Sturm mit dem Wolfsberg-Double

Amateure besiegen den ATSV – der Spielbericht:

Was war das für 1 Wetter gestern in Graz-Messendorf beziehungsweise später in Liebenau.. Es fühlte sich nach irgendwas zwischen Frühling/Spätsommer/Hochherbst an, als wir uns kurz vor Ankick der Begegnung der Sturm Amateure gegen den ATSV Wolfsberg zur 20. Runde der Regionalliga Mitte im durch die Sonne fett in Szene gesetzten und allromanmählich blühenden Trainingszentrum Messendorf eingefunden hatten. Der Winter war definitiv vorbei – Veränderung lag in der Luft. „Was ist das für 1 life?“ – fragten wir uns – mit einem kühlen Pivo in der Hand, den viel zu coolen Sonnenbrillen auf der Nase, noch immer über diverse Reaktionen zum Offi-Joke lachend und auf den Anpfiff wartend, der wiederum allerdings etwas auf sich warten ließ. Das Tornetz streikte, ließ sich hängen und musste gefixt werden. Alles kein Problem! Bierbank und Kabelbinder – mehr braucht der moderne Sturm-MacGyver von heute nicht, ehe mit zehnminütiger Verspätung der Ankick zum Auftakt des Wolfsberg-Doubles erfolgen konnte – dem MacGyver sei Dank, der unter frenetischem Beifall seine Bierbank unter den Arm packte und das Feld für die eigentlichen Akteure des Nachmittags wieder räumte. Er war der heimliche Held des 1. April 2017.

© Martin Hirtenfellner – Fotografie

Frühlingsfrische erste Halbzeit

Von Beginn weg wusste die junge Sturm-Truppe rund um Coach Markus Schopp die Gäste von über der Pack zu dominieren. Die Kugel zirkulierte gut in den eigenen Reihen, was aber dem teils recht skeptischen Publikum nicht so sehr imponierte, die mit „net immer hintn ummi!“-Zwischenrufen ihren Unmut auch nicht für sich behielten. Für uns an dieser Stelle nicht ganz nachvollziehbar, standen die Gäste doch von Anfang an hauptsächlich mit elf Mann in der eigenen Hälfte, machten dort die Räume eng und zeigten sich primär bemüht, hinten nichts anbrennen zu lassen. Eben genau so, wie man sich den Auftritt einer abstiegsgefährdeten Mannschaft im Auswärtsspiel gegen einen direkten Konkurrenten vorstellen kann.

Es zeichnete sich also ein Geduldspiel für die jungen, spielfreudigen Blackys ab, die aber im Verlauf der Begegnung immer häufiger und mit teilweise echt sehenswerten Kombinationen Lücken in der gegnerischen Gefahrenzone aufreißen konnten. Beispielsweise gleich mal in Minute vier, in der Romano Schmid am rechten Flügel Tempo aufnahm, den perfekten Stangler in den Fünfer brachte, in dem Sebastian Mann beim Abschlussversuch allerdings mit dem Schuss-Stecken im erdigen Torraum hängen blieb. Zehn Minuten später notierten wir uns dann den ersten Torschuss, nachdem Kapitän Ervin Bevab einen Freistoß in den Strafraum auf den agilen Schmid chipte, der in weiterer Folge aber nicht genügend Power hinter seinen Schuss bekam (14.). Kein Ding für Gäste-Keeper Max Friesacher, der bereits zu diesem Zeitpunkt weitaus mehr gefordert war, als sein Pendant auf der gegenüberliegenden Seite – Tobias Schützenauer, der, aufgrund der spärlich gesäten Konterbemühungen des ATSV, wohl auch ein bisserl die Sonne genießen konnte. Keine Minute später war`s dann allerdings auch für „Schützi“ soweit: langer jedoch ungenauer Ball der Gäste in die Spitze, Ausflug im Neuer-Style des Sturm-Keepers, sehr gut antizipiert, mit einem Hackerl vor dem eigenen Sechzehner den Gegenspieler aussteigen lassen und das Spiel eröffnet. Nix mit Sonne genießen also – Schützi brannte!

Die Sturm Amateure agierten in weiterer Folge äußerst bemüht, gingen gut in die Zweikämpfe – vor allem Schmid, so fiel es uns auf, sorgte mit teilweise sehr gutem Pressing für einige Balleroberungen im Zentrum – und waren zu diesem Zeitunkt mit einer gefühlten 90:10-Ballbesitzstatistik dem ATSV Wolfsberg haushoch überlegen. Einzig die letzte Effizienz in der gegnerischen Gefahrenzone ließ noch auf sich warten. Bis zur 28. Spielminute. Da klingelte es dann endlich: Brajan Grgic mit der punktgenauen Flanke auf Thomas Gösweiner, der sich im Zentrum gut löste und mit der Brightseite volley auf 1:0 für die Jung-Blackys stellte. Eine gewisse Erleichterung war spürbar. 

Infolgedessen auch spürbar war die Tatsache, dass die Führung dem Spiel der Grazer sehr sehr gut tat. Weitere piekfeine Aktionen, wie zum Beistrich ein Freistoß-Fetzen von Dario Maresic aus 35 Meter (31.) oder, nach einer zuvor wunderbaren Ballstafette, ein Abschluss von Marco Sebastian Gantschnig, bei dem sich Friesacher auszeichnen konnte (36.), folgten. Als logische Konsequenz ertönte dann Minuten später der Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Smolinski. Logisch deshalb, weil eh nicht mehr viel Material in diesen ersten Durchgang passte. 15 minütiges Break – wir freuten uns fast ein bisserl auf den Schatten.

