Sturm trat auf wie Sturm

Was für ein Spiel, WHAT A GAME. Wieder ging man sehr früh in Rückstand, dieses Mal sogar doppelt, doch was Sturm dann machte, sollte eigentlich für den Mythos rund um den Verein typisch sein, wäre da nicht das Sturm Graz der letzten Monate, wenn nicht Jahre, gewesen, das ein derartiges Ereignis wie gestern geradezu unmöglich erscheinen lässt. Zwar waren die Blackies in der abgelaufenen Saison jenes Team, welches die wenigsten Gegentreffer in den ersten 15 Spielminuten hinnehmen musste, aber davon ist hier nicht die Rede.

Diese junge Mannschaft auf dem Feld steckte gegen SKN St. Pölten nie auf, zu keinem Zeitpunkt. Im ersten Bundesligaspiel zeigte man in Graz ein Gesicht, das sich jeder Sturmfan von seiner Mannschaft wünscht. Geschlossen wurde unbändiger Siegeswille demonstriert. Mut, Feuer, Leidenschaft – beinahe gänzlich abhanden gekommene Attribute, deren Bedeutung wieder in Erinnerung gerufen wurde.

Die Szenen nach den Toren zum zwischenzeitlichen 1:2 und auch nach dem Ausgleich zeigten das wunderschöne Herz dieser Mannschaft. Man jubelte nicht ausgelassen vor den Fans, poste nicht unnötig , sondern schnappte sich den Ball, lief zurück zum Mittelkreis und wollte weiter spielen, wollte diesen Sieg. Um jeden Preis. Man gab sich schließlich auch nicht mit dem Unentschieden zufrieden, nein, man wollte den Sieg. Alles andere schien nicht akzeptabel. Und diese Einstellung spürte man auf den Rängen.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Verhaltene Aufstellung

Franco Foda zeigte in diesem Spiel, dass eine taktische Startaufstellung auf dem Papier im Spiel oft ganz anders funktionieren kann. Die Doppelsechs im Zentrum war nie als defensiver Verbund präsent, James Jeggo orientierte sich deutlich weiter nach hinten, als das noch Sandi Lovric in den ersten Pflichtspielen tat, was Peter Zulj umso mehr Freiräume im Spiel nach vorne ließ. Seine Mitspieler hatten in der Vorwärtsbewegung eine klare Anspielstation, wussten, wen sie einbinden mussten, wenn der Ball den Weg nach vorne finden sollte. Jedoch wusste der Neuzugang aus Ried diese Rolle noch nicht vollends zu erfüllen, doch zeigte er zum Beispiel beim 1:2, dass er durchaus über das Talent und die notwendige Spielintelligenz verfügt, welche Sturm seit dem Abgang von Uros Matic abhanden kam.
Sehr lobend muss man natürlich auch erwähnen, dass sich Zulj in der Nachspielzeit dieser intensiven Partie dem Elfmeter stellte, als Neuzugang für die gesamte Mannschaft die Verantwortung übernahm und sich dann selbst sowie die ganze Mannschaft für ein sich aufopferndes Spiel am Ende verdienterweise belohnte und dem leidgeprüften Sturmfan ein seltenes, höchst emotionales Erlebnis bescherte. Jene Fans, die zwar mit etwas mehr als 7.000 ZuseherInnen im Stadion nicht gerade zahlreich erschienen, die aber eine Stimmung erzeugten, wie man sie sich in einem vollen Haus nur wünschen kann. Weder nach dem 0:1, noch nach dem 0:2 waren Pfiffe zu hören. Die Kurve wusste, die Mannschaft habe noch genügend Zeit, um diesen Fehler auszugleichen und um diesen Husarenritt zu bewältigen, benötige sie den unbändigen Support der Kurve. Das wusste sie, das lieferte sie. Außerdem zeigt dies, dass – unabhängig vom Spielstand – der gemeine Fan ein gutes Spiel durchaus als solches zu erkennen vermag.

