Sturm zittert sich weiter

Spielbericht: SK Austria Klagenfurt vs. SK Sturm Graz (2:4 n.V.)

So nah und doch so fern. Der SK Sturm Graz gastierte in der zweiten Runde des ÖFB Cups beim Tabellenführer der zweiten Spielklasse, dem SK Austria Klagenfurt. Austragungsort war das Karawankenblick-Stadion, das nur wenige Meter vom Wörthersee Stadion, in dem das Finale stattfinden wird, entfernt ist. Vor nicht einmal zwei Jahren feierte Lukas Spendlhofer exakt an diesem Ort den größten Erfolg seiner Karriere, auch in dieser Saison soll die Begegnung gegen die Kärntner nicht den letzten Ausflug nach Klagenfurt darstellen. „Es gilt morgen auf dem Trainingsplatz zu bestehen, um die Chance auf den Weg ins Finale und in das große Stadion aufrecht zu erhalten“, so der Innenverteidiger beim Mediabriefing vor der Partie.

Die erste große Möglichkeit fand aber der Gastgeber vor. In der fünften Spielminute bediente Florian Jaritz Mitspieler Okay Aydin sehenswert, der Mittelfeldspieler scheiterte aber ebenso an Jörg Siebenhandl wie Sekunden später Oliver Markoutz. Die Anfangsminuten gehörten den Kärntnern, entgegen des Spielverlaufs gingen die Blackys nach sieben Spielminuten aber in Führung. Wie bereits zweimal in Mattersburg zeichnete sich Kiril Despodov als Assistgeber nach einem Standard aus: Thorsten Röcher köpfte nach der präzisen Flanke zur 1:0-Führung für Sturm ein. In der zwölften Minute vergab Despodov die Möglichkeit auf das 2:0, der Mittelfeldakteur verzog nach einem guten Haken im Strafraum der Klagenfurter schlussendlich doch deutlich. 60 Sekunden später setzte Bekim Balaj nach einer guten Flanke von Emanuel Sakic einen Kopfball etwas zu zentral, Torhüter Zan Pelko war zur Stelle. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten hatte der SK Sturm nun vollends das Kommando über das Spiel übernommen und drückte auf das 2:0.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Nach 17 Minuten klopfte der SK Austria Klagenfurt dann wieder einmal an, Jörg Siebenhandl hatte mit einem Distanzschuss von Aydin aber keine Probleme. Dieser Versuch schien dem Außenseiter etwas mehr Selbstvertrauen zu verleihen. Die Mannschaft von Trainer Robert Micheu traute sich nun wieder mehr zu und hätte in der 23. Spielminute beinahe den Ausgleich erzielt. Jaritz tankte sich auf der linken Seite durch und prüfte Siebenhandl mit einem starken Schuss, die Nummer 27 der Schwarz-Weißen tauchte aber blitzschnell ab und verhinderte somit den Einschlag. Auf der Gegenseite vergab Röcher nach einer ähnlichen Situation wie beim 1:0 eine hundertprozentige Möglichkeit auf eine höhere Führung, der 28-Jährige setzte einen Kopfball nach einer Flanke von Despodov aber am Tor vorbei.

Danach flachte die Begegnung etwas ab, Sturm blieb zwar die spielbestimmende Mannschaft, zwingende Chancen konnte sich das Team von Nestor El Maestro aber nicht herausspielen. So schienen die Blackys mit einem 1:0 in die Halbzeitpause gehen zu können, in der 44. Minute schlug der Zweitligist dann völlig aus dem Nichts zu: Polydoros Gezos passte auf Petar Zubak, der aus rund 20 Metern abzog und zum Ausgleich für die Kärntner traf. Sekunden später vergab Balaj die Gelegenheit zur raschen Antwort, sein Kopfball ging knapp am Kasten vorbei. Dementsprechend unzufrieden mussten die Gäste in die Halbzeitpause gehen. Nach der Führung agierte man abermals zu passiv und ließ einen eigentlich unterlegenen Gegner so zurück ins Spiel kommen.

