Wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wäre

Leere. Mehr bleibt nach so einer bitteren Niederlage in der Fanseele nicht übrig. Endlich haben die Sturmspieler wieder einmal alle Tugenden an den Tag gelegt, die von den Anhängern so ersehnt wurden: Leidenschaft, Wille, Konzentration und bedingungsloser Einsatz.

Wieso konnte man dann nicht gegen Salzburg gewinnen? Im Normalfall würde man jetzt sagen: “Salzburg war eben eine Klasse stärker“, „die Individualisten haben den Unterschied ausgemacht“, oder „Salzburg war einfach cleverer“. Nichts davon trifft hinsichtlich dieser Partie zu.

Salzburg war unterirdisch schlecht. Kein Konzept, keine Ideen, alles wirkte so unnatürlich gequält.
Sturm Graz konnte dieser Konzeptlosigkeit jedoch über 90 Minuten leider nichts entgegensetzen; nach kleinen Startschwierigkeiten stagnierte das Offensivspiel, besonders nach der Einwechslung von Roman Kienast, komplett. Trainer Franco Foda dürfte in der Pause vermehrt lange Bälle von seinen Spielern gefordert haben. Rund 15 Minuten versuchte man es damit und scheiterte kläglich. Das schnelle und direkte Kombinationsspiel funktionierte größtenteils gut und sorgte für Gefahr.

Man erarbeitete sich das ganze Spiel über konstant einige Halbchancen; Bright Edomwonyi hätte in den ersten Minuten per Kopf die Führung erzielen können, Christian Klem nach etwa 40 Minuten zumindest den Ausgleich. Foda konnte sein gewünschtes System spielen lassen und Salzburg öffnete alle Räume, die man gegen Sturm eigentlich hätte schließen sollen.

RB Salzburg versuchte, wie immer, mit schnellen Kombinationen durch die Mitte in den Strafraum vorzustoßen. Dass ausgerechnet die Mannschaft mit den wenigsten Abschlüssen aus der Ferne indirekt durch einen Verzweiflungsschuss von Takumi Minamino in Führung ging, war bezeichnend, ebenso, dass ausgerechnet jener Spieler, der Sturm schon so viele Punkte gerettet hat, bei dieser Aktion patzte.

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War Sturm im Ballbesitz, machten die zentralen Spieler der Salzburger die Mitte dicht, der defensiv stehende Daniel Offenbacher wurde fast immer gedoppelt. Auf den Außenbahnen betraute Trainer Oscar Garcia Andreas Ulmer und Christian Schwegler damit, die Gegenspieler im Eins gegen Eins zu neutralisieren, doch Sturm liebt es, die Flügel zu überladen. Besonders Charalampos Lykogiannis hatte einen Heidenspaß mit dem ganzen Platz, den er in der Offensive hatte, wenn Klem gut in die Mitte rückte und sein Gegenüber dadurch aus der Position zog. Chaos pur bei Salzburg, nur konnte Sturm daraus einfach zu wenig Kapital schlagen.

Sturm stand sich in diesem Spiel selbst im Weg, aber irgendwie auch wieder nicht. Der Einsatz, die Leidenschaft – all das war vorbildlich. Die Chancen wären da gewesen, macht entweder Klem oder Edomwonyi das Tor, hätte man dieses Spiel vielleicht sogar noch gewinnen können. Hätte Michael Esser nicht gepatzt dann wohl auch.

Es fehlten nur schon altbekannte Kleinigkeiten. Die eklatant schwache Chancenverwertung und die lähmende Harmlosigkeit von Edomwonyi ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison. Wenn, ja wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wäre, würde man als verdienter Sieger aus dieser Partie hervorgehen. So bleibt nur die kalte Leere.

 

3 Kommentare

  1. 12terMann sagt:

    Bin ich der Einzige, der die Leistungen in den beiden bisherigen Frühjahrspartien bei weitem nicht als so kämpferisch toll und spielerisch gut empfindet?

