Wind of Change

Ohne jegliche Vorfreude blickten die meisten Blackies Richtung Saisonstart. Zu verdenken war diese gelebte Gleichgültigkeit nach den alljährlichen Enttäuschungen in mehrfacher Hinsicht eigentlich niemanden. Nun, nur einige Tage später, scheint sich das Blatt etwas gewendet zu haben. Wieder nur die ebenfalls alljährlich aufkommende, verfrühte Euphorie, oder ist gegenwärtig tatsächlich etwas in Entstehung, worauf man sich auch weiterhin freuen darf?

Nach nur 45 Minuten gegen das wie immer hochfavorisierte Werksteam von Red Bull, ein bekannter Angstgegner der Grazer, herrschte vor allem eines: Verwunderung. War das wirklich Sturm, das man da gerade bestaunen durfte? Alle den Blackies abhanden gekommenen Attribute schienen wie durch Zauberhand den Weg zurück an die Mur gefunden zu haben. Eine gut eingestellte Mannschaft zeigte sich leidenschaftlich und kampfeslustig wie seit Jahren nicht – ein Hochgenuss für jeden Fan, der dies sichtbar dankend annahm. Plötzlich, wer hätte das für möglich gehalten, macht Sturm entgegen allen Erwartungen zumindest vorerst doch wieder etwas Bock. Dieses neuerliche Interesse an einem Verein, dem man gar nichts mehr zutraute, liegt dabei allerdings nicht nur am fulminanten Saisonstart. Denn lediglich ein Spiel, wenn auch gleichermaßen erfreulich wie überraschend, ist bekanntlich kaum als Gradmesser brauchbar. Viel gewichtiger erscheint die Tatsache, dass endlich ein anderer Wind in Messendorf Einzug gehalten hat und sich Ankündigungen offensichtlich doch auch bewahrheiten können.

Allen voran Günter Kreissl zeichnet für einen gegenwärtig stattfindenden Paradigmenwechsel verantwortlich. Ein gerade in Graz eigentlich mehrfach abgenutzter Begriff. Denn voller Euphorie und Tatendrang Richtung Sturm Neu und dessen theoretische Umsetzung, die bereits den ein oder anderen Paradigmenwechsel versprach, hat man einst vergessen, dass die richtigen Personen in den richtigen Positionen nach wie vor unumgänglich sind, um am Ende auch erfolgreich zu sein. Schnellschüsse, das Jonglieren nach Belieben mit vorhandenen personellen Ressourcen oder solchen, deren Namen bloß erfolgversprechend erschienen, und das Hinwegsehen über eigentlich existente und absolut notwendige Strukturen sowie Anforderungsprofile hierfür war dann doch zu wenig. Und rächte sich böse. Es brauchte überraschend viele Organigramme, verschossene Elfmeter und Lernprozesse, um das endlich zu erkennen. Daher kann man durchaus von einer wirklich allerletzten Chance für Jauk & Co ausgehen. Mit Günter Kreissl wurde bei einer Personalentscheidung im organisatorischen Bereich offensichtlich erstmals nach einer gefühlten Ewigkeit so vorgegangen, wie es eigentlich common sense sein sollte: Es wurde eine Person an Bord geholt, die jene Kompetenzen und Fähigkeiten mitzubringen verspricht, die es gemäß den Aufgabenbereichen sowie jenes Weges, den man einzuschlagen gedenkt, auch braucht. Sturm wollte frischen Wind und hat diesen, wie man am Rande schon mitbekommen haben dürfte, mit Kreissl auch bekommen. Besonders wohltuend: Im empfehlenswerten Gespräch mit den Kollegen von „BlackFM“, lässt der Geschäftsführer Sport einen völlig neuen Ansatz im Umgang mit Medien und geäußerter Kritik erkennen. Führt man dies so fort, man würde einem weiteren lang gehegten Wunsch der Fans spät aber doch nachkommen.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

© Martin Hirtenfellner Fotografie

 

