The End

Als die Welt scheinbar unterzugehen schien (Cup-Halbfinalniederlage gegen den SKN St.Pölten, 2014)

Waiting for the summer rain

Wir schreiben das Jahr 2012, als Franco Foda nach einem Cup-, sowie Meistertitel den gewünschten Erfolg nicht fortsetzen kann und der SK Sturm im Pokal zu Hause gegen den TSV Hartberg blamabel ausscheidet, wird der Deutsche von Paul Gludovatz beurlaubt. In der Folge sollte Peter Hyballa übernehmen und versuchen, den Verein auf vielen Ebenen umzukrempeln, jedoch schien man für diesen Paradigmenwechsel noch nicht bereit zu sein. Vielleicht auch weil selbiger zu radikal vollzogen wurde. Über die Gründe darf man lang und breit diskutieren, doch dies soll hier nicht näher ausgeführt werden. Jedenfalls scheiterte die Modernisierung des SK Sturm Graz grandios und somit ging man in Messendorf wieder auf Trainersuche.

Can you picture what will be, so limitless and free
Desperately in need, of some, stranger’s hand
In a, desperate land

Die Sehnsucht nach Ruhe und Kontinuität schien schier grenzenlos zu sein und tatsächlich gelang im Sommer 2013, der große Coup mit der Verpflichtung von Darko Milanic. Der Slowene war der heißersehnte Nachfolger auf Seiten der Fans. Nahezu alle ließen sich von den großen Erfolgen beim NK Maribor blenden, selbst der Autor dieser Zeilen, denn die Spielweise, mit welcher diese zu Stande kamen, darf durchaus als eher destruktiv bezeichnet werden. Die Errungenschaften des Darko Milanic seien keinesfalls zu schmälern, jedoch sollen zumindest zwei Argumente aufgezeigt werden, die erklären, weshalb es bei Sturm womöglich für alle Beteiligten nicht nach Wunsch verlaufen ist. Da die anderen Mannschaften in der slowenischen Liga mit der Qualität der Violetten nicht einmal annähernd mithalten konnten und international die oben angeführte Spielanlage oftmals zum Erfolg führen kann, liegen die Faktoren für den Erfolgslauf des ehemaligen Sturm-Innenverteidigers, nach Meinung des Autors, auf der Hand. Selbstredend spielen einige weitere Komponenten eine gewichtige Rolle, alle detailliert zu analysieren, würde den Rahmen jedoch sprengen.

Die obige Einleitung, sollte dazu dienen, sich noch einmal an die Stimmungslage der Saison 2014 zurückzuerinnern, denn SturmNetz beleuchtet vielleicht passend zum aktuellen Befinden ein Spiel, welches charakteristisch für die Ära Milanic und den gezeigten Fußball in Graz-Liebenau der letzten Jahre ist. Im Normalfall versuchen wir unseren Lesern stets positive Erlebnisse in Erinnerung zu rufen, da dem Autor selbiges jedoch nach den bisher gezeigten Leistungen im Frühjahr äußerst schwer fällt, hat er sich entschlossen, Gegenteiliges zu tun. Denn Sturm deckt nicht nur im Leben des großen Ivica Osim, alles was weiß ist, sondern auch alles, was schwarz ist. Passend dazu und zum nächsten Gegner der Grazer, die Cup-Halbfinalniederlage gegen den SKN St. Pölten, anno 2014.

Lost in a St. Pöltish wilderness of pain
And all the children are insane

Wochenlang fieberte man der letzten Chance, eine verkorkste Saison noch zu retten entgegen, denn ein Sieg über den niederösterreichischen Zweitligisten, würde genügen, um das Europacupticket zu lösen. Auf Seiten der Fans wurden die letzten Kräfte mobilisiert und man war sogar dazu bereit, die niveauarmen Ligaspiele zu vergessen, um sich nur auf St. Pölten zu fokussieren. So machten sich um die 2.000 Sturm-Aficionados auf den Weg zum Triumph. Dass die Schwarz-Weißen diese Partie auch nur ansatzweise verlieren könnten, stand nicht zur Debatte. Vor dem Match zeigten die mitgereisten Anhänger eine schöne Choreo bestehend aus Fahnen und Pyrotechnik, um sich noch vor dem Anpfiff optisch und auch akustisch bemerkbar zu machen –  da konnte einem schon die Gänsehaut aufsteigen. Spätestens jetzt war klar, dass in der NV Arena nichts anbrennen durfte, denn die Schlachtenbummler müssten doch ein ungemein positives Gefühl auf die Mannschaft übertragen, so hoffte man zumindest.

