Zensur

Ein Interview mit dem aktuellen Teamchef hätte es werden sollen. Stattdessen beschritten die Kollegen von 90minuten.at einen anderen Weg – einen gleichermaßen mutigen wie auch wichtigen. Das erschreckende Selbstverständnis, Medien würden als verlängerter PR-Arm für Vereine und Verbände fungieren, gehört thematisiert, kritisiert und eliminiert. Nicht erst seit heute. Doch die Journalisten spielen brav mit.

Nicht selten wurde dieser Umstand hier angeprangert. Daher sei – ähnlich dem Stile der Kollegen – ein kurzer Rück- und Einblick gewährt: In der Anfangsphase unserer Existenz hatten wir wahrlich kein allzu leichtes Leben, wurde uns in der Goldbrich-Ära gleich vorab und ohne Grund eine umfassende Blockade des Vereins aufgebrummt und Gespräche zum Teil selbst in der Mixed Zone verwehrt. Währenddessen flanierten die dem Klub wohlgesonnenen Journalisten im Hauptquartier ein und aus, eine Essenseinladung oder ein Telefonat mit der Übermittlung aktueller Informationen hier, ein unkritischer Beitrag oder ein solcher, der beispielsweise mal eben gegen die kritische Kurve hetzt, dort. Es wurde sich nicht einmal mehr die Mühe gemacht, dieses Treiben einigermaßen zu verbergen oder weniger auffällig zu gestalten. Heute ist es kaum noch vorstellbar, wie der Verein in dieser Phase agierte. Auch in Messendorf hat man das nicht vergessen. Und auch in Messendorf sorgt das noch immer für Stirnrunzeln. So viel sei verraten: Es wäre ein Trugschluss, davon auszugehen, dass anderen Vereinsangehörigen diese regelrecht orwellianische Handhabe gleichgültig war.

Mit der Bestellung von Günter Kreissl hat sich das kommunikative Fiasko quasi über Nacht gänzlich gewandelt. Nicht nur wurden auch wir vollständig in die Pressearbeit integriert, vielmehr wurde Kritik plötzlich akzeptiert, gehört und sogar angenommen. Freilich könnte man Günter Kreissl nun unterstellen, lediglich der Intention zu folgen, sich ebenfalls mit den weniger gefolgsamen Medien gut stellen zu wollen. Das wäre grundsätzlich menschlich, doch Indizien hierfür kann der Autor gar nicht ausmachen. Das täte auch wenig zur Sache, denn die gesamte Kommunikation mit Messendorf gestaltete sich fortan offen und ehrlich – die ein oder andere emotionale, aber immer faire Debatte freilich inklusive. Denn unser Credo, das kritisches Hinterfragen stets impliziert, haben wir dabei nie aus den Augen verloren. Dass also ein Sammelsurium an Hobbyjournalisten jedweden journalistischen Ethos offensichtlich ernster nimmt als langjährige Profis, gibt weiterhin zu denken und erscheint eigentlich unfassbar.

© Flickr/User: janhuesing.com

Ähnlich wie die Kollegen von 90minuten.at lassen auch wir dem Verein sämtliche Interviews vor Veröffentlichung zukommen. Mit Zensur hat das jedoch nichts zu tun, vielmehr bringt es eine Reihe an Vorteilen für alle Beteiligten mit sich, dem Gesprächspartner die Durchsicht zu erlauben. Eine Vertrauensbasis ist damit geschaffen und etwaige Missverständnisse oder Verschriftlichungen, die Aussagen des Gesprächspartners unabsichtlich verzerren sowie nicht oder unzureichend gerecht werden, passieren schneller, als man denkt. Und das ist wahrlich nicht Sinn der Sache. Einmal ist es in den vergangenen Jahren dabei vorgekommen, dass wir mit dem Wunsch, eine Antwort zu ändern, nicht einverstanden waren. Nach kurzem, aber vehementen Protest unsererseits wurde das Interview in der ursprünglichen Form jedoch sofort freigegeben. Probleme oder Bedenken hinsichtlich dieser Vorgehensweise gab es also nie. Von der Veröffentlichung vereinsschädigender Inhalte und sensibler Informationen, die beispielsweise laufenden Verhandlungen entspringen und noch nicht in die Öffentlichkeit dringen sollten, sehen wir selbstverständlich ab – das sei erwähnt.

Warum nun also dieses Getöse, wenn bei Sturm im Großen und Ganzen dieses Thema betreffend alles in Ordnung ist? Weil wir wissen, wie es laufen kann und wie es das für gewöhnlich tut. Und weil wir wissen, wie schnell man auch bei Sturm in alte Muster verfallen könnte, immerhin steht noch ein großes Fragezeichen über dem sportlichen Chef. Und vor allem weil wir wissen, dass die traditionellen Medien es abermals zulassen würden. Denn einem Franco Foda kann man keinen Vorwurf machen, dass er mit Medien umzugehen weiß. Auch ist es nicht verwerflich, dass Funktionäre natürlich versuchen, positiven Einfluss auf die Berichterstattung über ihren Verein oder Verband auszuüben. Verwerflich ist, dass Journalisten aufgrund von Bequemlichkeiten davon abgesehen haben, dagegen vorzugehen. Aufgrund deren Versagen hat sich hierzulande im Fußball vielerorts ein solch zweifelhaftes Medienverständnis etabliert. Überraschend kommt das „Interview“ mit dem ÖFB-Coach dann natürlich keinesfalls. Den Medien interessiert es nur nicht. 

 

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1 Kommentar

  1. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Sagt viel aus wenn unser Umgang mit Medien vom sportlichen Leiter abhängt…

    0

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