SturmNetz-Advent #21

Klaus Salmutter – Die Suche nach dem Glück

Liebenau, 4. März 2006. Ein kühler Samstagabend, Ligakrösus RB Salzburg ist zu Gast bei den finanziell gebeutelten Nachzüglern (Platz 7 in der Tabelle) aus Graz. Medien, Experten und „Experten“ sind sich vor der Partie einig, die zweitplatzierten Gäste werden ohne Probleme die drei Punkte mit in die Mozartstadt nehmen.

Dass es wohl nicht so kommen würde, war erstmals nach 29 Minuten bemerkbar, als Bojan Filipovic Salzburg-Keeper Alex Manninger mit einem sehenswerten Schuss außerhalb des Sechzehners keine Chance lies. Bedient wurde Filipovic vom damals 22-jährigen Klaus Salmutter. Und der Assist war an diesem Abend nur der Anfang für den Mittelfeldmann. 45. Minute, unmittelbar vor dem Pausenpfiff – 2:0 Salmutter. 84. Minute – 3:0 Salmutter. 87. Minute – 4:0 Salmutter. Während der Dreifachtorschütze von Johnny Ertl beim Torjubel abgebusselt wird, steht Liebenau Kopf. „Klausi, Klausi Salmutter“ schallt es durch das ehemalige Arnold Schwarzenegger-Stadion. Minuten später schleichen Kurt Jara und seine Mannen mit hängenden Köpfen vom Liebenauer Grün, Fans und Mannschaft in Schwarz-Weiß feiern immer noch. Sie feiern vor allem Klaus Salmutter, der sich und den Fans einen Abend beschert hat, an den sich noch heute viele Anhänger gerne erinnern.  

Der Kreativspieler befand sich am Höhepunkt seiner Karriere, debütierte Monate später im Nationalteam, war unumstrittener Stammspieler bei seinem Herzensverein. Vor allem aber war Klaus Salmutter eines: Publikumsliebling, wie es nur wenige davor und danach waren. 

Nach mehreren Verletzungen folgte 2008 der Wechsel nach Linz zum LASK, wo seine Karriere gehörig ins Stocken geriet. Sturm holte Salmutter im Jänner 2010 heim, die Rolle, die er vor seinem Abgang in Graz spielte, konnte er danach aber zu keinem Zeitpunkt mehr einnehmen. Als Ergänzungsspieler durfte Salmutter immerhin noch Cup- und Meistertitel feiern, ehe er einen im heutigen Fußball eher unüblichen Weg einschlug.

Klaus Salmutter war nie der glattgebügelte, gebriefte 0815-Stehsatz und Floskelkicker – und so sehr er es genoss, am Platz zu stehen und sein Hobby zum Beruf zu machen – so sehr war er auch im inneren Zwiespalt. Das Leben in der Öffentlichkeit birgt Schattenseiten, so wird Klaus Salmutter nach einem dem Alkohol geschuldeten Zwischenfall quer durch sämtliche Zeitungen des Landes geschliffen, bekommt neben dem Image des Publikumslieblings, ein zweites, weniger ruhmreiches aufgedrückt. 

Im Sommer 2011 trifft Salmutter eine Entscheidung, die er innerlich wohl schon lange vorher getroffen hat: Er zieht sich aus dem Fußballgeschäft zurück. Er beendet aber nicht nur seine Fußballkarriere, sondern lässt vorerst alles Gewohnte hinter sich. Er zieht sich zurück, reist um die Welt. Argentinien, Griechenland, Asien – in Wahrheit waren es noch viel mehr Stationen. Dort, wo ihn niemand kennt, findet Klaus Salmutter, was er gesucht hat: Ruhe und Freiheit. Drei Jahre lang war er unterwegs, später erzählte er in Interviews, dass ihm der Fußball einfach nicht mehr wichtig war. In der Saison 2015/16 folgte dann trotz allem – unerwartet – die Rückkehr des Klaus Salmutter. Er will es noch einmal versuchen, heuert für eine Saison beim FC Gleisdorf an. Dort kommt er immerhin 20-mal zum Einsatz und kann sich auch viermal in die Torschützenliste eintragen. Eine Rückkehr in den Profifußball war für ihn jedoch zu keinem Zeitpunkt ein Thema. Mittlerweile ist auch das Kapitel Gleisdorf für den demnächst 33-Jährigen wieder zu Ende.

Beobachter des österreichischen Fußballs sind sich einig: Klaus Salmutter hatte großes Talent. Und hat dies nicht wirklich ausgeschöpft. Fakt ist jedoch: Wenn wir vom Profifußball und von Karrieren sprechen, sprechen wir immer noch über Menschen und denen sind manchmal einfach andere Dinge wichtiger als Erfolg und das Rampenlicht. Klaus Salmutter hat in jenem Sommer 2011 einen Weg eingeschlagen. Nicht den Weg, der ihm Geld, Beliebtheit und Schulterklopfer eingebracht hätte, sondern den der ihm Glück bereitete. Und die schönen Momente, die Klaus Salmutter uns Sturm-Fans während seiner Blütezeit bescherte, die kann ihm und uns niemand mehr nehmen. 

 

1 Kommentar

  1. graz4ever sagt:

    Größte Respekt von mir für die Entscheidung fürs persönliche Glück und so a Weltreise erweitert den Horizont u den Blick aufs Leben sicher nochmal aus ner viel sinnvolleren Ebene (aufs Leben betrachtet), als blöd gesagt, nem Ball nachlaufen..

    Kann ihn verstehen und finds echt mutig..

    Alles Gute auf deinem weiteren Weg (nach deinen Verdiensten für Sturm hast es dir a verdient)!

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