Gegenteiliges war der Fall, denn in der Anfangsphase, zeichneten sich die Grazer hauptsächlich durch Verunsicherung und Ballverluste aus. St. Pölten kam giftig aus der Kabine und so überraschte es nicht, dass die einzig gefährlichen Torchancen auf das Konto der Wölfe gingen. Zuerst lässt Mirnel Sadovic Nikola Vujadinovic aussteigen und scheitert an Benedikt Pliquett, einige Minuten später ist es selbiger, der sich von der Nervosität seiner Vorderleute anstecken lässt und einen fürchterlichen Fehlpass produziert. Dominik Hoffmann platziert das runde Leder aus der Distanz neben das leerstehende Tor – ein Raunen geht durch den Grazer Fanblock. Einzig David Schloffers Abschluss in der 15. Spielminute, darf als kleines Lebenszeichen gewertet werden. Fassungslosigkeit macht sich breit. In einem so wichtigen Spiel von einem Zweitligisten nahezu dominiert zu werden, das ist eines SK Sturms nicht würdig.

Nach Seitenwechsel sollte sich die Partie zumindest ansehnlicher gestalten, es war ein ausgeglichenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Immer wieder probiert Marco Djuricin,  gefährlich zu werden und zu Torabschlüssen zu kommen. St. Pölten zwar nicht mehr ganz so giftig, wie in Halbzeit eins, aber trotzdem gefährlich. Kurz vor dem Abpfiff pariert Pliquett noch einen gefährlichen Distanzschuss von Dober. Es geht in die Verlängerung und mittlerweile kennt die Nervosität sowohl auf als auch abseits des Platzes keine Grenzen mehr. In der 97. Spielminute ist es dann so weit, Sturm wird für sein passives Spiel bestraft: Pliquett mit der nächsten Unsicherheit. Er lässt einen scharfen, flach getretenen Dober-Freistoß genau vor die Füße Gary Noels prallen und dieser staubt zum verdienten 1:0 ab. Erst danach stemmen sich die Schwarz-Weißen gegen die drohende Niederlage und vergeben Chancen durch Beichler, Wolf und Djuricin. Es sollte bei diesem Ergebnis bleiben. Abgerundet wurde das Ganze noch durch Sturmfans, die am Spielfeld ihrem Ärger freien Lauf ließen. Zwar keinesfalls gutzuheißen, aber dass bei Szenen, wie dem locker lässigen zur Eckfahne stapfenden Florian Kainz bei 0:1-Rückstand, einem schon einmal die Sicherungen durchbrennen, ist vielleicht irgendwo sogar nachvollziehbar. Weltuntergangsstimmung par excellence.

The end of laughter and soft lies

Spätestens nach dieser Niederlage kann das Kapitel Milanic in Graz als gescheitert betrachtet werden. Unverständlicherweise zog man jenes dennoch in die Länge, war den Verantwortlichen wohl der Wunsch nach Kontinuität und Ruhe zu wichtig – nach all den turbulenten Jahren zwar nachvollziehbar, aber mit dem Slowenen an der Seitenoutlinie und seinem veralteten System, welches zu sehr dem Ende der Foda Ära ähnelte, nicht durchführbar. Ironie des Schicksals war damals, dass der englische Traditionsverein Leeds United, dem SK Sturm Milanic abnahm und als Nachfolger genau jener Mann präsentiert wurde, den man aufgrund seiner unattraktiven Spielweise und des sturen Charakters zwei Jahre zuvor absägte. Wie viel sich an der taktischen Ausrichtung des SK Sturm geändert hat, muss jeder für sich selbst abwägen. Fakt ist, am Sonntag geht es wieder auswärts gegen den SKN St.Pölten und es handelt sich abermals um eine Partie mit Endspielcharakter.

 

12 Kommentare

  1. Marchanno Diaz Rabihou sagt:

    Es kann ja auch “riders on the storm“ werden:

    Wir träumen von einem wieder geborenen UrsprungWo unsere Seelen frei fliegenLass uns unser eigenes Schicksal wählenReiter des Sturms – eins mit dem Wind, Verteidiger der SchöpfungReiter des Sturms – ausgerichtet nach der SonneSprecht das Wort des UntergangsRufe nach Donner verlange nach RegenLasst uns unseren Ursprung treffenRette uns vom entsetzlichen Schmerz

     

    Offene Frage: WER ist der Retter ??

