Sturm zeigt Reife

Spielbericht: SK Sturm Graz vs. SV Mattersburg (3:2)

Bis Freitag waren 8000 Karten für das Eröffnungsspiel der 12. Runde der tipico Bundesliga, SK Sturm Graz vs. SV Mattersburg, verkauft worden – eine tabellenführerwürdige Kulisse unterstützte die Blackys somit auch diesmal nicht, als es darum ging, den Platz an der Sonne zu verteidigen. Ja, nur Mattersburg war der Gegner, und gerade deswegen schien viele das bequeme Ambiente des eigenen Wohnzimmers eher zu locken als die in Graz immer noch urige Stadionatmosphäre, aber 9.255 sind für einen so sympathischen (Sturm ist sympathischster Verein Österreichs) und fußballerisch stark auftretenden Tabellenführer wohl einfach zu wenig.  Gut, verlieren wir kein Wort mehr darüber – die Mobilisierung der Fußballfans in Österreich ist ein altbekanntes Problem – auch in der schönen Steiermark: Wie in Graz üblich vermochte das Publikum, insbesondere die Nordkurve, dennoch wieder für gute Stimmung zu sorgen. Etwas getrübt dürfte diese zu Beginn dann aber doch gewesen sein, denn der beste Torschütze in Franco Fodas Reihen, Deni Alar, musste aufgrund seiner krankheitsbedingten Trainingsbefreiung unter der Woche vorerst auf der Bank Platz nehmen. An seiner Statt lief Philipp Zulechner auf – er bekam somit die Chance, zu zeigen, dass er mehr als nur ein Reservist ist. Kurz vor Ankick stand jedenfalls nur eine Marschrichtung zur Diskussion: Spiel auf Sieg – wenngleich gerade die Mattersburger in Graz einen guten Boden für sich selbst gefunden haben dürften! Immerhin blieben sie hier gegen den SK Sturm nämlich in sechs Spielen ungeschlagen.

Schlimme Vorahnung

Vor genau 364 Tagen trafen die beiden Mannschaften ebenfalls in Liebenau aufeinander – in den Wochen darauf sollte diese Begegnung als Beginn eines langen Absturzes angesehen werden, in dem Sturm den bis dahin sensationellen Vorsprung von acht Punkten auf RB Salzburg,schließlich verspielte. Damals gelang den Mattersburgern in der 94. Minute der späte Ausgleich zum 2:2 nach kapitalem Eigenfehler der Blackys und ähnlich wie vor knapp einem Jahr waren es auch diesmal die Mattersburger, die in Führung gingen. Zuvor kam Philipp Huspek in der zweiten Minute aber erstmals gefährlich auf der rechten Seite auf. Seine etwas unpräzise Flanke vermochte Philipp Zulechner im Fünfmeterraum per Kopf aber nicht zu erreichen. Kurz darauf ein Eckball für die Mattersburger: der Ball kam hoch in den Strafraum, dort wartete Velasco – der per Kopf übernahm. Über die Unterseite der Latte kam das Leder in das Tor – SCHOCK, 1:0 für die Mattersburger und ein einigermaßen kurioses Tor noch dazu. Das Leder wurde von Jörg Siebenhandl geklärt, jedoch erst, als es schon hinter der Linie war. Es zeigte sich einmal mehr, dass es tunlichst zu unterlassen wäre, dem Ligariesen (gemessen an der durchschnittlichen Spielergröße) Standards wie Eckbälle oder Freistöße ab der Mittellinie zu schenken – oder einfach nur irgendeine Möglichkeit, Flanken in den Strafraum zu schlagen.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie – Wir zeigen heute nur Jubelfotos!

Ausgleich, wie vor fast einem Jahr

In der achten Minute, die Grazer schienen sich von dem schnellen Rückschlag gut zu erholen, setzte Peter Zulj Marvin Potzmann gut in Szene, dessen Heber auf Zulechner, der abermals im Zentrum des Strafraums – eigentlich völlig richtig positioniert – wartete, fand sein Ziel nicht. Die Mattersburger traten sehr stark auf und schienen in vielen Situationen immer einen Schritt schneller am Ball zu sein, nur in folgender Situation erstmals nicht. Huspek setzte seine Gegner in der 14. Minute früh in deren Spielaufbau unter Druck und zwang Mattersburgs Nummer 18, Lukas Rath, somit zu einem fatalen Schnitzer – der schnelle Grazer reagierte erstklassig, holte sich das Spielgerät in weiterer Folge an der Grenze des gegnerischen Strafraums und hatte schließlich wenig Mühe damit, zum Ausgleich abzuschließen. Langsam aber doch kam Sturm daraufhin in der Partie an – immer wieder bekam man feine Spielansätze zu sehen, denen es lediglich an etwas Genauigkeit fehlte. James Jeggo, der mit seiner unglaublichen Laufarbeit ein ums andere Mal gleich mehrere Gegenspieler an sich zu binden vermochte, öffnete seinen offensiveren Kollegen immer wieder Räume, die vorerst jedoch ungenutzt blieben.