 © Martin Hirtenfellner Fotografie

Am Ende

Am Ende war dies alles eine perfekte Mischung. Aus den Fans, die ihre Mannschaft bis zur letzten Minute innbrünstig unterstützen. Aus einer Mannschaft, die nie aufsteckte, immer dynamisch und schnell in die Spitze spielen wollte, viel rotierte und das, obwohl man noch vor wenigen Tagen ein kräfteraubendes Spiel, inklusive Reisestrapazen hinter sich gebracht hatte. 

Am Ende, war es einfach Sturm Graz, wie es mich stolz macht, wie ich mein Sturm Graz sehen will. Denn am Ende verwandelte man seit sieben Jahren endlich wieder einmal einen 0:2 Rückstand in einen Sieg. Am Ende erübrigt sich bei dieser Mannschaftsleistungen jede Diskussion. Am Ende belohnt man sich mit dieser Einstellung selbst. Und am Ende bringt diese Einstellung den Sieg und die Gunst der Fans. Bitte mehr davon. Sturm war schon zu lange nicht mehr Sturm.

5 Kommentare

  1. RAM6I sagt:

    Artikel Top!!!

     

    Yes, That´s it.

    Endlich sahen wir wieder weißen Schweif durch das Stadion schweben, ob er länger und anhaltet bleibt werden die nächsten Spiele zeigen.
    Danke der Mannschaft für diese Vorstellung. Natürlich war es kein Gala Abend der Technik doch verlangt hat dies nie einer. Eher verlangte man den Geist von Sturm wieder zu erwecken und gestern dürfte Sie es geschafft haben ihn mal aus seinem Tiefschlaf zu wecken.

    Natürlich war ich nach dem 0.2 schon extrem bedient doch man spürte etwas. Dieses Etwas gab dir ein Gefühl das schon zu lange nicht mehr an der Haut des Fans zu spüren war.
    Das Gefühl des unbedingten Willens der Mannschaft, es wurde nicht minutenlang die selbe Seite bearbeitet. Nein man gab sich flexibler als Spieler und Mannschaft

    Genau die Dinge die der Fan sehen will…keinen sturen langen Ball nach vorne und das immer wieder.
    Nein es wurde probiert von links von rechts, durch die Mitte vom Himmel herab nur um endlich diesen mehr als verdienten Ausgleich zu machen.

    Und am Ende wurden Sie unter fast Meister ähnlichen Parolen zum verdienten Sieg gepeitscht.

    Das ist es was Graz ausmacht und Sturm bekannt machte.

     
    Genau die selbe Leidenschaft muss am Donnerstag gezeigt werden und wenn es am Ende ein 5:4 wird.

    7+

    • graz4ever sagt:

      Ja Artikel TOP, genau wie dein Posting!!!

      Beides spricht mir aus der Seele und darum auch @Rami DANKE 🙂

      7 Jahre!!!…unfassbar, so lang, daß i das Zeitgefühl diesbezüglich scho lang lang verloren glaubte..

      1+

    • RAM6I sagt:

      @graz4ever: Danke Dir!

      1+

  2. Manuel Lampl sagt:

    Ser guter Artikel – ich hoffe, sturm wird wieder einmal sturm und wenn es nur einmalig wäre wie in dieser Saison, nehme ich mit.

     

    Wieder ein tiddel wäre schön.

    Nicht realistisch ich weiß, aber auch nicht unrealistisch :):):)

    4+

  3. brent_everett sagt:

    Den Nagel auf den Kopf getroffen! Das ist Sturm: sich gegen einen stärkeren Gegner (wie hoffentlich Donnerstag) nicht verstecken oder wie gestern gegen einen schwächeren Gegner – bei unglücklichem Spielverlauf – das Glück erzwingen. Man hat eindeutig in HZ 2 gespürt, da geht noch was. Da ist plötzlich sowas wie Sturmgeist spürbar gewesen. Drum haben alle gejubelt wie nach einem Titelgewinn (das kapieren die Skytypen halt nicht). Ich hoffe, dass FF daran gefallen gefunden hat u alle nach geilem Fußball hungernden Sturm Aficionados endlich mit risikoreicherem Fußball begeistern will! 

    7+

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