Last-Minute-Traumtor bringt Sieg gegen Ried

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. SV Ried

„Am Samstag hat es so ausgesehen, als müsste der Mannschaftsarzt die Aufstellung für Dienstag vornehmen“, scherzte Christian Ilzer vor dem Start einer weiteren englischen Woche. Nichtsdestotrotz konnte der Trainer des SK Sturm am Dienstagabend gegen die SV Ried beinahe aus dem Vollen schöpfen. Neben dem noch rekonvaleszenten Vincent Trummer fehlte nur Jon Gorenc-Stankovic aufgrund einer Gelbsperre. Auch Neuzugang Kelvin Yeboah war erstmals im Kader, nahm aber vorerst auf der Bank Platz. Statt Gorenc-Stankovic startete Ivan Ljubic, ansonsten blieb die Aufstellung im Vergleich zum knappen Cup-Erfolg gegen die Vienna die selbe. Rieds Neo-Coach Miron Muslic änderte seine Startelf nach dem 0:0 gegen die Admira auf zwei Positionen – Daniel Offenbacher und Bernd Gschweidl kamen für Manuel Kerhe und Markus Lackner zum Einsatz. Rieds neuer Stürmer Patrick Schmidt, der vom FC Barnsley ausgeliehen ist, sah vorerst zu.

Heißer Beginn auf kaltem Boden

Bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt und leichtem Schneefall ging es fulminant los. Bereits nach wenigen Sekunden fanden die Gastgeber eine Doppelchance vor – erst konnte sich Kevin Friesenbichler bis in den Strafraum durchtanken, Ried-Keeper Samuel Sahin-Radlinger lenkte die Kugel an die Stange, dann scheiterte auch Andreas Kuen aus kurzer Distanz. Doch die Oberösterreicher versuchten über den Kampf ins Spiel zu finden und setzten so von Beginn an auf ein körperbetontes Spiel. Bis zur nächsten Möglichkeit dauerte es einige Minuten, doch dann zappelte der Ball nach zehn gespielten Minuten im Netz. Sturm löste sich geschickt aus der eigenen Hälfte, erst blieb Friesenbichler noch hängen, über Jusuf Gazibegovic landete der Ball bei Stefan Hierländer. Der Kapitän legte mustergültig für Otar Kiteishvili ab und der Georgier versenkte die Kugel leicht abgefälscht im langen Eck – 1:0.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Ried versuchte den Gegenschlag einzuleiten und suchte Gschweidl und Marco Grüll mit langen Bällen. Sturms Abwehr ließ sich nicht beirren und blockte die beiden Angreifer geschickt. Vier Minuten nach dem ersten Treffer, gelang Kiteishvili beinahe der zweite, Rieds Ante Bajic konnte im eigenen Fünfmeterraum gerade noch klären. Die erste Chance für die Gäste gab es nach 16 Minuten nachdem David Nemeth einen Freistoß verschuldete. Der anschließende Kopfball ging aber klar über das Tor. Das Spiel flachte trotz erhöhter Lautstärke auf Seiten der Rieder etwas ab und fand hauptsächlich zwischen den beiden Strafräumen statt. Nach 25 Minuten waren es dann wieder die Aufsteiger mit einem Distanzschuss, der den wohl bereits erkalteten Jörg Siebenhandl jedoch kalt ließ. Im nächsten Moment setzte Hierländer einen Kopfball am Tor vorbei. Etwas mehr als eine halbe Stunde war gespielt als es Ivan Ljubic mit einem Schuss außerhalb des Sechzehners versuchte, Gefahr kam keine auf. Für diese sorgte auch Jakob Jantscher nicht, sein Freistoß in Minute 43 traf nur die Mauer. Kurz darauf zog Ljubic nach einer Ecke ab, diesmal verfehlte er nur knapp den Kasten. Dann ging es in die Pause.

