Vienna International Calling

Sturm bei Rapid um Europa und Perspektive

Runde 34 in der höchsten österreichischen Spielklasse – heißt so viel wie: Langsam geht`s gegen Ende hin. Der SK Sturm gastiert am Sonntag um 16:30 Uhr in Wien-Hütteldorf beim SK Rapid, ehe eine englische Woche die Spielzeit 2016/17- und den dritten Tabellenrang der Schwarz/Weißen besiegeln soll. Sturm also auf dem Weg nach Europa, die Grünen drauf und dran, die Klasse zu halten. Klingt beim ersten Hinhören nach viel Euphorie, nach schwarz/weißer Euphorie. Die Wahrheit liegt aber mindestens einen Halbton tiefer.

Ein Sieg in Wien, drum foahr ma hin.

Ach, wie schön war es doch damals, dieses erste Mal. Rein ins Auto, rauf auf die A2, den eh altbekannten Weg Richtung Wien antreten, sich irgendwo rund um Hütteldorf auf Parkplatzsuche begeben, vor dem neuen Allianz- alias Weststadion ebenfalls altbekanntermaßen wie Vieh durch das Absperrgitter-Labyrinth geschoben zu werden, zum allerersten Mal den bummvollen Auswärtssektor betreten und sofort in die Party reinkippen, die dort schon eine Zeit lang stattfindet und bis zur Abreise auch anhält. Das erste Mal im „Meisterstadion“ und dann gleich die Wiener wie die Schnitzerl paniert. Gut war das. Wirklich gut.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Dass die über die ganze Saison andauernde Krise der Rapidler auch schon an diesem 27.11.2016 weit fortgeschritten war, wurde damals weitestgehend ignoriert. Zu glamourös erschien diese ganze Aufmachung dort und zu sicher wiegte man sich in der allerdings unbestrittenen Tatsache, dass hier die beiden Mannschaften aufeinandertreffen, die gefälligst das österreichische Aushängeschild darstellen sollen und dies auch tun. Trugschluss. Zumindest gegenwärtig.  Der knappe 2:1-Sieg wurde wie eine Abfuhr gefeiert, so, als hätte das Greenhorn namens Old Shatterhand gerade den Grizzlybären mit bloßer Hand erlegt. Zu euphorisch waren wir – der Autor dieser Zeilen inbegriffen – um einen klaren Blick auf die eigene, gerade im Anflug befindliche sportliche Talfahrt zu wahren. Die dafür benötigte kritische Distanz war auf einen Horvath-Sidestep zusammengeschrumpft, wir aber wollten noch immer den Piesinger-Ausfallschritt erkennen.

Europa wir kommen!

Die Krise jedenfalls passierte, wie uns der weitere Saisonverlauf eindrucksvoll offenbart. Nur, was genau gibt es eigentlich schon wieder zu jammern, frag` ich mich an der Stelle erneut und zum wiederholten Male. Der SK Sturm steht drei Runden vor Schluss auf Tabellenrang drei, vier Punkte vor den viertplatzierten Altachern und mit vollkommen intakten Chancen auf den Vizemeister-Titel, liegen die Veilchen ja lediglich drei Punkte vor den Blackys. Ja, diese Wiener Austria, die in den letzten beiden Aufeinandertreffen mit Sturm den Grazern insgesamt acht Trümmer eingeschenkt hatte und so den Foda-Mannen ganz klar deren Grenzen aufzeigen konnte. Ein Zwiespalt also, der einen, beim intensiven Nachgrübeln über Sturm, einsam, in schizoider Zweisamkeit zurücklässt. Denn spätestens seit der fußballerischen Schonkost beim Gastspiel vergangene Woche in Altach, nach der man verdutzt mit der Frage zurückgelassen wurde, wie es Franco Foda denn nur gelang, Wasser weiter zu verdünnen,  fragt man sich als schwoazer Afficionado zudem, wie genau die anstehende internationale Saison so denn eigentlich aussehen könnte. Ein Kickerl irgendwo im Ostblock und dann ist Schluss? Die Gefahr besteht jedenfalls und die Möglichkeit, in der Schlussphase mit Sasha Horvath für mehr Spielwitz zu sorgen, ist seit dieser Woche auch vertan.

Aber weg mit der Vergangenheit, Schluss mit dem Kaffeesatzlesen, was denn wohl die Zukunft bringen könnte – das Auswärtsspiel gegen Rapid steht vor der Tür! Es wird gebrannt! Brennen für Sturm also die Devise! Für den Verein, auch wenn man als Aktiver beim Legendentag Besseres zu tun gehabt hat, als in die Gruabn zu gehen.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Ein paar Facts zum Sonntag

Sturm zeigt im Frühjahr eine eklatante Auswärtsschwäche, die – rein auf Ergebnisebene – letzte Woche beim 2:1-Sieg im Ländle ins Stocken geriet. Die Grazer befinden sich seit diesem wichtigen Sieg gegen den direkten Konkurrenten auf Tabellenplatz drei und haben sehr gute Chancen, diesen bis zum Ende auch zu halten. Zudem stehen dem Cheftrainer Topscorer Deni Alar und Lukas Spendlhofer am Sonntag und auch generell vor den letzten anstehenden Partien wieder zur Verfügung, wohingegen Philipp Huspek gegen seinen Ex-Verein verletzt passen muss.

Bei den Gastgebern scheint das Schlimmste überstanden zu sein, die Formkurve zeigt leicht nach oben, wie die Grün/Weißen vorletzte Runde bei 4:0-Heimsieg gegen den WAC unter Beweis stellen konnten. Die knappe 0:1 Auswärtsniederlage letzte Woche beim Meister soll an dieser Stelle kein großer Gradmesser sein. Trainer Goran Djuricin muss am Sonntag gegen Sturm nicht nur auf die Langzeitverletzten Philipp Schobesberger und Ivan Mocinic sondern auch auf Maximilian Hofmann verzichten, der bis zum Saisonende verletzt ausfällt.

Spieldaten:

SK Rapid Wien vs. SK Sturm Graz

Sonntag, 21.05.2017, 16:30, Allianzstadion, Wien-Hütteldorf

Schiedsrichter: Andreas Heiß

Mögliche Aufstellung: Gratzei; Koch, Spendlhofer, Schulz, Lykogiannis; Piesinger, Jeggo; Hierländer, Atik, Schmerböck; Alar

Ersatz: Lück, Potzmann, Horvath, Lovric, Maresic, Zulechner, Chabbi

Es fehlen: Christian Schoissengeyr, Andreas Gruber, Philipp Huspek, Lukas Skrivanek, Kristijan Dobras, Roman Kienast

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10 Kommentare

  1. django sagt:

    wie viele Schworze fahren nach Wien ?

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  2. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Wäre bezeichnend wenn die Wiener sich gegen uns den Klassenerhalt sichern…

     

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    • markusmaier97 sagt:

      und wieder ein toller kommentar von dir! gratuliere! was wäre daran bezeichnend bitte? rapid bleibt rapid. in der kiga kann jeder jeden schlagen.

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    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Ja, jeder kann jeden schlagen. Nur kommt es auf die Art und Weise drauf an. Wir verlieren unsere Spiele nicht weil der Gegner Zauberfussball spielt, wir Pech haben oder der Schiri gegen uns ist…wir verlieren sie weil wir wie ein Abstiegskanidat spielen. Totale Defensive und hoffen das der Ball reinrutscht funktioniert auch nur in unserer Liga…und auch nur mäßig erfolgreich. Hätten wir nicht dieses Wunderfrühjahr erlebt wären wir jetzt in ganz anderen Gebieten…

      Und wenn du als künftiger EC Starter nicht mit dem Ziel 3 Punkte zum schlechtesten Rapid seit Jahrzehnten fährst ist die Philosophie sowieso die falsche…

      Und du kannst mich gerne belehren und Argumente für Foda hier posten (außer dem Tabellenplatz).

       

       

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    • markusmaier97 sagt:

      also in meinem post gings nicht um foda aber war klar, dass du dein lieblingsthema wieder reinbringst

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    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Nein es liegt dir sicher am Herzen Rapid in den Kommentaren zu verteidigen…

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  3. Ennstaler sagt:

    Sturm braucht noch drei Punkte [immer vorausgesetzt, dass Altach die beiden letzten Spiele gewinnt und Rapid Cupsieger wird (die Bullen lassen doch merklich nach)] um sicher nach Europa zu fahren (oder wenigstens in die Quali zu kommen). Da kann doch gegen Rapid die Devise nur sein: totale Offensive. Das Heimmatch (bald kann bei Sturm von einem „Heimfluch“ sprechen) gegen die Admira wird viel schwieriger, Sturm hat immer Probleme, wenn die Mannschaft das Spiel machen muss. Und gegen den WAC wird die Aufgabe auch nicht leichter, die Violetten können ein Lied davon singen. Dank der Mattersburger reicht Sturm ein Sieg in drei Runden, um Altach auf Distanz zu halten.

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    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Da die Austria gepatzt hat wäre ein Sieg doppelt und dreifach wichtig…es besteht die Chance, wenn auch eher unwahrscheinlich, das der Vize CL spielt wenn Salzburg verzichtet…

      Wie gesagt, sehr unwahrscheinlich, aber man stelle sich vor, die Dosen verzichten wirklich und wir werden 3…wäre nach dem Frühjahr und den konstanten Konkurrenten Austria wirklich eine vertane Chance…

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    • black_aficionado sagt:

      @schworza: Salzburg kann nicht auf den Platz verzichten, das bedeutet automatischen Lizenzverlust und Abstieg. Das würde wiederum bedeuten, dass Salzburg mit Liefering kollidiert. Ich mein, können würden sie schon, aber das halte ich für absolut undenkbar!

      Außerdem, und da trau ich mich etwas wetten, wird es kein Problem seitens der UEFA geben, da die beiden wohl rechtlich und faktisch getrennt wurden.

       

      Zu Sturm: Wann, wenn nicht heute, will man sonst alles riskieren?! Nach hinten kann de facto nichts mehr passieren, Rapid ist zwar nach wie vor Rapid aber dennoch noch immer im Eck! Die Chance den 2.Platz zu erreichen ist nicht nur intakt, es ist in meinen Augen fast schon Pflicht diese Möglichkeit mit allem was man hat zu attackieren und sich da festzusetzen!

      3+

    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Glaube auch nicht das die UEFA Eier zeigt und mal ein Machtwort spricht…und sie sind vielleicht offiziell getrennt, nur wenn die Spieler hin und her geschoben werden und Ragnick jeden bekommt den er will…sehr schiefe Optik…man stelle sich vor die beiden treffen aufeinander…

      Nur für den Fall wird RB nicht die fix qualifizierten Leipziger kicken um mit Salzburg Quali zu spielen…

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