Übersicht: Der Transfersommer 2017 – Teil 2

Ein Überblick über aller Neuzugänge

Eine weitere intensive Transferperiode ist Geschichte. Sportdirektor Günter Kreissl kann auf eine sehr muntere Wechselperiode zurückblicken, denn nicht weniger als 14 Spieler haben den SK Sturm verlassen – mehr als eine gesamte Startformation. Dieser Fluktuation stehen zehn Neuzugänge gegenüber. Der Kader wurde verringert, man hat sich auf Schlüsselpositionen verstärkt und Ergänzungsspieler abgeben können. Insgesamt musste man 25 Scorerpunkte ersetzten, die bisherigen Neuzugänge konnten in der aktuellen Saison bereits 16 Tore oder Assists beisteuern. Wieder einmal hat man es in Graz geschafft, vorrangig ablösefreie Spieler an die Mur zu lotsen.

Die drei ältesten Neuzugänge befinden sich noch im besten Alter für einen Profikicker, die anderen Spieler sind alle 22 Jahre oder jünger. Die drei „Routiniers“ Siebenhandl, Röcher und Zulj konnten sich sofort in die Stammelf spielen und zeigten ab der ersten Minute an gute Leistungen. Es gelang, den aufgeblähten Kader von 34 Spielern auf 27 zu verkleinern und man büßte dabei nicht merklich an Qualität ein – ganz im Gegenteil. Man darf in Graz auf eine gelungene Transferphase zurückblicken.

Wir haben für euch alle Neuzugänge noch einmal etwas unter die Lupe genommen:

Zugänge
Spieler Position Verein Scorerpunkte 16/17 Spielminuten 16/17 Ablöse
Fabian Weltl Verteidiung Sturm Amateure  –  850 hochgezogen
Michael John Lema Mittelfeld Sturm Amateure  6  1.102 hochgezogen
Jörg Siebenhandl Tor Würzburg Kickers  – 1.544 ablösefrei
Thorsten Röcher Mittelfeld SV Mattersburg  11  2.900 ablösefrei
Peter Zulj Mittelfeld SV Ried  8 2.730 ablösefrei
Fabian Schubert Angriff SV Ried II  342 ablösefrei
Oliver Filip Mittelfeld FC Liefering  10 1.119 ablösefrei
Luan Leite  Verteidigung  FC Liefering  2 1.850 ablösefrei
Patrick Puchegger Verteidigung FC Bayern II  2 1.284 ablösefrei
Ivan Ljubic Mittelfeld SV Horn  5 1.664 ?
Emeka Eze Angriff Rovaniemen Palloseura  9 1.838 75.000

Fabian Wetl

Der Außenverteidiger schaffte es in dieser Saison gegen die Wiener Austria schon auf die Bank. Durchaus überraschend, denn Wetl zählte in der abgelaufenen Saison nicht einmal zum Stammpersonal der Sturm Amateure. Der 19-Jährige konnte Neo-Trainer Joachim Standfest in der Saisonvorbereitung wohl überzeugen, denn bisher verpasste der Sohn von Ex-Blacky Arnold Wetl keine Spielminute in der Regionalliga.

Michael John Lema

Der erst 17-jährige Flügelflitzer schaffte es, sich in der vergangenen Spielzeit bei den Amateuren zu etablieren. Nach einer starken Hinrunde in der U18-Akademie wurde er mit immer mehr Einsätzen in der Regionalliga belohnt. Sechs Treffer später schnupperte er diese Saison erstmals Bundesligaluft, wenn auch nur von der Bank aus. Dem nicht genug traute ihm Foda auch noch die Europa League zu und nahm ihn mit nach Istanbul. Bei den Amateuren läuft es in dieser Saison allerdings noch nicht nach Wunsch. Nach einem starken Saisonauftakt verpasste er zwei Spiele wegen der Nominierung in den Profikader und verlor anschließend seinen Stammplatz im Team.

Jörg Siebenhandl

Der älteste Neuzugang stellte sich die abgelaufene Saison sicherlich anders vor. Nach guten Auftritten in der Europa League folgte ein Wechsel von der Admira zum Kooperationsklub nach Würzburg, jedoch verpasste er es, sich in Deutschland als Stammtorhüter zu empfehlen. Was folgte, waren viele Spiele, die der 27-Jährige nur von der Bank aus verfolgen konnte. Erst durch eine Verletzung von Stammkeeper Robert Wulikowski kam er noch zu Spielminuten, durfte dann aber beinahe die komplette Rückrunde auflaufen, spielte dabei aber nur einmal zu Null und konnte kein Spiel gewinnen. Bei Sturm konnte er sich auf Anhieb gegen Gratzei und Lück durchsetzen und ist aktuell unangefochten die klare Nummer eins der Grazer.

