die nächste Chance, aber Wilson Kamavuaka entscheidet sich trotz mehrerer guter Abspieloptionen für einen Distanzschuss, der das Gehäuse der Hausherren klar verfehlt. Die Russen bleiben weiterhin inaktiv, Marvin Potzmann hat auf der von Sturm aus gesehen rechten Seite jedoch des öfteren seine liebe Not mit seinem Gegenspieler Karadeniz. Knapp vor dem Halbzeitpfiff kommen die Russen dann zu ihrer zweiten großen Möglichkeit, doch Michael Esser gewinnt dank einer guten Fußbabwehr, das 1:1-Duell gegen Ozdoev.

Zudem verletzt sich Lykogiannis Sekunden vor dem Pausenpfiff und wird durch den Pechvogel des Hinspiels, Martin Ehrenreich, ersetzt. Insgesamt war es in der ersten Halbzeit ein ausgeglichenes Spiel. Sturm kam gut in die Zweikämpfe, rückte immer wieder gut auf. Am so wichtigen Führungstor war man zweimal knapp dran. Bei Standards, im Jahr 2015 oft ein probates Mittel, war man hingegen harmlos – ebenso bei Flanken.

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Nach der Pause kam mit Bright Edomwonyi anstatt des schwachen Marc Schmerböck ein zweiter Stürmer ins Spiel. Franco Foda stellte somit von einem 4-2-3-1 auf ein 4-4-2 um. Marvin Potzmann wechselte aufgrund der Verletzung von Lykogiannis auf die linke Abwehrseite.

Sturm bleibt auch zu Beginn der zweiten Hälfte das aktivere Team, doch das Spiel wird zunehmend hektischer. Die größeren Chancen hat zunächst Rubin Kazan, vor allem Kuzmin und Karadeniz werden brandgefährlich und von der Sturm-Defensivabteilung selten unter Kontrolle gebracht. So ist es auch Kapitän Oleg Kuzmin, der in Minute 64 abermals gefährlich wird: Seinen Schuss kann aber Michael Esser gewohnt souverän parieren. Das Team von Franco Foda tut sich in dieser Phase enorm schwer, Chancen zu kreieren. Doch dann, just zu einem Zeitpunkt, als man am wenigstens damit rechnete, der sechste Eckball für Sturm: Schick führt aus, Edomwonyi erstochert sich bedrängt von vier russischen Spielern den Ball, dieser kommt zu Tadic und der Kroate trifft aus einem Meter im zweiten Versuch zum 0:1. Gerade in dieser Phase waren die Russen überlegen, mehrmals war es rund um den Grazer Strafraum ziemlich brenzlig. Nach dem Führungstor lebt die Hoffnung auf ein Weiterkomen jedoch erneut auf.

Die Partie entwickelt sich ab diesem Zeitpunkt zu einem echten Europacupfight. Kaum noch gelungene, flüssige Aktionen über mehrere Stationen, dafür immer mehr Luftduelle und Tacklings. Auch die Russen scheinen nun den Ernst der Lage erkannt zu haben. Vor allem Bright Edomonyi und Thorsten Schick machen nun, wenn auch ohne zählbaren Erfolg, viele Kilometer. In Minute 80 dann der letzte Wechsel: Roman Kienast ersetzt den glücklos gebliebenen Kristijan Dobras. Sturm scheint jetzt alles auf eine Karte zu setzen, doch echte Torchancen gibt es keine mehr. In Minute 85 die endgültige Entscheidung: Spendlhofer kommt im Tackling gegen Dyadyun zu kurz, der Russe spitzelt den Ball zu Kuzmin und dieser nutzt die Torchance eiskalt aus – 1:1, Deckel zu.

Die Phrase zu dreschen, man hätte schon im Hinspiel die Aufstiegschance vergeigt, ist in diesem Fall völlig deplatziert, denn Rubin Kazan war in beiden Spielen kein übermächtiger Gegner. Das gewisse Automatismen bei Sturm zurzeit nicht funktionieren, war schon in der Meisterschaft nicht zu übersehen. Sturm Graz in der Verfassung des Frühjahrs, hätte Rubin Kazan bestimmt wesentlich mehr fordern können.

