Kommunikative Unebenheiten

Kaum hallte Heiko Vogels sich selbst und seiner Mannschaft auferlegtes Ultimatum durch den Äther der steirischen Medienlandschaft, schwangen gleichzeitig auch eine mögliche Freistellung und die Namen potenzieller Nachfolger mit. Was zunächst als Kampfansage gelten sollte, wurde spätestens mit dem Abpfiff der 13. Runde, die statt eines verlangten Sieges für den SK Sturm lediglich ein Heimremis gegen Wacker Innsbruck brachte, Gewissheit. Auf der Trainerbank würde es wohl vor der Winterpause noch zu einer weitreichenden Personalentscheidung kommen und am darauffolgenden Montag übernahm Günther Neukirchner interimsmäßig schließlich das Ruder.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie – Roman Mählich war beim ersten Training gut gelaunt.

Noch vor allen anderen Medien wusste die Krone bereits von Roman Mählich als Nachfolger zu berichten und das obwohl Vogels Sitzplatz noch warm war. Eine intensive Vorbereitung auf St. Pölten, eine hitzige Bundesligarunde und vor allem sehr ereignisreiche Pausenminuten später wurde das „Kampfschwein“, wie Präsident Christian Jauk die sympathische Spielerlegende zu bewundern wusste, der Öffentlichkeit präsentiert und in der Tat: Wer an aktive Zeiten Mählichs beim SK Sturm zurückdenkt, wünscht sich dessen damals an den Tag gelegte Tugenden nicht nur auf dem Feld, sondern auch auf der Bank – Kampfgeist, Motivation, unbändiger Wille. Diese Qualitäten, das sei vorweggenommen, darf man sich vom neuen Trainer erwarten, denn ebendiese versprach er bei seinem „Amtsantritt“. Eine solche Begeisterung kann Vogel aber auch nicht in Abrede gestellt werden. Wer ihn als Trainer erlebt hat und seine regelmäßigen Liebesbekundungen über seinen Job mitbekam, weiß um seinen unbändigen „Bock“ auf dieses schöne Spiel, das wir alle so lieben.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Zudem scheint die Mannschaft nach nicht zu leugnenden Startschwierigkeiten unter seiner Ägide langsam in die Spur gefunden zu haben. Der SK Sturm wurde wieder gefährlicher und erarbeitete sich in seinen Spielen letztlich doch einige Chancen, deren effizientere Verwertung wohl zu einem weitaus höheren Punkteschnitt als 1,16 geführt hätte. Kaum jemand, der die vergangenen beiden Spiele gesehen hat, könnte behaupten, dass die Schwoazn nicht alles für einen Sieg gegeben hätten und dabei auch spielerisch wieder attraktiver agierten. Und wer geht wahrlich davon aus, dass Peter Zulj unter einem anderen Trainer seine Schüsse um ein paar Promille genauer abgefeuert und Stefan Hierländer den Ball doch ins beinahe leere Tor geschupft hätte? Zweifelsohne ist eine mentale Komponente mitverantwortlich für diese Misere. Die sieht Günter Kreissl durch einen „Motivator“ wie Roman Mählich begünstigt: „Wir wurden in wenigen bis gar keinen Spielen dominiert. Es wirkt schon so, dass es um Mentales geht und dass der Knoten platzen muss.“ (Sky Talk und Tore, 12. November 2018)

Letztendlich sind es die Punkte in der Tabelle, die am Ende über Meister- oder Qualifikationsgruppe entscheiden, Spielstatistiken hin, Mentalität und Einsatzbereitschaft am Feld her. Eine Entlassung kann mit nur einem Sieg in den letzten 14 Pflichtspielen, dem Cup-Aus und dem niederschmetternden Scheitern in der Europa-League-Qualifikation natürlich argumentiert werden.

Was jedoch fragwürdig anmutet, sind „Unebenheiten“ in der Kommunikation des SK Sturm nach außen und zwar aufgrund teilweise widersprüchlicher Aussagen über die Anbahnung Mählichs Verpflichtung und die besonders betonte Rückendeckung für Vogel vor seiner Freistellung. Während der neue Trainer gegenüber der Kleinen Zeitung nämlich eine Kontaktaufnahme „vor mehreren Wochen“ bestätigte (Kleine Zeitung online am 13. November 2018), sprach Günter Kreissl in der Sky-Sendung Talk und Tore über „das sehr loyale Verhalten des Vereins“ Heiko Vogel gegenüber und die bis zur letzten Sekunde aufgeschobene endgültige Entscheidung über seine Zukunft. Inwiefern dies mit der Tatsache vereinbar ist, dass Mählich offenbar bereits seit einigen Wochen als möglicher Trainerkandidat mit dem Verein in Kontakt stand, ist fraglich und eine Diskrepanz in der Außendarstellung, die einen genaueren Blick wert ist.

