Zittersieg im Liebenauer Eiskasten

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. TSV Hartberg 2:1 (2:0)

Erstmals unter der Ägide von Trainer Christian Ilzer war der Motor des SK Sturm Graz etwas ins Stocken geraten: Mit Rang drei stehen die Blackys zwar nach wie vor deutlich besser da als zu Saisonbeginn angenommen, aus den vergangenen zwei Spielen gegen Rapid und den WAC konnten die Steirer aber nur einen Zähler mitnehmen. Insbesondere die 1:4-Niederlage in der Bundeshauptstadt glich angesichts der Rieseneuphorie einem großen Dämpfer, beirren lassen will man sich in Graz davon aber nicht. „Es bringt jetzt gar nichts, personell oder strategisch alles über den Haufen zu werfen. Wir sind ganz gut unterwegs in einem Entwicklungsjahr“, meinte Ilzer vor dem Spiel gegen den TSV Hartberg.

Nach der Partie gegen Rapid hatten einige Spieler über kleine Verletzungsprobleme geklagt, dennoch nahm Ilzer in der Startformation nur zwei Änderungen vor: Der in Wien noch rotgesperrte Amadou Dante spielte anstelle von Jusuf Gazibegovic und Ivan Ljubic ersetzte Andreas Kuen.  Der 24-Jährige war es auch, der bei eisigen Temperaturen in Liebenau in der vierten Spielminute gleich einmal für Aufregung sorgte. Nach einem Eckball der Hartberger beförderte Ljubic das Leder an die eigene Stange, auf der Gegenseite brachte der Mittelfeldspieler den Ball nach einem Fehler von Rene Swete nicht auf das Tor. 120 Sekunden später beförderte Kevin Friesenbichler das Spielgerät nach einem schönen Solo fast ebenso weit wie Ljubic zuvor am Gehäuse vorbei. Schon deutlich näher an der Führung dran waren die Hausherren dann nach elf Spielminuten: Eine Ecke landete bei Gregory Wüthrich, der artistisch zum Fallrückzieher ansetzte. Swete war aber zur Stelle und lenkte den etwas zu zentralen Versuch mithilfe der Latte ins Toraus.

Doppelschlag binnen vier Minuten

Nach dem anfänglichen Schockmoment hatte sich Sturm gefangen und schnupperte nach einer Viertelstunde erneut am Führungstreffer. Jon Gorenc-Stankovic köpfte nach einem Freistoß aus dem Halbfeld jedoch über den Kasten, wenig später verpasste Jakob Jantscher eine Flanke von Sandro Ingolitsch nach einer sehenswerten Kombination nur um Haaresbreite. Nach 22 Minuten war es dann aber doch so weit: Jantscher schlug erneut einen gefährlichen Eckball, der schlussendlich bei Otar Kiteishvili landete. Der Georgier nahm volles Risiko und schloss staubtrocken zur mittlerweile hochverdienten Führung ab. Damit zufrieden gaben sich die Schwarz-Weißen aber nicht, ganz im Gegenteil: Nur drei Minuten nach dem ersten Tor erhöhte der sehr auffällige Jantscher mit einem satten Schuss aus rund 14 Metern auf 2:0 – dem Abschluss war ein überragender Assist Friesenbichlers vorausgegangen.

©Martin Hirtenfellner Fotografie

Danach nahm Sturm etwas Tempo raus, ohne zu irgendeinem Zeitpunkt die Spielkontrolle abzugeben. Den Hartbergern fiel offensiv gar nichts ein und so waren es erneut die Schwarz-Weißen, die in der 38. Minute eine Chance vorfanden. Über Stefan Hierländer und Kiteishvili landete der Ball erneut bei Jantscher, der seinen Abschluss diesmal aber klar über den Kasten setzte. In den letzten Minuten vor der Halbzeit wurden die Oststeirer etwas aktiver, Bakary Nimaga klopfte mit einem Kopfball leise an. Kurz darauf bat Schiedsrichter Julian Weinberger zum wohlverdienen Pausentee.

