Schwarz-Weiße Zahlen #5

„Wozu hab ich eigentlich eine Akademie?“(Ex-Aufsichtsrat Friedrich Santner)

Ex-Aufsichtsrat Friedrich Santner hat auf  blackfm die Nachwuchsarbeit von Sturm Graz scharf kritisiert. Doch ist es bei den Schwarz-Weißen wirklich schwieriger es aus dem eigenen Nachwuchs in die Kampfmannschaft zu schaffen als etwa vergleichsweise bei den anderen neun Bundesliga-Klubs? SturmNetz hat dahingehend die letztjährige Herbstsaison analysiert: Wie viele Spieler wurden in den jeweiligen Teams eingesetzt, die bereits vor dem 18. Lebensjahr ihre fußballerische Ausbildung in einer Jugendmannschaft ihres jetzigen Vereins absolviert haben und wie schaut es mit den Einsatzminuten dieser Spieler aus?

Einsatzminuten_Eigenbauspieler_NEU

Einwände: Natürlich ist eine solche Einsatzstatistik nur bedingt aussagekräftig. Zu viele Faktoren (etwa die Mittel, die den jeweiligen Akademien zur Verfügung stehen, der Anspruch der jeweiligen Vereine oder die vergleichsweise kurze Präsenz des WAC oder der SV Grödig im bezahlten Fußball) können hier nicht herangezogen werden.

Fakt ist: Vorbildliche Jugendarbeit darf sich in Österreich derzeit nur Admira/Wacker, und bedingt der SV Mattersburg und Austria Wien, an die Fahnen heften. Sturm Graz steht in dieser Bilanz zwar besser da als etwa die SV Ried oder RB Salzburg, allerdings kommen nur 4 der 22 im Herbst eingesetzten Spieler direkt oder indirekt aus dem eigenen Nachwuchs. Zudem war im Herbst nur einer der vier (Schick) ein echter „Stammspieler“. Jener Thorsten Schick, der einen fünfjährigen Umweg gehen musste, da der Grazer 2009, bereits unter Trainer Franco Foda, bei Sturm keine Perspektive sah. Sein erstes Spiel in Österreichs höchster Spielklasse gab es für Schick erst unter Didi Kühbauer, während seiner Zeit bei Admira Wacker am 29.07.2012. Aktuell befinden sich zehn Spieler, die einmal für ein schwarz- weißes Nachwuchsteam aufliefen, im Kader; das entspricht nicht ganz 35% des 29-Mann-Kaders. Ein durchaus beachtlicher Wert, der allerdings an Aussagekraft verliert, wenn man weiß, wie viele von diesen zehn im Herbst auch regelmäßig in der Kampfmannschaft zum Einsatz kamen. Debüt eines Jungblackies gab es diese Saison noch keines.

Ergebnis des Faktenchecks: Die Aussage von Friedrich Santner kann man so unterschreiben und sie ist mit Zahlen auch belegbar. Für einen Verein, der sich immer wieder als Ausbildungsverein beziehungsweise Karriereplattform definiert, ist das derzeit eindeutig zu wenig. Und weit entfernt von einer Jugendarbeit „um die uns ganz Österreich beneidet“.

*Anmerkung zur 17+8 Maßnahme: Damit hält man sich nur an die Vorgaben des UEFA Regulativs zum Thema „Spielermeldung für Europa League Kapitel VII Artikel 41“. Zudem wurde die Begriffsdefinition von „Potenzialspieler“ auf der Generalversammlung nicht erläutert.

 

Jugendspieler im Detail:

Admira/Wacker:
Jörg Siebenhandl 1.800 (spielte im Alter zwischen 9 und 16 bei der Admira), Markus Lackner 1.791, Thomas Ebner 1.710, Markus Wostry 1.693 min, Maximilian Sax 961, Patrick Wesely 957, Philipp Malicsek 545, Marcus Maier 12.

SV Mattersburg:
Markus Kuster 1.800, Patrick Farkas 1.770, Nedeljko Malic 1.385, Sven Sprangler 630, Lukas Rath 505, Patrick Bürger 171, Dominik Doleschal 36, Julius Ertlthaler 6, Philipp Erhardt 3.

Austria Wien:
Alexander Gorgon 1.749, Alexander Grünwald (Kurz-Intermezzo in Wiener Neustadt) 1.567, Lukas Rotpuller (Kurz-Intermezzo bei der SV Ried) 1.496, Kevin Friesenbichler 706, Osman Hadzikic 630, Tarkan Serbest 206, Thomas Salamon (kurzfristig in Mattersburg und Grödig) 90, Marko Kvasina 21.

