SturmNetz-Advent #18

Samir Muratovic – Wie das Schicksal so spielt

Mario Haas, Samir Muratoviiiiiiic … so hallte es an jenem 25. Mai 2011 aus hunderttausenden Fernsehgeräten, als die zwei zuvor genannten Routiniers wenige Minuten vor Schluss per Doppelpass endgültig den dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte fixierten. „Mura“ wie Samir Muratovic von den Fans liebevoll genannt wird, sorgte mit diesem Treffer für völlige Eskalation im schwarz-weißen Fanlager. Es war der letzte Torerfolg in einer denkwürdigen Saison, gleichzeitig aber auch einer, wenn nicht sogar DER emotionalste Treffer des damals 35-jährigen Bosniers, der in seiner Karriere einen durchaus unorthodoxen Weg ging, ehe er zu seinem Herzensverein fand.

 

Wie das Schicksal so spielt

Schauplatz Bosnien und Herzegowina: In der vom Bosnienkrieg gebeutelten Kleinstadt Zvornik schnürte der junge Samir Muratovic seine Fußballschuhe beim ortsansässigen Klub FK Drina. Gleichzeitig war dies auch seine erste Station als Profi. Nach drei Saisonen für seinen Heimatverein wechselte er zum Traditionsklub FK Željezničar nach Sarajevo, bei dem zuvor auch schon Ivica Osim als Spieler und später als Trainer aktiv war. Nach einem kurzen Gastspiel in der türkischen Süper Lig bei Kocaelispor wechselte er noch einmal zurück zu Željezničar ehe es in der Saison 2000/2001 in Richtung Deutschland zum damaligen Zweitligisten Chemnitzer FC ging. Wie auch schon in der Türkei wurde Samir auch in der Karl-Marx-Stadt nicht glücklich und kam lediglich auf sechs Spiele. Besser erging es ihm anschließend in Russland bei Saturn Ramskoje. In der russischen Premjer-Liga absolvierte er in zwei Saisonen insgesamt 68 Pflichtspiele und konnte dabei elf Treffer bejubeln. Zur Saison 2003/2004 fand Muratovic den Weg an die Mur, wenn auch zunächst zum aus schwarz-weißer Sicht ganz falschen Verein. Beim zur damaligen Zeit aufstrebenden Grazer AK unter Trainer Walter Schachner avancierte er schnell zu einer der Mannschaftsstützen und wurde auf Anhieb Meister in seiner ersten Saison. In vier Spielzeiten absolvierte er 104 Spiele für die Rotjacken, in denen er fünf Torerfolge verbuchen konnte, einen davon im Derby gegen seinen zukünftige Verein.

(c) Micka Messino

So schnell der GAK zum Erfolg fand, so schnell kamen auch existenzbedrohende finanzielle Probleme, die mit Saisonende 2006/2007 den Zwangsabstieg in die Regionalliga zur Folge hatten. Beinahe alle Stammspieler verließen daraufhin den taumelnden Klub, darunter auch Muratovic, der ausgerechnet bei Sturm ein neues sportliches Zuhause fand. Der damals bereits 31-Jährige lief auch hier schnell zur Hochform auf und wurde auf Anhieb Stammspieler. Nachdem Sturm ebenfalls lange mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatte und in die sportliche Bedeutungslosigkeit abfiel, konnte „Mura“ in seiner ersten Spielzeit bei den Blackies den beachtlichen vierten Endrang erreichen, der zur lange ersehnten Teilnahme am internationalen Geschäft berechtigte. Nach zwei weiteren Saisonen wurde für Muratovic ein weiterer Traum wahr. Etwas überraschend konnten alle Kontrahenten in der Tabelle hinter sich gelassen werden und Sturm stand zum Ende der Spielzeit auf Rang eins, ein Erfolg, an dem er erheblichen Anteil hatte. Zur Freude vieler wurde sein auslaufender Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert, in der darauffolgenden Spielzeit konnten die Erwartungen an Sturm bei weitem nicht erfüllt werden und man landete am Ende im Mittelfeld der Tabelle. Auch für Muratovic lief die Saison eher ernüchternd, am vierten Dezember 2011 absolvierte der Publikumsliebling sein letztes Pflichtspiel für Sturm, kurz darauf wurde er aufgrund kritischer Äußerungen über Franco Foda suspendiert. Insgesamt stehen 128 Spiele, sowie 33 Tore für Sturm zu Buche. Zudem lief er 24-mal für das Nationalteam von Bosnien und Herzegowina auf. Seine Karriere ließ er mit 37 Jahren in der Regionalliga Mitte beim FC Gratkorn ausklingen, für den Muratovic 24 Spiele absolvierte und dabei drei Tore erzielte.

 

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