SturmNetz-Advent #3

Markus Schopp – Mit einem Turban nach Liebenau

In der Jakob-Gschiel-Gasse, die parallel zur Wetzelsdorfer Straße verläuft, beobachtete der ehemalige ESK- und Sturmspieler Karl Aigner einen kleinen Blondschopf beim Siedlungskick und stellte fest: „Der Kleine vom Haus ist guat.“ Der „Kleine“ hieß Markus Schopp und wohnte im selben Block wie der ehemalige Sturmverteidiger. Da es in Wetzelsdorf aber keinen Verein gab, wurde der ESK dann irgendwann Markus‘ erster Klub. Dort standen zudem als Betreuer der Onkel (Norbert Kasch) und der Papa (Peter Schopp) für die Schülerkicker zur Verfügung. Und weil die Schopp-Familie schon immer ein Herz für Schwarz-Weiß hatte – schon in den 30er-Jahren trug der Opa dieses Dress – waren auch Stadionbesuche bei Heimspielen des SK Sturm immer an der Tagesordnung.

Am Tag als das Europacup Spiel Sturm gegen Hellas Verona auf dem Programm stand – ein Abendspiel im alten Liebenauer Stadion – trainierten die ESK-Buben nachmittags noch in Eggenberg. Markus wärmte sich mit dem Ball neben einer Betonsäule auf, was zur Folge hatte, dass er diese bei einem Kopfballversuch mit dem Hinterkopf küsste – mit einer Platzwunde und einem blutverschmierten Kopf als Ergebnis. Der Papa und der Onkel waren sofort bei ihrem Buben, holten den Verbandskasten und ein Turban in Dieter Hoeneß-Manier wurde rasch angefertigt. Im Hintergrund aber wurde fleißig und entrüstet gemurmelt, dass der Junge doch ins Spital gehöre. „Ja ja, wir fahren schon“, brummte der Vater, allerdings mit dem leisen Nachsatz „aber nicht ins Krankenhaus, sondern ins Stadion, zum Sturmspiel.“

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*1987 wechselte Markus Schopp vom ESK zu Sturm und sammelte bereits 1991 in einer stark verjüngten Sturm-Elf erste Erfahrungen in der Bundesliga. 1996 war er maßgeblich am ersten Cup-Titel der Vereinsgeschichte beteiligt und wechselte daraufhin zum HSV, wo Trainer Felix Magath große Stücke auf ihn hielt. In Hamburg spielte er sich sogar in das Notizbuch von Bundestrainer Berti Vogts, bis dem „Terrier“ mitgeteilt wurde, dass Schopp Österreicher ist. Mit Magath-Nachfolger Frank Pagelsdorf hingegen kam Max ganz und gar nicht klar und wechselte im Jänner 1998 zurück nach Graz, um seine Teilnahme an der WM-Endrunde in Frankreich nicht zu gefährden. So war der 56-fache Nationalteamspieler sowohl an den beiden ersten Meistertiteln beteiligt als auch an den ganz großen Erfolgen in der Champions League. 2001 wechselte er in sein Fußballtraumland, zwar nicht zum AC Milan, aber immerhin zu Brescia Calcio, und war somit Teamkollege unter anderem von Luca Toni, Pep Guardiola oder Roberto Baggio. 2005 stieg Brescia in die Serie B ab und der Grazer ging nach Salzburg, wurde jedoch vom Mateschitzkonstrukt bereits im Sommer 2006 in die Filiale nach New York verliehen, wo er auch seine aktive Karriere beendete. 2009 kehrte er als Nachwuchstrainer zu Sturm zurück, seit 2012 betreut er die Amateure. Im April 2013 wurde Schopp sogar interimistisch zum Cheftrainer befördert, nach fünf Niederlagen in sechs Spielen dann allerdings durch Darko Milanic ersetzt.

 

3 Kommentare

  1. Ennstaler sagt:

    Für Schopp wäre es nun an der Zeit, bei einem Verein der Ersten Liga als Trainer an vorderster Front zu stehen. So sammelt er Erfahrungen und reift zum nächsten großen Trainer von Sturm heran.

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  2. jott1976 sagt:

    Einer meiner absoluten Lieblingsspieler in der damaligen Mannschaft.

    Was hatten wir damals für eine geile Mannschaft. Und das sogar mit vielen Österreichern.

    Diese Zeit wird wohl nicht mehr zu toppen sein.

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