Sturm übernimmt Kommando

In der 27. Minute scheiterte ausgerechnet der Ex-Mattersburger Potzmann an jenem längst überfälligen Torerfolg, den wir ihm alle gönnen. Nach erneuter Huspek-Vorarbeit, ließ er den Ball über das Außennetz streifen. Die Hausherren hatten das Heft nun in der Hand, obwohl von ihren Gästen immer spürbare Gefahr ausging – die Herren in Grün-Weiß traten jedenfalls um einiges disziplinierter auf, als es die Veilchen in der vergangenen Woche zu Stande brachten. Trotz ihrer Feldüberlegenheit hatte der der SK Sturm an der Mattersburger Defensive einiges zu beißen. Auch kurz vor der Pause musste man daher von einem leistungsgerechten Remis sprechen, das vor allem auf Grazer Seite niemandem schmeckte. Daran hatte auch ein ambitionierter Versuch aus der Distanz von Potzmann nichts mehr zu ändern vermocht, ehe Schirineuling Walter Altmann zur Pause bat. 

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

Kreuzkruzifix!

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit bediente Fabian Koch seinen Gegner Micheal Perlak auf unglückliche Weise beinahe perfekt, so dass dieser Gelegenheit bekam, alleine auf das Tor zuzulaufen. Der Tiroler dürfte nun mit zumindest zwei Getränkeeinladungen in der Schuld stehen, denn dank des geistesgegenwärtigen Einschreitens Dario Maresics und Siebenhandls Coolness, der Keeper hatte mit dem schließlich schwachen Lupfer keinerlei Probleme, musste er sich keinen Gegentreffer ankreiden lassen. Wenig später musste jedoch die gesamte Defensive eine derartige Schuld aufbürden. Eine Flanke von Andreas „The Finger“ Gruber konnte nicht geklärt werden und Patrick Bürger tat das, wofür er bezahlt wird, nämlich Bälle über Linien zu schupfen. Bange Momente mit BÖSEN Vorahnungen! Sturm musste nun alles nach vorne werfen, die Mattersburger blieben mit ihren Kontern brandgefährlich. Auf der Seite des Heimteams machte sich nun deutliche Unsicherheit breit. Die Einwechslung Deni Alars für den Torschützen Philipp Huspek sollte dies wieder ändern, auch Thorsten Röcher kam zeitgleich ins Spiel – ihm musste Fabian Koch Platz machen.

Aufgeben gibt es nicht

In der 59. Minute setzte sich Potzmann auf der rechten Seite stark durch, schickte den frisch eingewechselten Röcher an die Grundlinie, dessen Hereingabe klärte Keeper Markus Kuster, die Möglichkeit zum Nachschuss ließ Stefan Hierländer aus. Die Gastgeber drückten nun aufs Gas – eine der folgenden Offensivaktionen brachte schließlich einen Elfmeter ein – man erinnere sich an dieser Stelle an das Spiel gegen die Austria – Zulechner wurde im Strafraum regelwidrig gelegt. Diesmal durfte Deni Alar nicht an den ruhenden Ball – Peter Zulj verwandelte er nach einer sonst eher durchwachsenen Partie zum 2:2-Ausgleich. Spätestens jetzt lagen die Nerven im Stadion blank – als wäre die Bude voll, schallten Fangesänge durch das Oval! Plötzlich war alles wieder drin! Schon in der 70. Minute überkam einen im Stadion dieses Nur-Noch-Drei-Minuten-Gefühl. Obwohl es auf keiner der beiden Seiten zu wirklich gefährlichen Abschlüssen kam, schien ein weiterer Treffer in dieser Partie unmittelbar bevorzustehen – zumindest gefühlsmäßig.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie

UND TATSÄCHLICH!

Unwiderstehlich setzte sich Emeka Friday Eze in der 86. Minute auf der rechten Seite durch, behauptete gegen zwei Gegenspieler den Ball und legte schließlich perfekt für Stefan Hierländer auf. 3:2! DREI ZU ZWEI! SPIEL GEDREHT! Der Kärntner vollstreckte sicher zur späten schwarz-weißen Führung ein. Einmal mehr explodierte Liebenau! Dann – im allgemeinen Jubel – ging Luki Krentls Ansage der Nachspielzeit beinahe unter. Vier quälende Minuten! Schiri, PFEIF ENDLICH AB!

