Weiterhin ungeschlagen

SK Sturm Graz Damen vs. SKN St. Pölten 1:1 (1:1)

David gegen Goliath, konstantes Top 3-Team gegen österreichischen Abo-Meister, Jugendlichkeit gegen Erfahrenheit, Kompaktheit und Kampfgeist gegen Schnelligkeit und Angriff, SK Sturm Graz Damen gegen SKN St. Pölten Frauen… Das Aufeinandertreffen der einzig verbleibenden Teams, die noch keinen Punkteverlust hinnehmen mussten, hätte viele Beschreibungen verdient. Beide Vereine haben mit 6 Siegen aus 6 Spielen das Punktemaximum erreicht. Die Niederösterreicherinnen stehen mit einem Torverhältnis von 39:0 unangefochten an der Tabellenspitze. Aber auch die Sturm Damen brauchen sich nicht zu verstecken, sind sie ebenfalls ungeschlagen in der heurigen Saison. Das Torverhältnis fällt jedoch etwas kleiner aus, stehen doch nur 19 geschossene Tore auf der Habenseite. Die letzte Niederlage der Niederösterreicherinnen gab es just gegen die Grazerinnen, datiert aber auf Ende Mai 2018, als die Meisterschaft schon längst entschieden war und die nominellen A-Spielerinnen eine Pause bekamen. Die Vorzeichen waren klar abgesteckt, Sturm konnte mit dem richtigen Auftritt nur gewinnen.

Herrliches Fußballwetter in Messendorf © sturmnetz.at

Schnelle Führung für die Gäste

Angeführt von Annabell Schasching als Kapitänin überließen die Grazerinnen St. Pölten das Spiel. Die Niederösterreicherinnen versuchten in den Anfangsminuten das Spiel schnell zu machen. Nach einem Eckball kamen sie auch zum ersten Torschuss, 4. Minute. Zver setzte den Abschluss aber zu hoch an. Mariella El Sherif, die nach einem Spiel Pause wieder ins Tor zurückkehrte, brauchte nicht eingreifen. Der zweite Eckball keine drei Minuten später leitete das 0:1 für die Gäste ein. Schasching konnte die Ecke klären, die Niederösterreicherinnen holten sich jedoch den zweiten Ball zurück. Eine schöne Flanke in den Strafraum versuchte die Innenverteidigerin Leonarda Balog mit dem Kopf zu verwerten, der Ball ging aber an die Innenstange. Von dort kam das Spielgerät wieder retour und Balog brauchte nur mehr ins leere Tor einzuschieben. Zu dritt versuchten die Sturm Damen noch zu klären, konnten aber nicht mehr entscheidend eingreifen. Ein Treffer, der die Erfahrung von St. Pölten widerspiegelte. Leonarda Balog, St. Pöltens Innenverteidigerin, war bei jedem hohen Ball vorne zu finden, ermöglichte durch ihre Hartnäckigkeit im gegnerischen Strafraum den Führungstreffer.

Unbeeindrucktes Heimteam

Die Sturm Damen ließen sich von diesem Treffer nicht beeindrucken. Sie versuchten, ihr Kurzpassspiel weiter durchzuziehen und sich so in das Spiel zurückzukämpfen und Vertrauen aufzubauen. Besonders das Mittelfeldduo Schasching und Maierhofer beeindruckte in dieser Phase.

Emily Cancienne, die seit Sommer die Fußballerinnen-Pension „genießt“ und neue Co-Trainerin an der Seite von Christian Lang ist, beschreibt die Rolle von Mittelfeldmotor Schasching als „Wahnsinn“:

Cancienne beschreibt, wie sehr sich die zwei Mittelfeldspielerinnen Schasching und Sommer-Neuzugang Sophie Maierhofer verstehen:

 

Die Elf von Christian Lang versuchte, weiterhin Nadelstiche zu setzen. Wie in Minute 14, als Michela Croatto eine schöne Flanke auf rechts zu Lilli Purtscheller spielte, die direkt auf Andrea Glibo weiterleitete. Glibo setzte an der Strafraumgrenze sofort zum Schuss an, Isabella Kresche, Torhüterin im Kasten des SKN St. Pölten, konnte das Spielgerät gerade noch über das Tor drehen. Kresche wurde immer mehr zur Spielverderberin und rettete einige Male in höchster Not. In der 32. Minute war es dann aber endlich soweit! Die Sturm Damen konnten ihre Chance auf den Ausgleich nützen. Ein Wahnsinnspass in die Spitze konnte (noch) nicht von Sophie Hillebrand verwertet werden, da die Innenstange für St. Pölten rettete. Für den Nachschuss kamen Glibo und Schasching zur Hilfe, die dann noch einmal auf Hillebrand ablegte. Die zweite Chance ließ sie sich nicht nehmen und hämmerte den Ball in die Maschen. Ein zu diesem Zeitpunkt mehr als verdienter Treffer!

Wie beschreibt Sophie Hillebrand ihren Goldtreffer?