Kämpferische Rieder machen Sturm das Leben schwer

Wie in der ersten Hälfte startete Sturm mit einer Mehrfachchance – Ljubic knallte die Kugel knapp innerhalb des Strafraums direkt auf Sahin-Radlinger, Kuen setzte den zweiten Versuch über das Gehäuse. Kurz darauf kam wieder Ljubic zu einer Riesenmöglichkeit – nach einem Konter der Grazer setzte sich Kiteishvili auf der linken Seite durch und Sturms Nummer 30 scheiterte am Pfosten. Und dann hätte es spätestens nach 50 Minuten 2:0 stehen müssen. Kiteishvili konnte erneut über links durchstarten und bediente Friesenbichler mustergültig. Der Stürmer verarbeitete den Ball gekonnt, scheiterte aber am Rieder Schlussmann. Und als es sich die Grazer vor dem Gäste-Strafraum gemütlich machten, konterten sich die Gäste zum Ausgleichstreffer. Grüll wurde auf die Reise geschickt, Nemeth erreichte den Shootingstar der Oberösterreicher nicht mehr und der lupfte aus 25 Metern die Kugel über Jörg Siebenhandl ins Tor – 1:1.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Die Rieder rochen ihre Chance und spielten weiter nach vorne. Nach 55 Minuten war es Ex-Blacky Offenbacher, der das Spielgerät knapp am langen Pfosten vorbeilegte. Etwas mehr als 60 Minuten waren gespielt, als dann Kelvin Yeboah erstmals im Sturmdress den Liebenauer Rasen betrat. Wenige Sekunden später hatte Jantscher nach einer Dante-Flanke die Führung auf dem Kopf, verfehlte sein Ziel jedoch um einige Meter. Sturm wollte nachsetzen, tat sich gegen die robusten Rieder allerdings schwer, während diese auf Konter lauerten. In Minute 75 hätte sich Yeboah beinahe erstmals in Szene gesetzt, doch Sahin-Radlinger kam gut aus seinem Tor und erreichte den Steilpass vor dem Grazer Neuzugang. Zehn Minuten vor Schluss stellte Ilzer nochmal um, brachte Lukas Jäger und Bekim Balaj für Kuen und Jantscher. Doch die nächste Chance fanden die Rieder vor, nach einem fatalen Ballverlust von Nemeth konterten die Gäste, Wüthrich konnte den Angriff nur noch mit einem Foul vor dem Sechzehner stoppen und sah folgerichtig gelb. Der Freistoß segelte anschließend an Freund und Feind vorbei. Kurz darauf konnte Siebenhandl einen Kopfball nach dem nächsten ruhenden Ball für die Rieder entschärfen. In Minute 86 bekamen dann die Grazer einen Freistoß in der gegnerischen Hälfte zu gesprochen. Nach einem wilden Gestocher kam schlussendlich Nemeth an den Ball, sein Abschluss fiel aber zu zentral aus.

Lucky Punch zum Sturm-Sieg

Dann waren die Rieder knapp dran am Führungstreffer, eine Ecke der Oberösterreicher knallte an die Torumrandung. Zuvor wollten die Rieder noch ein Handspiel gesehen haben, Schiedsrichter Sebastian Gishamer blieb aber stumm. Als bereits die Nachspielzeit angebrochen war, hätten auch die Grazer gerne einen Elfmeterpfiff gehört, Gishamer winkte ab. Kurz vor Schluss konnte auch Hierländer im Fünfmeterraum den Ball nicht im Tor unterbringen. Und quasi mit dem Schlusspfiff bekam Kiteishvili noch einen Freistoß aus aussichtsreicher Position zugesprochen, und es sollte heute einfach sein: Gazibegovic trat an und zirkelte die Kugel unhaltbar ins Kreuzeck. 2:1 in der letzten Sekunde.

Gazibegovic machte den Unterschied | (c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Damit holte sich der SK Sturm drei Punkte im Heimspiel und sicherte so Rang drei ab. Am kommenden Sonntag kommt es dann zum direkten Duell mit dem LASK.

