WHAT A GAME!

SturmNetz-Advent 2018 – #9

Auch in diesem Jahr möchten wir euch die Zeit bis zum heiligen Abend etwas versüßen. Im heurigen Advent blicken wir zurück auf einige denkwürdige Ereignisse aus 3,5 Jahren SturmNetz. Hinter Türchen Nummer 9 geht es um ein furchtbar schlechtes Spiel und einen zerstörten Laptop.

Ebreichsdorf, an einem Dienstagabend, 18:30 Uhr, windig, kühl

Es war ein mehr als bescheidenes Spiel. Sturm Graz traf im ÖFB Cup auswärts auf den ASK Ebreichsdorf, damals noch unter der Leitung von Goran Djuricin. Sturm taumelte zu dieser Zeit in der Liga zwischen Mittelmaß und Enttäuschungen umher, der bei den vielen eine Gänsehaut verursachende „Foda-Kick“ entwickelte sich zunehmend dem eigenen Schmelzpunkt entgegen. Alles andere als ein klarer Sieg gegen einen Regionalligisten wurde eigentlich von niemanden erwartet und doch befürchtete die geschundene Fanseele den nächsten bieder uninspirierten Takt in einem niemals endenwollenden Fußball-Marsch in der noch jungen Saison.

Das Match offenbarte zunächst nicht sein volles Übel – Sturm sicherte sich relativ früh in der Partie die Führung durch Thorsten Schick (13.). Das Spiel vor der Pause lieferte einen verhaltenen Schlagabtausch, bei dem sich die Hausherren eigentlich als bessere Mannschaft präsentierten. Auch nach dem Seitenwechsel trabten die mutlosen Akteure der Gastmannschaft weiter von Strafraum zu Strafraum, bis man sich endlich den verdienten Gegentreffer einfing. Christoph Monschein (ja, der, der nun bei der Wiener Austria sein Geld verdient) sorgte für das zwischenzeitliche 1:1 (72.). Irgendwie, niemand konnte sich dieses späte Wunder erklären, fanden die Blackys dank eines Treffers von Josip Tadic wieder auf die Siegerstraße zurück (86.). Kurz vor Spielende, als wesentlich erfahrenere Mannschaft, wieder in Führung zu gehen, ja was soll noch passieren? Sich hinten reinzustellen sollte doch ausreichen, denn der Regionalligist ist bestimmt gebrochen.. Ja, genau. Ganze drei Minuten später traf ein gewisser Miodrag Vukajlovic zum viel umjubelten Ausgleich (89.). Mehr zu Vukajlovic später… Verlängerung, vielleicht sogar ein Elfmeterschießen lagen schon in der Luft. Und dann das Weihnachtswunder im Oktober: Quasi wieder im Gegenzug traf Tadic nach einem Eckball erneut, schnürte seinen Doppelpack und dieses Mal wusste Sturm die Führung über die Zeit zu bringen (90.). 

Der gemeine Sturmfan erinnert sich weniger an den überaus bescheidenen Kick, sondern an die unnatürlich überschwängliche Siegesverkündung durch den Verein selbst. Kein „phu, das war knapp“, oder „Hauptsache weiter“, nicht mal ein „zum Glück ein knapper Sieg für Sturm“. Nein, es hagelte einem ein „WHAT A GAME!“, „GEILE PARTIE“, „BEGEISTERT“ entgegen. 

Und alle völlig verdutzten Sturmfans so:

WHAT A SHOT!

Zurück zu Vukajlovic. Dass Pressebereiche in kleineren Stadien oftmals alles andere als optimale Arbeitsbedingungen bieten, kann sich jeder vorstellen. Manchmal mangelt es an selbst an Stromversorgungen oder trockenen Arbeitsplätzen. In Ebreichsdort wurde die versammelte Presse geschätzte 137 cm neben der Outlinie platziert und das auch noch auf Höhe der Viererkette. Bereits vor dem Anpfiff scherzte man mit den Kollegen, dass uns heute wohl einige Bälle um die Ohren fliegen werden.

Es kam, wie es kommen musste. Noch vor der Pause klärte Ebreichsdorfs #18, Vukajlovic, einen Steilpass zur Seite. Klären ist vielleicht untertrieben, er wollte den Ball aus diesem Sonnensystem befördern. Es fehlte nicht viel und das Markenlogo auf dem Ball hätte sich für immer meinen Display eingebrannt.

Kennt ihr diese Videos, wo ein Ball auf die Kamera zufliegt und man sich erschrickt? Genau so fühlte ich mich und mein Laptop, der diesem Raketenstart im Weg stand.

Heroisch versuchte, ich mich vor den Bildschirm zu werfen, um das drohende Attentat abzuwenden. Vergeblich. Mein Arbeitstag war quasi beendet. Als die Spieler zur Pause in die Kabinen eilten, inspizierten die anwesenden Pressekollegen mein demoliertes Arbeitsgerät: „Oida, den hots komplett owa gfetzt!“

Auch Gerhard Goldbrich, damals noch General Manager, klopfte mir anteilnehmend auf die Schulter und versuchte mich zu trösten:

Issa hin? Jo, scheiße..

Jo, ziemlich scheiße, brauchte ich meinen Laptop nämlich nicht nur für SturmNetz, sondern auch für meinen Job. Den brauchte ich, um Miete und Nahrung zu bezahlen.

Long story short: Laptop war kaputt, neues Display hätte viel zu viel gekostet, weder meine noch die Versicherung des Veranstalters wollte für den Schaden aufkommen und so durfte ich im kommenden Jahr auf einen Urlaub verzichten, um nicht meinen Job zu verlieren, denn dafür benötigte ich ja einen funktionstüchtigen Laptop. Aber die Zeit heilt alle Wunden und andere Mütter haben auch schöne Laptops. Willhaben sei Dank, denn der Nachfolger meines treuen Gefährts ruht noch immer auf meinem Schoß, während ich euch von diesem Drama berichten darf. 

Den damaligen Spielbericht zu diesem denkwürdigen Spiel könnt ihr hier nachlesen:

Zittersieg in Ebreichsdorf

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