„Wir freuen uns, den Kampf um Platz vier annehmen zu können“

Admiras Rechtsverteidiger Stephan Zwierschitz im SturmNetz-Interview

Vor der Bundesliga-Begegnung mit der Admira (Samstag, 18:30 Uhr) haben wir Südstadt-Verteidiger Stephan Zwierschitz zum Interview gebeten, nach den Gründen gefragt, warum es momentan bei der Admira so gut läuft und was er sich vom Spiel gegen Sturm erwartet. Außerdem gewährt uns der 25-Jährige einen Einblick in den Trainings-Alltag mit Ernst Baumeister, Oliver Lederer und Michael Horvath – ein Trainerteam, das sich gegenseitig zu ergänzen scheint. Wir konnten des Weiteren aber auch in Erfahrung bringen, dass der Mödlinger durchaus einen Bezug zur Steiermark hat.

Stephan, die Admira hat derzeit einen Lauf, der bisherige Höhepunkt dürfte wahrscheinlich der beeindruckende 4:0-Sieg gegen Rapid gewesen sein. Kannst du diesen denkwürdigen Erfolg vielleicht noch einmal kurz Revue passieren lassen?

Das stimmt schon, das war ein echtes Highlight in dieser Saison. Vor allem nach unseren letzten Ergebnissen – die Niederlagen gegen die Austria und Wolfsberg – haben wir vor dem Rapid-Spiel unsere Problemchen direkt angesprochen. Wenn man gegen dieses Team auswärts spielt, ist man doppelt motiviert, zudem haben wir ein paar Ex-Rapidler in unserem Team, die dem ehemaligen Klub beweisen wollten, dass sie zu Unrecht ausgemustert worden sind. Außerdem ist diese Begegnung für uns gerade recht gekommen, da man in so einem Spiel nichts zu verlieren hat. Dass wir allerdings so eine Leistung gebracht haben, ist schon ein Wahnsinn, wobei wir ja schon im Cup bewiesen haben, dass wir Rapid auch auswärts schlagen können. Dieses Spiel war allerdings der Wahnsinn, es ist schlichtweg von der ersten bis zur letzten Minute alles für uns gelaufen.

Auch für mich war dieses Spiel unglaublich und ich ich tat mir schwer, zu erklären, wie das passieren konnte. War das so ein Tag, an dem man schon wusste, dass derartiges gelingen wird oder wart ihr von eurer Leistung vielleicht selbst etwas überrascht?

Wie gesagt, wir wissen wie man gegen Rapid spielen muss. Das haben wir in dieser Saison schon mehrmals bewiesen. Unser Trainer stellt uns immer perfekt auf den nächsten Gegner ein und wir haben auch in den ersten Minuten sofort bemerkt, dass unsere Taktik funktioniert. Rapid hat an diesem Tag schlicht und einfach kein Mittel gefunden, um uns irgendwie gefährlich zu werden. Ich glaube, das war das Entscheidende. Das haben auch alle Experten so gesehen. Rapid hatte einfach keinen Plan. Dass wir zudem auch vorne endlich wieder unsere Chancen genutzt haben, kam noch hinzu, wobei man sagen muss, dass der Sieg – auch in dieser Höhe – verdient war und wir eventuell sogar noch mehr Tore hätten machen können.

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(c) Wikimedia Commons/Steindy

 

Du hast euer Trainergespann angesprochen. Bei euch arbeiten Trainer und Co-Trainer offenbar besonders intensiv zusammen. Ernst Baumeister und Oliver Lederer, der zuvor ja alleiniger Trainer der Admira war. Hand aufs Herz, wer ist der Boss?

Man muss schon dazu sagen, dass auch unser Co-Trainer Michi Horvath sehr viel zu sagen hat. Er arbeitet sehr intensiv mit uns, beispielsweise in der Kraftkammer, macht auch taktische Einheiten. Das tägliche Training – die Planung, die Durchführung usw. –  ist Sache von Oliver Lederer, dafür ist er hauptverantwortlich. Oli ergänzt sich einfach mit Ernst Baumeister perfekt, der sich erst dann zu Wort meldet, wenn ihm irgendetwas nicht passt oder er etwas ändern will. Lederer und Horvath machen, Baumeister ist in der Rolle des Beobachters und bringt sich dann ein, wenn ihm von außen etwas auffällt.

Sozusagen eine Symbiose von drei Personen, die ihre jeweiligen Stärken in das Training miteinbringen und sich somit perfekt ergänzen?

