Von Stabilität, Kontinuität und Torgefahr …

Der Halftime-Report nach Runde 11 der Bundesliga.

Das neue Format der österreichischen Fußballbundesliga der Herren ermöglicht es bereits im Oktober ein Fazit über die Hinrunde zu ziehen. Elf Matches haben die Schwoazen vom SK Sturm bestritten, gegen jeden Gegner also einmal gespielt. Drei Siege stehen drei Niederlagen gegenüber. Zudem ist man Unentschieden-Kaiser der Liga, mit deren fünf an der Zahl. 15 erzielten Toren stehen 16 Gegentore gegenüber. Summiert man all diese Zahlen ergibt das Tabellenplatz sechs und die schmerzende Erkenntnis, dass der SK Sturm Graz derzeit im österreichischen Fußball einfach nur Durchschnitt ist.

Im ÖFB-Cup ist man nach einem Sieg gegen Siegendorf gegen die Austria aus Wien leider ausgeschieden (Torverhältnis 2:2) in den europäischen Qualifikationsspielen setzte es in vier Spielen vier Niederlagen (Torverhältnis 1:12). Wenn man alle Spiele zusammenrechnet hat Sturm 18 Tore in 17 Spielen erzielt, aber 30 bekommen. So viel zu den Zahlen, die eigentlich für eine waschechte Krise in Graz sprechen müssten. Dass im Fußball zwar die Resultate am Ende die tabellarische Musik spielen, aber eben gerade auch für Fans, Medien und Vereinsverantwortliche die Körpersprache, Einsatzbereitschaft und das Zusammenspiel wichtige Faktoren sind, die am Ende das allgemeine Stimmungsbild stark beeinflussen, zeigt sich darin, dass Trainer Heiko Vogel noch immer fest im Sattel sitzt und auch die Spieler keiner allzu großen Kritik ausgesetzt sind.

Als Günter Kreissl bei „Black.fm“ zu Gast war, bestätigte er selbst, dass er davon überrascht war, dass die Defensive, die er eigentlich als Prunkstück dieses Kaders eingeschätzt hatte und im Ligavergleich als eine der stärksten sah, leider noch nicht zusammengefunden hatte. Dario Maresic stabilisiert sich nun einen Monat später langsam wieder nach Formschwankungen, die man ihm aufgrund seines Alters zugestehen muss, und Lukas Spendlhofer und Anastasios Avlonitis wirkten oft nicht gut abgestimmt, zeigen sich aber seit dem LASK-Spiel von einer besseren Seite. Während Fabian Koch rechts manchmal mehr, manchmal weniger glücklos Kilometer um Kilometer abspulte, hat Heiko Vogel auf der linken Abwehrseite ein Personalproblem, welches in der Winterpause, spätestens aber im nächsten Sommer dringend gelöst werden muss.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Das Problem der fehlenden Stabilität und Kontinuität gerade bei den unmittelbaren Vorderleuten von Jörg Siebenhandl ist hausgemacht. Viele Experimente in der Startaufstellung und ständige Wechsel zwischen Thomas Schrammel, Stefan Hierländer und Filipe Ferreira auf links, zeigen einerseits, dass die Position sehr umkämpft, andererseits aber auch, dass Heiko Vogel zunehmend ratlos zu sein scheint. Zumindest die meisten Fans sind sich einig, dass es auf Dauer eine Verschwendung ist, die Personalie Hierländer links in der Verteidigung einzusetzen, wo der Kapitän in der Vergangenheit auch offensiv für enorm wichtige Akzente setzen konnte.

Das Problem, das durch die vielen Startelfrochaden auf die Defensive Auswirkungen gehabt haben dürfte, macht aber auch dem offensiven Zusammenspiel zu schaffen. Die magere Torausbeute kann man darauf zurückführen, dass es noch keine richtige Stammelf gibt, aber auch auf die dürftige Chancenauswertung.

