Über Zypern in die Königsklasse

Die CL-Qualifikation der Sturmdamen beginnt

Weniger als ein Jahr ist es her, als man in Graz-Liebenau zum letzten Mal die Champions League Hymne hören durfte. Die Damenmannschaft des SK Sturm Graz hatte sich letztes Jahr zum ersten Mal für die CL-Hauptrunde qualifizieren können. Dort war dann im Sechzehntelfinale Endstation, der FC Zürich erwies sich als übermächtiger Gegner. Bereits Anfang Oktober könnte es wieder soweit sein, dann könnte der große europäische Fußball nach dem Ausscheiden der Herren noch ein zweites Mal in Graz Station machen, nämlich dann wenn sich die schwarz-weißen Damen im Qualifikationsturnier zur UEFA Women’s Champions League durchsetzen können.

Nach einem engen Saisonfinish, bei dem der CL-Platz erst in der allerletzten Runde durch einen überraschenden Ausrutscher des SV Neulengbach beim USC Landhaus gesichert werden konnte, steht ab heute Dienstag wieder europäischer Fußball am Speiseplan der Sturmdamen. SturmNetz wirft einen Blick auf die kommenden Spiele. Unterstützt werden wir dabei von Fußballjournalist und Frauenfußballexperte Philipp Eitzinger. Er hat für die großartige Website ballverliebt.eu unter anderem auch die gesamte Frauen-EM begleitet, und gibt hier für SturmNetz seine Einschätzungen ab.

Das Format

Die UEFA Women’s Champions League läuft etwas anders ab als die Champions League der Männer, und auch die Qualifikation ist anders konzipiert. Die teilnehmenden 32 Teams werden nicht durch vier Qualifikationsrunden mit Hin- und Rückspiel ermittelt, sondern durch insgesamt 10 Qualifikationsturniere mit jeweils vier Mannschaften. Fix qualifiziert sind die zwölf Meister und neun Vizemeister der besten Ligen gemäß der UEFA Frauenverbandsrangliste. Österreich liegt in dieser Rangliste momentan auf Platz Zehn, dies liegt zu einem großen Teil an den europäischen Erfolgen des ehemaligen Ligakrösus aus Neulengbach, der 2013/14 sogar das Viertelfinale erreichen konnte. 

Zu diesen fix qualifizierten 21 Teams stoßen noch elf Mannschaften aus den Qualifikationsturnieren hinzu, dies sind die jeweiligen Gruppensieger sowie der beste Zweitplatzierte, wobei das Spiel gegen den Gruppenletzten aus der Bewertung herausgenommen wird. Jedes Qualifikationsturnier hat ein Team als Ausrichter und wird innerhalb von sieben Tagen in der jeweiligen Ausrichterstadt ausgetragen. Innerhalb der Gruppe spielt jeder einmal gegen jeden.

Die Gegner

FC Noroc Nimoreni (Moldawien) – 22.08., 20:00 MESZ

Zunächst spielen die Damen gegen den dreifachen moldawischen Meister FC Noroc Nimoreni. Der Kader besteht ausschließlich aus Moldawierinnen, im (eh schon nicht besonders herausragenden) moldawischen Nationalteam findet man allerdings keine Spielerin aus Nimoreni. Daher ist es auch schwer möglich, irgendeine Spielerin besonders hervorzuheben. Im letzten Jahr gab es für Noroc gegen die Vertreter aus Portugal, Serbien und Kroatien drei Niederlagen. Auch Eitzinger sieht die Sturmdamen hier klar in der Favoritenrolle.

Sturm muss Nimoreni und Sofia schlagen. Punkt. Und zwar deutlich. – Philipp Eitzinger

FC NSA Sofia (Bulgarien) – 25.08., 16:45 MESZ

Am Freitag treffen die Damen dann auf den vierzehnfachen bulgarischen Meister FC NSA Sofia. Bis auf eine griechische Torhüterin besteht der Kader ausschließlich aus Bulgarinnen. Hier gibt es ebenfalls keine aktuellen Nationalspielerinnen im Kader, dies liegt aber daran, dass es im Moment kein bulgarisches Frauennationalteam gibt. Im Gegensatz zu Nimoreni hat man international bereits Spiele gewonnen, so u.a. gegen den estnischen, walisischen und färoischen Meister, dennoch sollten auch die Bulgarinnen für Sturm keine allzu große Hürde darstellen.

