„Surprise, surprise“

Spielercheck: SK Sturm Graz vs. TSV Hartberg

Die SturmNetz-Leserbewertungen der einzelnen Spieler sowie des Trainers und des Schiedsrichterteams der letzten Partie sind abgeschlossen und alle Einsendungen sind ausgewertet. Wir haben den Durchschnitt aus allen eingegangenen Benotungen zu jedem Spieler berechnet sowie eine (subjektive) schriftliche Beurteilung hinzugefügt. Nach jedem Match wollen wir nicht nur Noten, sondern auch den ehrenvollen Titel „Man Of The Match“ an den Spieler mit der besten durchschnittlichen Gesamtbenotung vergeben.

Man of the Match:

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Christoph Leitgeb – Note: 1,9

In den letzten Wochen wurde Leitgeb oft – mitunter wohl nicht ganz unbegründet – infrage gestellt. Seine langsame Spielweise und die nicht vorhandene Dynamik waren vielen Kritikern ein Dorn im Auge. Seine Startelf-Nominierung sorgte vor der Partie folglich für viel Unverständnis unter den Fans. Doch der Mittelfeldakteur bewies, dass er dem SK Sturm noch helfen kann. Zusammen mit Kiteishvili leitete er das Spiel aus der Mitte heraus. Der 35-Jährige leistete sich kaum Fehlpässe und suchte immer wieder den Pass in die Tiefe. Auch seine Laufbereitschaft und sein Zweikampfverhalten waren gegenüber den letzten Einsätzen stark verbessert. Man bekam den Eindruck, der Oldie vermittle der Mannschaft Sicherheit und gab mit seiner Erfahrung den Takt im Mittelfeld vor – insgesamt eine starke Leistung.

Kiril Despodov – Note: 1,98

Bis zur 38. Minute agierte der Bulgare komplett unauffällig. Wüsste man es nicht besser, hätte man meinen können, der Flügelspieler sei nicht am Platz gestanden. Doch dann tauchte er plötzlich komplett frei vor Hartberg-Tormann Rene Swete auf. Dieser wurde von Despodov gekonnt umrundet, doch Treffer sollte aus der Aktion keiner resultieren. Für einen Mann seiner Klasse hätte solch ein Abschluss eigentlich keine Probleme darstellen dürfen. In Minute 42 tankte sich der von Cagliari ausgeliehene Flügelstürmer geschickt durch die Hartberger Abwehr. Doch anstatt dann den Ball in die Mitte zu bringen, versuchte er es aus einem schwierig bis unmöglich scheinenden Winkel selbst. Halbzeit zwei brachte nicht nur eine bessere Sturm-Mannschaft, sondern auch einen stärkeren Despodov. Wenngleich sich der Bulgare wieder einige Male verdribbelte und ein rechtzeitiges Abspiel verpasste, sorgte er in den zweiten 45. Minuten immer wieder für Torgefahr. Seine individuelle Klasse zeigte sich schließlich in der 84. Spielminute: Nach einem Foul an Otar Kiteishvili trat der Bulgare zum Freistoß an und hämmerte den Ball über die linke Stange ins Tor – unhaltbar für Swete. Bloß drei Minuten später klingelte es schon wieder im Tor der Oststeirer. Erneut war es ein Freistoßtor und wieder war es ein Geniestreich von Despodov. Der 23-Jährige erkannte, dass Swete einen Schritt Richtung Mauererck machte und zielte in Richtung des Tormannecks. Seit langem konnte der Leihspieler sein Können wieder unter Beweis stellen.

Otar Kiteishvili – Note: 2,3

Wie so oft war der Georgier im teils schleppenden Offensivspiel der Grazer Dreh- und Angelpunkt. Wenn etwas nach vorne ging, dann nur über Kiteishvili. Vor allem in der ersten Hälfte haderte er oft mit seinen Hintermännern – zu selten bekam er ein brauchbares Zuspiel von ihnen. In der 48. Minute verpasste es der Grazer Mittelfeldmotor, nach einer guten Vorlage von Außenverteidiger Sakic auf 1:1 zu stellen – seine Direktabnahme fiel etwas zu unpräzise aus. Alles in allem zeigte der Georgier eine solide Leistung und konnte in der zweiten Hälfte mit seinen Tempodribblings oft für gefährliche Situationen sorgen. Wie bereits in der gesamten Saison wurde er auch von den Hartbergern des Öfteren rüde zu Fall gebracht. So war es auch der 23-Jährige, der den Freistoß zum Ausgleich, herausholte.

