„Wir wollen Sturm sehen“

Spielvorschau: SK Sturm Graz vs. FK Austria Wien

Fragwürdige Personalentscheidungen

In letzter Zeit gab es für die Fans der Schwarz- Weißen wenig zu lachen, zu viele Eigenfehler prägen das Spiel der Grazer. Die Euphorie ist bereits nach acht Spieltagen verflogen und derzeit muss man sich in vielen Bereichen hinterfragen. Allen voran natürlich die Akteure des SK Sturm Graz, aber auch Meistertrainer Franco Foda, der für einige fragwürdige Personalentscheidungen sorgte. Beispielsweise begann man gegen RB Salzburg mit einem völlig verunsicherten Roman Kienast anstelle des derzeit einzig brauchbaren Angreifers Josip Tadic. Die Rechnung bekam der Trainer der Grazer prompt serviert, denn der Kroate war nach seiner Einwechslung an jenem Tag an beiden Treffern beteiligt. Dies sollte jedoch nicht die einzige seltsame Personalentschediung Fodas sein, denn ein großer Anteil der Niederlage gegen den SV Mattersburg gehört wohl dem Deutschen. Anstatt nach der Verletzung Marvin Potzmanns auf eine Dreierkette mit beispielsweise Hadzic, Madl, Spendlhofer umzustellen, blieb der Sturmtrainer seinem Spielsystem treu. Martin Ehrenreich kam in die Partie und der Rest ist Geschichte. Abermals gab es den obligatorischen Patzer und somit ging das Spiel verdient verloren, auch weil es zusätzlich in der Offensive an Kreativität, Tempo und Überraschungsmomenten mangelte. Warum ein Thorsten Schick nicht nach hinten gezogen werden kann oder Spendlhofer nach rechts – der diese Aufgabe schon einige Male zufriedenstellend erledigt hat – bleibt ein Rätsel. So eigenartig das vielleicht jetzt klingen mag, aber das war nicht die größte Fehlentscheidung des Deutschen. Einen Anel Hadzic auf der Bank zu lassen, der in den letzten Wochen wie ein Leader aufgetreten ist und an seiner Stelle einen seit Wochen völlig deplatzierten Offenbacher zu bringen ist eine regelrechte Farce. Der bosnische Nationalspieler wäre imstande wieder Ordnung in das Mittelfeld der Blackies zu bringen und ist zudem wesentlich geeigneter für den Spielaufbau.

Eine neue Startformation?

Man darf gespannt sein, ob es nun zu Personalrocharden kommt. Vor allem in der Offensive muss dringend etwas getan werden, denn es ist eigentlich traurig, dass quasi jegliche Angriffsbemühungen über einen 19-jährigen Leihspieler laufen. Die Zentrale der Schwarz-Weißen muss unbedingt neu besetzt werden. Viele Sturm-Aficionados würden es natürlich sehr begrüßen, wenn endlich einmal Sandi Lovric zum Einsatz kommen dürfte, denn viel schlechter als seine Mitspieler würde er seine Aufgabe sicher nicht erledigen. Auch ein Ex-Austrianer sollte endlich seine Chance in der Offensive bekommen: Sascha Horvath könnte mit seinen Dribblings und seiner unbekümmerten Spielweise dem Angriffsspiel neues Leben einhauchen. Die spannendste Frage vor Beginn des Spiels ist wohl wer die vakante Rechtsverteidigerposition bekleiden wird. Man wird sehen, ob Tanju Kayhan schon bereit ist für ein Startelfdebüt, Potzmann fit genug ist oder ob vielleicht das Unmögliche passiert und Franco Foda von seinem Spielsystem abweicht.

Kommt Sascha Horvath heute gegen seinen Ex-Klub zum Einsatz?

Kommt Sascha Horvath heute gegen seinen Ex-Klub zum Einsatz? (Foto: (c) SturmNetz.at)

Vielleicht genau der richtige Gegner?