Das kann man so sagen. Es passt einfach perfekt.

Jetzt habt ihr euch den vierten Platz geholt und damit auch Sturm Graz zurückgedrängt – einen Verein, der finanzkräftiger ist und traditionell gerne noch zu den „großen Vier“ gezählt wird. Wie ist euch das gelungen?

Zuallererst war natürlich unser sensationeller Saisonstart dafür verantwortlich. Nach dem ersten Viertel hatten wir ja 17 Punkte, waren zeitweise sogar Tabellenführer, was für die Admira ja ein echter Wahnsinn ist. Im Herbst haben wir zwar weiterhin gute Spiele abgeliefert, aber uns ist ein bisschen die Leichtigkeit abhanden gekommen und wir waren auch nicht mehr so effizient wie zu Beginn der Saison. Im zweiten und im dritten Viertel haben wir jeweils zehn Punkte gemacht, das ist in Ordnung. Was Sturm betrifft, darüber haben wir uns nicht viele Gedanken gemacht. Unser primäres Ziel war der Klassenerhalt, zudem haben wir immer gesagt wir schauen von Spiel zu Spiel. Ich denke, damit sind wir recht gut gefahren. Jetzt stehen wir eben auf diesem vierten Platz und da wollen wir auch bleiben. Vor Sturm.

Bedeutet das, dass jenes Spiel am kommenden Samstag gegen Sturm Graz schon wichtiger ist als beispielsweise jenes gegen den Tabellenletzten Grödig?

Ja, das kann man schon so sagen. Das Spiel gegen Sturm ist ein Spiel gegen einen direkten Konkurrenten. Sollten wir dieses gewinnen, sind wir vier Punkte vor den Grazern. Prinzipiell aber wollen wir gegen jeden Gegner punkten. Trotzdem kann man schon sagen, dass das Spiel gegen Sturm noch ein bisschen wichtiger für uns ist.

Also eine Art Sechs-Punkte-Spiel?

Naja, es sind schon noch neun Runden zu spielen. Trotzdem ist es angenehm sagen zu können, man spielt ein Sechs-Punkte-Spiel gegen Sturm, denn in den letzten Jahren, zumindest seitdem ich bei der Admira bin, waren sogenannte Sechs-Punkte-Spiele stets gegen einen anderen Abstiegskandidaten. Wir freuen uns darüber und sind auf alle Fälle bereit, diesen Kampf um Platz vier anzunehmen.

Sicherlich ein Produkt eurer bislang tollen Saison. Man fragt sich da aber dann schon etwas: Müsste das eigene Stadion in der Südstadt eigentlich nicht aus allen Nähten platzen? Frustriert es manchmal, dass der Zuschauerschnitt den Leistungen nicht entspricht?

Man muss sagen, wir haben zwar eine kleine Anhängerschaft, diese ist dafür wirklich super. Nach dem 4:0-Sieg gegen Rapid beispielsweise, haben sie auf uns in der Südstadt gewartet und mit uns gefeiert. Allerdings wenn man in Wien oder in Graz spielt, in großen Stadien, ist es für uns jedesmal aufs Neue etwas Besonderes. Aber natürlich macht uns das Ganze auch traurig. Zum Beispiel, wenn man zuhause gegen die Austria vor nur 3.000 Zusehern spielt.

Woran liegt es, dass sich das Zuseherinteresse in der Südstadt etwas in Grenzen hält und das, obwohl man eigentlich in einem der am dichtesten besiedelten Gebiete Österreichs beheimatet ist?

Dieses Problem hatte die Admira schon, als ich noch gar nicht auf der Welt war. Prinzipiell gibt es für die meisten Wiener und Niederösterreicher nur Rapid oder Austria. Mödling ist zwar recht groß, in unmittelbarer Nähe liegt auch noch Baden und Wiener Neustadt. Es ist wirklich schwer zu beantworten. Der Verein hat schon einiges dahingehend probiert – beispielsweise Aktionen, wo Spieler von uns in die umliegenden Schulen fahren und mit den Kindern eine Turnstunde abhalten, um diese für den Verein zu begeistern – aber ich denke das wird ein langwieriger Prozess.

Könnte ein „internationaler Auftritt“ der Admira da eventuell rascher für Abhilfe sorgen?

Ich denke, das wäre der beste Grund um die Südstadt wieder einmal voll zu bekommen.