Mit der Bestellung von Thomas Tebbich ist möglicherweise ein ähnlich kluger Schachzug gelungen. In Anbetracht dessen Werdegang sollte man in der Annahme gehen können, dass auch er das nötige Know-How und möglicherweise auch einen frischen Wind in petto hat. Plötzlich hat man das Gefühl, Sturm werde im organisatorischen Bereich in naher Zukunft so professionell geführt wie nie zuvor. Die zu Ende gehende Ära des längstdienenden Geschäftsführers kann hingegen durchaus als unglücklich bezeichnet werden. Gerhard Goldbrich, eine Position innehabend, die es gar nie geben sollte, fügte sich im Gleichschritt mit anderen Verantwortlichen nahtlos alten Gepflogenheiten. Zwar wurde seine Bestellung nach dem gescheiterten und völlig absurden Tumani-Experiment von einem medial unterstützten Aufatmen begleitet, doch hätte es vielmehr neue Wege gebraucht. Die Gegenwart zeigt es gerade vor.

Daran ändert im Übrigen auch nichts, wenn sich Burghard Enziger einmal mehr der Peinlichkeit preisgibt und gegen jene in gewohnt stilvoller Manier hetzt, die nicht immer vollste Zufriedenheit äußerten. Ein Hinweis in eigener Sache: Eigentlich hätte diese Kolumne endlich einmal ohne allzu großen Medienbezug auskommen sollen. Aufgrund der ständigen Relevanz ziehen wir hierfür nun eine eigene Kategorie in Erwägung, die sich ausschließlich mit der Berichterstattung der heimischen Medienlandschaft auseinandersetzt. Eines sei zum Abschluss dennoch gesagt: Diverse Reaktionen, Kommentare etc. allen voran in den sozialen Netzwerken in Bezug auf die aktuelle Personalrochade geben tatsächlich Anlass, sich zu echauffieren. Ab und an sollte man sich zu Gemüte führen, dass es sich um Menschen handelt, die da am Werk sind. Kritik muss erlaubt sein. Untergriffigkeiten und Beleidigungen kann man sich aber getrost sparen. Ob es in der „Krone“ eine solche Richtlinie gibt, sei dahingestellt.

5 Kommentare

  1. Rusty sagt:

    @ Gernot zu deinem Zitat: „Untergriffigkeiten und Beleidigungen kann man sich aber getrost sparen. Ob es in der „Krone“ eine solche Richtlinie gibt, sei dahingestellt.“

    Wie sieht es mit eurer Richtlinientreue aus? Ihr von Sturmnetz erlaubt es anscheinend Gerhard Goldbrich als „Taugenichts“ zu bezeichnen. Ist das in Ordnung?

    Man kann zu Goldbrich stehen wie man will. Er hat – wie jeder Mensch – Vor- und Nachteile. Aber wie du auch geschrieben hast, es handelt sich um Menschen. Ich hätte mir hier schon gewünscht, dass Beleidigungen in dieser Art von eurem (sehr gutem) Medium gelöscht werden.

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  2. abisz sagt:

    Da möchte ich mich Rusty anschließen.

    Es gab auch von euch einige Kommentare oder Aussagen (ich erinnere nur an „Obstler“), die weit unter der Gürtellinie waren.

    Grundsätzlich finde ich es überhaupt hinterfragenswert warum gewisse Medien ständig meinen Aussagen von „Mitbewerbern“ kommentieren zu müssen. Ob ihr jetzt persönlich den Herrn Enzinger erwähnt, oder ob der Herr Enzinger das „Internetportal unter der Wahrnehmungsgrenze“ anspricht. Das muss nicht sein und hier darf man auch mal lobend die „Kleine“ erwähnen. Mit deren Berichterstattung punkto Sturm muss man gewiss nicht konform gehen, aber sie haben es nicht notwendig andere Artikel von anderen Medien zu kommentieren, oder meinen denen etwas ausrichten zu müssen. Das ist schon auch eine Stilfrage.

    Es spricht ja nichts dagegen ab und zu auf die Linie der Lokalmedien hinzuweisen, in einem Nebensatz, aber dieses ständige kommentieren solcher Artikel sollte eigentlich den Foren vorbehalten sein. Damit tut sich nämlich niemand einen Gefallen.

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  3. ljnight2 sagt:

    Die heutige pk war sehr interessant anzuhören!
    Klingt nach euphorie und aufschwung!
    Auch fodas sichtweise zb. zu lovric hat mir gefallen! Kein meckern, kein grandln mehr..

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  4. ballspieler sagt:

    Was war der Inhalt zu Lovric??

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