 

In weiterer Folge kombinierten sich die Damen an die Strafraumgrenze, zu wirklichen Chancen kamen sie in der ersten Halbzeit aber nicht mehr. Kurz vor der Halbzeitpause führte ein Angriff zu einem gefährlichen Eckball. Kresche, in vorangegangenen Szenen sicher in der Luft, verschätzte sich im Strafraum, Verteidigerin Julia Magerl konnte die Chance aber nicht nützen.

Genervtes Auswärtsteam

So ging es mit einem verdienten 1:1 in die Pause. Wer dachte, dass die Damen nun den Teambus vor dem Tor parken würde, der irrte. Nach dem Wiederbeginn kombinierten sich die Sturm Damen in Person von Schasching und Croatto wieder nach vorne. Leider wurde die Möglichkeit nicht klug genug ausgespielt, da niemand in der Mitte auf den Abstauber wartete. Es war abermals die linke Außendeckerin Croatto, die die nächste Chance schön herausspielte. Der Ball in die Tiefe war aber zu steil für Purtscheller, 51. Minute. Und was war mit dem 39:0-Tore-Sturm St. Pöltens? Vom Auswärtsteam kam in dieser Anfangszeit der zweiten Hälfte nur eine Möglichkeit, die El Sherif aber vor keine Herausforderung stellte. St. Pölten wirkte zunehmend genervt vom erfrischenden Kombinationsspiel der Sturm Damen. Die Grazerinnen schafften es, den Niederösterreicherinnen ihr Spiel aufzuzwingen und sie so ihrer Schnelligkeit zu berauben.

Kompakt traten die Sturm Damen gegen St. Pölten Frauen auf © sturmnetz.at

Verdienter Punktgewinn

Das Spiel ging munter hin und her, wobei die gefährlicheren Chancen auf Seiten der Sturm Damen zu finden waren. So war es auch die eingewechselte Modesta Uka, die die Riesenchance aufs 2:1 am Fuß hatte, 71. Minute. Uka kam nach einem Eckball freistehend zum Schuss, eine St. Pöltnerin konnte den Ball noch von der Linie kratzen. Man vermag sich nicht auszumalen, was los gewesen wäre, wäre der Ball im Tor gelandet. Der direkte Gegenstoß von St. Pölten brachte nichts ein. Nachlässig wurde das Team von Christian Lang nicht, im Gegenteil zogen sie weiter ihr Spiel durch: Maierhofer prüfte in der 80. Minute die St. Pöltner Torfrau. Die jungen Glibo und Wirnsberger kombinierten sich kurz vor Schluss noch einmal in den Strafraum. Anstatt selbst den Abschluss zu suchen, versuchte die eingewechselte Wirnsberger einen Lochpass, der aber von niemanden erreicht wurde. Dass, das Spiel schlussendlich 1:1 ausging, lag auch an Sturms Torfrau Mariella El Sherif, die in einigen Aktionen, den Punktgewinn absicherte.

Mariella El Sherif ist glücklich, dass sie ihr Team mit ihren Paraden im Spiel halten konnte:

Auf Seiten der Grazerinnen gab es nur glückliche Gesichter. Der erste Punktegewinn nach über drei Jahren gegen den Ligakrösus führte bei den Gazerinnen zu einer Jubeltraube nach dem Spiel.

Co-Trainerin Emily Cancienne ist „unglaublich stolz“ auf das Team:

Auch Torfrau Mariella El Sherif ist zufrieden mit dem Verlauf der Partie:

Wie ordnet Goldtorschützin Sophie Hillebrand das Spiel ein?

 

Die zwei ausständigen Spiele vor der Winterpause werden den Sturm Damen noch einmal alles abverlangen. SoccerCoin USV Neulengbach, derzeit mit 14 Zählern auf Platz 3 in der Tabelle, kann mit einem Sieg den Rückstand auf die Grazerinnen verkürzen. Der Trend spricht für die Schwoazen: Aus den letzten 5 Duellen konnten die Niederösterreicherinnen nur einen Punkt mitnehmen. Am letzten Spieltag vor der Winterpause geht’s gegen den FC SKINY Südburgenland, der derzeit mit einem gewonnenen Punkt am letzten Tabellenplatz liegt. Wie schätzt Sophie Hillebrand die verbleibenden zwei Spiele ein?

Auch Emily Cancienne betont, dass in den letzten zwei Spielen nochmal alle Kräfte mobilisiert werden:

Die Amerikanerin Cancienne ist seit Sommer als Co-Trainerin im Einsatz. Was sind eigentlich deine Aufgaben im Betreuerstab?

Wie wichtig ist ihre Rolle als Motivatorin für das Team?

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3 Kommentare

  1. flachzange sagt:

    Danke für den tollen Artikel!

  2. Ennstaler sagt:

    Danke für den Artikel und die Interviews, macht Lust auf mehr!

  3. Yannick Steinkellner sagt:

    Bravo, Magdalena! Danke!

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