Die Admira ist auch bekannt dafür, im Jugendbereich sehr stark zu arbeiten. Ist das bei der Admira Klubphilosophie oder „passiert“ das einfach, zum Beispiel aufgrund enger finanzieller Rahmenbedingungen?

Die Admira hat schon lange den Ruf als Ausbildungsverein. Man braucht nur zu schauen, egal bei welchem Verein in der Bundesliga – auch im Ausland, ich denke da an Marc Janko, Marcel Sabitzer oder Philipp Hosiner – überall findet man Spieler mit Admira-Vergangenheit. Ich denke, das Prunkstück dieses Vereins ist zweifellos die Akademie. Ich behaupte sogar, ohne Akademie, würde es die Admira gar nicht mehr geben. Jedes Jahr gibt es einige Spieler die den Sprung zu den Profis schaffen und bei uns auch schneller die Chance auf Einsätze haben als anderswo. Das ist unser Weg, auf das sind wir angewiesen. Mit Transfers Geld zu lukrieren ist überlebensnotwendig für diesen Verein. Ich schätze im jetzigen Kader sind 2/3 der Spieler aus der Akademie. Das ist in Österreich einzigartig und darauf kann man stolz sein.

Ein wirklich beeindruckender Wert. Ist es in der österreichischen Liga so, dass sich mehr Vereine verstärkt auf die Jugendarbeit besinnen sollen? Immerhin ist nicht jeder Verein Red Bull und kann teure Spieler einkaufen. Auf die eigene Jugend zu bauen und dadurch auf finanzielle Gewinne zu lukrieren, kann aber theoretisch jeder. Glaubst du das könnte generell der österreichische Weg werden?

Wenn man sich den Trend in den letzten Jahren so anschaut, merkt man schon, dass immer mehr junge Spieler in die Bundesliga kommen und die Mannschaften auch immer „jünger“ werden. Ich denke bei Sturm etwa an Sandi Lovric, ein 98-er Jahrgang, das ist schon bemerkenswert. Aber ich denke, nur mit jungen Spielern, vor allem mit jenen, die noch in die Schule gehen, beim Bundesheer sind etc., kann es schon schwierig sein. Wichtig ist eine gesunde Mischung. Ein erfahrener Leithammel ist schon auch wichtig.

Ihr seid ja fast durch die Bank nur junge Spieler. Wann wird so etwas zum Nachteil? Gehen manchmal die echten Routiniers ab? Oder macht ihr einfach nur das Beste aus dieser Situation?

Genau so sehe ich das. Es ist halt so, dass jede Saison zwei, drei routinierte Spieler den Verein verlassen. Es ist aber auch so, dass jedes Mal junge Spieler diese Abgänge kompensieren und in diese Rolle reinwachsen. Wenn ich an das Spiel gegen Rapid denke, da war ich mit meinen 25 Jahren der Drittälteste. Ich glaube, für einen Fußballer ist es schon ein Vorteil, wenn er schon in jungen Jahren eine wichtige Aufgabe innerhalb einer Mannschaft übernehmen kann. Nachteil kann es dann schnell einer werden, wenn zwei, drei wichtige Spieler ausfallen. Dann kann es leicht sein, dass sich halt nicht so schnell einer findet, der die Führungsaufgabe übernimmt. Zurzeit funktioniert aber auch das bei uns sehr gut.

Genau das spiegelt sich ja auch durch den aktuellen Tabellenplatz wider.

Das kann man absolut sagen. Ich denke, unser Trainer – beziehungsweise alle Verantwortlichen im Verein – haben insbesondere in der Kaderzusamenstellung sehr gute Arbeit abgeliefert. Das passt im Moment.

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(c) Wikimedia Commons/Steindy

Kommen wir kurz zu dir persönlich. Du wurdest in Mödling geboren, hast dann über Sommerein, Mannersdorf und St. Pölten den Weg zur Admira gefunden. Haben dich da nicht auch Rapid oder die Austria angelockt?

Es war eigentlich so, dass ich mit 14 schon zur Admira in die Akademie wollte. Damals war ich allerdings anscheinend noch zu schwach oder noch nicht so weit. Es hat sich dann aber St. Pölten ergeben, wo ich genommen wurde. Da habe ich mich dann bis zur Kampfmannschaft hinaufgearbeitet. Die Admira war dann auf der Suche nach einem Rechtsverteidiger und ist an mich herangetreten. Für mich hat das – vor allem geographisch – perfekt gepasst. Ich bin ja ein Mödlinger, fühle mich hier sehr wohl. Rapid oder Austria waren weder im Nachwuchs, noch später bei den Profis, für mich jemals ein Thema.

