Warum es bei Sturm im Moment einfach nicht rund läuft

Eine kleine Fehleranalyse von Sturmnetz

Österreich hat bekanntlich acht Millionen Teamchefs, aber auch der SK Sturm hat so einige Meistertrainer, die wöchentlich in diversen Wirtshäusern jeden Fehler schonungslos aufdecken und alles sowieso besser machen würden. Da wollen wir uns von SturmNetz mal nicht außen vor lassen, und begeben uns auf Fehlersuche, warum es bei Sturm im Moment sportlich so gar nicht läuft.
Franco Foda mag seinen Fußball gerne geordnet. Aus einer sicheren Abwehr heraus soll das Spiel über die Flügel forciert, bei Ballgewinn der direkte Weg nach vorne gesucht werden.
Was zu Beginn von Foda 3.0 noch ganz gut funktionierte, stagniert aktuell. Foda hat sich taktisch weiterentwickelt, bleibt seiner Spielphilosophie aber treu. Weg vom 4-4-2 mit zwei klassischen 6ern spielt Sturm nun in einem 4-2-3-1. Aber ist das aktuell die beste Spielformation? Ja und nein.
Schaut man sich das vorhandene Spielermaterial an, so würde ein System mit zwei Spitzen wohl mehr Sinn machen.

Roman Kienast ist nominell der wohl stärkste Stürmer im Kader. Gut sind uns noch seine Leistungen in der Meistersaison in Erinnerung, als er gemeinsam mit Imre Szabics die gegnerischen Strafräume im Griff hatte. Genau so ein Partner fehlt ihm für sein Spiel, denn Kienast ist und bleibt ein Strafraumstürmer. Auch wenn er sich immer wieder nach hinten fallen lässt, oder auf die Flügel ausweicht, so macht er das meist aus Verzweiflung, denn für das Spiel nach vorne bringt diese Maßnahme wenig. Eine zweite Spitze, die Räume aufläuft oder die Mitte besetzt, wäre sicherlich eine Bereicherung für das viel zu statische Spiel von Franco Foda.

Auch die statische Doppelsechs muss angezweifelt werden. Wilson Kamavuaka macht seine Sache im defensiven Mittelfeld nicht schlecht; teilweise fantastische Statistiken belegen das auch. Aber gegen defensiv kompakt stehende Mannschaften wie Grödig oder die Admira ist sein Spiel nicht gefragt. Anel Hadzic verfügt über ein sehr gutes Spielverständnis; er läuft Passwege ab, aber kann das Spiel auch nach vorne kultivieren. Gemeinsam mit Michael Madl und Lukas Spendlhofer, die beide auch über eine sehr gute Antizipation verfügen, sollten diese drei Herren eigentlich keinerlei Probleme in der Defensive bekommen.

Ein altes und sehr großes Problem ist die fehlende Kompaktheit im Spiel. Zu viel Platz zwischen den einzelnen Reihen der Grazer macht ein schnelles Kombinationsspiel wie auch eine souveräne und kompakte Abwehr unmöglich. Eng stehen heißt hier die Devise. Im Testspiel gegen Haladás Szombathely (HIER Spielbericht nachlesen) versuchte es Foda mit einer 4-3-3 Taktik, bei der Schick und Edomwonyi als Flügelstürmer zum Einsatz kamen. Hier wurden die Abstände zwischen Verteidigern, Mittelfeldspielern und Stürmern zwar noch größer, aber ein neues Spielsystem zu integrieren braucht eben Zeit und funktioniert nicht sofort. Dennoch war wichtig zu beobachten, dass Franco Foda sich Sturms Problemen bewusst ist und er anscheinend bereits an einer Lösung feilt.

Bei den Spielen gegen Rapid oder Salzburg hat man hier viel richtig gemacht; das es am Ende zu keinem Sieg reichte war zu einem großen Teil individuellen Fehlern geschuldet, nicht aber am Spielsystem.
Bei den beiden Siegen gegen Altach und WAC hatte Sturm weniger Ballbesitz, gegen die Austria und zuletzt Admira hatte man knapp mehr. Der Sieg gegen die Admira war spielerisch gesehen eine Katastrophe, hier kaschiert das Ergebnis die dürftige spielerische Leistung. Gegen die Austria konnte man dank einer taktischen Umstellung zur Pause das Spiel noch gewinnen. Sturm hat große Probleme, wenn man das Spiel selbst gestalten muss. Gegen Rapid wurde gut gekontert, vergab zum Schluss den Sieg allerdings noch recht unglücklich. Spielerisch konnte Sturm in dieser Saison kaum überzeugen. Auch in der letzten Saison konnte man knappe Spiele immer wieder mit einer tollen Courage und Willen noch in einen Sieg umdrehen und genau das fehlt aktuell wohl am meisten.

Taktisch macht Foda vieles richtig, aber es fehlt an Variationen, besonders um während eines Spieles auf taktische Änderungen des Gegners oder Spielstände zu reagieren. Ein weiteres Problem ist die aktuelle Form vieler Spieler, die einfach so ganz und gar nicht Bundesliga-tauglich ist. Aber man sollte den Kopf nicht in den Sand stecken. Es fehlt nicht viel und man gewinnt auch wieder knappe Spiele. Eines ist jedoch unerlässlich: Die Mannschaft muss sich zerreißen. So oft hört man den Satz: “Sturm darf natürlich verlieren, wenn man auch das schlechtere Team ist, wenn sich alle 11 Spieler am Feld zerreißen, dann kann ich damit leben.“ Auch die Nordkurve trägt das oberste Credo: “Wir wollen Euch kämpfen sehen“ immer wieder wie ein Mantra vor. Das muss man(n) sich nur endlich mal zu Herzen nehmen.