© Martin Hirtenfellner – Fotografie

Licht und Schatten…und viel Licht

Dieser überdauerte zunächst allerdings nur die Pause. Nach dem Wiederanpfiff folgte erneut viel Licht im Spiel der Grazer, die relativ schnell das selbe Bild ins Messendorfer Grün zeichneten, wie in Durchgang eins. Die Sturm Amateure machten das Spiel, die Gäste verteidigten und suchten ihr Glück im Konter. Glück hatte auch ATSV-Tormann Friesacher bei einem Grgic-Hammer aus gut 30 Meter, der knapp am Gehäuse vorbeizischte. Glück in doppeltem Sinne, denn wäre er an den noch ran gekommen, er hätte sich zukünftig wohl einen Handschuh erspart (48.).

Dann, ein Wölkchen. Kurz war`s dunkel. Muss so gewesen sein, denn anders war Schmids Blackout nicht zu erklären: Fehler der Wolfsberger im Spielaufbau, der junge Philipp Sittsam schnappte sich die Haut, nahm Tempo auf, zog in dem Strafaum, legte kurz vorm Eins gegen Eins mit Friesacher quer auf Schmid, der am Elferpunkt über das leere Tor nagelte (57.). Scheiße passiert. Beeindruckend dann jedoch ein paar Minuten später die nächste Aktion von Schmid, als er im Zentrum ein Kopfballduell gegen zwei Wolfsberger gewann, die beide geschätzt jeweils eineinhalb Meter größer waren, als der kleine Romano.

Die Sturm Amateure kreierten weitere Chancen – etwa ein Gösweiner-Kopfball, der Friesacher in die Knie zwang, oder ein Sittsam-Schuss am langen Eck vorbei – verabsäumten in dieser Phase jedoch, den Sack zu zu machen, den Drops auszulutschen, was ein klar definiertes Problem der Sturm Amateure in dieser Saison darstellt. Denn so wurde es in der Schlussphase nochmal spannend, ohne dass es jedoch wirklich spannend wurde. Hätte es aber werden können, beispielsweise als Patrick Pfennich einen Distanzschuss knapp neben das Gehäuse von Schützenauer setzte (67.), was für im Kärntner Dialekt gefärbte Jubelchöre auf den Rängen sorgte, da die Gäste-Anhängerschaft hier irgendwie den Ausgleich erkannt hatte. Jedoch eben nur diese.

Die Jung-Blackys in weiterer Folge noch mit der einen oder anderen guten Möglichkeit, die Pille wollte aber einfach nicht rein und so kam, was wieder mal kommen musste: hektische Schlussminuten. Wieder Schatten in Messendorf. Plötzlich waren es nämlich die jungen Grazer, die sich in einem bis dato eigentlich auf allen Ebenen überlegenen Auftritt ab der 89. Minute mit elf Mann in die eigene Hälfte drängen ließen. Gefährlich wurde es in diesem Spiel zwar nicht mehr, hätte der Gegner allerdings Hartberg oder Gleisdorf geheißen – nun ja – Konjunktive und so..

Die Sonnenuhr zeigt 1,5 Stunden vor Liebenau

Nach 90 und ein paar Minuten war dann Schluss. Die Sturm Amateure behielten die so wichtigen Punkte in Graz, hüpfen auf Tabellenrang 13 und konnten sich damit ein wenig Luft für die kommenden Aufgaben verschaffen – nächsten Dienstag wartet im Nachtragsspiel der 19. Runde auswärts ASV Allerheiligen (Platz 12, Ankick 19:00 Uhr) und am Samstag die auf Platz zehn rangierende SPG Pasching/LASK Juniors (Ankick 15:00 Uhr) – warum dort nicht gleich nachlegen?

Der Himmel war also wieder blau, die einzelnen Wolkenbänder verschwunden – was uns für das unmittelbar darauffolgende Match der Kampfmannschaft optimistisch stimmte, zu dem wir uns auch unmittelbar nach dem Schlusspfiff auf den Weg machten. Leise optimistisch, dachten wir uns, denn ob das Wetter auch wirklich hielt, wusste zu diesem Zeitpunkt von uns natürlich keiner. Tat es auch nicht, es wurde noch ein Stück besser…

Spieldaten

Aufstellung Sturm Amateure: Schützenauer; Seidl, Maresic (46. Piras), Gantschnig, Skrivanek; Bevab (86. Wagnes); Sittsam, Schmid (66. Puster), Mann, Grgic; Gösweiner

Ersatzbank: Giuliani, Piras, Wagnes, Puster, Lema

Schiedsrichter: Roman Smolinski, bzw. Hans Buchner, Gerhard Kriener

Zuschauer: 250

Galerie:

3 Kommentare

  1. graz4ever sagt:

    Also Romano Schmid sollte so schnell als möglich, behutsam schon die näxte(n) Saison(en) langsam für die A-Mannschaft aufgebaut werden!!!

    Das is ne ECHTE!!! Zukunftsaktie

    Werde mir, wenn möglich, die näxten Ama-Games, reinziehen! Hört sich auch sehr erfrischend an 🙂

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  2. kato kato sagt:

    Erstmal ein Lob für den Matchbericht, danke dafür. Die Amateure kicken ja sonst meist unterhalb der Wahrnehmungsschwelle…

    Zweitens eine Frage angesichts der derzeitigen Innenverteidiger-Situation in der Kampfmannschaft: Wie hat Maresic gespielt? Ist er bereit für Salzburg? Warum wurde er in der Halbzeit ausgewechselt?

     

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    • Stefan Wilfing sagt:

      Gut hat er gespielt, die Auswechslung war sicher nicht leistungsbedingt. Ob das schon für Salzburg reicht, ist schwer zu beantworten. Für die Bank wäre er definitiv eine Option, für die Zukunft sowieso.

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