Jörg Siebenhandl – Note: 2,77

Bei der Ecke, die zum 1:0 führte, verschätzte er sich und konnte so dem Ball nur hinterherschauen. Beim Tor selbst war dann für den Keeper nichts zu machen – zu gut war der Schuss von Tobias Kainz. In der 90. Minute machte es unser Einsergoalie noch einmal spannend, als er nach einer Hartberg-Flanke völlig unnötig den Strafraum verließ, um den Ball wegzufausten – wohl auch eine Folge der fehlenden Kommunikation in Sturms Hintermannschaft. Den anschließenden Freistoß konnte Siebenhandl souverän entschärfen. Auch in der Nachspielzeit glänzte er mit einer guten Parade und hielt so den Dreier fest.

Anastasios Avlonitis – Note: 2,93

Zu Beginn des Spiels hatte der griechische Abwehrchef Probleme, die neu formierte Innenverteidigung zu leiten. Mit Fortdauer des Spiels wurde er, sowie die gesamte Mannschaft, sicherer und wusste das Team von hinten heraus zu dirigieren. Hin und wieder hatte er in den Zweikämpfen Probleme mit dem richtigen Timing. Gleich nach Beginn der zweiten Halbzeit wurde er nach einer Ecke gefoult, doch Schiedsrichter Eisner entschied nach Rücksprache mit seinem Assistenten wohl zu unrecht, keinen Elfmeter zu geben.

Niklas Geyrhofer – Note: 3

In der 8. Minute bewies das Grazer Abwehrtalent seine Übersicht und köpfelte eine Flanke, die sonst auf den freistehenden Tadic gekommen wäre, gekonnt ins Out. Bei der anschließenden Ecke der Hartberger war er es, der den Ball direkt auf Tobias Kainz klärte. Ihm dafür die ganze Schuld zu geben, wäre wohl zu einfach; Jörg Siebenhandl und die gesamte Defensive muss bei einem solchen Standard besser stehen. Zudem sollte man über die Absicherung rund um den Sechzehner nachdenken. Hin und wieder kam es beim 20-Jährigen zu kleineren Unsicherheiten, die wohl mit seiner Unerfahrenheit zusammenhängen. Einen Vorwurf kann man dem Innenverteidiger dennoch keinen machen, als junger Spieler in eine verunsicherte Mannschaft zu rücken, ist durchaus nicht einfach. Bereits nach 28. Minuten musste er verletzt vom Platz.

Stefan Hierländer – Note: 3,06

Vor der Ecke, die zum 1:0 führte, ließ er sich auf der linken Seite viel zu einfach austänzeln. Wenn er in dieser Situation etwas geschickter verteidigt hätte, wäre es nie zu der Flanke gekommen, die Geyrhofer in Not zu Ecke klären musste. Wie in den letzte Partien machte sich der Eindruck breit, dass der Kärntner derzeit nicht die Idealbesetzung für die Kapitänsrolle ist – viel zu wenig Kommunikation am Platz geht von ihm aus und zu unsicher agiert er im eigenen Spiel. Nach einer guten Flanke von Sakic kam er auf links völlig frei zum Kopfball und hätte den Ausgleich erzielen müssen. In Normalform hätte er diesen Ball wohl blind ins Tor bugsiert. In Hälfte zwei stabilisierte sich seine Leistung.

Ivan Ljubic – Note: 3,14

Vor dem 1:0 beförderte er den Ball gefährlich vor das eigene Tor, sodass Youngster Niklas Geyrhofer den Ball in höchster Not klären musste. Bis auf ein paar Probleme im Stellungsspiel, die zu brenzligen Laufduellen mit Hartbergs Jodel Dossou führten, lieferte Ljubic eine durchschnittliche Leistung ab. Im Aufbauspiel nicht wirklich berauschend, führte er im Defensivspiel jedoch seinen Job weitgehend ohne Fehler aus.