©Martin Hirtenfellner Fotografie

Am Spielgeschehen sollte sich trotz zweier Wechsel bei Hartberg zunächst aber nichts ändern. Ljubic und Jantscher hatten jeweils das 3:0 auf dem Fuß, beide erwischten das Spielgerät aber nicht voll. Obwohl die Mannschaft von Markus Schopp die Blackys nun früher unter Druck setzte, fand Sturm immer wieder gute Lösungen, um sich dem Pressing zu entziehen und selbst Möglichkeiten zu kreieren. Swete rettete in der 56. Minute vor Friesenbichler, kurz zuvor hatte Gorenc-Stankovic am Tor vorbeigeköpft. Auf der Gegenseite machte Rajko Rep mit einem satten Schuss aus der Drehung erneut auf die Hartberger aufmerksam – für Sturm wohl nicht Warnung genug, denn nach 58 Minuten schlug es im Tor des Gastgebers ein: Tobias Kainz nahm sich aus der Distanz ein Herz und verkürzte via Innenstange zum 1:2.

Sturm bringt Sieg über die Zeit

Nach dem Anschlusstreffer zeigte sich Sturm verunsichert, die Gäste drückten nun auf den Ausgleichstreffer. Bis auf einige gefährliche Ansätze sprang zunächst aber nichts heraus. Die Grazer versuchten es nun vermehrt über Konter und wären damit in der 68. Spielminute beinahe zum Erfolg gekommen: Hierländer spielte einen guten Pass auf Jantscher, Andreas Lienhart grätschte jedoch dazwischen und klärte mit der Fußspitze in höchster Not zur Ecke. Nach rund 75 Minuten hatte sich Sturms Defensive wieder stabilisiert, für das 3:1 vermochten aber weder Hierländer noch der eingewechselte Kuen zu sorgen. So blieb die Partie auf Messers Schneide, wenngleich die Blackys mittlerweile wieder die Kontrolle über das Spiel hatten – zumindest bis zur 83. Minute. In dieser ging Seifedin Chabbi nach einem Zweikampf mit David Nemeth im Strafraum zu Boden, Weinberger ließ aber wohl korrekterweise weiterlaufen.

©Martin Hirtenfellner Fotografie

Es sollte dies der Beginn einer nervenaufreibenden Schlussphase sein. Hartberg warf noch einmal alles nach vorne und wäre dafür in Minute 88 beinahe belohnt worden: Verteidiger Felix Luckeneder köpfte nach einem Freistoß allerdings ebenso am Tor vorbei wie Lukas Ried am Ende der dreiminütigen Nachspielzeit. So blieb es beim Heimsieg, der nach einer starken ersten Halbzeit unnötigerweise noch in Gefahr geriet. Dennoch: Der erste Erfolg im Jahr 2021 ist eingefahren, bereits am Samstag geht es für Sturm in Altach weiter.

Spieldaten

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22 Kommentare

  1. Fanatiker sagt:

    Erste Halbzeit wars wirklich stark, hingengen Hälfte 2 ist mir ein Rätsel, warum wir zum spielen aufgehört haben.

    Summa summarum nach den Chancen her, trotzdem ein verdienter Sieg.

    • Erzschwoarza sagt:

      Das ist ein Sturmleiden und das haben wir schon Jahre. In dieser Saison zwar weniger, aber wir hören oft auf in der 2ten Halbzeit fussball zu spielen. Bei allem Respekt, aber diese Hartberger hätte man gestern 6 oder 7:0 abservieren können oder sogar müssen

  2. Ferdi sagt:

    Mund abwischen, und ab nach Altach

  3. SM1982 sagt:

    Schade das Husi keine Chance bekommt, Wirklich schade .

    Gratulation zu Sieg

  4. Schworza99 sagt:

    Also die Wechsel sind ein Graus. Ilzer hat auch noch nie das ganze Kontingent ausgeschöpft. Spricht nicht für die Breite des Kaders.
    1 HZ war brav. Aber die Mannschaft wird sofort nervös sobald die 0 nicht mehr steht. Man müsste halt immer weiter andrücken und nicht Kuen für Friesi bringen…aber nix is passiert.

    • TW1 sagt:

      Kuen war der qualitativ beste Spieler auf der Bank, also ist es nur logisch das er auch eingewechselt wird. Aber wer sollte raus, wenn nicht Friesi ?
      Friesi kann durch sein Laufpensum seine Leistung leider nicht über 90 min.bringen.
      Die Umstellung, Kuen für Kiteishvili in der Raute und Otar für Friesi als zweiten Stürmer ist für mich durchaus nachvollziehbar. Damit war man ja von der Grundordnung her, nicht defensiver als zuvor.
      Aber das es bei der Breite des Kaders an Qualität fehlt ist offensichtlich. Dies wurde im ersten Jahr des Dreijahresplans anscheinend bewusst in Kauf genommen.