    Sowohl in Altach als auch gestern gegen Salzburg war für mich eines eklatant auffällig:

    Die Handlungsschnelligkeit der Spieler ist – mit wenigen Ausnahmen, wie z. B. den beiden Griechen in der IV – erschreckend. Stets mind. einen Schritt zu spät, sowohl körperlich als auch im Kopf. Mir fehlt die Spritzigkeit und das Tempo im Großteil unserer Aktionen. Die knappen Ergebnisse täuschen darüber hinweg.

    P.S.: An den Bericht-Schreiber: “ ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Saison“ – das mit dem roten Faden würd ich nochmal überdenken … was für eine schiarche Farbe im Zusammenhang mit unserem Verein 😉

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    • Blacky575 sagt:

      Seh ich genau so.  Salzburg erwischt man nicht mehr so schnell so extrem schwach.

      Unser Team reagiert nur und agiert nicht.  Immer einen Schritt langsamer.

      Chancenverwertung ist eine Katastrophe.  Edi ist da nur einer von vielen. Auch das Mittelfeld macht da mit. Schick kommt im Strafraum frei zum Schuss und kullert den Ball mit 9 km/h den Verdeidigrr entgegen. Offenbacher versucht oft zu schießen, aber von 10 Schüssen gehen 9 mindestens 3 Meter drüber oder vorbei.

      Wir gurken am Flügel umher wo es für die Gegner ungefährlich ist und kommen kaum zu wirklich guten Abschlüssen in der Mitte.  Und wenn dann greift das Problem wieder das man keinen brauchbaren Abschluß hinkriegt.

      Zum Schluss noch das Positive. Die Abwehr steht nicht so schlecht. Das haut halbwegs hin. Wundert mich allerdings nicht da wir sehr defensiv stehen.

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    • black_aficionado sagt:

      @meine beiden Vorposter:

      Ich stimme euch teilweise zu, von Jubelstimmung sollten wir noch weit weg sein (auch wenn der General Glatze das ganz anders sieht lt Laola IV)!

      Aber, wir müssen die Kirche schon im Dorf lassen. Das waren jetzt 2 Partien wo wir durchaus aktiv aufgetreten sind. Da war ein Wille zu erkennen! Dass es fürchterlich ineffizient ist, dass wir sicher nicht in der Lage sind den Gegner zu sezieren (wobei gegen RB einige schöne Spielzüge dabei waren (aber auch nur weil RB defensiv steht wie Sau)) wenn dieser mal ganz tief steht, das wissen wir alle. Nur im Vergleich zu manch komplett lustlosem Auftreten im Herbst war das schon eine Steigerung im Frühjahr!
      Auf solchen Spielen kann, darf und soll man aufbauen.

      Wir werden heuer nicht mehr Meister und wir werden nicht absteigen. Wir haben (mit Müh und Not) eine Chance auf den 4.Platz und den werden wir vl schaffen. Das war das Ziel – wenn das erreicht wird, dann klopfen sich der Franzl und die Glatze kollektiv auf die Schultern und ärgern sich weiter über die depperten Fans. Wenn das nicht erreicht wird, dann sind höhere Mächte schuld, der Weg ist trotzdem richtig und die Fans immer noch deppert!
      Egal wie es ausgeht, nächste Saison more of the same. Die Tristesse wird in Liebenau Überhand gewinnen, hauptsächlich weil die Fans deppert sind und die Weltklasse Arbeit in Graz nicht würdigen können…

      Wobei ich dem General sogar zugestehe, dass er etwas weitergebracht hat im Verein, allein, es braucht einen starken Gegenpol zum Franco, der gut vernetzt und fachlich über jeden Zweifel erhaben ist. Das muss er einsehen, ein Sportdirektor gehört installiert, dann hat auch er mehr Ressourcen um sich anderen Baustellen (Stichwort: Fanbindung außerhalb von Graz) widmen zu können!

      Sry für das leichte abdriften in Off-Topic 😀

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