Worst-Case-Szenario

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. Wolfsberger AC

Bei der Jahreszeit entsprechenden Temperaturen ließen es sich (zumindest) 7.183 Schwarz-Weiße nicht nehmen, ihre Mannschaft – nach einem missglückten Auftakt in Mattersburg – im ersten Heimspiel 2018 gegen den Wolfsberger AC zu unterstützen und Trainer Heiko Vogel „dankte“ es ihnen mit einer doch nicht ganz kleinen Überraschung: Jakob Jantscher durfte von Beginn an ran. Vor dem Anpfiff durch Schiedsrichter Christopher Jäger durften sie dann auch schon den ersten großen Erfolg beklatschen. Die Initiative „Schwoaze helfen“ konnte den Barmherzigen Brüdern und der Vinzi-Gemeinschaft Fernitz-Kalsdorf nämlich üppige Spendenschecks überreichen. Sensationelle 24.000 Euro wechselten die Besitzer, da wurde einem warm ums Herz.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Mühseliger Beginn

Auf den spielerischen Erfolg musste man in Liebenau an diesem Abend aber warten, denn Abspielfehler im Spiel nach vorne und defensive Unsicherheiten in den Reihen der Blackys ermöglichten den Gästen früh im Spiel erste eher zaghafte Angriffe. Daniel Offenbacher und Michael Sollbauer scheiterten in den ersten Minuten aus der Distanz, mehr passierte vorerst aber nicht.  In der 7. Minute dann das erste Lebenszeichen der Gastgeber, die über Philipp Huspek erstmals gefährlich in Strafraumnähe kamen. Mit seinem schnellen Vorstoß auf der rechten Seite sorgte er für Tempo, seine gute flache Flanke in den gegnerischen Sechzehner fand allerdings keinen Abnehmer. Sturm tat sich schwer, Pässe ins Leere und zu einfach verlorene Bälle bezeichnend für die Anfangsphase.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Kaum Besserung

Der erste Abschluss gelang dem SK Sturm dann erst in der 21. Minute: Stefan Hierländer scheiterte nach einem Eckball aus knapp 18 Metern deutlich. In der 27. Minute setzte Deni Alar einen Kopfball weit neben das Tor. Erwartungen, einem triumphalen Heimstart beiwohnen zu dürfen, bekamen in der ersten halben Stunde einen kräftigen Dämpfer ab, wirkte Sturm doch über weite Strecken „ungiftig“ und unkoordiniert – viele Missverständnisse in Ballbesitz-Situationen legten Zeugnis darüber ab, dass durchaus gute Ansätze einfach noch nicht ausgereift genug waren. Dass es aber auch anders geht, bewiesen Huspek und Alar in der 31. Minute. Die Nummer 18 setzte sich auf ihrer Seite erneut sehr gut durch und erwischte den im Strafraum wartenden Alar mit einer Maßflanke, der Stürmer ließ aus kurzer Distanz aber aus, da sein Schuss nach einem gefinkelten Haken von der Wolfsberger Defensive abgeblockt werden konnte. Wenig später kam Hierländer mit seinem zweiten Abschluss dem, worauf wir alle warteten, schon sehr viel näher. Mit einem Konterlauf konnte er zunächst viele Meter machen, fand dann Huspek auf der rechten Seite, der spielte mit Übersicht oder auch mangels Alternative wieder zurück und mit Anlauf konnte er Keeper Alexander Kofler in dieser Partie schließlich zum ersten Mal richtig prüfen. Ohne Tore schickte Schiedsrichter Jäger die Protagonisten am Grün dann nach einer Minute Nachspielzeit zum Aufwärmen in die Stadionkatakomben.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Gewissheit

Wäre der Wiederanpfiff ein Pfeil gewesen, er hätte die schwarz-weiße Seele niedergestreckt – keine Sorge, poetischer wird es nicht, denn wie immer folgt der Romantik irgendwann reiner Realismus, der schließlich das Abfeiern der ätzenden Fratze, den Naturalismus, hervorbringt. Sprich: Wie kann es richtig hässlich werden? Christian Schoissengeyr verlor nämlich nach zaghaftem Forechecking der Wolfsberger Offensive den Ball an Majeed Ashimeru, der schließlich beinahe seelenruhig auf den chancenlosen Jörg Siebenhandl zumarschieren und locker zur 1:0-Führung für die Gäste vollstrecken konnte. Neben hängenden Kinnladen ringsum sorgte der Gegentreffer aber auch für ein etwas direkteres Spiel der Grazer, das nicht zuletzt durch die Hereinnahme von Emeka Eze forciert werden konnte und dieser brachte tatsächlich wieder einmal Schwung auf das Feld. In der 65. Minute ließ er seinen Gegenspieler nach einer traumhaften Ballannahme sehenswert aussteigen und flankte auf Alar. Für einen gefährlichen Abschluss reichte es jedoch abermals nicht und so konnte Kofler erneut sicher parieren. Kurz darauf versuchte sich Koch aus der Distanz, verfehlte sein Ziel aber ebenfalls. In der 79. Minute brachte Alar seinen Fallrückzieher nach weiterer Eze-Vorarbeit nicht in den Maschen unter, in der 84. scheiterte der eingewechselte Fabian Schubert per Kopf vom Elferpunkt. Der WAC konzentrierte sich mittlerweile auf das Konterspiel und ließ hinten nicht viel anbrennen, zu inkonsequent und vor allem unpräzise agierten die Blackys und nach sechs Minuten Nachspielzeit wurde Gewissheit, was man mit Fortdauer eines einfach schlechten Spiels befürchten musste: Sturm verlor die zweite Partie im Frühjahr und das zuhause gegen den nunmehr vermeintlichen Lieblingsgegner, der sich seinen ersten Dreier in der Fremde sichern konnte. Auf Trainer Vogel wartet noch viel Arbeit!