Mit der Wiener Austria kommt ein Kontrahent nach Graz, der sich gerade im Umbruch befindet und diesen eigentlich recht souverän vorantreibt. Klarerweise gibt es noch einige Abstimmungsprobleme in der Defensive, aber man darf von einem geglückten Saisonstart sprechen. Gespannt darf man auch auf den Auftritt von Robert Almer sein: Der 31-jährige Birkfelder, der ja aus dem Sturm-Nachwuchs kommt, trifft erst zum vierten Mal auf seinen ehemaligen Verein. Mit Mattersburg erreichte er 2007 im Pappelstadion ein 2:2, mit der Austria ging der Nationaltorhüter gegen Sturm zweimal als Sieger und einmal als Verlierer vom Platz. Aber nicht nur den wohl besten Torhüter in Österreich darf sich die Austria ihr Eigen nennen, die Mannschaft von Thorsten Fink spielt auch einen gepflegten Offensivfußball. Vor allem Olarenwaju Kayode ist ein brandgefährlicher Angreifer und könnte mit seiner enormen Schnelligkeit die Abwehr des SK Sturm vor große Probleme stellen. Die Spielweise der Wiener wird den Grazern eher entgegenkommen, da man vermutlich nicht das Spiel machen muss. Das behagt den Schwarz-Weißen in dieser Saison bekanntlich bislang überhaupt nicht. Vielleicht hat das auch der Trainer der Veilchen erkannt und so könnte es durchaus sein, dass die Austria sich auf das Kontern verlegt und mit ihren schnellen Angreifern Nadelstiche setzt. Als Favorit geht man auf keinen Fall in das Heimspiel, trotzdem wäre alles andere als ein Sieg eine herbe Enttäuschung, denn um halbwegs in Reichweite der internationalen Plätze zu sein muss ein Dreier her. Für das Erreichen dieses Zieles muss die Mannschaft endlich wieder wie eine spielen, die dem SK Sturm würdig ist.  Wir alle möchten endlich wieder einmal „Sturm sehen“ und nicht das, was  in den letzten Wochen praktiziert wurde! Dass die Nerven bei den Verantwortlichen zur Zeit etwas blank liegen, konnte man auch beim Mediabriefing erkennen.


Spieldaten

SK Sturm Graz – FK Austria Wien
Samstag, 18.09.2015, 16:00 Uhr UPC Arena, Graz

Mögliche Aufstellung:

Sturm Graz (4-2-3-1) Esser; Potzmann, Spendlhofer, Madl, Klem; Kamavuaka, Hadzic; Schick, Avdijaj, Horvath; Tadic

Ersatz: Gratzei, Kayhan, Offenbacher, Lovric, Gruber, Edomwonyi, Kienast

Es fehlen: Stankovic, Rosenberger (beide Kreuzbandriss), Lykogiannis, Schnaderbeck, Ehrenreich, Dobras, Piesinger

Es wird ab 15:30 Uhr einen Liveticker geben.

 

4 Kommentare

  1. black_aficionado sagt:

    Mal schauen ob und wie der Franzl reagiert. Lt. GM „Glatzerl“ Goldbrich gibt es in Graz eh keine wirklichen Probleme oder gar eine Krise (O-Ton: „Spielerisch waren die Partien sehr gut“), das heißt vl ist der Franzl gar nicht zum Handeln gezwungen (Ehrenreich Rochade mal außen vor gelassen)…

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  2. mauer mauer sagt:

    Ooooh, da ist der Franzl gleich angepisst wenn mal nicht die Standardfragen gestellt werden! 😀

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  3. tom_tom tom_tom sagt:

    Zum Mediabriefing: Herr Foda, dünnhäutiger geht es nicht mehr. Klar, ich als „Sofa-Trainer“ hab gut reden, aber werden Sie nicht dafür bezahlt! Und übrigens: Fussballfans, die nicht nur Monat für Monat, sondern sogar Woche für Woche, sogar Tag für Tag internationalen Fussall verfolgen, wissen, dass dort sogar noch grösserer „Druck“ herrschen kann. Interessant zu sehen, dass in diesen viel zitierten „schwierigen Phasen“ immer gut zu sehen ist, welchen Charakter Leute haben können, die in der Öffentlichkeit stehen und Verantwortungen haben. Würde mich interessieren, wie genervt und beleidigt sind, wenn sie mal unter dem Druck stehen, wie andere im Internationalen Fussball.
    Offenbar nimmt man sich in Graz extrem wichtig… ein bisschen Demut würde da mal gut tun.

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    • black_aficionado sagt:

      Ich weiß nicht ob der Foda so viel Druck in Graz hat?! Ich würde mal meinen, dass – sollte es zu einem Personalaustausch kommen – er den Goldbrich schon überlebt!
      Er ist in Graz ja noch immer faktisch sakrosankt!

      Den „Druck“ den er hat ist der, dass er den 4.teuersten Kader, die Mannschaft mit dem 4.hochsten Budget (mit Respektabstand nach hinten wie nach vorne), unter die Top4 bringt.
      Ergebnisse scheinen ohnehin wichtiger als Spielkultur und Entwicklung zu sein und – wie vom Kollektiv in der grandiosen Aussendung angemerkt – eine konsistente Linie suchst im Verein sowieso vergeblich!
      Summa summarum, wenn Platz 4 erreicht wird, dann haben sich alle lieb…

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