    2+

  2. flachzange sagt:

    Ooooh der Beitrag! Kommt‘ her, lasst euch umarmen!

    2+

  3. wama sagt:

    eine weitere peinliche vorstellung samt niederlage in st. pölten würde schon mal eine gewisse unruhe bei den sturmverantwortlichen auslösen.wenn dann noch die beiden darauffolgenden heimspiele gegen altach vor nur mehr 6500 und rapid vor nur mehr 7500 fans in die hose gehen, wird dem vorstand keine andere wahl mehr bleiben als foda zu beurlauben. wäre zwar schade um einen großen teil der eben eingenommenen transfererlöse, aber man musste ja diesen trainer eben erst unbedingt um 2,5 jahre verlängern.

    mal ganz ehrlich: als fan fällts einem mittlerweile unfassbar schwer, seinem verein unter diesem trainer erfolg zu wünschen…

    tritt das unwahrscheinliche doch mal ein und sturm ist fodabefreit, würde ich lederer eine chance geben.

     

     

     

    4+

    • graz4ever sagt:

      Barisic..

      0

    • Marchanno Diaz Rabihou sagt:

      Holger Stanislawski

      2+

    • lollo sagt:

      Die einzige Möglichkeit Foda los zu werden, wäre wenn Kreissl eine EL-Klausel eingebaut hätte. Aber bevor der Lord so eine Klausel zulässt, friert die Hölle zu, Nagl tritt als Bürgermeister zurück und Sturm feiert den Meistertitel 2016/17……im Girardikeller.

      0

    • Manuel Lampl sagt:

      Was für schwachsinnige Trainernamen hier fallen ist ja echt zum lachen. Barisic? Dein ernst? Da kann man fast augenkrebs bekommen.

      Kein urgestein eines anderen Vereines wäre wünschenswert!

      Wünschen wir uns doch gleich einen Dieter Ramusch als Trainer!

      Lederer, Barisis und stani? Saufts weiter burschen, ihr seid lustig wenn ihr trinkt 🙂

      1+

    • black_aficionado sagt:

      Barisic hat eben erst in der Türkei unterschrieben, den werden wir nicht bekommen 😉

      Ich bin auch unfassbar stark pro Lederer! Der war mir zwar noch nie sympathisch, aber was der so von sich gibt, das hat Hand und Fuß (auch wenn das der Schoko Schachner vl anders sieht 😉 )

      @Lampl: Deine Sorgen möchte ich haben! Was dabei rauskommt, wenn man sich nur „eigene“ Leut, mit schön viel Stallgeruch auf die Bank setzt, das müssen wir vermutlich nicht näher diskutieren, oder?
      Übrigens, selbst der große Osim hatte seinen Stammverein, und der war sicher nicht in Graz…

      2+

    • Marchanno Diaz Rabihou sagt:

      Ja leider, so weit simma gekommen – is ja wirklich fast egal wer kommt, Hauptsache…

      Spiele immer grauslicher

      Zuschauer immer weniger

      Die Frustschreiben hier im Forum immer länger

      Ich sag von mir aus auch ja zu Mario Basler – Spielweise kann nicht schlechter sein, sagt den ganzen Besserwissern und Dreinrednern das sie die Fresse halten sollen, kann uns ab und zu sicher ein schmunzeln herauslocken (fehlt wahrscheinlich am meisten)

      1+

    • graz4ever sagt:

      @manuel lampl

      Dann erleuchte uns Unwissenden doch bitte mit deiner strahlenden, unfehlbaren u einzig wahren Weisheit..

      Ansonsten bin i totalst bei @black_aficionado (dem ich auf diesem Weg für die Barisic-Info danke, da ich das net mitbekommen hab)

      0

  4. wama sagt:

    und an kai reinisch: weltklasse, dieser beitrag!!!couragiert und megaklar.

    3+

  5. Neukirchner sagt:

    Das Festhalten an Milanic ähndelt ja…..
    Oh wait!!! Milanic war zumindest ein cooler, entspannter Typ und hat es geschafft, gleich bei seinem ersten Hearing einen Klubpräsidenten überzeugen. Der Lord hingegen scheitert diesbezüglich ja ständig.

    Guter Artikel Herr Reinisch!

    3+

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