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Stimmen zum Spiel:

Franco Foda: „Großes Kompliment an meine Spieler, sie haben ein tolles Spiel abgeliefert. Fast wäre uns die Überraschung noch gelungen. Wir haben es verabsäumt, bereits in der ersten Halbzeit in Führung zu gehen, da hatten wir zwei, drei sehr gute Möglichkeiten. Nach dem 1:0 habe ich noch Roman Kienast gebracht und wir haben alles oder nichts gespielt, leider wurden wir aber bestraft. Es war klar, dass der Gegner dadurch mehr Räume bekommt, eine Konterchance daraus haben sie genutzt. Dann war es schwer, wieder ins Spiel zurück zu finden. Es ist einfach schade für die Mannschaft, dass sie für den Aufwand einfach nicht belohnt wurde und ich muss sie jetzt aufbauen. Wenn man so ausscheidet, ist das nie leicht und total bitter. Das Spiel hat viel Kraft und Substanz gekostet. Ich wünsche Kasan für die nächste Runde alles Gute und viel Erfolg.“

Michael Madl: „Es tut jetzt natürlich sehr weh, in den englischen Runden darf man aber nicht lange enttäuscht sein. Wir haben schon vor den beiden Spielen gewusst, dass die Duelle ungefähr auf Augenhöhe sein werden. Leider haben wir in Graz aber nicht unseren besten Tag erwischt, das hat sich jetzt gerächt. Heute haben wir sehr gut gespielt, auch die Moral war überragend. Wir sind ganz knapp an der Sensation vorbeigeschrammt. Nach dem 1:0 wollten wir, bevor wir zum Schluss alles auf eine Karte setzen, das Spiel kontrolliert weiterspielen und den Ausgleich eben vermeiden. Wir können sehr viel aus diesem Spiel mitnehmen und ich denke, dass wir uns zu letzter Woche sehr verbessert haben.“

Lukas Spendlhofer: „Natürlich sind wir enttäuscht. Doch bis auf ein paar wenige Chancen haben wir heute nicht viel zugelassen, auch das Umschalten hat gut funktioniert. Nach der Führung wäre es natürlich schön gewesen, wenn wir das Spiel noch mehr in die Hand hätten nehmen können, doch Kasan hat weiter gut gespielt.“

(Quelle: sksturm.at)

 

Spieldaten:

FC Rubin Kasan – SK Sturm Graz
Zentralstadion Kasan, 6. August 2015, 18.00 Uhr, 8059 Zuseher

Tore: 0:1 (68.) Tadic, 1:1 (85.) Kusmin

Rubin Kasan: Rischikow – Kusmin, Kwerkwelia, Lemos, Nabiullin (78. Batow) – Kambolow, Georgiew – Djadjun (60. Kanunnikow), Osdojew, Karadeniz (89. Cotugno) – Portnjagin

SK Sturm: Esser – Potzmann, Spendlhofer, Madl, Lykogiannis (45.+2 Ehrenreich) – Kamavuaka, Offenbacher – Schick, Dobras (80. Kienast), Schmerböck (46. Edomwonyi) – Tadic

Gelbe Karten: Kambolow bzw. Offenbacher

11 Kommentare

  1. XeweX sagt:

    Also zuerst einmal muss man sagen, dass mir die Leistung unserer Mannschaft gar nicht so schlecht gefallen hat. Lycogiannis hat gefallen, leider schon wieder verletzt raus. Ich hoffe, dass er in der Meisterschaft gleich wieder da ist.
    Insgesamt fehlt uns nach wie vor jemand, der mal richtig draufhaelt (und dabei das Tor trifft).
    Kamavuaka als 6er irgendwie auch interessant und gar nicht mal so schlecht.
    Insgesamt für mich persönlich ein versoehnlicher Abschied aus der EL die Erwartungshaltung war ja doch sehr gering.

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  2. Superivo Superivo sagt:

    Danke für die heurige Europacup-Saison ,ein bischen kurz halt.Schade denn der Gegner war durchaus machbar.Für mich waren Esser,Madl,Offenbacher und Tadic heute noch die „Besseren“,der Rest na ja viel Luft nach Oben.

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  3. Rene90 sagt:

    die heutige Leistung war ok, Schmerböck und Dobras 2 absolute Vorgaben (läuferisch und Zweikampf RL Niceau)
    der Grieche nicht schlecht, aber auch nicht gut
    für mich die Besten: Esser, Madl, Schick, Tadic
    die anderen brav, dass wars aber

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  4. Rockstar Rockstar sagt:

    Lykogiannis stark, vor allem defensiv eine deutlich bessere Alternative zu Klem, und Dobras gehört auf den Flügel, ist einfach nicht torgefährlich genug. Für mich bester Mann, wieder mal Esser, locker um 2 Klassen besser als Gratzei im Frühjahr. Madl hat gut gespielt, und Kamavuaka scheint im Mittelfeld besser zu sein. Mit Piesinger zusammen als 6er sicher ne Überlegunf wert. Vor allem weil Offenbacher wohl keiner mehr wird, ich finde man tut ihm keinen Gefallen ihn jedes mal so defensiv aufzustellen.