10 Kommentare

  1. Juran Juran sagt:

    „Foda hat sich taktisch weiterentwickelt, bleibt seiner Spielphilosophie aber treu. Weg vom 4-4-2 mit zwei klassischen 6ern spielt Sturm nun in einem 4-2-3-1. “

    Wo hat er sich den Foda Weiterentwickelt, er spielte sein 4-4-2 mit einer echten und einer hängenden Spitze also in Wirklichkeit ein 4-4-1-1, und sein 4-2.-3-1 spielt er auch mit einer echten und einer Hängenden Spitze also auch in Wirklichkeit ein 4-4-1-1.

    Also wo hat er sich den Weiterentwickelt ?, er gibt doch nur vor das er jetzt ein 4-2-3-1 spielt in Wirklichkeit war es doch immer ein 4-4-1-1.

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    • Moritz Lösch Moritz Lö sagt:

      Hallo Juran!
      Großartig hat sich Foda nicht weiterentwickelt, aber eben doch ein wenig.
      Die größten Unterschiede gibt es vor allem in der Defensive. Fodas Außenverteidiger stehen deutlich höher als früher, auch die statische Doppel-6 fehlt. Neben einer abkappenden 6, agiert der zweite defensive Mittelfeldspieler teilweiße sogar als 8er.

      Das größte Problem ist einfach noch immer das er weder Fisch noch Fleisch spielen lässt. Entweder hoch stehen und Pressen oder kompakt und die Räume eng machen. Mischen geht eben nicht, dann entstehen diese großen Löcher im Spiel, egal ob in der Defensive oder Offensive. Hier hat er sich leider noch gar nicht weiterentwickelt.

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  2. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Also bei allem Respekt für Foda, aber ich glaube ihm einfach nicht, dass er nach Leistung aufstellt. Glaube kaum das Ehrenreich vorm Kasan Spiel im Training Berge versetzt hat. Oder das Kienast vorm Admira Spiel wieder einen Aufwärtsschwung anzeigte. FF lässt lieber die ganze Meisterschaft die selben 11 spielen als mehrere taktische Ausrichtungen zu haben. Verstehe ja wenn der Tadic auch nicht mehr trifft das er Kienast aufstellt (weil sonst niemand da ist ausser dem jungen Edi), aber Dobras und Schick in Unform und Hovrath kaum Game Time geben ist schon sehr merkwürdig. Wir brauchen einfach mehrere taktische Pläne weil immer im gleichen System spielen geht halt auch nur mit Glück gut.

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  3. Arch Stanton sagt:

    Tut mir leid, aber ich seh‘ zur Zeit kaum einen, der sich für die Schwarzen zerreißt.
    Und Taktik hin oder her, dass ist nun einmal das einzige mit dem man Unvermögen, Pech oder was auch immer kompensieren kann.

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    • Nock-74 sagt:

      Doch, einen gäbs da! Donis! Traurig aber wahr ein 19jähriger Legionär muss das sein!

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    • Neukirchner sagt:

      Und ohne Avdijaj, den Schalke jederzeit zurückholen kann, hätten wir bislang vier Punkte. Rosige Aussichten. Aber wenn er dann weg ist, werden garantiert Weltkicker alla Offenbacher oder Gruber das Ruder in die Hand nehmen. Denen stinkt ja eh dass Donis die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dann aber gute Nacht.

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    • Arch Stanton sagt:

      Das stimmt schon – der Avdijaj ist ein Vollblutkicker in jeder Hinsicht und mit allen Nachteilen. Er haut sich voll ins Zeug, aber weil er eben net den Schwarzen gehört, wär‘ das jetzt so, als wollten wir sagen, der Platzwart in Liebenau haut sich voll ins Zeug, aber das hilft uns nichts, weil wir den Platz ja nur gemietet haben.
      Aber unbestritten ist er einer der Lichtblicke.

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  4. Rene90 sagt:

    @Neukirchner
    an dieses Zitat werde ich dich einmal erinnern
    „Und ohne Avdijaj, den Schalke jederzeit zurückholen kann, hätten wir bislang vier Punkte. Rosige Aussichten.“
    selten so einen Schwachsinn gelesen

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    • ds1909 sagt:

      @Rene90: dann sag uns dass es anders ist. gut, vier Punkte ist vielleicht etwas zu übertrieben, aber im Grunde stimmt’s ja was er sagt.
      Und nebenbei: Avdijaj sollte nicht mehr so im Fokus stehen im Spiel, denn mittlerweile hat sich jeder Gegner auf ihn sehr gut eingestellt und er wird immer besser verteidigt. Im gelingt auch nicht mehr so viel, als er zu uns gekommen ist. Man kann jetzt sagen, dass liegt auch an seinen Mitspielern, aber trotzdem. Und wenn er weg ist, ist er weg. Dann müssen wir auch ohne ihn wieder auskommen.

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  5. Rene90 sagt:

    @ds1909
    hat ja nicht lange gedauert, um diese schwachsinnige These von @Neukirchner zu widerlegen. Donis ist ja wahnsinnig abgegangen gestern, als Wechselspieler Null Akzente, die Mannschaft wirkte irgendwie befreit ohne Donis und so schlimm wird es schon nicht werden , wenn er uns im Winter schon verlassen sollte

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