Sturm kann gewinnen

Spielbericht: TSV Hartberg vs. SK Sturm Graz 1:2 (1:0)

Nach dem desaströsen Playoff-Auftakt stand gegen den TSV Hartberg das von Geschäftsführer Sport Andreas Schicker betitelte „Spiel der Wahrheit“ an. „Wir sind in einer Verfassung, in der es schwierig wird, Punkte zu holen“, gestand Lukas Spendlhofer nach der Niederlage gegen Salzburg. Diese Aussage ist wohl sinnbildlich für die aktuelle Stimmung im Verein und ließ so manchen Sturm-Fan zurecht pessimistisch auf das Duell gegen die Hartberger blicken.

Es ging nämlich gegen jene Hartberger, die in der Meistergruppe bereits den LASK und den Wolfsberger AC in eindrucksvoller Manier besiegen konnten. Sollte Sturm auch das direkte Duell gegen die Oststeirer verlieren, würde es Konsequenzen geben, so Andreas Schicker. Der SK Sturm musste auf die gesperrten Spendlhofer und Donkor verzichten. Der 35-jährige Christoph Leitgeb rückte im Vergleich zum Salzburg-Spiel ebenso frisch in die Startelf wie Friesenbichler, Geyrhofer, Juan Dominguez und Kiril Despodov.

© SturmNetz

Hartberger Offensivdrang

Die Hartberger versuchten gleich von Beginn an, Druck zu machen und ließen den Ball durch die eigenen Reihen laufen. Nikon El Maestro, der seinen Bruder Nestor an der Seitenlinie ersetzte, sah in der Anfangsphase eine passiv agierende Sturm-Mannschaft. In der 9. Minute fiel dann folgerichtig das 1:0 für die Hausherren. Nach einem Eckball, den Rajko Rep direkt ans Aluminium schoss, traf Tobias Kainz mit einem satten Schuss aus der Distanz. Zum vierten Mal im vierten Spiel der Meistergruppe war Sturm somit im Rückstand. Die Hartberger gaben sich nicht zufrieden, versuchten direkt nachzulegen und erzielten beinahe das 2:0. Einen Schuss vom rechten Strafraumeck zimmerte Rajko Rep abermals an die Stange.

Das Fazit nach fünfzehn Spielminuten hätte so ausfallen können: Sturm hatte nichts vom Spiel und war in fast jeder Hinsicht unterlegen. So etwas Ähnliches wie Torgefahr entstand erst nach einer Viertelstunde, als Niklas Geyrhofer mit einem Kopfball allerdings wenig Gefahr ausstrahlte. Einmal mehr präsentierte sich Sturm in dieser Phase des Spiels plan- und ideenlos sowie schlecht auf den Gegner eingestellt. Die Blackys vermochten es ob der miserablen Passqualität erneut nicht, den Ball über mehrere Stationen laufen zu lassen. Schon jetzt war vielen Fans klar: Hier muss einiges passieren, will Sturm nicht gänzlich leer ausgehen.

Nach 28. Minuten nahm Nikon El Maestro den ersten Wechsel vor. Geyrhofer musste verletzungsbedingt weichen, für ihn kam Lukas Jäger in das Spiel. Somit war Avlonitis neben Jäger und Ljubic der einzige gelernte Innenverteidiger am Feld. In der 30. Minute ließen sich die Hartberger wieder einmal im Strafraum der Grazer blicken. Eine Flanke von Dossou konnte Jäger entschärfen. Der Nachschuss von Sturm-Leihgabe Amadou Dante flog weit über das Tor.

In der 39. Minute sollte es eigentlich 1:1 stehen. Kiril Despodov wurde in den Lauf geschickt und umkurvte Rene Swete im Tor der Hartberger. Der Bulgare musste nur noch in das leere Tor einschieben. Sinnbildlich für die aktuelle Lage der Grazer traf Despodov allerdings nur das Außennetz. Unfassbar! Wenige Minuten später kam die Leihgabe erneut in eine gute Situation, traf aber wieder nur das Außennetz. Nichtsdestotrotz ging die Halbzeitführung der Hartberger absolut in Ordnung. Die Oststeirer hatten Sturm gut im Griff und ein klares Chancen-Plus.

