Sturm missachtet Artenschutz – 11 Wölfe abgeschossen

Spielbericht: SKN St. Pölten vs. SK Sturm Graz 1:5 (1:2)

44 Punkte. Exakt so viele trennen den Tabellenzweiten SK Sturm Graz im Vorfeld des letzten Saisonviertels vom Schlusslicht SKN St. Pölten. Die Wölfe aus Niederösterreich sind auch der Hauptgrund dafür, warum sich das Rudel aus Wolfsberg mit mageren 20 Zählern am Konto (noch) keine Sorgen um den Abstieg machen muss. Generell dürfen sich die Alphatiere der beiden Vereine glücklich schätzen, dass es in dieser Saison keinen Fixabsteiger aus der Bundesliga gibt, da Wölfe in Österreich unter Artenschutz stehen. Den Steirern hingegen drücken die Abstiegsängste der beiden Tabellennachzügler nicht mehr als ein Furz vom Osterfleisch. Mit elf Punkten Vorsprung auf Rang drei und acht Zählern Rückstand auf RB Salzburg hat man sich Platz zwei zu eigen gemacht. Ein Ausrutscher nach oben scheint gleich unwahrscheinlich wie einer nach unten, jedoch hat die Saison noch neun Spiele zu bieten – heißt, 27 Punkte zu vergeben. Gegen St. Pölten könnte man mit den ersten drei Punkten den Grundstein zur tabellarisch erfolgreichsten Saison seit dem Meistertitel 2010/2011 legen.

Coach Heiko Vogel will nach der 0:2-Testspielpleite gegen den SV Lafnitz naturgemäß wieder siegen, muss jedoch auf Marvin Potzmann verzichten, der nach der Partie gegen den Regionalligisten an Knöchelproblemen laboriert. Statt ihm findet sich erstmals seit seiner gelb-roten Karte gegen Salzburg wieder Thomas Schrammel in der Startaufstellung wieder. Ansonsten hat der deutsche Trainer keine Osterüberraschungen zu präsentieren, Bright Edomwonyi bildet mit Deni Alar den Doppelsturm, Jakob Jantscher kommt auf links zum Zug, das Zentrum beackert Peter Zulj im Duett mit James Jeggo. Bei den Niederösterreichern steht Sturm-Leihgabe Luan Leite in der Startformation und wird wohl alles dafür geben, dass die Steirer heute ohne Torerfolg bleiben. Nicht nur zuletzt, um Geschäftsführer Sport Günter Kreissl und Trainer Heiko Vogel davon zu überzeugen, für die kommende Saison eine ernsthafte Option in der Innenverteidigung der Schwarz-Weißen zu sein.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

3 Eier mit Kren

Vor magerer Zuseherkulisse in der NV Arena zur Bimbo-Binder-Promenade startet der Gastgeber spritziger in die Partie, ein guter Spielzug in der ersten Minute wird wegen einer Abseitsstellung zurückgepfiffen, kurz später köpfelt Michael Huber nach einem Freistoß Jörg Siebenhandl in die Arme. Doch nach nur sieben gespielten Minuten hat es sich ausgespritzt, Bright Edomwonyi schnappt sich die Kugel, setzt zum Solo an und schließt eiskalt zur frühen Führung für die Steirer ab. Fünf Minuten später hätte Christoph Riegler beinahe das nächste Osterei aus seinem Nest fischen dürfen, verhindert mit einer Traumparade jedoch, sodass eine Volleyabnahme von Fabian Koch im Strafraum nur einen Eckball zur Folge hat. Alar kommt nach diesem im Übrigen frei zum Schuss, verzieht mit seinem schwächeren rechten Fuß jedoch deutlich. Dann tut sich länger nichts Nennenswertes, St. Pölten wird mit Fortdauer des Spiels aber immer offensiver – die Abschlussschwäche der Blau-Gelben verdeutlicht aber, warum sie in der Tabelle dort stehen, wo sie nun einmal sind.

Es kommt nicht darauf an, wie viele wir sind, sondern wie laut wir sind – Stadionsprecher Franky Kramml

Just in die Stärkephase der Wölfe hinein läuft Jakob Jantscher die komplette linke Außenbahn ab und spielt den Stanglpass zur Mitte. Deni Alar wird beim ersten Versuch noch gestört, kann seine zweite Chance aus einem Meter jedoch problemlos verwerten. Und nur unmittelbar darauf hätte er beinahe seinen Doppelpack erzielt. Zuerst klaut er ausgerechnet Luan Leite die Kugel, gibt ab auf Edomwonyi, irgendwie kommt der Ball aber wieder zurück auf Alar. Den leeren Kasten vor sich, braucht die Nummer 9 eigentlich nur mehr einzuschieben, mit einer heroischen Rettungsaktion bewahrt Huber, der im Anschluss von den wenigen Fans besungen wird, St. Pölten vor einem höheren Rückstand. Diese vergebene Chance rächt sich umgehend. Nach einem Eckball steigt Babacar Diallo am höchsten und verkürzt noch vor der Pause auf 1:2. Um Viertel nach Sieben pfeift Julian Weinberger eine flotte Partie vorerst ab, 45 Minuten sind gespielt.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Eierpecken in St. Pölten

