Warum es derzeit einfach läuft

Eine Erfolgsanalyse

Der Sportklub Sturm schwimmt unaufhaltsam auf einer Erfolgswelle, so sehr, dass es mitunter schon etwas unheimlich wird. Die Ursache für diesen erfreulichen Zwischenstand versuche ich jetzt anhand einer Analyse aus drei Blickwinkeln zusammenzufassen. Drei Gründe, warum es bei den Grazern im Moment einfach läuft. Beginnen wir mit dem Offensichtlichsten:

1.) Die Spieler

Was selbst dem Gelegenheitsfußballkonsument sofort ins Auge sticht: Sturm hat einfach bessere Spieler als noch in der jüngeren Vergangenheit. Diverse Mitläufer sitzen jetzt bei anderen weniger beneidenswerten Vereinen auf der Bank oder pendeln zwischen dieser und der Tribüne hin und her. In der Zentrale Sturms werken seit Saisonbeginn dafür zwei unermüdliche Arbeitsbienen, die den Ball unter Druck nicht voll der Panik blind nach vorne spielen oder das Spiel unnötig verschleppen. Wie sich Uros Matic aus Drucksituationen befreien kann, ständig mit dem nötigen Zug nach vorne, ist unglaublich wertvoll für diese Mannschaft. Selbst wenn er von Gegnern in Manndeckung genommen wird, reißt er, indem er sich fallen lässt oder auf den Flügel ausweicht, selbst ohne Ball gekonnt Löcher in des Gegners Defensive.
Ein weiterer unübersehbarer Faktor ist selbsterklärend Deni Alar. Im Rennen um den europäischen Goldenen Schuh liegt er aktuell auf Platz acht. Alle Konkurrenten im Kampf um diesen Preis, die vor ihm rangieren, haben allerdings deutlich mehr Spiele absolviert. Mit einem Schnitt von über einem Tor pro Spiel ist er die personifizierte Lebensversicherung der Schwarz-Weißen. Allgemein stimmt der Spirit innerhalb der Mannschaft; jeder läuft ohne zu zögern bis zur absoluten Erschöpfung für den Teamkameraden, man freut sich mit der Ersatzbank über jedes Tor. Ob man diese Chemie wird halten können, sollte die erste Krise Messendorf heimsuchen, ist eine spannende Frage.

2.) Die Taktik

Franco Foda hat seine Taktik umgestellt: Tief stehen und gleichzeitig hoch pressen funktioniert nicht! Das hat auch der Mainzer endlich erkannt. Aus einer kompakten Defensive heraus versucht man nunmehr den Gegner zu Fehlern zu zwingen, um danach schnell und schnörkellos in die Tiefe zu spielen. Die beiden defensiven Mittelfeldspieler machen das Zentrum geschickt zu, eine Reihe weiter hinten behält man zumeist gut den Überblick und lässt sich nicht übertölpeln. Auch die Offensivspieler stehen viel tiefer und sind somit besser in die Defensive eingebunden, die Laufwege zum nächsten Gegenspieler werden kürzer, die Kompaktheit größer. Mit nur sechs Gegentoren und 285 abgefangenen Pässen steht man somit zurecht an der Spitze dieser Statistiken und der Tabelle.
Sturm verzichtet außerdem teilweise bewusst auf Ballbesitz und überlässt dem Gegner das Spielgerät in ungefährlichen Zonen. Ballbesitz ist natürlich auch ein wichtiger Faktor, um sich im Spiel auch die ein oder andere Verschnaufpause gönnen zu können. Aktuell funktioniert diese Spielausrichtung dennoch ausgezeichnet. Das praktizierte Spielsystem ist ein recht simples; eine Mannschaft mit dieser Klasse sollte daher unbedingt auch noch mehr in Petto haben. Ob man mit einem Plan B überzeugen kann, wird die Zukunft zeigen.

3.) Das Momentum

Sturm hatte diese Saison einfach auch das Momentum auf seiner Seite. Aus dem psychologisch so wichtigem Sieg in der ersten Runde gegen RB Salzburg konnte man viel Kraft ziehen. Selbst frühe Rückstände oder schwache Leistungen bedeuteten in dieser Spielzeit bisher nicht unbedingt eine Niederlage. Beinahe jeder zweite Schuss von Alar und Co. geht auf das Tor, nicht ganz jeder vierte zappelt im Netz. Mit dieser Effizienz lacht man im Moment von der Tabellenspitze, wonach sich die großen Drei in Österreich gerade sehnen. Doch diese sind nach wie vor weit von dem Platz an der Sonne entfernt:

RB Salzburg befindet sich wieder einmal im Umbruch, außerdem verursacht der Aufstieg der großen Schwester in Leipzig viel Unruhe in der Vereinsstruktur. Leipzig bedient sich in den offenbar untergeordneten Abteilungen, darunter auch Salzburg. Ein Umstand, der eigentlich von Anfang an so kommuniziert wurde und der jetzt die wenigsten wirklich überraschen sollte, schockiert in Salzburg nicht nur die Fans, sondern auch den Trainer. Neben Kontroversen verursachenden Abgängen leidet man in der Mozartstadt besonders an der verschobenen Wertigkeit des Projekts RB Salzburg zugunsten der Sachsen.
Rapid Wien erhoffte sich dank millionenschwerer Neuzugänge und einer durch ein neues Stadion getragenen Euphorie deutlich mehr. Dass sich Probleme allerdings nicht allein mit Geld lösen lassen, weiß mittlerweile auch Manchester City. Bei den Hütteldorfern wird man sich trotz Rekordbudgets wieder auf die fundamentalsten Elemente des Fußballs besinnen müssen, um nicht den Anschluss an die Spitze in dieser Saison zu verlieren.
Austria Wien konnte sich zwar in den Europacup retten, in der Liga kommen die Veilchen rund um Thorsten Fink jedoch weiterhin nicht in Tritt. Erschwert durch das notwendige Gastspiel im Prater, findet der deutsche Coach einfach kein funktionierendes Konzept für diese Mannschaft. Die Bestellung Franz Wohlfahrts zum Sportdirektor, unterstützt durch ein „Expertenkomitee“ rund um Wiens Bürgermeister Michael Häupl oder Austrias Jahrhundertspieler Herbert Prohaska, wird die Favoritener noch viel länger beschäftigen, als ihnen lieb ist.

Für Sturms Höhenflug gibt es viel mehr Gründe, als nur diese drei genannten. Sie alle an dieser Stelle anzuführen, würde den Rahmen sprengen. Warum es im Moment einfach läuft, hat eine Vielzahl diverser Ursachen, von denen sich die meisten auch nicht genau erfassen lassen. Der bis dato erspielte Vorsprung könnte für Sturm fortan unter anderem auch befreiend wirken. Dass es dazu überhaupt gekommen ist, hat man sich auch hart erarbeitet.

8 Kommentare

  1. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Es gibt nur 1 Grund:

    Kreissl is kuman und hot jedn ausikaut der nd 100% gebn hot.

    Dasa sogar an Goldbrich wegrationalisiert hot zag dasa vam Vorstand a die notwendigen Vollmachten für so einen Umbruch bekommen hat.

    Natürlich zeigen die Spieler Leistung aber ohne GK wären viele nicht hier…oder noch da…

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  2. bako bozota sagt:

    gut analysiert… die letzten beiden Sätze würde ich allerdings nochmals überarbeiten^^

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  3. Ennstaler sagt:

    Letzte Chance Sturm

    Eine Rolle beim derzeitigen Erfolgslauf liegt wohl auch in der Tatsache, dass Sturm nach entsprechender Prüfung (v. a. Kreissl) abgeschriebene und abgeschobene Spieler wie Hierländer, Alar, Schulz, Huspek geholt hat und diese ihre Verpflichtung mit vollem Engagement vergelten.
    Ein besonderer Glücksgriff war natürlich Matic, hoffen wir, dass ihn Sturm noch lange halten kann.
    Und jetzt hoffen wir alle auf den baldigen Einsatz von Zulechner (auf ihn trifft das oben Geschriebene ebenso zu), gegen die wahrlich nicht schlechten Pernegger hat er ja schon ordentlich zugeschlagen.
    Abschließend noch ein Wort zu Sascha Horvath: sein Fehlen in den letzten Spielen war deutlich zu merken, die Gegner konnten sich so mehr auf Matic konzentrieren. Mit Horvath gibt es noch einen zweiten Supertechniker.

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  4. Warum es läuft???!!!

    Auch ein Faktor, dass Franco Foda vielleicht nun auch doch kein schlechter Trainer ist sowie es manche aber sehen!!!!!

    Finde, dass auch er sich wieder mal Applaus oder eventuell ne Sprachchoreo verdient hat wie früher mal.

    Es sind nicht nur die Spieler. Weil wenn die Spieler und Kreissl so gelobt werden, dann Foda auch!!!

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  5. Ennstaler sagt:

    Dem Lob für Foda kann ich mich nur anschließen und habe dies auch zu „Sturm12“-Zeiten nach der Rückkehr Fodas betont.
    Leider ist es im Leben oft so, dass alle, die weniger laut schreien, vergessen werden.

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    • Jocole sagt:

      Genau! Nach Jahren haben wir seit Standfest endlich einen Rechtsverteitiger der Sturm sehr gut tut! Koch wird hier überhaupt nirgens erwähnt!

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  6. jorge72 sagt:

    diesen beiträgen kann ich mich auch zu 100% anschließen. kritische beiträge müssen trainer schon auch aushalten aber was da teils abgelaufen ist, war schon sehr fragwürdig.

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  7. DonPipo DonPipo sagt:

    Der Grund sind wohl die Summe aus vielen Bausteinen. Die sogenannten Zahnräder greifen wohl besser ineinander als anderswo. Zudem hat man auch bessere „Zahnräder“ am Start.

    Vom Sportdirektor angefangen bis zu den Neuverpflichtungen.

    Genau hier kann sich nun die größte Stärke von FF entfalten. Die Analyse sowie die Kunst die persönlichen Fähigkeiten der einzelnen Akteure im Verbund sehen zu können. Dadurch ist es auch möglich „abgeschriebene“ Akteure so effizient einzusetzen. Dazu kommt die Bereitschaft sich selbst weiterzuentwickeln.

     

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