Sturm verlässt Wien mit dickem Veilchen

Spielbericht Austria Wien vs. SK Sturm 2:1 (0:0)

Nach dem vorzeitigen Aus in der Europa League war der SK Sturm bei Austria Wien auf Wiedergutmachung aus. Zwei der großen Klubs der Bundesligageschichte, die sich in schwierigen Situationen befinden. Während die Schwoazen seit sieben Pflichtspielen auf einen vollen Erfolg warteten, blieben die nur achtplatzierten Violetten zwei Spiele lang tor- und erfolglos. Knapp ein Jahr nach dem fulminanten 4:0-Auswärtssieg in der Wiener Generali-Arena, was gleichzeitig der höchste Erfolg der Grazer beim ewigen Konkurrenten bedeutete, war ein Sieg für die Blackys nötiger denn je, um die Qualifikation für das Meister Play-off endgültig unter Dach und Fach zu bringen. Im Vergleich zur 0:2-Niederlage bei PSV Eindhoven am Donnerstag nahm Trainer Christian Ilzer drei Änderungen vor. Statt Lukas Jäger spielte Jusuf Gazibegovic wieder hinten rechts, Alexander Prass erhielt gegenüber Manprit Sarkaria den Vorzug und Anderson Niangbo kehrte in der 4-3-1-2-Formation für Ivan Ljubic auf die Zehn zurück.

Zäh, Zäher, Sturm

Sturm startete vor erneut leeren Rängen motiviert und mit viel Elan in die Partie. Aus vielen ansehnlichen Ballstaffetten und Kombinationen enstanden mehrere Eckbälle, die aber nicht für Torgefahr sorgten. Ein Bild, das wir zumindest zu Saisonbeginn nach Standards nicht in dieser Harmlosigkeit gewohnt waren. Der ohnehin nicht 100%ig fitte David Affengruber wurde in der Anfangsphase von den Austrianern besonders hart forciert und musste einiges einstecken. Ex-Blacky und Doppeltorschütze im Hinspiel (2:2) Marco Djuricin kam nach einer Viertelstunde zu einer guten Kopfballchance, köpfte aber drüber. Bis zur nächsten nennenswerten Aktion dauerte es weitere fünfzehn Minuten. Ein Schuss von Jakob Jantscher wurde von Austria-Kapitän Markus Suttner im letzten Moment zur Ecke abgefälscht, die wiederum mit einem Tormannfoul an Patrick Pentz endete. Noch knapper am Torerfolg war zwei Minuten später Aleksandar Jukic, dessen Schuss von der Strafraumgrenze nach gut angetragenem Angriff über Ziad Ek Sheiwi nur hauchdünn an der langen Ecke vorbeihuschte. So zäh das Offensivspiel beider Mannschaften auch war, standen die Defensivreihen äußerst gut und besonders die Grazer legten ein intensiv körperbetontes Spiel mit viel Pressing in der gegnerischen Hälfte an den Tag. Das bekam Suttner zu spüren, der nach einem Zweikampf mit Kevin Yeboah frühzeitig w.o. gab und ausgewechselt werden musste. Bezeichnend für die erste Hälfte: Ein von Jon Gorenc Stankovic abgefälschter Schuss sorgte nicht nur für den ersten Eckball der Heimmannschaft, sondern auch für einen verhältnismäßig brenzligen Abschluss. Kurz vor Pausenpfiff hätte Djuricin beinahe für die nicht unverdiente Führung der Austria gesorgt, bei seinem Schuss auf das kurze Eck war aber Jörg Siebenhandl zur Stelle. Die darauffolgende Ecke war auch nicht ungefährlich, aber es blieb beim 0:0-Pausenstand. Ernüchternd aus der Sicht der Grazer, die sich in einem insgesamt schwachen Fußballspiel nicht über einen Rückstand beschweren hätten dürfen.