Thorsten Röcher

In Wien schaut man sich gegenseitig fragend an, wie Röcher nur ablösefrei in Graz und nicht bei einem der Wiener Klubs landen konnte. Mit elf Scorerpunkten wusste Röcher bei einem nicht berauschenden Team zu überzeugen und schloss sich diesen Sommern den Blackies an, um nahtlos seine starken Leistungen aus dem Burgenland fortzuführen. Kreissl leistete ganze Arbeit, den Flügelspieler nach Graz zu lotsen, denn die Konkurrenz um den 26-Jährigen war sicherlich nicht klein. Es spricht auch für den Neuzugang, sich bei Sturm in einem familiären Umfeld weiter entwickeln zu wollen und der Hektik eines medial unter großem Druck stehenden Vereins auszuweichen. Nach zehn Spielen steht Röcher bei bereits acht Scorerpunkten – mehr Verstärkung geht kaum.

Peter Zulj

Zulj ist wahrlich kein unbeschriebenes Blatt in Österreich. Nach den Stationen Admira, WAC und Ried fand er schlussendlich den Weg zu einem Verein mit deutlich mehr Fanzuspruch – ein Umstand, der Zulj sichtlich gut tut. Er liebt und braucht die große Bühne, vor 2.000 Fans in der Südstadt zu spielen, reichte ihm nicht mehr. Der Linksfuß kämpfte mit der SV Ried in der vergangenen Saison gegen den Abstieg und konnte seine Qualitäten trotz acht Scorerpunkte nur zu selten zeigen. Die Verantwortlichen in Graz haben Zulj dennoch genauestens analysiert und bei ihm Stärken ausfindig gemacht, welche Sturm aktuell zu dem unglaublichen Höhenflug verhelfen. Mit seinem robusten und extrem ballsicheren Spiel stabilisiert er Sturms Defensive. Dank seiner guten Technik und Übersicht kann er auch den letzten oder vorletzten Pass spielen. Schon oft konnte man in dieser Saison beobachten, wie Zulj quasi aus dem Nichts mit nur einem Pass ganze Defensivverbunde sezierte. Sechs Scorerpunkte sind für einen defensiven Mittelfeldspieler in der noch jungen Saison ein fabelhafter Wert.

Fabian Schubert

Der groß gewachsene Stürmer verpasste verletzungsbedingt beinahe die komplette abgelaufene Saison, ansonsten pendelte er zwischen den Rieder Amateuren und der Ersatzbank der Profis hin und her. Trotz aller Widrigkeiten scort er im Schnitt alle 85 Minuten, also rund einmal pro Spiel. Eigentlich wollte Schubert seine Profikarriere schon für ein Studium beenden, doch dann klingelte sein Telefon. Kreissl überzeugte ihn, man würde mit ihm planen und vorerst bei den Sturm Amateuren vorbereiten. Schubert ergriff die Chance und nutze sie prompt – mit starken Leistungen in der Vorbereitung griff Foda im ersten Pflichtspiel der Saison auf ihn zurück und brachte ihn in der Schlussphase der Europa-League-Qualifikation gegen Mladost Podgorica. Danach folgten weitere Kurzeinsätze – im Cup konnte der Strafraumstürmer sogar schon doppelt treffen. In Ried wusste er die Verantwortlichen nie zu überzeugen, in Graz schaffte „Schubi“ den Sprung aus der Regionalliga in die Europa League.

Oliver Filip

Sturms Risiko wurde in den letzten Jahren bei so machen „Rückholaktionen“ nie wirklich belohnt. Kienast, Stankovic oder Beichler konnten in ihrer zweiten Periode in Schwarz-Weiß nie an frühere Leistungen anschließen. Filip verlor man jedoch schon in der Jugend an die Salzburger, dort entwickelte er sich im Ausbildungszentrum Liefering weiter, um stetig zu reifen. In der vergangenen Saison krönte sich der Leobner nicht nur zum Sieger der Youth Champions League, sondern etablierte sich in der Ersten Liga auch im Erwachsenenfußball. Der 19-Jährige laboriert aktuell an einer hartnäckigen Verletzung, doch schon bald wird man auf eine weitere Option in der Offensive zurückgreifen können.