Apollon Limassol (Zypern) – 28.08., 17:00 MESZ

Der letzte Gegner im Qualifikationsturnier stellt zugleich die größte Hürde dar. Das Spiel am Montagnachmittag könnte das Finale um den Aufstieg werden. Der zypriotische Serienmeister (neun Titel, seit 2008/09 durchgehend) hat nicht nur den Vorteil vor heimischem Publikum aufzutreten, sondern auch einen mit Legionarinnen gespickten Kader, der laut Eitzinger einiges an Qualität hat.

Apollon Limassol ist mindestens auf eine Stufe mit Sturm zu stellen und definitiv der Brocken, den es aus dem Weg zu räumen gilt – Philipp Eitzinger

Apollon hat bedingt durch den Serienmeisterstatus auch einiges an internationaler Erfahrung, man konnte die Qualifikationsturniere auch schon des Öfteren als Sieger verlassen. Letztes Jahr setzten sich die Zypriotinnen (ergänzt durch vier Amerikanerinnen und je eine Griechin, Malteserin, Engländerin und Schwedin) gegen die Meister der Färöer, Kosovo und Griechenland durch, und scheiterten im Sechzehntelfinale nur knapp gegen Slavia Prag. In der Saison 2013/14 traf man im Sechzehntelfinale auf den SV Neulengbach, die Niederösterreicherinnen konnten sich damals nur mit großer Mühe durchsetzen (Analyse dazu). 

Das Stadion

Auch der Heimvorteil wird Apollon sicher nicht schaden, gespielt wird das gesamte Qualifikationsturnier nämlich in Nikosia, der Hauptstadt Zyperns. Sturm spielt alle drei Partien im Makario Stadium, es ist davon auszugehen dass zumindest in den ersten zwei Begegnungen wohl nicht alle 12.000 Plätze besetzt sein werden.

(c) panoramio.com, User zhivik89

Und Sturm?

Im Optimalfall können die Sturmdamen die ersten beiden Partien zum „Warmschießen“ nutzen, im allerbesten Fall sogar mit einem besseren Torverhältnis als Apollon, dann sollte für den Aufstieg auch ein Unentschieden reichen. Dafür sicher nicht förderlich ist der im Sommer erfolgte Abgang von Stefanie Enzinger zum SKN St. Pölten, gilt diese doch für Eitzinger (und viele andere) als „beste österreichische Stürmerin in der Liga„. Viel wird nun von der jungen Linksaußen Kathi Naschenweng abhängen, die im Sommer gemeinsam mit Enzinger auch beim Sommermärchen der ÖFB-Damen in den Niederlanden dabei war. Naschenweng gilt als riesengroßes Talent, Eitzinger geht sogar soweit zu sagen, dass sie eigentlich „viel zu gut für die Liga“ ist und „längst in Deutschland spielen sollte“.  

Das Eröffnungsspiel in der Bundesliga lief noch nicht so ganz nach Plan, man startete mit einem 0:0 gegen den letztjährigen Tabellensechsten SKV Altenmarkt (hier unsere Meldung) in die Saison. Nichtsdestotrotz blickt das Team voller Vorfreude und Motivation auf die Champions League Qualifikation, wie Kapitänin Anna Carina Kristler gegenüber sksturm.at sagt: „Unser Ziel ist natürlich die Qualifikation für den Hauptbewerb.“ Der neue Cheftrainer Christian Lang  gibt ebendort auch das Saisonziel aus: „Man hat bei der EM gesehen, wie man die Menschen für Frauenfußball begeistern kann. Das haben wir letztes Jahr gegen Zürich geschafft. Ziel muss es aber sein, auch bei den Spielen in Messendorf nach und nach mehr Zuseher auf die Tribünen zu bringen.“

Der letztjährige Meister St. Pölten ist übrigens direkt für das Sechzehntelfinale qualifiziert, dort ist man (wie auch der SK Sturm im Falle einer Qualifikation) allerdings ungesetzt und würde somit einiges an Losglück benötigen, um die Runde zu überstehen. Sturm würde für ein erfolgreiches Weiterkommen im Sechzehntelfinale laut Philipp Eitzinger überhaupt ein „gigantisches Wunder“ benötigen. Zuerst eine starke Leistung in der Quali, dann ein gigantisches Wunder, wenn Donald Trump US-Präsident werden kann, dann sollte doch auch das möglich sein. Wir drücken jedenfalls die Daumen!

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar