Verpatzte Generalprobe

Spielbericht: RB Salzburg vs. SK Sturm Graz (4:1)

Nachdem RB Salzburg am Donnerstag die Qualifikation für das Europa-League-Finale denkbar knapp verpasste, stand für die Bullen am heutigen Sonntag nur ein Motto auf dem Programm: Zumindest ein Remis holen und somit den Meistertitel fixieren. Dass der SK Sturm etwas dagegen haben dürfte, war vor Anpfiff allen Anhängern der Grazer klar. Vor allem vor dem wohl wichtigsten verbleibenden Spiel der Saison am Mittwoch im ÖFB-Cup-Finale gegen den heutigen Gastgeber wollten die Blackys noch einmal ihre Klasse unter Beweis stellen.

Die Aufstellung der Grazer deutete zunächst auf eine etwas defensivere Spielweise der Schwarz-Weißen hin. Der einzige Stürmer des Tabellenzweiten war Deni Alar, auf den Flügeln sollten Philipp Huspek und Jakob Jantscher für Unruhe sorgen. In der Abwehr sollten Stefan Hierländer, Dario Maresic, Lukas Spendlhofer und Fabian Koch für Stabilität sorgen.

Hui, dann pfui

Um 16:30 pfiff Schiedsrichter Dieter Muckenhammer die Begegnung an, die Gastgeber wollten den fünften Meistertitel in Folge holen. Zunächst taten sich beide Mannschaften schwer, ins Spiel zu finden. Die erste halbwegs gefährliche Möglichkeit gehörte den Mozartstädtern, ein Schuss von Ex-Sturm-Akteur Christoph Leitgeb verfehlte sein Ziel jedoch deutlich. Danach konnte Keeper Jörg Siebenhandl einen Kopfball von Duje Caleta-Car souverän zur Ecke lenken. Bis zur Mitte der ersten Halbzeit tat sich äußerst wenig, weder Sturm noch Salzburg fanden eine nennenswerte Aktion vor. Auch danach änderte sich nicht viel am Spielgeschehen, das Gefährlichste auf Seiten der Murstädter war noch eine Hereingabe von Philipp Huspek in der 29. Minute, die leider keinen Abnehmer fand. Man hatte das Gefühl, dass sich beide Mannschaften bereits auf das Cup-Finale am Mittwoch einstellten, so ereignislos verlief die erste Halbzeit. Weder die Bullen noch die Grazer wurden ihrem Ruf als Spitzenteam gerecht und so waren es die Fans der beiden Mannschaften, die für die Highlights der ersten 45 Minuten sorgten. Besonders die mitgereisten Sturm-Fans sorgten bei den insgesamt 14.912 Zuschauern für gute Stimmung. Diese sollte sich in der 40. Minute noch verbessern! Nach starkem Pass von Deni Alar sorgte Peter Zulj aus gut sieben Metern für die völlig überraschende 1:0-Führung der Grazer. Ein herrlicher Treffer, der nach einer sehr schwachen Hälfte beider Teams Balsam für die Seele des Tabellenzweiten war. Danach beruhigte sich das Spiel wieder, aber gerade als man dachte, dass die Gäste die glückliche Führung in die Halbzeitpause transportieren konnten, schlugen die Salzburger zu. Hee Chan Hwang besorgte nach idealem Pass von Enock Mwepu den 1:1-Ausgleich in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Kurz danach bat der Unparteiische zum Pausentee, der für die Gäste wohl viel bitterer schmeckte als für den Gastgeber.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Schwacher Start

Beide Mannschaften starten unverändert in die zweite Halbzeit, das erste „Highlight“ war eine gelbe Karte für Lukas Spendlhofer in der 47. Spielminute. Aus dem folgenden Freistoß resultierte eine Halbchance für Salzburg, Hannes Wolf verfehlte aus gut 20 Metern sein Ziel schlussendlich klar. Die Bullen waren zu Beginn der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft und dies sollte sich bereits in der 54. Minute auszahlen: Nach Hereingabe von Wolf scheiterte Hwang vorerst an Siebenhandl, den Abpraller schob Caleta Car aus kürzester Distanz zum 2:1 ein. „Wir werden Meister“, hallte es durch das Stadion. Und wer wollte da schon dagegensetzen? Heiko Vogel reagierte und brachte Thorsten Röcher und Bright Edomwonyi in die Partie. Dies änderte zunächst nichts am Spielverlauf, einen Freistoß von Wolf konnte Siebenhandl jedoch souverän parieren. Weitere Versuche von Reinhold Yabo und Hwang blieben zum Glück unbelohnt.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Chancenlos

Dennoch schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Salzburg das dritte Tor erzielte und somit die Meisterschaft fixierte. Und so kam es, wie es kommen musste. Yabos gute Ecke wurde von Hwang verlängert, Jerome Onguene stand im Fünfmeterraum völlig blank und köpfte in der 65. Minute mutterseelenallein ein. Sturm fand in der zweiten Spielhälfte überhaupt nicht mehr in die Partie und musste froh sein, dass es zu Beginn der letzten Viertelstunde nur 1:3 stand. Salzburg dominierte und war dem vierten Torerfolg deutlich näher als Sturm dem Anschlusstreffer. Takumi Minamino vergab in der 75. Minute eine hundertprozentige Torchance auf das 4:1, sein Abschluss verfehlte das Ziel dann doch um einige Meter. Nichtsdestotrotz war die Partie entschieden, Sturm agierte in der Offensive viel zu schwach, ein viel zu hoch angetragener Torschuss von Hierländer in der 78. Minute war noch das Gefährlichste in der zweiten Halbzeit. Auch einen Schuss von Zulj konnte Ersatzkeeper Cican Stankovic souverän festhalten. Auf der Gegenseite markierte der eingewechselte Munas Dabbur nach kapitalem Fehler von Spendlhofer das 4:1 für die Gastgeber. Eine katastrophale Leistung in den zweiten 45 Minuten wurde somit „gekrönt“. Beide Teams hatten danach noch einige Möglichkeiten, auf Seiten der Grazer vergaben Zulj und Bright Edomwonyi dreimal die Möglichkeit zum 2:4. Kurz darauf war Schluss, Salzburg krönte sich in der 33. Runde völlig verdient zum neuerlichen Meister der Österreichischen Bundesliga. Für das ÖFB Cup-Finale am Mittwoch muss eine gehörige Leistungssteigerung her, ansonsten werden die Bullen nach dem heute fixierten Meistertitel in Klagenfurt das Double feiern. Doch wie heißt es so schön? Auf eine verpatzte Generalprobe folgt immer eine gelungene Vorstellung. Wollen wir hoffen, dass dies auch in drei Tagen der Fall sein wird.

Spieldaten

Stimmen

Deni Alar

…spricht über das Spiel und hält Ausschau auf das Cupfinale:

Hatte man selbst gegen eine Salzburger B-Elf keine Chance?

Günter Kreissl

…ärgert sich über die Fehlentscheidung gegenüber Huspek in der ersten Hälfte:

…spricht über das bevorstehende Cupfinale:

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1 Kommentar

  1. graz4ever sagt:

    Setzte auch ganz auf das „Naturgesetz“ mit der verpatzten Generalprobe!

    Bin mir außerdem sicher, daß wir im Finale ne ganz andere Sturm Mannschaft sehen werden, angepeitscht von unseren frenetischen Fans, die Slzb das Fürchten lehren..

    3+

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