Austria Klagenfurt übernimmt das Kommando

Angefeuert von den Sturm-Aficionados, die in den ersten 45 Minuten aufgrund zu hoher Ticketpreise zu einem Stimmungsboykott aufgerufen hatten, ging es in die zweite Spielhälfte. Bei immer stärker werdendem Regen konnte Sturm in der 47. Minute von Glück sprechen, nicht in Rückstand zu geraten. Der zur Halbzeit eingewechselte Patrick Greil zog volley ab, Siebenhandl drehte den Schuss überragend über die Latte. Sturm fand nun überhaupt nicht mehr statt und profitierte einzig und allein von der fehlenden Genauigkeit des Zweitligisten in entscheidenden Spielsituationen.

In der 63. Minute klopfte die Austria erneut an, ein Kopfball nach einer Ecke ging schlussendlich aber doch klar vorbei. Fünf Minuten später kamen die Hausherren dem Führungstreffer sogar noch näher: Greil versuchte sich in einem Solo über die gesamte Hälfte der Grazer, einzig sein Abschluss war etwas zu hoch angetragen. Sturm hingegen spielte erschreckend schwach, die erste Halbchance für die Blackys in der zweiten Hälfte gab es erst nach 67 Minuten. Lukas Spendlhofer scheiterte mit einem Kopfball aber an Pelko.

Dennoch blieben die Kärtner die bessere Mannschaft und hatten in der 75. Minute zudem das Glück auf ihrer Seite. Jörg Siebenhandl legte Oliver Markoutz, Schiedsrichter Oliver Drachta entschied wohl zurecht auf Elfmeter. Der Gefoulte trat selbst an und brachte den SK Austria Klagenfurt mit einem sicheren Flachschuss mit 2:1 in Führung. Das Traurige: Nach der gezeigten Leistung war der zwischenzeitliche Spielstand durchaus gerechtfertigt. Sturm suchte nach der passenden Antwort, sowohl ein Schuss von Otar Kiteishvili als auch ein Freistoß von Despodov nach rund 80 Minuten brachten aber nichts ein. El Maestro reagierte und brachte Stefan Hierländer und Jakob Jantscher in die Partie – und das sollte sich umgehend auszahlen!

Sturm schlägt in der Verlängerung zweimal zu

Hierländer wurde im Sechszehner regelwidrig gelegt, Sturm bekam in der 84. Minute folgerichtig einen Strafstoß zugesprochen. Jantscher trat an und verwandelte zum so wichtigen 2:2-Ausgleich für die Blackys!! Vier Minuten später hätten die Gäste die Begegnung beinahe komplett auf den Kopf gestellt, Pelko klärte jedoch vor zwei einschussbereiten Grazern. Doch auch die Austria Klagenfurt wollte noch in der regulären Spielzeit den Siegtreffer erzielen und fand dazu zwei hervorragende Möglichkeiten vor: Zunächst vergab der frische Daniel Steinwender nach einem schweren Fehler der Sturm-Hintermannschaft aus der Drehung, in der Nachspielzeit verabsäumte es der starke Greil, den Sack für den Außenseiter zuzumachen. Nach guter Vorarbeit von Jaritz schob der 23-Jährige das Leder aus rund sieben Metern knapp am Tor vorbei – durchatmen! Somit musste die Verlängerung die Entscheidung bringen – und darüber mussten die Blackys nach den beiden vergebenen „Sitzern“ der Heimmannschaft sogar mehr als froh sein.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

In den ersten zehn Minuten der Verlängerung tat sich genau gar nichts, nach 100 Minuten durften die mitgereisten Sturm-Anhänger dann aber plötzlich jubeln: Zunächst scheiterte Jantscher mit einem etwas zu zentralen Schuss an Pelko, der Torhüter des Zweiligisten konnte das Spielgerät aber nur zur Mitte abwehren. Dort stand Juan Dominguez bereit, der die Blackys mit einem platzierten Linksschuss in Führung brachte! Mit dem Spielstand von 3:2 ging es auch in die Halbzeitpause der Verlängerung.