Rapid Wien:
Maximilian Hofmann 990, Philipp Prosenik 933, Mario Pavelic 856, Louis Schaub 618, Tobias Knoflach 85, Thomas Schrammel (über den Umweg Lustenau, Innsbruck und Ried) 45.

Sturm Graz:
Thorsten Schick (bis zu seinem 19. Lebensjahr bei Sturm, über Gratkorn, Altach und Admira zurückgekehrt) 1.718, Christian Klem 932, Andreas Gruber 589, Sandi Lovric 13.

Altach:
Jan Zwischenbrugger (Zwischenstationen in Lustenau, Hartberg und Ried) 1.240, Philipp Netzer (Intermezzo bei Austria Wien) 1.144, Lukas Jäger 1.022.

SV Ried:
Thomas Reifeltshammer 1.385, Marcel Ziegl 651, Patrick Möschl 630.

RB Salzburg:
Stefan Lainer (Intermezzo bei Ried) 865, Martin Hinteregger 720, Konrad Laimer 297, Valentino Lazaro 155.

WAC:
Christoph Rabitsch 885.

SV Grödig:
Fehlanzeige

 

7 Kommentare

  1. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Also man muss den Verein auch mal loben. Dass man beschlossen hat nicht gegen existierende Uefa Regularien zu verstoßen ist sicherlich eine gute Sache. Zudem sollte man festlegen dass der Rasen im Stadion nicht zubetoniert werden darf…

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  2. Ooki sagt:

    Nach euren Regeln müsstet ihr bei Salzburg noch Caleta-Car und Sörensen aufzählen, die beide schon vor ihrem 18. Geburtstag in Salzburg waren.

    Bei Rapid fehlt Pavelic.

    Der Rieder Ziegl heißt mit Vornamen Marcel, und nicht Marc.

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    • dawuede Sebastian En sagt:

      Hallo! Bei Rapid fehlte in der Tat Pavelic, und sogar Prosenik noch dazu. Das haben wir mittlerweile bereits korrigiert. Caleta-Car und Sörensen haben aber nie im Nachwuchs bei Salzburg gespielt sondern sind schon als m.o.w. Profis (beide über Liefering, Caleta-Car erst Pasching) gekommen. Danke für dein Feedback!

       

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  3. kato kato sagt:

    toller artikel, ich hoffe auf baldige fortsetzung zb mit thema wer verkauft spieler gewinnbringend weiter und von welchem verein schaffen die meisten nachwuchskicker eine profikarriere usw

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  4. lollo sagt:

    Lustig dast im Prinzip mit der Thematik den ganzen Problemfall Sturm Graz abbilden kannst. Ein Cheftrainer meint es würde die Klasse im Nachwuchs fehlen. Der selbe Cheftrainer hat damals die Weichen für die „miesen Jahrgänge“ gelegt, während er selbst noch von der Arbeit seiner Vorgänger profitieren konnte. Kritisieren kannst ihn dafür aber nicht, weil da hätt eigentlich sein Vorgesetzter reingrätschen müssen. Der ist allerdings nimma beim Verein. Und der Chef von dem Vorgesetzten?Auch nimma, richtig. So ist der Niedergang der AKA einfach passiert, während man seriöserweise den aktuellen Zustand der Jugendarbeit nicht vom aktuellen Output ableiten darf, weil das dauert jetzt halt wieder 5-10 Jahren um das beurteilen zu können. Kommt noch jemand mit?Nein?Ich auch nicht.

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  5. Neukirchner sagt:

    Sehr schöne Übersicht. Dass Sturm da hinterhinkt war schon klar….aber das Ausmaß ist doch überraschend.

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  6. Blacky575 sagt:

    Mich hat das immer schon gewundert. Unsere Amas spielen fast jede Saison mit jungen Spielern solide in der Regionalliga mit aber der letzte Schritt wird bei uns nicht vollzogen.

    Im Laufe der Jahre sind mir bei den Amas immer wieder riesige Talente aufgefallen die man schon mal in der Kampfmannschaft auflaufen lassen könnte. Manche haben zwar auch ein paar KM-Einsätze, aber das Potenzial wurde auch dann nicht richtig erkannt z.B.: S.Stangl.

    Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache und sind wirklich erschreckend. Nach oben hin viel Abstand, nach unten recht wenig. Könnte also noch schlimmer werden.

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