© SturmNetz

Sturm wie ausgewechselt

Kurz nach Wiederanpfiff gab es gleich Elfmeteralarm im Strafraum der Hartberger! Nach einem Eckball grätschte Bakary Nimaga Avlonitis um. Schiedsrichter Eisner bewertete die Situation einmal mehr falsch und entschied sich – auch nach Rücksprache mit seinem Assistenten – gegen einen Strafstoß. Kurze Zeit später konnte Kiteishvili mit einem gefährlichen Abschluss auf sich aufmerksam machen. Die Grazer starteten gut in die zweite Hälfte und wurden in deren Anfangsphase gefährlicher als in der gesamten ersten Spielzeit. In der 52. Minute setzte Kiteishvili Despodov in Szene, der abermals alleine vor Swete vergab. Eine Minute später hatte Hierländer nach einer Flanke von Sakic den Ausgleich am Kopf, sein Abschluss segelte jedoch knapp am langen Eck vorbei. Quasi im Gegenzug gelang den Hartbergern ein gefährlicher Konter, den Dossou hätte im Tor versenken sollen. Sein Abschluss aus kurzer Distanz verfehlte das Grazer Gehäuse hauchdünn. Die Partie wurde deutlich hektischer und beinahe im Minutentakt kam eine der beiden Mannschaft zu einer guten Chance – deutlich häufiger traf dies mittlerweile auf die Gäste aus Graz zu. Zunächst traf Kiril Despodov mit einem Freistoß die Querlatte. Zehn Minuten später konnte Swete einen Abschluss ins kurze Eck vom Bulgaren gerade noch entschärfen. Ein Treffer lag langsam aber sicher in der Luft.

In der 72. Minute kamen Balaj und Huspek in das Spiel. Langsam aber sicher musste Sturm den Ausgleich erzielen, um zumindest noch einen Punkt mitzunehmen. Mittlerweile war auch die Führung der Hartberger etwas glücklich – Sturm ließ im Laufe des zweiten Spielabschnitts viele Großchancen liegen. In der Schlussphase häuften sich die Fehler beider Mannschaften und die Emotionen ergriffen Überhand. Hartberg musste dem stetig wachsenden Druck trotzen und wirkte dabei mitunter überfordert.

In der 85. Minute war es dann endlich so weit: Der aktive, aber bis dahin – gelinde gesagt – glücklose Kiril Despodov versenkte einen Freistoß aus knapp 20 Metern via Innenstange im Tor. Der Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt hochverdient. Doch damit nicht genug: Drei Minuten später trat Despodov erneut zum Freistoß an und überlistete Rene Swete erneut, der diesmal allerdings ganz und gar nicht gut aussah. Die Grazer konnten das Spiel entgegen allen Erwartungen drehen. In der Nachspielzeit hatte Jürgen Heil noch die Chance auf den Ausgleich, doch Siebenhandl war zur Stelle. Sturm kann also doch noch gewinnen. Grund für eine allgemeine Zufriedenheit ist das allerdings natürlich noch nicht.

Spieldaten

 

 

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22 Kommentare

  1. Neukirchner sagt:

    Wohin schaut der Bauer auf seinem Traktor? Nach vorne!!!

    Bravo Gü Neukirchner! Auf SKY sah manns bezeichnet: Ab dem Zeitpunkt als Gü das Heft in die Hand nahm und dem Mini-Maestro erklärte, wie man sich im Spiel der letzten Chance und bei 0:1 zu verhalten hat, lief es endlich einmal…

    Maestros bitte abtanken, Gü bitte sofort zumindest bis zum Saisonende übernehmen!!

    Bravo Blackys!

    11+
    • SM1982 sagt:

      Ja ich wäre auch für Neukirchner, bin der Selben Meinung das Gü heute sehe viel am Sieg beizutragen hatte.