 Die erste Halbzeit war von intensiven Zweikämpfen geprägt. | ©SturmNetz

Leistungssteigerung kommt zu spät

Den Aufwind vor der Pause nahmen die Veilchen nahtlos in die zweite Halbzeit mit. Kaum hatte Schiedsrichter Manuel Schüttengruber den zweiten Durchgang angepfiffen, klingelte es bereits im Tor der Grazer. Nach gefälliger Kombination spielte Djuricin den freigelaufenen Muharem Huskovic zu, der Siebenhandl aus kurzer Distanz keine Chance ließ. Für die Austria war es das erste Tor seit dem 31.Oktober. Fünf Minuten danach hatte Jantscher den Ausgleich am Fuß, scheiterte aus spitzem Winkel aber am gut positionierten Pentz. In Minute 56 wäre er chancenlos gewesen, hätte Yeboah den Ball nach guter Flanke von Andreas Kuen und schöner Ballannahme an ihm vorbei und nicht an den Pfosten gelegt. Ilzer wechselte nach den beiden Topchancen offensiv und brachte für Amadou Dante den zuletzt leicht wiedererstarkten Sarkaria. Der Höhenflug wurde mit einer Hiobsbotschaft wenig später dramatisch unterbrochen. Völlig unnötig rutschte Kuen dem Gegenspieler in die Hacken und holte sich nach 60.Minuten eine rote Karte ab. Somit mussten die Blackys in der letzten halben Stunde in Unterzahl gegen den Rückstand ankämpfen. Ilzer musste seine offensiven Absichten in Folge wieder relativieren und ersetzte Jantscher mit Ljubic. Die Austria überließ Sturm trotz Überzahl den Ball und verlagerte sich zunehmend aufs Kontern. In der 76.Minute pressten sie einmal richtig drauf und konnten prompt zum zweiten Mal jubeln. Eric Martel nutzte das naive Defensivverhalten von Niangbo und dem eingewechselten Alexandar Borkovic, eroberte den Ball und chippte ihn auf Jukic, der sich aus ähnlicher Position wie beim 1:0 nicht zweimal Bitten ließ. Vier Minuten danach traf der ehemalige Austrianer Sarkaria nach übersichtlichem Zuspiel von Niangbo sehenswert ins Kreuzeck und sorgte für eine spannende Schlussphase. Zuvorgegangen war ungeschicktes Abwehrverhalten der Austria und starkes Anrennen der Grazer Vorderfront. Siebenhandl hielt Sturm mit zwei starken Paraden im Spiel und war auch bei einem Abschluss von Manfred Fischer zur Stelle. Der eingewechselte Can Keles verpasste die Vorentscheidung mit einem Schuss ans Außennetz ebenfalls. Obwohl Sturm sich in Unterzahl wacker verkaufte und in Halbzeit zwei eine klare Leistungssteigerung verzeichnen konnte, blieb es schlussendlich bei der gerechten Niederlage.

In Halbzeit zwei jubelte die Austria gleich zweimal. | ©SturmNetz

Luft wird immer dünner

Der bis dato letzte Sieg der Grazer liegt damit schon fast zwei Monate zurück, als man die SV Ried am 17.Oktober zuhause knapp mit 1:0 besiegen konnte. Auswärts ist man sogar bereits seit Ende September sieglos. Die Niederlage bedeutet auch, dass Sturm vor dem Nachholspiel beim SCR Altach am Mittwoch drei Punkte hinter dem zweitplatzierten Wolfsberger AC auf Platz zwei verweilt. Von hinten macht mittlerweile Austria Klagenfurt kontinuierlich Druck. Die vorzeitige Qualifikation für das obere Play-Off wurde wieder nicht fixiert und nach dem Aus in Europa League und ÖFB-Cup wurde auch die Formkurve nicht wieder nach oben gelegt. Der Schatten der Krise liegt somit weiterhin über der Merkur Arena. Vielleicht kommt das Duell mit dem Tabellenletzten im Ländle daher genau zum richtigen Zeitpunkt.

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11 Kommentare

  1. Ennstaler sagt:

    Das Mittelfeld ist die größte Baustelle bei Sturm, hier muss spätestens im Sommer eine große Lösung kommen.

    • fuchsrob sagt:

      @Ennstaler: sehe ich genauso!
      Ohne Oti haben wir im MF momentan keine offensive Schaltzentrale und auch von den Flanken kommt wenig Druck! Da müssen wir unbedingt nachbessern.

  2. Ferdi sagt:

    Niiiieeee und nimmer „Glatt-Rot“ für das Foul von Kuen!
    Übrigens hat der Schiri die „Arschkarte“ aus der Brusttasche gezogen.

    • black_aficionado sagt:

      also bitte…was wenn nicht glatt Rot soll das denn sonst gewesen sein? Anders gefragt, was muss passieren, dass ein Foul für dich mit Rot zu ahnden wäre?

      Wer seinem Gegner im Vollsprint so hinterherhüpft, der braucht sich über diese Farbe echt nicht zu wundern! Selbst wenn ein wenig der Ball dabei war, er fährt ihm halt schon auch komplett in die Stecken und riskiert ohne Rücksicht auf Verluste eine Verletzung des Gegners!

