Ungleiches Duell?

Spielvorschau: RB Salzburg vs. SK Sturm Graz

Zurück zum Alltag

Nach der Länderspielpause, in der leider schlimme Vorfälle den Fußball ganz schnell zur unwichtigen Nebensache machten, kommt es in der Salzburger EM-Arena zum Duell zwischen RB Salzburg und dem SK Sturm Graz. Die Ausgangslage beider Teams scheint eigentlich klar definiert: Während Salzburg drei Punkte benötigt um am Tabellenführer aus Wien Favoriten dran zu bleiben, muss für Sturm das Ziel sein, den Anschluss an die Spitzenteams zu halten. Hierfür wäre zweifellos ein Auswärtssieg die bestmögliche Option – auch um sich von den knapp dahinterliegenden Konkurrenten etwas absetzen zu können.

Zeit zum Verschnaufen blieb den Sturm-Akteuren nicht. Man nutzte die Pause für einen Test gegen den slowenischen Erstligisten NK Zavrč. Viele Erkenntnisse konnten in diesem Spiel, das wahrlich kein Leckerbissen war, allerdings nicht gewonnen werden. Aufgrund der Einsätze für ihre jeweiligen Nationalteams fehlten zahlreiche Spieler, weshalb jene die Chance bekamen, sich zu beweisen, die bisher nicht allzu oft die Möglichkeiten dazu hatten. Eine wirklich herausstechende Leistung konnte man aber niemandem attestieren. Unglücklicherweise mussten außerdem Christian Klem und Josip Tadić verletzungsbedingt ausgewechselt werden. Beide Spieler werden auch am Sonntag fehlen. Ersterer wurde durch Naim Sharifi ersetzt, der vermutlich sein letztes Spiel im Trikot der Grazer bestritt.

(c) wikimedia commons / Werner100359 - Ob man auch diesen Sonntag einen Auswärtssieg feiner kann?

                  (c) Wikimedia Commons/Werner100359 – Ob man auch diesen Sonntag einen Auswärtssieg feiern kann?

Vorne Spitze, hinten nur Mittelmaß

RB Salzburg nutzte die pflichtspielfreien Tage für eine freundschaftliche Begegnung mit dem LASK. Die Schwarz-Weißen von jenseits der Enns wurden dabei mit 3:1 besiegt. Omer Damari, der im Sommer leihweise von der Leipziger RB Filiale kam, konnte dabei einen Doppelpack erzielen. In der diesjährigen Europacupsaison war für die Bullen bereits in den Europa League-Playoffs Endstation und auch in der Bundesliga läuft es nicht ganz nach Wunsch. Nach fünfzehn gespielten Runden liegt man aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz, drei Punkte hinter der Wiener Austria, die heute in der aktuellen Runde die Führung durch ein Remis gegen die Admira sogar auf zwischenzeitliche vier Zähler ausbauen konnte. In Sachen Tordifferenz führt man die Liga aber klar und deutlich an. Ganze 37 mal konnte man den Ball im gegnerischen Netz unterbringen, neun durch den Führenden der Torschützenliste, Jonatan Soriano, der sich den Platz an der Spitze allerdings mit Alexander Gorgon teilen muss. Doch nicht nur der Spanier trifft zuverlässig, auch Spieler wie Minamino und Keita beweisen immer wieder ihre Treffsicherheit. Nicht ganz so dominant tritt man in der Verteidigung auf. Mit zwanzig Gegentreffern liegt man aktuell „nur“ auf dem dritten Rang, auch konnte man bislang erst zwei Spiele ohne Gegentor beenden – ein Anzeichen dafür, dass man es heuer nicht zustandebringt, hinten so tonangebend zu agieren wie vorne.

Hinten Spitze, vorne harmlos

Ähnlich unasugewogen sieht es beim SK Sturm Graz aus, der defensiv stabil wirkt, aber vorne zu wenig Durchschlagskraft besitzt:
Die Defensivabteilung, rund um Michael „Bruno“ Esser und Kapitän Michael Madl bringt ihre Kontrahenten regelmäßig zur Verzweiflung. Mit nur 18 Gegentoren (1,2/Spiel) bedeutet dies den absoluten Spitzenwert der Liga. Ebenso wurden bereits fünf Partien ohne Verlusttreffer beendet.
Eine stabile Abwehr bildet meist auch das Rückgrat eines erfolgreichen Teams. Leider stockt es aber immer wieder in der Offensivabteilung der Grazer. Lediglich 21 Bälle konnten bisher im gegnerischen Gehäuse untergebracht werden, was für ein Spitzenteam leider viel zu wenig ist.
Gründe dafür gibt es mehrere und einer ist sicher das mittlerweile überwundene Formtief des Roman Kienast. Lange Zeit gelang ihm wenig bis nichts, trotzdem setzte Franco Foda immer wieder auf ihn. Mit Erfolg! Der wiedererstarkte Stürmer mutierte in den letzten Spielen zum Topscorer der Blackies. Sechs Tore in den letzten vier Spielen bedeuten Rang drei in der Torschützenliste. Man kann sich schnell ausmalen, wie es in der Tabelle für Sturm aussehen würde, hätte Kienast seinen Torriecher nicht wiedergefunden. Im Gegensatz zu den in der Tabelle vor Sturm liegenden Teams sucht man in Graz nämlich vergeblich nach einem weiteren Torjäger. Der oft sehr glücklos agierende Josip Tadić konnte letztmalig in Runde sieben ein Tor erzielen, ausgerechnet gegen den kommenden Gegner.
Auch die restlichen Offensivspieler geizten bisher mit ihren Erfolgen. Avdijaj und Gruber konnten jeweils nur zweimal treffen. Bright Edomwonyi wird bereits von vielen Fans als Flop abgestempelt, in acht Einsätzen in der Bundesliga blieb er noch gänzlich ohne Torerfolg.
Eine Teilschuld könnte man durchaus dem Mittelfeld anlasten. Oftmals werden die Bälle besonders in der Zentrale unnötig verschleppt oder sogar verschenkt. Was im letzten Frühjahr, dank eines Simon Piesingers in Topform oft noch perfekt funktionierte, ist jetzt eine der großen Problemzonen. Der Linzer wirkt im Spiel von Sturm oft wie ein Fremdkörper. Dennoch bekommt er immer noch regelmäßig Chancen sich zu rehabilitieren – was auch funktionieren kann, wie man es bei Kienast gesehen hat. Bleibt abzuwarten, wie lange die Geduld des Übungsleiters noch andauert. Noch muss sich der derzeit verletzte Konkurrent Sandi Lovric hinten anstellen. Der Kapitän des U-17 Nationalteams durfte in der aktuellen Saison erst eine Minute Bundesligaluft schnuppern. Viel zu wenig für einen Spieler, der sich laut dem „Guardian“ unter den 50 Toptalenten in Europa des Jahrgangs ’98 befindet.