    • Schworza99 sagt:

      Naja hätten wir im Angriff Alternativen müsste Friesi nicht laufen bis er umfällt…
      Btw. ist Oti kein Stürmer und der ging als nächstes raus. Es wirkt schon als wird der Angriff geopfert.
      Ich fordere ja nicht ein 3-3-4 aber ohne Stürmer am Feld zu spielen ab Minute 65 oder so (Dardan ist auch eher OM) ist halt auf Dauer kein Konzept.

      Ich versetze mich Mal in Hartberg nach 20 Minuten rein: Wie sollen wir 3 Tore schießen und noch gewinnen? Wir haben nicht Mal 3 Stürmer im Kader anscheinend.

    • TW1 sagt:

      Ilzer hätte sicher auch nichts gegen zwei zusätzliche Top-Stürmer,aber das lässt halt die finanzielle Situation heuer nicht zu.
      Um die Mannschaft zu stabilisieren hat man die vorhandenen Mittel richtigerweise in die Defensive investiert. Dafür sprechen nicht nur die Ergebnisse,sondern auch das insgesamt bessere auftreten gegenüber der letzten Saison.
      Der nächste Schritt wird im Sommer sicherlich Offensive sein
      Alles auf einmal geht halt aus unterschiedlichen Gründen nicht (Corona, laufende Verträge usw.)
      Nicht zu vergessen, wir haben sehr lange Spieler mitgeschleppt (einen noch immer )mit denen man nicht planen wollte. Auch das alte Trainerteam haben wir immer noch auf der Lohnliste.
      Im Sommer, wenn einige Verträge auslaufen hat Schicker die Möglichkeit zu beweisen, dass er der Richtige für den Job ist.

    • Schworza99 sagt:

      Dann halt einen Jungen wenn keine Marie da ist als Überbrückung… funktioniert in der Defensive und auch im Mittelfeld.

      Strahlhofer, Krienzer, Bacher, Lang…an Namen mangelt es sich. Mag sein dass das einige noch nicht soweit sind aber alle? Als 3. Stürmer muss man neben unseren jetzigen auch kein Messi sein um nicht negativ aufzufallen. Ein bisschen Mut würde ich mir vorne schon wünschen, gerade wenns wir immer von Übergangssaisonen reden.

  5. gepi20 sagt:

    Zwei Gesichter in beiden Hälften wie in Hütteldorf, doch dieses Mal 3 Punkte. Wir müssen es schaffen das Pressing auf zumindest 75‘ zu bringen. Aber auch bei Gegenpressing braucht es eine 2. Variante oder Antwort darauf. Das ist aber die Arbeit des Trainers und unser Plan, Geduld, wir haben in kurzer Zeit bereits einiges erreicht.

  6. rio sagt:

    Wir sind gut, aber nicht so gut, aber keines Falls schlecht! Es fehlt letztendlich nicht sehr viel, um zumindest in Österreich wieder Spitzenklasse zu verkörpern. Ein langersehnter Stürmer könnte schlagartig für den endgültigen Durchbruch sorgen, einer der nicht nur „verteilt“, sondern selbst brandgefährlich aufs Tor geht. Es wird, davon bin ich überzeugt, von Monat zu Monat besser und mit den richtigen Einkäufen im Sommer „der SK Sturm ist wieder da“!

  7. Marchanno Diaz Rabihou sagt:

    es is wie mit corona – geht allen schon mächtig am zuz. so ist es auch bei unseren schwoazen (meine ich heraus zu lesen). nur positiv schreiben und nur jubeln ist auch langweilig. es muss mehr kritisiert werden, es müssen fehler gefunden werden. dabei meine ich so wie bei corona: geduld, geduld geduld – so schwer es auch ist. bei den schwoazen die tabelle anschauen – danke sagen und auf echte kritik warten

    • Schworza99 sagt:

      Sowohl als auch…
      Natürlich ist die Saison bisher sehr viel besser gelaufen als gedacht und man sollte diesen Umstand auch bedenken.

      Nur kann man keine Geduld erwarten bei Sachen wie dem Finden eines Stürmers…denn wenn wer neues kommt wird da auch Geduld zur Eingewöhnung gefordert. Geduld Quadrat quasi.

      Man kann halt klar sehen wie stark unsere Teile der Mannschaft sind. Du kannst nicht dein gesamtes Spiel auf Defensive und Mittelfeld ausrichten…da keiner erwarten wird dass das diese beiden regelmäßig Tore liefern. Der Friesi wird zwar immer besser aber als Vorbereiter. Man braucht vorne jemanden der anstauben kann, Gegner beschäftigt etc. etc. Gegen Hartberg kanns gut gehen aber gegen stärkere Gegner nicht (siehe Rapid).