Emanuel Sakic – Note: 3,26

In Hälfte eins fiel der Rechtsaußen oft mit technischen Unzulänglichkeiten auf. Defensiv hatte er seine Seite weitestgehend im Griff. Während den zweiten 45 Minuten entdeckte er auch das Offensivspiel für sich. Immer wieder startete er gute Läufe und brachte gefährliche Flanken und Pässe in den Strafraum der Hartberger. Es war vor allem in Hälfte zwei einer seiner besseren Auftritte im Trikot der Schwarz-Weißen.

Juan Domiguez – Note: 3,27

Der Spanier spielte neben Leitgeb und Kiteishvili eine grundsolide Partie. Wenn seine Mittelfeld-Companions sich nach vorne einschalteten, versuchte er hinten abzusichern. Wie gewohnt leistete sich der 30-Jährige kaum Fehlpässe. Hin und wieder kam es zu Abstimmungsproblemen mit der Abwehr – diese wurden nach der Pause deutlich weniger.

Kevin Friesenbichler – Note: 3,4

Der 26-jährige Steirer durfte gegen Hartberg von Beginn an statt Bekim Balaj stürmen. Er war von Anfang an bemüht und versuchte auch immer wieder, seine Mitspieler zu motivieren. In der 37. Minute sorgte er mit einem Kopfball annähernd für so etwas wie Torgefahr, sein Ball ging aber klar über das Gehäuse von Hartberg-Goalie Swete. Wenn man als Mittelstürmer nicht mit brauchbaren Bällen versorgt wird, ist es jedoch schwer, die gegnerische Defensive vor Probleme zu stellen. Als er einmal in Hälfte zwei ein gutes Zuspiel von Sakic bekam, verstolperte er den Ball ungeschickt. Insgesamt brachte es der 1,88 Meter große Stürmer bis zu seiner Auswechslung auf insgesamt 25 Ballkontakte und zwei Torschüssen.

Einwechslungen:

Philipp Huspek – Note: 2,97 (ab 72. Minute)

Ab der 71. Minute durfte auch Philipp Huspek aktiv am Spiel teilnehmen – er ersetzte den defensiven Dominguez. Der Hintergrund seiner Einwechslung war klar: Es sollte mehr und vor allem schneller nach vorne gehen. Viel konnte der Flügelflitzer jedoch nicht zum Sieg beitragen. In der Endphase des Spiels, als die Hartberger zur Schlussoffensive ansetzten, hatte er mehr Platz für seine Läufe und stellte die Verteidigung der Oststeirer mit seinem Tempo vor Probleme. Seine Hereingaben konnten von Bekim Balaj leider nicht verwertet werden.

Lukas Jäger – Note: 3,05 (ab 28. Minute)

Der Defensiv-Allrounder wurde in der 28. Minute statt des verletzten Geyrhofers eingewechselt. Bereits nach kurzer Zeit war sein defensives Können auch schon gefragt, als er nach einer gefährlichen Flanke den Ball klären musste. Ein ums andere Mal verlor er etwas leichtsinnig das Spielgerät – das machte der 26-Jährige jedoch mit seiner Einsatzbereitschaft wett. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit antizipierte er einen Laufpass der Hartberger gut und grätschte dazwischen. Der Ball kam schließlich – wenn auch nicht ganz beabsichtigt – auf den in die Lücke gestarteten Despodov. Ansonsten lieferte er eine eher unauffällige Partie ab. Mit etwas mehr Ruhe und Übersicht am Ball könnte er sich zu einer wichtigen Stütze entwickeln.

Jakob Jantscher – Note: 3,11 (ab. 83. Minute)

Der Steirer durfte nach überstandener Verletzung in der 81. Spielminute sein Comeback feiern – Avlonitis musste für ihn Platz machen. Wirklich ins Spielgeschehen konnte der Offensivspieler jedoch nicht mehr eingreifen. Den Freistoß vor dem 2:1 hätte gerne er geschossen, doch Kiril Despodov ließ sich diese Gelegenheit nicht nehmen.

Bekim Balaj – Note: 3,52 (ab 73. Minute)

Mittelstürmer für Mittelstürmer. Das ist wohl einer der Lieblingswechsel des Trainerteams. In diesem Fall muss man sagen, dass dabei nichts falsch gemacht wurde. Der frische Balaj konnte in den letzten 20 Minuten die Hartberger Abwehr noch einmal unter Druck setzen und bekam in der Nachspielzeit nach Flanke von Huspek sogar noch die Chance auf das 3:1. Seine Ballannahme war jedoch zu schlampig.

