Wann kummt di Sunn?

Der November in Graz verlief größtenteils grau und neblig. Wirklich sonnig war es selten. Die goldenen Herbsttage vom Oktober? Schnee von gestern. Was sich wie die ersten Zeilen eines Wetterrückblickes liest, könnte auch als Zusammenfassung Sturms letzter Wochen gelten. Wettbewerbsübergreifend ist man nach der Niederlage bei der Wiener Austria vom vergangenen Sonntag seit acht Spielen sieglos. Der letzte Dreier datiert vom 17.10. Im Cup ist die Mannschaft von Christian Ilzer ausgeschieden und auch von der internationalen Bühne hat man sich bereits vorzeitig verabschieden müssen. Letzteres ist dem Team jedoch nicht anzukreiden, zumal bei der Auslosung die vermeintlich schwerste Gruppe der heurigen Europa League ausgefasst wurde. Auch abseits vom sportlichen Geschehen läuft derzeit nicht alles ganz so sonnig ab. Der teaminterne Corona-Cluster gilt zwar als überstanden, sorgt in der Nachbetrachtung des Novembers jedoch noch für einen faden Beigeschmack. Wenig verwunderlich ist daher die Sehnsucht nach Sonnenstunden in Graz, sportlich und wettertechnisch. Wann allerdings sportlich die Sunn wieder kummt, ist gegenteilig zu einem bekannten STS-Hit noch unklar – vielleicht aber schon nach den Spielen gegen Altach und die Admira.

Wann scheint in Liebenau sportlich wieder die Sunn? © Martin Hirtenfellner Fotografie

Erhoffte Comebacks

Wettertechnisch kann Paul Prattes, Steiermarks Wetterfrosch, des Öfteren Prognosen für die unmittelbare meteorologische Zukunft aufstellen. Bei Sturm können aktuell weder er noch als Fußball-Experten ausgewiesene Personen seriöse Vorhersagen treffen. Zwei Faktoren könnten jedoch bald wieder für Sonnenschein sorgen. Einer dieser ist das sich in naher Zukunft wieder lichtende Verletztenlazarett. Mit Otar Kiteishvili und Stefan Hierländer fielen in den letzten Wochen zwei zentrale Pfeiler in Ilzers Raute aus. Der Georgier, belebendes Element im Offensivpiel der Grazer und immer für eine gelungene Einzelaktion gut, fehlte in der Vorwärtsbewegung der Blackys ungemein. Und auch über die Wichtigkeit eines fitten Kapitäns in der Startelf lässt sich nicht diskutieren, zumal dieser eine unumstrittene Leaderfigur darstellt – am und abseits des Platzes. Zwar wäre es falsch, die Gründe für aktuelle Misere nur auf die Ausfälle der beiden zu schieben, doch lässt sich der Fakt, dass es mit ihnen Startelf punktetechnisch besser gelaufen ist, nicht davonreden. Zwei andere Spieler, die bei der Diskussion um die Personalthematik bisher seltener erwähnt wurden, sind die beiden Außenverteidiger Sandro Ingolitsch und Vincent Trummer. Ihre Ausfälle hatten zur Folge, dass Sturm mit bloß zwei gelernten Außenverteidigern mit Profi-Erfahrung in den spieldichten Herbst gestartet ist. Auch wenn der umgeschulte Lukas Jäger es bei seinen Einsätzen auf der rechten Außenverteidiger-Position keineswegs schlecht machte, war diese Position für die Dreifachbelastung schlichtweg zu dünn besetzt. Seit geraumer Zeit wirken Jusuf Gazibegovic und Amadou Dante überspielt, was sich bei ersterem am fehlenden Punch und beim Malier an leichtsinnigen Fehlern, die wie zuletzt in Eindhoven sogar zu Gegentoren führten, bemerkbar macht. Gut, dass sich Ingolitsch und Trummer bereits wieder voll im Training befinden (wie Ilzer nach dem Spiel gegen die Austria zu wissen gab) und nach Erreichen eines entsprechenden Fitnesslevels wohl demnächst wieder einsatzfähig sind. Otar Kiteishvili dürfte nach Aussagen des Chefcoachs im Jänner wieder ins Training einsteigen – zurzeit befindet er sich zur Therapie in Deutschland. Bei Kapitän Hierländer könnte es im allerbesten Fall schon für das letzte Spiel in der Herbstsaison gegen Austria Klagenfurt reichen.