Dass Stürmer Philipp Hosiner die Seuche am Fuß klebt und einfach kein Treffer gelingen will, spielt in der Offensive eine große Rolle. Neben Philipp Huspek, der aufopferungsvolle Leistungen zeigt und gute Form beweist, Peter Zulj, der seinen Level aus der Vorsaison lange suchen musste, sich nun Spiel für Spiel aus seiner Krise arbeitet und Markus Pink, der das spielt was er kann und die Erwartungen mit drei Treffern in neun Ligaspielen durchaus erfüllt, hat Lukas Grozurek am Anfang der Saison voll eingeschlagen, um danach leider stark abzubauen. Otar Kiteishvili kann getrost als einer der besten Neuzugänge der Liga in diesem Jahr bezeichnet werden (spätestens dann, wenn er es endlich schafft einen Ball auch mal im Tor zu versenken). Emeka Eze spielte in der Liga erst 166 Minuten und Raphael Obermaier ist auch ein Spieler, den es gibt. Nach dem Testspiel gegen NK Celje könnte man auch frech die Frage stellen: Wo bleibt die Chance für Michael John Lema? Der 19-Jährige ist mit zwölf Treffern in 13 Spielen aktuell Zweiter in der Torschützenliste der Regionalliga Mitte.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Das liest sich alles, wie es dann im Endeffekt auch ist – Ein Wellental der Gefühle. Ein stetes Auf und Ab, welches jene Stabilität vermissen lässt, die am Ende der Vorsaison für so tolle Erlebnisse und Ergebnisse sorgen konnte. Während man sich gegen kleine Gegner aufgrund des Zusammenspiels aller oben genannten Faktoren schwer tat, muss man Heiko Vogel zugute halten, dass er das Team auf die Spitzenspiele sehr gut vorbereitete und einstellte. Gegen den LASK, gegen Rapid, gegen die Austria zeigte man gute Leistungen. Gegen Salzburg hielt man ab Peter Zuljs Freistoß so mit, wie man es laut Vogel eigentlich zu Beginn der Partie schon tun hätte sollen.

In den meisten Spielen sah man, dass Heiko Vogel unter der Woche gut mit dem Team zusammenarbeitet.

Das Live-Coaching während den Spielen brachte allerdings nicht selten einen Momentumwechsel mit sich, was dann oft die drei Punkte kostete. Umstellungen von Thomas Letsch, Goran Djuricin und Oliver Glasner, aber auch von Karl Daxbacher in Innsbruck, sorgten dafür, dass Spiele, die man im Griff hatte, doch noch zu kippen drohten. Manche Wechsel, die Heiko Vogel vornahm, bewirkten nicht das, was man sich erhofft hatte und selten konnte Heiko Vogel auf die Handlungen seiner Trainerkollegen im Spiel richtig reagieren. Woran das liegen mag, wird hoffentlich laufend intern analysiert, denn langsam wird es Zeit, dass diese Räder ineinander greifen. Platz sechs darf niemanden zufriedenstellen.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Sturm will in Österreich keine Mannschaft sein, die im Sumpf des bitteren Durchschnitts versinkt, sondern die oben mitspielt und da ist, wenn es etwas zu ernten gibt. Dazu gilt es in der Rückrunde, die am Wochenende startet, Kontinuität, Stabilität und Torgefahr, die sich bereits in den letzten Runden abzeichneten, zu entwickeln, Chancen zu verwerten und öfter zu Null zu spielen. Der Trend bei den individuellen Leistungen in der Mannschaft zeigt größtenteils nach oben. Für die Runden 12 bis 22 wünschen sich alle Schwoazen, dass sich dieser Trend nun auch endlich auf die Statistiken und dort vor allem auf die Tabelle auswirken wird. Am besten Sturm fängt gleich am Samstag in Hartberg damit an und zeigt im steirischen Duell, wer im grünen Herz Österreichs die Oberhand hat. Die Fans müssen ihren Teil dazu beitragen, indem sie das Team am besten vor Ort lautstark und nach vorne treiben.

 

Anzeige

3 Kommentare

  1. rio sagt:

    Analysen hin, Analysen her, ab jetzt muss voll gepunktet und somit Siege eingefahren werden. Fakten alleine zählen und diese stellen unserer jetzigen sportlichen Führung augenblicklich ein denkbar schlechtes Zeugnis aus. Alleine an einem Hartberg-3er zu zweifeln sollte zum Nachdenken anregen und vor allem zum Umdenken. Das, in unserer Mannschaft ruhende Potential steht wohl weit über der Handwerkertruppe aus der Oststeiermark. Wenn es nicht gelingen sollte diese Überlegenheit auch in Zählbares (=3 Punkte) umzuwandeln, dann ist auch wohl der letzte Beweis angetreten, dass wir auf den falschen Übungsleiter gesetzt haben. Sowas kann passieren, aber man muss darauf auch irgendwann reagieren!

    6+
  2. ciro1909 sagt:

    Eine Mannschaft, die Rapid völlig verdient mit 3:0 abgeschossen hat als Handwerkertruppe zu bezeichnen find ich glatt a bissl respektlos.

    Natürlich sind wir Favorit und das Ziel können nur 3 Punkte sein, aber die Hartberger können richtig gut kicken die sollte man auf keinen Fall unterschätzen

    4+
    • Ennstaler sagt:

      Und wieso können sie gut kicken? Man merkt noch die Handschrift von Christian Ilzer und der neue Trainer Schopp kennt die Österreichische Bundesliga in- und auswendig und kann so die Mannschaft von Spiel zu Spiel perfekt einstellen. Da könnte sich auch Vogel noch ein Scheiberl abschneiden.

      0

Schreibe einen Kommentar