Angesichts der sportlich prekären Lage wäre es seitens des Sportdirektors und des Vorstands mit Sicherheit auch fahrlässig gewesen, nicht schon frühzeitig – also lange vor Vogels tatsächlicher Freistellung –­ nach möglichen Lösungsansätzen zu suchen, die nun einmal auch Personalrochaden auf der Betreuerbank beinhalten könnten, aber die zugesicherte und kolportierte Loyalität gegenüber dem nunmehrigen Ex-Trainer wurde dadurch konterkariert, auch wenn seitens des Vereins zwischen laufender Kontaktpflege und tatsächlicher Anbahnung eines Vertrages differenziert wurde.

Am Ende bleibt aus schwarz-weißer Sicht zu hoffen, dass die Pläne der Vereinsführung aufgehen und Sturm mit Mählich endlich auf die Siegerstraße zurückkehrt. Die Marschrichtung und unmittelbare Zielsetzung ist für den neuen Coach jedenfalls klar, nämlich „das nächste Spiel zu gewinnen!“ Möge dieses Vorhaben gelingen!

 

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5 Kommentare

  1. graz4ever sagt:

    Schwieriger Zeitpunkt für einen Trainerwechsel! Mmg hätte nach Larnaka reagiert werden müssen! Jetzt, wo sich die Mannschaft fängt und nur „Millimeter“ zu einem Sieg gefehlt haben, was soll Mählich jetzt anders machen, damit es hinhaut?

    Bin echt gespannt wo das alles hinführt (hoffentlich zu einer Siegesserie)…

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  2. letschi sagt:

    Ich fände es schlimmer, wenn nach 10 – 12 Runden mit katastrophaler Bilanz noch kein Kontakt mit möglichen Nachfolgekandidaten aufgenommen worden wäre.

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  3. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Die Medien wussten es, die Fans wussten es, Kreissl wusste es und Vogel bestimmt auch…

    Im Nachhinein ists halt ne schlechte Optik wennst mit dem Nachfolger schon Wochen lang in Kontakt bist, trotzdem ein Spiel interim machen musst und dabei alle die Nerven weg hauen. Mit der Entlassung warten bis der Trainer einen unüberlegten Halbsatz sagt: Das ist kein Konzept.

    Jetzt zählts halt: Fangen wir jetzt nicht zu gewinnen an wirds auch eng für Kreissl werden, weil Vogel hat zwar nicht gewonnen, aber auch nicht oft verloren…eine Niederlage wäre Gift, da unsere Burschen ohnehin keine Mentalitätsmonster sind. Siegen oder fliegen wie man so schön sagt .

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  4. ljnight2 sagt:

    Irgendjemanden den falschen peter zuschiebn ist auch net richtig..

    Wir hatten die letzten saisone immer glück das die neuverpflichtungen zum großteil eingeschlagn habn..
    Auch hatten wir nie einen so großen verlust von wirklichen stammkräfte und führungsspieler.

    Auch hat ein gratzei und schulz die mannschaft verlassen, die laut vogel sau wichtig für die mentalität der spieler war.
    Die routine und späßchen von schulz und gratzei hat die mannschaft gepusht und bei einer niederlage aufgebaut..
    Die gibt es momentan auch nicht..

    Es ist halt einmal so das man budgetär jetzt dort ist wo man stehen muss.. das der wac hartberg und st pölten einen lauf hat oder hatte kann in einer meisterschaft passieren, bzw waren wir in den letzten 3 saisone die mannschaft die im herbst einen lauf hatten.

    Man muss sich das eingestehen und auf dieses jahr aufbauen.. das man den vogel entlassen hat, versteh ich nicht, da ich so empfinde wie ich oben geschrieben hab.
    Vogel hat auch fehler begangen , in dem er mit einer neuen mannschaft das system verbessern wollte. Das hat er sich eingestanden, in dem er das system wieder auf 4er kette umgestellt hat.

    Es wird noch eine harte saison, aber budgetär ist jede saison eigentlich hart.
    Wir sind sturm und nicht salzburg!

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  5. graz4ever sagt:

    Off-Topic:

    Sturm hat der heuer einen Umsatz von 5,86 Mio € im Bereich Sponsoring gemacht (laut Kl. Zeitung)

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