„WHAT A GAME“ – Ja darf man das?

Groß war die Alteration, als nach der erschreckend schwachen Cup-Partie in Ebreichsdorf der SK Sturm Graz auf seiner vereinseigenen Facebook-Seite das Endergebnis postete und dabei von „What a Game“ sprach. „So etwas dürfe nicht sein“, war die Resonanz in diversesten Foren. Einmal abgesehen davon, dass „What a Game“ sehr vieles implizieren kann und in keinster Weise die Leistung der eigenen Akteure bewertet, denn selbst wenn der erfahrene Arsenal-Fan nach einer 0:6-Cuppleite gegen die Wolverhampton Wanderers auf seine Tube wartet, wird er dort vermutlich auch kopfschüttelnd „What a Game“ vor sich hin murmeln.

Zwar zeigte das Spiel am Dienstag deutlich, dass sich in den Reihen unseres Sportklub Sturm gut bezahlte Profis finden, bei denen eine Lücke zwischen Anspruch und Realität klafft, so groß wie jene zwischen Red Bull Salzburg und einem Traditionsklub, aber immerhin hat Sturm Graz nicht verloren und ist eine Runde weiter. Dass es im Pokalbewerb, in allen Ländern dieser Welt, immer wieder zu Sensationen kommt, ist ein Faktum, welches dem Fußballsport zweifellos gut tut. In einer Zeit in der die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird, sind solche Sensationen das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Selbst Mannschaften wie der FC Bayern München waren vor diesem Phänomen in der Vergangenheit nicht gefeit. Der FV Weinheim, der FC Magdeburg und der TSV Vestenbergsreuth lassen grüssen. Und auch Sturm hat sich in seiner Vereinshistorie schon des Öfteren blamiert, doch im Gegensatz dazu, hat man in Ebreichsdorf doch noch gerade den Kopf aus der Schlinge gezogen. Selbst beim Pokalerfolg 2010, für viele einer der emotionalsten Erlebnisse im Fandasein und für so manchen eine idealisierte Phase, in der alles gepasst hat, bedurfte es gegen den TSV St. Johann einer Verlängerung, um überhaupt erst in die zweite Runde einzuziehen, in der man dann die WSG Wattens durch ein Elfmetertor von Klemen Lavric hauchdünn mit 1:0 eleminieren konnte.

cupsieg 2010

(c) Wikimedia Commons

Wer jetzt erwartet, dass der Verein auf seinen eigenen Kanälen mit eigenen Spielern hart ins Gericht geht, der versteht wohl wenig von Marketing und Außendarstellung. Dass sich die gängigen Tageszeitungen der Lobhuddelei anschließen und im Gleichklang mitspielen, darf zwar vollkommen zu Recht kritisiert werden, der Verein selbst und deren Verantwortlichen dafür aber nicht. Dass es gelungen ist, beinahe alle wesentlichen Meinungsmacher in der Steiermark ins Boot zu holen, darf man, aus Sicht der Verantwortlichen des Sportklub Sturm, eher als „Good Job“ bezeichnen. Kein Fußballverein weltweit würde dahingehend anders arbeiten. In wohl kaum einer anderen Stadt würde dies allerdings funktionieren. Ob dies der steirischen Medienlandschaft geschuldet ist, die wie auch in anderen Ressorts gerne den Weg des geringsten Widerstand geht oder an dem an sich unkritischen Sturmfan, sollte jeder für sich selbst beurteilen. Wer allerdings Sturm Graz beispielsweise auf Social Media folgt und dort eine schonungslose Abrechnung mit technisch limitierten, lauffaulen oder arrogant auftretenden Starkickern erwartet, sollte diese Seiten schnellstens wieder disliken. Dafür werden die dort agierenden Personen nicht vom Verein bezahlt.

 

7 Kommentare

  1. JulioGeordio JulioGeordio sagt:

    Ja ich bin einverstanden, daß diese Kommentare vom Verein nicht richtig sind, aber überzogene Kritik an die Mannschaft passt auch nicht. Es war ein schwieriges Spiel gegen eine hochmotivierte und gefähliche Mannschaft, wir sind nicht unter die Räder gekommen und haben die nötigen Tore geschossen. Es war ein Pflichtsieg, mehr nicht. Man muss sowohl vom Verein als auch von der Fanseite die Kirche im Dorf lassen. Es ist unrealistisch zu erwarten, daß man leicht 4, 5, 6 null gewinnt, nur weil der Gegner aus der Regionalliga kommt.

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    • PeterH PeterH sagt:

      es geht ja auch nicht ums Ergebnis sondern um die Art und Weise. Phasenweise war man gestern gegen den Regionalligisten stark unter Druck und die schwächere Mannschaft. Das kannst halt auch keinem erzählen. Das sind Amateure. Die haben den ganzen Tag Packln ausgetragen, Kühe gemelkt, sind an der Kasse gesessen oder an der Drehbank gestanden. Und am Abend nach einem harten Arbeitstag a bisserl hobbykicken gegen Sturm im Cup und haben die unseren an die Wand gespielt in Teilen der 2. Halbzeit. Selbst konditionell warens am gleichen Level. Ich möcht den Dobras mal erleben beim Kühe melken, der sauft ab. Da is nacher nix mehr mit kicken.