Spieldaten

Galerie

 

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4 Kommentare

  1. Ritter2016 sagt:

    So, natürlich weiß ich, dass man nach zwei Spielen nicht alles schlecht reden darf. Auch unter Foda bestand immer eine Frühjahresmüdigkeit. Aber derzeit denke ich, dass das 4-1-4-1 für Sturm NICHT funktioniert.

    Die Verteidigung, also die Innenverteidigung Schulz und Schoissengeyr – kann keinen Spielaufbau einleiten. Die haben andere Qualitäten, Zweikampf zb: das war gut.
    Jeggo im defensiven Mittelfeld ist auch mehr eine Kampfsau. Von dort kommt also nichts. Die anderen fünf die vorne stehen warten auf Bälle… Alar verhungert….

    Es braucht dringend wieder einen zweiten zentralen Mittelfeldspieler der wie ein Verbinder zwischen der Defensive und der Offensive fungiert. Es bringt nichts, wenn vorne im Mittelfeld eine 4er Kette steht. Die bekommen die Bälle nicht.

    Sonst müsste ich noch sagen: Gleiches System, gleiche Wechsel wie gegen Mattersburg. Wenn etwas schon einmal nicht funktioniert, und man dann das gleiche noch einmal macht, dann ist das fast schon fahrlässig. Ein zweites Mal dass man Schubert einwechselt, und er eine Position hinter Alar einnimmt, quasi als zweiten offensiven Mittelfeldspieler… ein zweites Mal Eze am linken Flügel: Gut, JA, er war nach der Einwechslung der beste Mann, war auch nicht so schwer. Aber er ist schnell, er kann dribbeln, er kann flanken, passen ist nicht so seines. Er muss aber ein Stürmer sein, der halt auf den Flügel ausweicht.

    Potzmann gehört auch wieder auf den Flügel. Gegen Rapid braucht es wieder ein 4-2-3-1, mit Potzmann links hinten, der diese Rolle aktiver auslegt. Schrammel war da bis dato offensiv nicht vorhanden…

    3+
    • Kolkrabe sagt:

      gaunz mei red -top Analyse! Jede Überraschung hat die Betroffenen verheizt -der Rest in irgendam System wie gelähmt – WAC Verteidigung (-30 Tore) hatte keine Probleme – Europacupreif schaut anders aus….

      3+
    • GazzaII sagt:

      Jein!

      In der Vorbereitung Kurzpassspiel und durchkombinieren bis in den Strafraum! Und auch wenn die Vorbereitung nix zählt spiele ich das ja nicht zum Spaß bzw lege im Trainingslager den Fokus auf Kurzpassspiel!

      Heute daheim gegen einen Gegner den man schlagen muss wird auf einmal mit langen Bällen agiert=> warum?

      4-1-4-1 ist nicht meine Präferenz aber viel schlimmer und wesentlicher ist in meinen Augen, dass man nach einem Totalausfall von dem abweicht was man 1 Monat trainiert hat! OK, wäre man zum Fodasystem zurück gegangen würde das vielleicht Sinn machen, so versuchte man etwas was mMn weder in der Vorbereitung geübt noch unter dem Vorgänger praktiziert wurde.

      Weiters bleibt festzuhalten, dass es auch wenn es unter Foda durchaus schlechte Spiele gab, der Biss/Kampf unter Vogel für mich bisher leider gänzlich fehlt.

      Einzelne Spieler braucht man, leider genauso wie gegen Mattersburg, gar nicht herausheben, Siebenhandl top, Rest…

      2+
    • graz4ever sagt:

      @Ritter

      Du beschreibt perfekt die Definition von Wahnsinn: immer wieder das Selbe zu tun, aber andere Ergebnisse zu erwarten 😉

      Aber eigentlich hast es perfekt auf den Punkt analysiert+dem schließ i mi höflichst an..

      0

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