Sonstige Bewertungen:

Nikon El Maestro – Note: 3,08

Der Jüngere der beiden El Maestros verhielt sich in der Coachingzone weitgehend ruhig. „Hast du keine Eier“ oder ähnliche Sprüche behielt er im Gegensatz zu seinem Bruder für sich. Die vorgenommenen Wechsel waren verständlich, brachten aber nicht wirklich mehr Schwung in die Offensive. Mut bewies das Trainerteam als sie mit Avlonitis den einzigen gelernten Innenverteidiger aus der Partie nahmen, um das Spiel nach vorne weiter zu beleben.

Schiedsrichterteam um Rene Eisner – Note: 3,33

Bis auf eine Szene kurz nach dem Seitenwechsel, in der Hartbergs Nimaga nach einer Ecke den aufgerückten Avlonitis klar am Fuß traf und es so Elfmeter hätte geben müssen, lieferte das Schiedsrichter-Team einen unauffälligen Nachmittag ohne gröbere Fehlentscheidungen ab. Die eine oder andere gelbe Karte mehr darf Rene Eisner in Zukunft aber zücken.

Das SturmNetz – Team bedankt sich für 223 eingegangene Bewertungen und widmet dem Man of the Match, Christoph Leitgeb, folgende Nummer:

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4 Kommentare

  1. black_aficionado sagt:

    Wenn der Leiti es schafft weiter so vorne weg zu marschieren, dann immer wieder gerne! So kann sich ein Ljubic mit Sicherheit offensiv weiter entwickeln, das wirds nämlich dringend brauchen die nächsten Jahre.
    Außerdem braucht der Kiteishvili dringendst Unterstützung in der Mitte, alles alleine zerreißen klappt nicht. 2,3 Leute die kicken können und schon sind wir wesentlich variabler und gefährlicher!
    Auch wenn mit Sicherheit nicht alles Gold ist was gestern 2. Hz ein bissal geglänzt hat, aber das gibt doch hoffentlich Auftrieb und Selbstvertrauen für die nächsten Runden.

    SWG

    1+
    • Schworza99 Schworza99 sagt:

      Der Geist mag willig sein nur ist es das Fleisch nicht mehr. Die nächste Verletzung von Leitgeb wird die letzte seiner Karriere sein. Gerade die 6er sind bei uns zum Abräumen aufgestellt, da geht es oft Knochen an Knochen. Es kann halt leider immer passieren.

      Ein gutes Spiel ist mir für einen Mann seiner Erfahrung zu wenig. Die Idee mag verlockend klingen die Jugend nach ihm zu richten…nur dafür brauchst du einen Stammspieler und nicht einen Edeljoker. Selbst Schulz war seinerseits zumindest in der Kabine eine Stütze…Leiti hingegen konnte unsere mentale Schwäche nicht abfedern. Er sollte seine Karriere nach der Saison beenden, was er wohl auch tun wird. Er ist bestimmt nicht nach 12 Jahren RB zu uns gegangen weil er noch Jahre in sich hat.

      0
    • black_aficionado sagt:

      Jo eh, ich meinte eigentlich auch, dass er mit dem Esprit die Saison gerne fertig spielen kann und dass sich unsere Jungen auch in den paar Spielen schon einiges abschauen können.
      Als Maskottchen braucht ihn keiner auf der Bank sitzen haben, das ist schon wahr!

      2+
  2. Melvinuss sagt:

    In der Form vom Hartberg-Match bzw. der entsprechenden Motiviation und dem Einsatz an diesem Tag würde ich ihn mir auch noch nächste Saison im Sturm-Dress wünschen. Davor muss ich ehrlich sagen, haben mich seine Einsätze fast durchwegs enttäuscht, vor allem in punkto Willen und Laufbereitschaft. Noch enttäuschender ist es allerdings, wenn man dann wie in Hartberg sieht, dass er es eigentlich immer noch könnte. Wäre interessant zu wissen, woran dieses Motivationsproblem über die restliche bisherige Saison liegt bzw. wo es herkommt. Ein Kicker wie er dürfte sich selbst wenn es an El Maestro liegen sollte nicht runterziehen lassen.

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