Fit, aber müde im Kopf

Auch die bereits zuvor angesprochene Dreifachbelastung in diesem Herbst ist ein Mitgrund für die maue Punkteausbeute im November. Als wirkliche Ausrede für die sieglosen Partien in der Liga wurde diese von Christian Ilzer aber zurecht nie verwendet. Die Betonung lag oft darauf, dass es sowohl für die Spieler als auch für den Verein immer das Ziel sein sollte, nach dem höchstmöglichen zu streben. Und nach der erfolgreichen letzten Saison ist das eben eine Gruppenphase auf europäischer Bühne. Dennoch hängt die aktuell eisige sportliche Situation durchaus damit zusammen. Nicht unbedingt mit der körperlichen Beanspruchung, sondern viel mehr mit einer mentalen Müdigkeit der Mannschaft, wie es Ilzer zuletzt einmal treffend formulierte. Es ist keineswegs leicht, unter der Woche gegen Topteams wie Real Sociedad oder PSV Einhoven an die Leistungsgrenze gehen zu müssen, um dann meistens trotzdem doch zu verlieren – oft knapp und bitter. Schließlich gilt es in der Nachbetrachtung einer solchen Partie, die Niederlage zwar nicht als positiv zu beurteilen (welcher Profi verliert schon gerne), aber sehr wohl die positiven Elemente des Spiels für die nächste Aufgabe in der Bundesliga mitzunehmen – psychologisch eine Gratwanderung und für Spieler und Trainer sicherlich mental ermüdend.

Die mentale Belastung darf nicht unterschätzt werden. © Martin Hirtenfellner Fotofrafie

Wetterbericht für Dezember

Laut einer Wettervorhersage soll in Graz an elf Tagen im Dezember die Sonne scheinen. Eine derartige Prognose lässt für die Leistungen von Sturm leider nicht aufstellen. Schließlich sind ein weniger dichterer Spielkalender und von Verletzungen zurückkommende Spieler keine Garantie für Erfolg. Und dennoch: Als Fan, der die Moral und Leistungsfähigkeit dieser Mannschaft aus sonnigen Zeiten noch gut im Gedächtnis haben sollte, kann man sich durchaus erwarten, dass die oben genannten Faktoren in naher Zukunft einen Einfluss aufs Spiel der Blackys haben werden und so in Graz auch sportlich bald wieder die Sunn kummt. Vielleicht schon nach den nächsten beiden Runden. Denn glabst ned a du, nach gewonnenen Spielen gegen Altach und Admira wern die Leid dann wieda lochn?

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4 Kommentare

  1. gepi20 sagt:

    Sehr guter Artikel. Wer geglaubt hat, dass dieses Niveau zu Beginn halten wird, war zu optimistisch. Insgesamt hat sich die Mannschaft gut entwickelt und es war klar, dass auch die anderen Mannschaften stärker werden bzw. Punkte liegen lassen. Ich bin überzeugt, dass wir auf Platz 2 überwintern und im OPO eine gute Rolle spielen.

  2. django sagt:

    wenn das morgen kein Sieg wird . hat man Absolut in der Meistergruppe nichts verloren , profis von Sturm müssen gegen so einen Desolaten Verein 3 Punkte einfahren ohne wenn und aber

    • Tobias sagt:

      In der Meistergruppe hat man dann etwas verloren, wenn man nach 22 unter den ersten 6 vertreten ist, Punkt. Wieso sollte es der 7., 8. oder 9. mehr verdient haben?

      Immer wieder amüsant wenn jemand behauptet, den z.B. 4. Platz habe man nicht verdient. Wieso? Der 5. und alle dahinter haben einfach weniger Punkte. Für viele ist es anscheinend ein absolutes Muss eine Wahnsinns-Hinrunde hinzulegen, um im OPO zu sein und top zu performen um unter den beispielweise Top 4 zu sein. Nein! Für das kann man sich auch einige Ausrutscher erlauben. Das ist derzeit der Fall und wird auch immer so sein! Wie oft gab es vermeintliche „Seuchensaisons“, wo man am Ende auf dem 4. Platz stand, was doch völlig i. O. ist.

  3. pharao__77 sagt:

    Wenn man ein bisschen über den schwarz-weißen Tellerrand blickt sieht man, dass eigentlich alle Mannschaften in der Bundesliga Schwächephasen haben. Vielleicht hat uns die letzte Saison und der gute Beginn heuer den Eindruck vermittelt wir wären bereits stabiler. Auch ich war dieser Meinung und rege mich über die Leistungen (nicht nur Niederlagen) teilweise auf. Der Grund ist einfach: Wir wissen, dass die Mannschaft mehr kann. Dieses Gefühl hatte ich in den letzten Jahren nicht immer und so hat man vieles einfach mehr oder weniger hingenommen (ernudelte Siege, Niederlagen ohne Chance etc.). Das ist jetzt anders weil wir wissen, dass mehr in der Mannschaft steckt. Mich stimmt das positiv. Dies Leistungen und Ergebnisse werden wieder besser werden und um das OPO mache ich mir daher (und weil die restlichen Mannschaften ebenfalls nicht überzeugen) keine Sorgen

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