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  5. Neukirchner sagt:

    Erste Halbzeit brav gespielt, va Madl Spendi Kamavuaka….zweite Halbzeit zurückgefallen; trotzdem das Tor. Dann war es leider ganz vorbei….Ganz stark auch Tadic…toll gekämpft, viele Bälle erkämpft. Schwach Dobras, Offenbacher ohne Worte.

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  6. ljnight2 sagt:

    Bin auch der meinung der anderen.. Offenbacher anfangs gut, mit der zeit stark nachgelassen (mitunter viel zu eigensinnig geworden).. Man sieht der mannschaft das fehlende selbstvertrauen an, statt nach vor lieber zurück.. Hoffe das wird bald besser..
    Kamavuaka top platz für ihn im dm.. Der grieche ist meiner meinung nach eine spur besser als klem, auch weil er mir in der offensive stärker vorkommt..

    1+

  7. Denginho sagt:

    Franco hat das Spiel ver coacht. Er hat wieder mit seinem Angsthasen Fusball das Spiel ver coacht. Er ist einfach kein Top Trainer weil er immer wieder spiele ver coacht. Man braucht nur nach Altach blicken. Die haben einen Top Trainer und spielen keinen Angst Hasen Fusball.

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  8. IMan IMan sagt:

    Ja,stimmt! So sieht Angsthasen Fußball aus! Leider zu wenig Ideen beim Offensive Spiel

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  9. brent_everett sagt:

    Endlich wird thematisiert, dass wir in erster Linie aufgrund fragwürdiger Aufstellungsentscheidungen ausgeschieden sind. In der Heimpartie hätte sich tausendprozentig kein einziger Sturmfan für Ehrenreich entschieden. Völlige Schnapsidee! Das (so ziemlich) einzige, was DM in seiner wenig glorreichen Zeit als Sturmcoach richtig erkannt hat, war dass Ehrenreich einfach nicht bundesligatauglich ist – vom Europacup gar nicht zu reden. Zweitens wäre es auch seitens von sturmnetz journalistisch interessant herauszufiltern, was Barisic mit Rapid besser macht als FF mit Sturm. Beide Mannschaften sind nominell objektiv gleichwertig. Rapid mit einer Reihe Ex Sturmkickern – allein in der Abwehr Sonnleitner u Stangl. Da wissen wir aus leidvoller Erfahrung – die haben das Kicken nicht erfunden. Speziell Sonnleitner war berühmt für seine Rückpässe (alias Stürmer Steilvorlagen). Dann haben die Rapidler im MF mit Kainz (höflich fomuliert: Licht u Schatten bei Sturm – samt Starallüren), den alten Hofmann u Faststurmkicker Schobesberger auch keine großen spielerischen Leuchten. Schobesberger ist halt schnell. Und vorne da Beric (da fällt einem kein Kommentar ein). Trotzdem haben die Ajax niedergerungen. Natürlich nicht mit spielerischen Mitteln, aber mit Kampfgeist u einer meisterhaften taktischen Leistung. Die Frage wird sein: was können wir uns von denen abkupfern? Was MUSS sich FF abkupfern?

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    • RAM6I sagt:

      Versuche dir darauf zu antworten….(ob Sie dir so gefällt oder plausibel erscheint musst du selbst entscheiden)

      ich glaube mit „ein Grund“ nicht der Grund aber spielt sicher mit, ist diese Beweihräucherung /Freunderlwirtschaft bei Sturm, Kritische Worte werden gleich im Keim erstickt, selbst die konstruktive Kritik ! In Wien herrscht zwar auch diese Freundschaft doch die haben es wenigstens verstanden, dass doch der sportliche Erfolg wichtiger ist als die eigene Empfindlichkeit! Oder sich selbst zu profilieren….hier ein gutes Beispiel…warum haben wir noch immer keinen Sportdirektor der auch wirklich Ahnung von seinem Job hat! Was Goldi macht ist weder Fisch noch Fleisch! Des weiteren unser Scouting-System…hmm..kann mir irgendeiner einen Spieler nennen der von unsrem Scouting-System geholt/gefunden wurde und total eingeschlagen hat!??? (Dafür hat man ja ein Scouting-System oder verstehe ich da etwas falsch) Bis jetzt gab es ja fast nur Probleme mit Spielern die von diesem System gekommen sind….entweder dauert es mit den Papieren dann zu lange..oder der Spieler hat uns getäuscht, hmm..wie kann man sich bloß so täuschen lassen…..;)……..Dazu kommt noch das Spieler die bei uns mal für ne kurze/mittelfristige Zeit sehr gute Leistungen zeigen gleich wieder weg wollen und glauben sie sind jetzt Profis und dann doch wieder nur bei den Amateuren landen… siehe Akt Djuricin 😉

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  10. Arch Stanton sagt:

    Auf jeden liest sich der Spielbericht um einiges spannender, als es der Kick an sich war.

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