Den Gastgeber schienen nach und nach die Kräfte zu verlassen, allzu sehr in Sicherheit durfte sich Sturm aber dennoch nicht wiegen. In der 110. Minute durften dann aber alle Sturm-Fans vorerst kräftig durchatmen: Jantscher spielte auf den eingewechselten Christoph Leitgeb, der per Fersler MUSTERGÜLTIG auf Ivan Ljubic legte, der aus kurzer Distanz nur mehr den Fuß hinhalten musste und die Grazer mit 4:2 in Front brachte – das sollte es doch eigentlich gewesen sein! In der 115. Minute vergaben die Gäste die Möglichkeit auf die endgültige Vorentscheidung, Hierländer brachte das Leder nach einem Konter aber nicht mehr zu Balaj. Zwei Minuten darauf verpasste die Solo-Spitze eine Hereingabe von Jantscher. Die Austria versuchte zwar nach wie vor alles, bis auf einige gefährliche Flanken wollte dem Tabellenführer der zweiten Spielklasse aber nicht mehr allzu viel gelingen. So blieb es beim glücklichen 4:2-Auswärtssieg nach Verlängerung. Trotz der spielerisch äußerst mauen Leistung qualifizierte sich der SK Sturm somit für das Achtelfinale des ÖFB Cups und kam dem großen Ziel – dem Einzug in das Finale – somit ein Stück näher. Weiter geht es für die Grazer am Sonntag gegen die Admira, kurz nach Spielende wird dann die Auslosung für die nächste Cup-Runde stattfinden. Jetzt ist aber erst einmal durchatmen angesagt!

Spieldaten

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7 Kommentare

  1. SKPSG sagt:

    Was ein Kick, da breiten wir mal besser den Mantel des Schweigens drüber..

    Hat man den Gegener unterschätzt? Glaub ich nicht, aber wieso stellt man dan 70 Minutan lang das Fußballspielen ein? Soll einer verstehn..
    Wenns Gas geben ist das Temop eh hoch und man könnte Spiele dominieren, aber so gewinnt man mit mehr Glück als Verstand.

    Naja, Hauptsache weiter.

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  2. Goe Goe sagt:

    Geiler Ticker, Spannung pur, was will man mehr! Wenn unseren Jungs am Feld der Knopf aufgeht dann können sich alle anhalten – und das wird schon kommen!

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    • gepi20 sagt:

      Immer langsam — das war im Stream ein ziemlicher Grottenkick bis auf ein paar helle Momente. Dein Wort in Gottes Ohr………

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  3. Ritter2016 sagt:

    Das war im Stream der volle Grottenkick. Nicht zum Anschauen. Man führt … dann so „ach, schauen wir mal, bringen wir schon über die Zeit“… dann gibt’s halt doch wieder ein Tor. Und wenn der Hut brennt können 2-3 dann doch plötzlich wieder …

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  4. RAM6I sagt:

    Tja, war halt a typisches Cup-Spiel!?
    Bis auf ein paar helle Lichtblitze, war es ein Grottenkick der Mannschaft! In der zweiten Hälfte war vom Niveau her, welche Mannschaft nun in der Bundesliga spielt u. Spieler in Ihren reinen haben die von Anfang an bei einem Verein mehr verdienen als Andere kein Unterschied zu erkennen!

    Herr Spendlhofer hoffe Sie finden bald wieder zur alten Ruhe, zur Zeit wirken Sie ein wenig hilflos am Platz!

    Natürlich könnten wir die Ausrede Cupspiel (andere Regeln, andre Sportart) Bundesliga Vereine die ausgeschieden sind als ein noch positives Signal sehen.
    Doch san ma uns ehrlich, Saukick Hauptsache weiter….

    Traurigste am gestrigen Tag. Kein Zuschauer hätte nass werden müssen, würde nicht im Stadion daneben ein Wald stehen!

    Ein Danke an die Klagenfurter Veranstalter bzgl. Auswärts-Sektor (Fans)

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  5. 1909 sagt:

    Ganz egal, wie schwach das Spiel von Sturm im Grunde war, aber es zeugt – ob man’s glaubt oder nicht – schon auch von Qualität, sich nochmals aufraffen, steigern und so eine Partie noch drehen zu können. Ich erinnere mich an viele Saisonen, in denen sowas quasi ausgeschlossen war. Just sayin‘

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