Luan Leite

Mit Luan fand ein weiterer Leistungsträger der Lieferinger den Weg nach Graz. Neben Oliver Filip schloss sich auch Leite den Grazern ablösefrei an. Der Brasilianer wurde als sechster Innenverteidiger verpflichtet, viele Fans schüttelten ungläubig die Köpfe, doch der Defensivspieler wusste in der vergangenen Spielzeit bei Liefering durchaus zu überzeugen. Der 21-Jährige war einer der Leistungsträger in der Ersten Liga, wurde nur von einer Bänderverletzung vor der Winterpause gebremst. Anschließend fand der Kapitän des Erste-Liga-Teams sofort wieder in die Mannschaft, das letzte Meisterschaftsmonat verpasste er jedoch wieder verletzungsbedingt. In Graz musste man anfangs noch auf seine Arbeitserlaubnis warten, nun durfte Luan aber schon auf der Ersatzbank Platz nehmen. Ein baldiger Einsatz ist für den Brasilianer ob der Dichte in der Innenverteidigung trotzdem nicht in Sicht.

Patrick Puchegger

Als die Gerüchte um einen Abgang von Lykogiannis immer lauter wurden, verpflichtete man mit Puchegger einen defensiv universal einsetzbaren Spieler. Der Österreicher kann als Links- und Innenverteidiger eingesetzt werden, wobei er in Deutschland bereits alle Positionen der Viererkette bekleidete und auch im linken Mittelfeld auflief. Bei den Amateuren des deutschen Rekordmeisters Bayern München konnte sich der 22-Jährige für Sturm Graz empfehlen. In der aktuellen Saison wurde Puchegger bereits geprüft: Zusammen mit dem erst 17-jährigen Dario Maresic organisierte er die Defensive in den Begegnungen mit der Wiener Austria und dem SV Mattersburg, und das ohne aufzufallen – ein gutes Zeichen für einen Innenverteidiger.

Ivan Ljubic

Im Team von Investor Keisuke Honda kämpfte Ljubic nach dem Aufstieg mit dem SV Horn im Jahr 2016 verbittert gegen den Abstieg aus Österreichs zweithöchster Spielklasse, doch am Ende musste man wieder den Gang in die Regionalliga antreten. In 20 Einsätzen gab er in der abgelaufenen Spielzeit durchaus einige Talentproben ab, in der Winterpause verletzte sich der Österreicher jedoch und verpasste dadurch einen Großteil der Rückrunde. Nach der Verpflichtung wurde Ljubic sofort weiterverliehen, um sich in Wiener Neustadt mit viel Spielpraxis auf Sturm Graz vorbereiten zu können.

Emeka Eze

Hoch aus dem Norden, genau genommen aus der Heimatstadt des Weihnachtsmannes, kam der junge Nigerianer nach Graz – ein Kulturschock würde eigentlich niemanden überraschen. Eze ist ein bulliger Stürmer, der laut Kreissl auch über die notwendige Technik und Geschwindigkeit verfügt. In der abgelaufenen Saison erzielte er bei Rovaniemen Palloseura sieben Treffer in Finnlands höchster Spielklasse und belegte damit den 14. Platz der Torjägerliste. Der 20-Jährige soll in den nächsten Wochen das Spielsystem verinnerlichen und ist wohl mehr eine Investition in die Zukunft als eine sofortige Verstärkung.

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2 Kommentare

  1. graz4ever sagt:

    Schade, daß man nur einen wählen kann, denn Röcher+Zujl sind mmg gleichauf zurzeit und könnten beide für uns nochmal echt lukrativ werden..genauso wie – zur Zeit natürlich noch a Menge Abstrichen – Filip, wenn er fit wird und sein Potenzial wirklich ausspielt (dann wird uns der Schmid-Transfer viell netmehr so wehtun 😉 )

    No was ganz anderes: so stark sich Siebenhandl bis jetzt auch präsentiert, kam mir alles in allem, Gratzei letzte Saison doch ein wenig sicherer vor..

    Muss aber wirklich nomal dazufügen, daß Siebenhandl sich bis jez absolut nix zu schulden kommen hat lassen+dies keine Kritik an ihm sein sollte!!!

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    • Jimmy sagt:

      Zwecks Siebenhandl, weil dus ansprichst: Grad was das Spiel mit dem Fuß betrifft (was bei Gratzei ununterbrochen kritisiert wurde), ist Siebenhandl mMn nach um fast nix besser. Weiß gar nicht, wie viele Bälle er in den letzten Spielen unbedrängt ins Out befördert hat. Auch bei hohen Bällen zeigt er immer wieder Unsicherheiten, im 1 gegen 1 geht er manchmal mit den Füßen anstatt mit den Händen hin, was auch schon zu brenzligen Situationen geführt hat. Für mich, bis jetzt, maximal ein Durchschnittstorwart – aber so lang er keine großen Böcke schießt, sollt das ja auch reichen. 😉

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