      Ich glaube der Ruf nach einem Knipser ist gerechtfertigt. Du kannst nicht von der Defensive erwarten 70 Minuten belagert zu werden. Je länger du belagert wirst desto eher kommt dem Klem oder wer das war so ein Mega-Schuss aus. Auch die Kommunikation ist halt nicht ideal wenn man Mwepu als 10 benennt während Friesi quasi ganz langsam zum Flügelspieler mutiert. Am Ende ist Balaj unser einziger Stürmer.

    • fauli sagt:

      @Schworza99

      Natürlich wünschen wir uns alle einen Knipser wie Alar in seinen besten Zeiten. Ich denke auch, dass Ilzer und Schicker an der Sache dran sind. Wird aber vermutlich nicht vor Sommer passieren, weil
      im Winter bekommst sehr sehr selten und schwer an gscheiten Spieler (siehe letzte Wintertransfers)
      im Sommer einige Verträge von unseren Spielern auslaufen (Budget wird entlastet)
      im Sommer viele Verträge anderer Spieler auslaufen die wir dann gratis holen können

      bis dahin müssen wir mit dem vorhandenen Material auskommen, und wenn mir einer vor Saisonbeginn gesagt hätte, dass es so läuft, den hätte ich ins LSF geschickt…

    • TW1 sagt:

      @fauli

      Das ein super Stürmer vertragslos zu bekommen ist,wird wohl Wunschdenken bleiben und ist eher unrealistisch.
      Da sollten wir besser hoffen, dass sich Krienzer in Lafnitz so weiterentwickelt wie bisher und uns dann nächstesJahr diese Lücke füllt.

  8. Nimrod sagt:

    Ich check nicht, warum ein Mwepu nicht schon früher gebracht worden ist. Ein schneller Konterstürmer wäre doch nach dem 2:1 ideal gewesen, oder?

    • Siro sagt:

      Laut dem Trainer ist Mwebu aber kein Stürmer. Weder Konter-, noch schnell.

      Möglicherweise aber, hast du ihn ja schon öfters beobachtet und analysiert als Ilzer persönlich.

    • SM1982 sagt:

      Was ist mit einen Husi , der hat ja überhaupt haubt keinen Chancen unter Ilzer

    • Siro sagt:

      Hussi ist unter Ilzer maximal Edeljoker. Ähnlich wie bei Foda, Vogel, Mählich und Desastro. Wohl kein Zufall.

  9. fid82 sagt:

    Also ich finde unsere Kaderbreit gut! Ich brauche auf Kaderposition 16 aufwärts keine gestandenen Spieler.
    Da bin ich froh, wenn Mwepu, Shabi, und manchmal Zettl, bald evt. Komposch, Schendl auf der Bank sitzen.
    Nächstes Jahr ist Krienzer für Balaj da. Friese wird sicher verlängert. Wenn man Risiko gehen will, geht man mit Jantscher, Mwepu (10er oder Stürmer), Krienzer und Friesi in die neue Saison.
    Ich hab beim Suchen auf transfermarkt übrigens einen 23 jährigen im Sommer ablösefreien Stossstürmer gefunden, der heuer stark netzt. Sein Name Balaj, allerdings Filip. Fände ich witzig.

    Zu den Auswechslungen: Bei diesem knappen Stand ist es schwierig, den taktisch noch eher unreifen Mwepu zu bringen. Zumal dieser auch kein 9er ist.
    Bei einem 3:1 hätte er Mwepu evt früher gebracht.

    Außerdem hätte ich auch nicht gewusst, wer noch nach 65 Minuten gehen hätte sollen. Jantscher als routinierter Einserstürmer sollte drin bleiben; Otar sowieso, Ljubic auf Grund seiner Vielseitigkeit als evt IV, DM und OM. Gerade da ein DM und ein IV gelbvorbelastet waren.
    Hierländer wäre noch ne Option, aber der hat den Kapitän raushängen lassen und war oft gefühlt überall. Kämpferisch ganz stark.

  10. Gustlig sagt:

    Sturmnetz: Esser und Erenreich als Hintergrundbild…? Ahm, wieso?

  11. Fanatiker sagt:

    Nebenbei eine traurige Nachricht.

    Mehrdad Minavand ist mit nur 45 Jahren an COVID-19 verstorben.

    R.i.P Mehrdad Minavand

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