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  2. Arch Stanton sagt:

    Stimmt alles und macht bis zu einem gewissen Grad ja auch Sinn(zumindest aus Vereinssicht) und die steirischen Medien sind ja nicht nur in sportlicher Hinsicht gleichgeschaltet.
    Als mündiger Konsument kann ich aber schon beurteilen, was ich wo bekomme und dann entscheiden, was ich will und woher ich es mir hole. Und offen und ehrlich will ich als Fan die Wahrheit schon ab und zu als durch die Fanbrille geschilderte Wirklichkeit serviert bekommen.

    Im übrigen erschien der Artikel um etwa vier Stunden(und neun Minuten) zu früh!

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  3. brent_everett sagt:

    ich hab die 2 HZ bis zum 1:1 via SturmTV verfolgt, in diesen 20 Minuten hat ausschließlich Ebreichsdorf gespielt. Sturm wurde quasi von einer Amateurmannschaft an die Wand gespielt. 20 Minuten haben gereicht um für die nächsten Wochen angespeist zu sein. Es ist unbegreiflich wie man diese Leistung mit welchen Argumenten auch immer rechtfertigen will. Was allerdings besonders dramatisch auffällt: Beim Liveticker Sturm – WAC habe ich nach dem Anschlusstreffer schon gepostet, dass Sturm in der 2 HZ nur die Führung verteidigen will. ABER: das passiert jedes mal! Gegen Rapid ging das daneben. Gegen Ebreichsdorf auch. Warum tritt Sturm -speziell nach einer Führung- am Beginn der 2 HZ immer derart „tramhappert“ auf? Ist es Taktik oder Fahrlässigkeit? Die Gegner wissen das längst und fahren dementsprechend in der 2 HZ an. Ich wäre echt neugierig, was FF in der Pause seinen Starkickern in Ohr säuselt – es muss ja irrsinnig motivierend sein.

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    • PeterH PeterH sagt:

      Vollste Zustimmung. Aber das ist auch keine reine Foda-Krankheit. Unter Milanic war es zB noch schlimmer. Ich erinnere daran dass wir letzte Saison unter Darko beim ersten Heimspiel gegen den WAC kurz nach Wiederbeginn das 1:0 gemacht haben (Djuricin). Direkt nach dem Tor, hat man völlig aufgehört zu spielen, hat sich nur mehr hinten reingestellt und wollte verwalten. Logische Folge? Der WAC macht uns noch 2 Tore und wir gehen ohne Punkte vom Platz. Und das traurigste ist, das war absolut mit Ansage. Passiert aber nicht nur bei Sturm, auch Ried hat sich erst vorgestern auf diese Art den Cup-Aufstieg gegen RBS versaut, wenn die nach 15min bei 0:2 weitergespielt hätten wie vorhin und die Unsicherheit der Bullen ausgenutzt hätten, steht’s zur Pause 0:3 und das Thema ist vom Tisch. So aber hams vor der Pause noch den Anschlusstreffer eingefangen und spätestens da hätte trotz Führung kein Mensch mehr auf einen Ried-Aufstieg gesetzt. Bei der WM 2014 war’s auch schön zu sehen: Immer dann, wenn eine Mannschaft sich hinten reingestellt hat um ein Gegentor zu verhindern, hat’s getscheppert. Mit Ansage. Mit Mauern konnte man vielleicht vor 10 Jahren ein Spiel über die Runden retten. In seltensten Fällen geht es noch heute (Chelsea zB vor 2 Jahren oder letzte Saison ein paar mal Altach in unserer Liga), aber zeitgemäß ist es nicht mehr.

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  4. Neukirchner sagt:

    Ich denke, dank der hervorragenden Arbeit von Sturm12, aber auch von SturmNetz, welches sich zwar anders präsentiert, aber durchaus auch professionell arbeitet, wird schön langsam ein Umdenken in der steirischen Medienlandschaft geschehen. Konstruktive Kritik ist zumeist leistungsfördernd. Sich unreflektiert über Sturm von Sturm zu informieren ist zwar der weniger anstrengende Weg. Für Leute dich sich darüber hinaus, fachmännischer, kritischer mit Fußball in Graz auseinandersetzen wollen, werden sich immer für Alternativen entscheiden. Nach der völligen Leere durch das Ableben von Sturm12, gibts da ja wieder einige Alternativen (SturmNetz, BlackFM usw.). Und das ist gut so.

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  5. 12terMann sagt:

    Natürlich soll sich der Verein über seine „vereinseigenen“ Medien und Social-Network-Seiten nicht selber schlecht machen, reden oder schreiben. Dennoch muss man seine Fans und letztendlich auch Geldgeber nicht mit einer derartigen Dreistigkeit verarschen.
    Nach einem (Cup-)Spiel (in Klammer deshalb, weil es für Profis einfach keinen Unterschied machen darf!!!) gegen einen Drittligisten, welches mit äußerster Mühe und Glück gewonnen wurde, zu schreiben „What a game“ und „geile Partie“ ist Verarsche.
    Ein simples „Knapp wars“/“Da haben wir nochmal Glück gehabt“ oder von mir aus auch ein „Mund abwischen, auf die nächste Aufgabe schauen“ hätte es allemal getan.

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