Wie schaut es diesbezüglich mit Sturm Graz aus?

Als Nachwuchsspieler hab ich gewusst, dass Sturm auch eine gute Akademie hat. Aber als Niederösterreicher war halt St. Pölten für mich die naheliegende Option, die waren auch die Einzigen, die mir einen Platz zugesagt haben. Jetzt, als Profi, schaut es so aus, dass ich im Sommer ablösefrei zu haben bin und Sturm ist für mich natürlich eine interessante Option. Mein Vertrag bei der Admira läuft im Sommer aus, mehr kann ich dazu leider noch nicht sagen.

Mit Thorsten Schick – deinem ehemaligen Kollegen bei der Admira – hast du sicher einen Fürsprecher bei Sturm, oder?

(lacht) Mit Schick war ich schon des Öfteren im Urlaub. Unsere Freundinnen verstehen sich gut und wir haben noch regelmäßig Kontakt. Zudem ist meine Freundin ja auch aus der Nähe von Graz. Es würde mich freuen, wenn Thorsten sich für mich einsetzt, aber ich glaube nicht, dass er in Graz diesbezüglich viel zu sagen hat.

Also ist Sturm doch eine echte Option für dich?

Ja sicherlich. Aber bislang hat sich noch nichts getan.

Kommen wir noch auf das kommende Spiel zu sprechen. Wer muss am Samstag deiner Meinung nach die Favoritenrolle annehmen? Sturm oder doch die Admira?

Gute Frage. Sturm tut sich im Moment sehr schwer. Ich glaube, es wird eine spannende, ausgeglichene Partie. Wir tun uns ja zurzeit auswärts auch leichter als daheim.

Wie bereiten euch Oliver Lederer und Ernst Baumeister auf einen Gegner wie den SK Sturm vor? Habt ihr da einen speziellen Plan oder haben euch die Trainer etwas gesagt, worauf ihr besonders aufpassen müsst?

Normalerweise bereiten wir uns ab Ende der Woche auf den Gegner vor, machen Medienanalysen, schauen uns ihren Spielstil an, wie sie sich bei Standards verhalten und versuchen, Mittel zu finden. Wir beobachten auch immer die Qualitäten einzelner Spieler des Gegners. Wir vernachlässigen aber dabei nicht unser Spiel und schauen schon mehr auf uns selbst. Wir wollen schon unser Spiel durchziehen, auf das arbeiten wir ja das ganze Jahr hin.

Sturm ist ja derzeit bekannt dafür, das Spiel zu machen, aber eben kaum Tore. Werdet ihr offensiv gleich ordentlich Gas geben oder anfangs abwarten?

Ich denke, unser Trainer wird wieder die passende Taktik finden. Wie diese jetzt ausschauen wird, das kann ich – beziehungsweise will ich – jetzt auch nicht verraten. In der Südstadt sind aktuell die Bodenverhältnisse sehr schlecht. Ob es überhaupt möglich wird, spielerisch etwas aufzuziehen – so ein Spiel wie gegen Rapid wird es schon deswegen nicht von uns geben, da das der Platz einfach nicht hergibt. Es wird auf jeden Fall spannend und man wird sehen, wer am Ende die Nase vorne haben wird.

Wie lautet dein Tipp?

(überlegt lange) 2:1 für die Admira.

Vielen Dank, dass du dir für uns Zeit genommen hast und viel Glück für deine weitere Karriere.

Danke ebenfalls, es hat mich sehr gefreut, ein Interview mit euch machen zu können.

 

1 Kommentar

  1. brent_everett sagt:

    Die größte österr. Tageszeitung beschrieb heute die Stärken der Admira: „Direkte Kombinationen mit hoher Passschärfe als Qualitätsmerkmal“. Wäre es nicht schön, wenn man dies auch über Sturm sagen könnte? Nicht mal die Hofberichterstatter der steirischen Lokalpresse versteigen sich in derartige Assoziationen. Vielleicht bräuchte man dafür nur einen gescheiten Trainer und keinen gescheiterten Trainer. Aber wir Grazer werden uns ja niemals mit Mödling vergleichen können. Die Marktgemeinde Mödling bietet ja ganz andere wirtschaftliche Möglichkeiten (SCS?), da kann Sturm nicht mithalten. Daher ist es auch nur zu logisch, dass Admira eine bessere Truppe u einen besseren Trainer hat als wir.

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