(c) Wikimedia Commons/Steindy

                     (c) Wikimedia Commons/Steindy – Kann Roman Kienast auch in Salzburg wieder jubeln?

Ist das „Wunder“ Auswärtssieg überhaupt realistisch?

Wie Foda im Mediabriefing anmerkte, will er mutig und entschlossen auftreten, auch wenn er Salzburg als das „Nonplusultra“ der Liga sieht. Aufgrund des Ausfalls von Christian Klem wird es auf jeden Fall Umstellungen in der Verteidigung geben. Egal für welche Startformation gilt, dass wohl eine überdurchschnittliche Leistung eines jeden Akteurs notwendig ist, um aus Salzburg Punkte mitnehmen zu können. Über die Statistiken der Auswärtsspiele von Sturm seit der Ära Red Bull in Salzburg will man eigentlich kein Wort verlieren. Doch gerade in der erfolglosen Zeit unter Trainer Darko Milanič wurden zwei Spiele hintereinander in der Mozartstadt gewonnen. Man wird sehen, ob Franco Foda dieses Mal ein Rezept finden wird, um seine Negativserie in der Mozartstadt zu beenden. Ein Auswärtssieg wäre sicher eine große Überraschung. Will Sturm aber oben dranbleiben, dann sollten auch solche Spiele endlich gewonnen werden.

 

Spieldaten

FC Red Bull Salzburg – SK Sturm Graz

Sonntag, 22.11.2015, 16:30, Red Bull Arena

Mögliche Aufstellung:

Sturm Graz (4-2-3-1) Esser; Potzmann, Spendlhofer, Madl, Lykogiannis; Hadciz, Piesinger, Schick, Horvath, Gruber; Kienast

Ersatz: Schützenauer, Kamavuaka, Kayhan, Dobras, Stankovic, Offenbacher, Edomwonyi

Es fehlen: Gratzei (Handverletzung), Rosenberger (Kreuzbandriss), Avdijaj, Klem (beide muskuläre Probleme), Tadic (Bänderriss)

 

8 Kommentare

  1. Moe sagt:

    Das mit Tadic is bitter, vllt kriegt Edomwonyi mehr Spielzeit, ich seh da schon noch Potenzial.

    Welche Verletzung hat Lovric, weiß man das?

    Wenn die ganze Manschaft eine Topleistung abliefert könnte auch in Salzburg was gehen, Chancen nützen und hinten voll konzentriert sein.

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  2. vaxglis vaxglis sagt:

    was ist mit dobras?

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    • Moe sagt:

      sitzt auf der Bank… aber offizielle Aufstellung gibts noch keine, ob Horvath oder Dobras oder auch keiner der beiden spielt is noch nicht zu 100% bekannt schätze ich.

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    • Mario Singer Mario Si sagt:

      Er ist eigentlich schon einsatzbereit, habe mal die mögliche Aufstellung aktualisiert und ihn auf die Bank gesetzt.

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  3. Moe sagt:

    Vllt kann man statt Piesinger Kamavuaka probieren. Der hatte ja anscheinend recht ereignisreiche Nationalteamerfahrungen. Vllt kann er davon positiven Schwung mitbringen.

    http://www.sksturm.at/news/?forceMobile=2

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    • Ranger sagt:

      Neben Hadzic hat mir sowieso Kamavuaka am besten gefallen. Das 6-er Duo war bärenstark. FF hat’s wohl anders gesehen!

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    • Ranger sagt:

      Na schau an. Ich glaub der Franzl noch bissl SturmNetz gestöbert, meinen Kommentar gelesen und die Aufstellung im Bezug auf die zwei 6er angepasst 😉

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    • Moe sagt:

      Haha ja hab ich auch grad gsehen, sehr gut! Und Dobras und Horvath spielen beide. Ich bin gespannt.

      Die Verteidigung stimmt so wie hier beschrieben.

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