Und dann setzte sie ein, diese unglaubliche Erleichterung, impliziert durch einen gellenden Schlusspfiff. Geschichte wiederholt sich nicht immer. Sturm zeigte an diesem Nachmittag Reife und der viel zitierte „Knacks“ bleibt eine Gruselgeschichte längst vergangener Zeiten.

Spieldaten

Galerie

 

 

 

10 Kommentare

  1. django sagt:

    Foda bei Sky , die Spieler sind zu selbst Kritisch , alter Schwede  das war Heute nicht Sturm , das einzige Positive waren die 3 Punkte , ich hoffe Foda ist bald Geschichte ,

    1+

    • fuchsrob sagt:

      @Django: Sei nicht so kritisch! 2x einen Rückstand wettmachen und dann noch gewinnen ist sensationell gut!! Sturm is net Barca 😉

       

      3+

    • Jimmy sagt:

      … und Mattersburg ein sehr unangenehmer Gegner, gegen den wir zu Hause seit 2012 nicht mehr gewinnen konnten. Gegen die tu ma uns einfach immer schwer – was zählt sind die 3 Punkte.

      2+

  2. renetotal sagt:

    @django: also so etwas gibts echt nur bei sturm. einen trainer in die wüste zu wünschen, der

    … nach 12 runden tabellenführer ist

    … nach 12 runden im schnitt 2,3 pkt geholt hat

    … ansprechenden und motivierten fußball spielen lässt

    ich finde so etwas ist einfach eine frechheit.

    4+

  3. Pata_Negra Pata_Negra sagt:

    Muss da auch den Vorpostern recht geben, dass wir nicht jede Partie dominieren und 5:0 nach Hause spielen, muss wirklich jedem klar sein (schafft auch Salzburg nicht).

    In Summe war aber der Siegtreffer ganz knapp vor Ende der Beweis, dass unsere Truppe sich im Vergleich zum Vorjahr stark verbessert hat und auch solche Spiele gegen (holzhackende) Gegner drehen kann (war eigentlich immer ein bissl unsere Achillesferse).

    Und man kann über Lord Franggo sagen was man will, aber auch er hat sich deutlich gesteigert (diese taktische Variabilität wäre vor Jahren ja noch völlig undenkbar gewesen) und die Mannschaft dorthin gebracht wo sie jetzt steht.

    Und jetzt weiter so, Kurs beibehalten.

     

     

    5+

  4. Fanatiker sagt:

    Solche Spiele muss man erst einmal gewinnen. Spielerrisch war es natürlich kein Highlight, trotzdem gratulation an die Mannschaft.

    Ich finde schon, das sich die Mannschaft gegenüber dem Vorjahr gesteigert hat, sowohl spielerich, kämpferisch und moralisch.

    3+

  5. jott1976 sagt:

    Foda macht Heuer sehr viel richtig. Er lässt die jungen Talente spielen. Er verfolgt nicht mehr nur stur eine Taktik. So wie Heute riskiert er auch gleich nach einem Rückstand.

    Weiß nicht was man hier an Foda kritisieren kann.

    Das die Jungs Heute den letzten Biss nicht von Beginn an gezeigt haben, kann man den Trainer nicht vorwerfen. Die Mattersburger haben Heute so gekämpft, wie die unsrigen noch vor 1 Woche gegen die Austria.

    Mund abputzen und die 3 Punkte mitnehmen. Freut euch doch ein wenig – Wir sind und bleiben der Spitzenreiter 😉

    4+

  6. wama sagt:

    natürlich freu auch ich mich über diese frei punkte. klar ansprechen sollte man aber dennoch das teilweise aufreizende getrabe zuljs, insgesamt zuwenig bewegung ohne ball, teilweise schwaches zweikampfverhalten, dazu kamen ein schlechter tag von koch und eine hundsmiserable vorstellung von zulechner, trotz herausgeholten elfers.

    erfreulich war röchers comeback, eze, der klar aufzeigte, dass er künftig vor zulechner zu reihen ist, auch wenn er teilweise noch zu eigensinnig agiert, und natürlich die moral der gesamten truppe gleich zwei rückstände zu drehen.

    fazit: über letztlich glückliche drei punkte beschweren brauchen wir uns nicht wirklich, der mattersburgheimbann wurde nach über 5 jahren wieder gebrochen und nach einem meisterschaftsdrittel ganz oben zu stehen, daheim weiter ungeschlagen zu sein, kann auch was.

    so darfs weitergehen!!!

     

     

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    • graz4ever sagt:

      Sry, aber das waren keine „glücklichen“ 3Punkte, sondern sehr hart verdiente, 3 erkämpfte Punkte, in einem Triumph des Willens..

      2+

    • jorge72 sagt:

      @ graz4ever – so schaut´s aus!!! es gibt eben einen kleinen aber feinen unterschied zwischen der ewigen jammerei von einigen hier und konstruktiver kritik!!!

      1+

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