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10 Kommentare

  1. ouwageil sagt:

    Gazibegovic, was für ein Held!!!

    Kiteishvili unglaublich stark, der hat gekämpft wie ein Wilder und alles gegeben und wollte den Sieg unbedingt!

    Supa Burschen!!!!

    +22
  2. Melvinuss sagt:

    Tolle Moral, bis zur letzten Minute gekämpft und den Sieg unbedingt gewollt. Verdienter Sieg, auch wenns letztendlich durch ein Last Minute Tor sehr glücklich war. Ried hat gut dagegen gehalten, das war nicht easy heute. Mit etwas mehr Entschlossenheit im Abschluss wäre das Spiel aber auch schon früher entschieden gewesen.

    Auf die Schwoazn!

    +11
  3. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Danke Gazi!

    Die Moral stimmt nur schießen wir keine zweiten Tore mehr…wenn man sich die Torschüsse anschaut dann fragt man sich schon. Hoffentlich kann der neue Mann den Konkurrenzkampf im Sturm entfachen. Aber meiner Meinung nach wirds den nicht groß geben wenn ich mir die Effizienz ansehe.

    Ein bisschen mehr Rotation wäre schön. Dante heute nicht den besten Tag, Jantscher auch nicht…ich glaube die brauchen auch Mal eine Pause. Nicht nur körperlich sondern auch mental.
    Wäre auch interessant zu erfahren wie weit Mwepu ist. Ist immerhin schon ein halbes Jahr da und scort in diesen „Zwischendurch“ Testspielen brav. Selten im Kader bei der offensiven Konkurrenz ist eher auffällig.

    +5
  4. bianco nero tifoso bianco nero tifoso sagt:

    Da Gazi,a Traum.

    +2
  5. rio sagt:

    Absolut verdienter Sieg, der eigentlich schon in der 1. HZ abgesichert werden hätte sollen. Spannung wurde letztendlich nur durch die miese Chancenauswertung und einem (!) Abwehrfehler ermöglicht. Wobei das Niveau, selbst für österreichische Verhältnisse, der Partie ein Überschaubares war. Vielleicht löst der „last minute“ -Treffer ja wirklich den Knoten und es geht wieder voran ……..

    +1
  6. Marchanno Diaz Rabihou sagt:

    vielen dank an gott, die heilige corona, die bundesliga, die regierung oder wen auch immer – bei diesen momenten wäre ich sehr gerne im stadion. 95 minute, traumhafter siegestreffer vor der nord. stell sich das einer vor – dafür geht man ins stadion….

    +16
  7. Supersturm sagt:

    Bin natürlich auch superhappy, dass der verdiente Sieg letztendlich doch eingefahren wurde : )
    Frage an die Runde: hat irgendjemand eine Analyse gesehen, in der klar ersichtlich war, dass der Ball beim Tor der Rieder mit vollem Umfang hinter der Linie und somit korrekt war? In den Zeitlupen-Aufnahmen auf Sky hab ich es nicht deutlich gesehen – und der Schiri bzw. sein Assistent konnten es aus Ihrem Blickwinkel auch schwer bis gar nicht sehen..

    Ist im Endeffekt egal, aber das Gegentor hat sichtlich den Faden reißen lassen und hätte uns beinahe 2 Punkte gekostet

    0
    • Nimrod sagt:

      Genaues könnte nur der VAR sagen. Da sich aber die Proteste in Grenzen hielten, wird es wohl ein Tor gewesen sein.

      0
    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Gibt es für sowas nicht das Hawk-Eye System?

      Frage mich warum wir die Technik nicht anwenden wenn unsere Schiris sichtlich überfordert sind.

      +1
    • RAM6I sagt:

      @Schworza99:
      Ist geplant ab März 2021 für 3,5 Jahre hat die Fa. Hawk-Eye den Zuschlag für die Bereitstellung der Videoanalyse bekommen.

      +1

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