      Es passt leider zu seiner Form. Licht und Schatten wechseln sich da minütlich ab – für mein Dafürhalten, war das eine sehr brauchbare Leistung von ihm (in einer recht schwachen Offensive) und er zerstört sich halt durch den Kurzschluss wieder alles…

    • fid82 sagt:

      Bin bei black_aficionado!
      Roter wird es nimmer!
      Klare Rote! Nicht nur weil es offensichtlich aus Frist war.

  3. Schworza99 sagt:

    Das war (wieder einmal) nichts. Anfangs gut verteidigt und auch leicht die Überhand gehabt. Je weiter man am Spielfeld voran kommt desto düsterer wird es. Offensiv eine absolute Bankrotterklärung. Wir spielen mit theoretisch 3 Stürmern zählt man Niangbo mit und man hat nie das Gefühl ein Tor liegt in der Luft. Diese Flaute ganz vorne war absehbar, haben wir schon vor der Saison diskutiert. Niangbo zum 10 umerziehen ist halt auch irgendwas. Den Lang reinwerfen und dann aufs Beste hoffen ist halt auch Verzweiflung pur. Vorne muss im Winter was passieren sonst könnte es mit den Top 6 schwer werden. Auch die nächsten 2 Spiele werden Schnittspiele werden. Was nun kommt wird die erste Bewährungsprobe für Ilzer. Sollte unsere gewohnte Frühjahres Schwäche zusätzlich einsetzen könnte es noch mühseliger werden als jetzt schon. Im Mittelfeld kann man sagen sind viele verletzt, vorne zählt diese Ausrede nicht.

    • blackfoxx sagt:

      Ganz kann ich dir da nicht zustimmen – „vorne“ haben wir eigentlich 3 spieler die regelmäßig treffen, da haben wir schon andere zeiten erlebt…was mir momentan sehr zu denken gibt ist unsere desaströse Defense…bis auf das eine spiel gegen Ried (1:0) haben wir immer mehr als 2 Tore bekommen! 4 gegen salzburg, 3 gegen Hartberg, Lask, WAC und heut wieder 2…wennst immer mind. 3 tore für einen punkt brauchst, wirds halt eng…aktuell sind wir die schießbude – die gegner müssen nur halbwegs kompakt stehen und auf unsere slapstick tore warten…so wirds noch eng mit OPO!

  4. Supersturm sagt:

    Augenscheinlich ist, dass viele unserer Kicker eine Pause dringend nötig hätten – so auch die bisher hervorragenden Wüthrich u. Stankovic. Dante sowieso, auch JJ…

    Die einzige Rotation, die Ilzer betreibt ist „Gazibegovic für Jäger u. umgekehrt“, „Kuen, Ljubic, Prass – je nachdem, wer die Schuhe am schönsten geputzt hat..“
    Es kann doch nicht sein, dass wir gg. die Austria als einzigen Offensivspieler den Lang sitzen haben, dafür aber 3 echte Verteidiger.. – wenn der Krienzer nichts taugt u. offensichtlich nicht bundeligatauglich ist, warum haben wir ihn behalten? Dardan Sh. wurde dafür nach Kapfenberg verschoben..
    Ich finde auch, dass Huspek selten das gebracht hat, was man sich von ihm erwartet hat, aber in der jetzigen Situation, wäre er sicher wieder eine Alternative..
    Wo sind unserer hochveranlagten Eigenbauspieler?? Der für mich beste Austrianer war gestern der 17-jährige auf der linken Außenbahn u. auch der U21-Stürmer vorne hat unsere Abwehr ganz schön beschäftigt.. Können unsere Jungen das nicht??
    Und: Otar ist offensichtlich wirklich nicht zu ersetzen

  5. Wie schaut es eigentlich mit Wintertransfwrs aus, mit diesem Kader
    weeden wir in der OP, sollten wir sie
    überhaupt erreichen, sicherlich keine
    Chancen haben

  6. fid82 sagt:

    Doch haben wir.
    Der Kader ist ohne Dppelbelastung meiner Meinung nach sogar recht groß. Egal , wer da ins OPO kommt, der 2. Platz ist drin. Zuerst müssen wir mal ins OPO.

    • Tobias sagt:

      Platz 3 würd ich wieder mit Handkuss nehmen. Mit Platz 2 hat man allein 6 Quali-Spiele und keine fixe Gruppenphase. Was daraus resultiert sah man bei Rapid. Zerfall bereits Ende August, was derzeit bei uns der Fall ist.
      Aber bis dorthin ist es noch ein weiter Weg.

      Aber wie immer gilt: Was vor der Punkteteilung passiert ist so egal, solange wir im Meisterplayoff sind. Danach ist ohnehin alles wieder beisammen.

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