Man merkt Sturm zwar die Klasse an, an die der SKN nicht ganz rankommt, alles in allem präsentiert sich die erste Halbzeit durchwegs ausgeglichen. Alar hätte direkt nach seinem ersten Treffer nachlegen müssen, dann wäre die Osterjause hier bereits gegessen. So muss man nochmals einer dreiviertel Stunde wachsam sein, ein Treffer fällt nämlich weitaus schneller, als man denkt. Besonders auffällig nach der ersten Spielhälfte war das System, welches Heiko Vogel praktizieren ließ: In der Vorwärtsbewegung nahm Fabian Koch eine extrem angriffslustige Rolle ein und spielte auf einer Höhe mit Peter Zulj. Diese beiden nahmen dann den offensiven Part im zentralen Mittelfeld ein, während James Jeggo als 6er absicherte. Dadurch, dass auch Deni Alar sich teils etwas zurückfallen ließ, bildete sich im Zentrum oftmals eine Art Raute. Die Viererkette in der Verteidigung wurde währenddessen zur Dreierkette.

Hälfte zwei beginnt ähnlich wie der erste Durchgang. Wieder startet der SKN mit einem harmlosen Kopfball, wieder macht Sturm den schnellen Treffer – und was für einen! Kurz zuvor noch per Freistoß gescheitert, lässt der Nationalteamspieler mit der Nummer 17 seinen Gegner zuljmäßig aussteigen, blickt auf und zieht aus 25 Metern ab. Riegler hat bei diesem Hammer ins rechte Eck nicht den Hauch einer Chance. Dem nicht genug steckt Zulj nur vier Minuten später ideal auf Alar durch, der hält nichts vom Osterhasen und verteilt keine Geschenke. Mit einem wuchtigen Schuss lässt er dem Schlussmann der Wölfe keine Chance, plötzlich steht es hier 4:1 und es glaubt niemand mehr daran, dass St. Pölten hier nochmals seine Auferstehung erlebt. Das Spiel findet nicht zur Ruhe, Jeggo schickt nach 65 Minuten Jantscher mit dem Traumpass auf die Reise, der versucht es aber zu lässig und hebt Riegler das Leder in die Arme. Und die Gastgeber wären beinahe wieder zurückgekommen, Martin Rasners Schuss landet aber am Pfosten.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Der Osterhase trägt Schwarz-Weiß

Da es scheint, dass heute jeder einmal darf, bringt Coach Heiko Vogel Stefan Hierländer und Philipp Huspek ins Spiel, letzterer schließt nach perfekter Vorarbeit von Peter Zulj einen Konter 15 Minuten vor Schluss mustergültig zum 5:1 ab. Und auch wenn Sturm weiterhin alles versucht, um das Torverhältnis aufzubessern, soll kein Treffer mehr gelingen. St. Pölten – in der ersten Halbzeit noch selbst mit ein paar Chancen – präsentiert sich im zweiten Durchgang schlichtweg inferior und eines Tabellenletzten absolut würdig. Sturm hingegen nutzt beinahe jede sich bietende Chance und feiert einen letztendlich verdienten 5:1-Auswärtserfolg. Der Osterhase trägt heuer Schwarz-Weiß und bringt drei Punkte mit nach Graz. Der WAC – mit 0:2 in Salzburg verloren – darf wahrlich von Glück reden, den SKN St. Pölten (noch) in der Liga zu haben. So sieht es nicht für die Kärntner, sondern für die Niederösterreicher zappenduster aus.  Da es für den Letzten dieses Jahr aber zuerst in die Relegation geht, braucht man sich vor einer Ausrottung des Wolfsbestandes vorerst noch nicht fürchten. Die Grazer dagegen haben heute eindrucksvoll bewiesen, dass sie nichts von Artenschutz halten – heute wurden 11 Wölfe abgeschossen.

Spieldaten

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3 Kommentare

  1. Patrik sagt:

    Peter Zulj ist momentan alles schwarze und alles weiße in meinem schwarz/weißem Herz

    Gegen alle Kritiker von Heiko Vogel: Habt ihr heute gesehen wie ein Trainer seine Mannschaft woche für Woche betreut und einstellt der Ahnung und Erfahrung hat? Nämlich genau wie unser Trainer! Auch die Wechsel haben genau gepasst! Einfach ein akribischer Arbeiter mit genauen Vorstellungen über Spielweise und Spielphilosophie!!!!

    Bitte GK jz mit den leistungsträgern verlängern und mit gleicher Stärke in die nächste Saison!

    Schade momentan für Eze glaube das er uns noch viel Freude machen wird

    Sama SCHWOAZ Sama WEIß Sama STURM

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    • Rockstar Rockstar sagt:

      Unter Foda waren wir doch auch schon stark, haben den besten Start der Vereinsgeschichte hingelegt, und genaue Vorstellungen über die Spielweise hatte er doch auch. Nur ist er defensiver eingestellt, vor allem gegen vermeintlich,aber auch tatsächlich schwächere Gegner haben wir oft zu defensiv gespielt finde ich.

      Finde Foda war gut, aber Vogel bringt noch mehr taktische Flexibilität, und vor allem mehr offensiven Fußball.

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  2. mauer mauer sagt:

    Geile headline!

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