      4+
    • Maldini sagt:

      Einfach nur lächerlich…

      1+
    • Marchanno Diaz Rabihou sagt:

      Nikon wird Chef. Hat im Meister play off noch nie einen Punkt abgegeben….

      2+
    • Erzschwoarza sagt:

      Neukirchner wäre Mega! Jeder schwoaza wünscht sich dies. Bitte umsetzen!

      2+
  2. arrai sagt:

    Hz 2 war endlich mal wieder eine okaye Halbzeit, die man anschauen konnte – wenn natürlich auch der unnötigen Passivität der Hartberger geschuldet…
    Was mich sehr gefreut hat: Amadou Dantes Leistung. Guter Junge, auf den ich mich schon im Sturm-Dress freue 🙂

    5+
  3. Maldini sagt:

    Endlich hat man wenigstens wieder Grundregel Nr. 1 beherzigt, nämlich dass jeder für jeden rennt (den Spanier, der zum Glück bald wieder Geschichte ist, nehme ich allerdings aus).

    Und was mich wirklich freut: Christoph Leitgeb, bester Mann am Platz! Leider war seine Verpflichtung dennoch komplett sinnlos – um ihn eine junge Truppe zu formieren, hätte wirklich Sinn gemacht, da seine Klasse am Ball und vor allem im Spielaufbau in dieser Mannschaft herausragend ist. Aber so…

    6+
  4. was war mitm neukirchner? hab heut nix schauen können

    1+
  5. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Nur mehr 3 Punkte hinterm Lask…was wollt ihr den Maestro bester Trainer 🙂

    Aber im Ernst herrlich wie NEM die gute alte Foda-Schule alà „einmal gewinnen und alles ist wieder ok“ anwendet…somit dürfte NEM bis Ende der Saison da bleiben, was viele hier erzürnen dürfte. Tja, zu früh gefreut.

    0
  6. annanas bear sagt:

    Also Chapeu an den der die Halbzeitansprache gehalten hat. Am wahrscheinlichsten ist wohl der Gü Neukirchner, aber bevor das einer von unseren Maestros war, hat der Schopp in der Pause kurz den Säumel rübergeschickt.

    Ganz ehrlich das war wohl das erste mal seit Ewigkeiten das iegendwer das Wort Angriffsfußball in den Mund genommen hat. Torschusstraining hat es wohl auch schon länger nicht mehr gegeben, das erklärt zumindest warum wir so viele Versuche gebraucht haben.

    3+
  7. dawuede dawuede sagt:

    Warte ja nur mehr drauf dass jetzt irgendwer kommt und uns erzählt dass alles wieder lässig ist. Verstehe auch nicht warum erst 20 NACH 12 sein muss dass ein bisserl Aktivität rein kommt ins Spiel. Es ist vorprogrammiert dass der nächste Dämpfer früher wieder kommt als uns allen lieb ist. Mit Maestro und mit großen Teilen des Kaders geht es nicht weiter, und man täte auf jeden Fall besser daran dass so früh wie möglich einzusehen und nicht zu warten bis auch die nächste Saison (zumindest was die Kaderplanung betrifft) verloren ist.

    4+
    • fauli sagt:

      2 Freistoßtore und alles ist wieder super? das wäre typisch sturm…

      Die Schnittpartie kommt am Mittwoch, da kann sich einiges zum guten wenden, bzw. eine Serie gestartet werden, auch wenn ich nicht daran glaube.

      Wir sind der perfekte Gegner für den Lask, die werden wir sicher wieder aufbauen und eine Klatsche kassieren

      0
  8. Ritter2016 sagt:

    Sturm hat gewonnen! WIR WERDEN MEISTER!!!

    Scherz. 2. Halbzeit war ansehnlich! Damit hat Hartberg nicht gerechnet, dass Sturm plötzlich anfängt Fußball zu spielen.

    Und „der alte Leitgeb“ (sic Freddy Tatar) eine wirklich gute Leistung gebracht. Jetzt hoffe ich dass die „Ankündigungen“ von Moderator Martin Konrad (Donkor, Dominguiz werden nicht verlängert) befolgt werden. Geyrhofer hat mir gestern mit 2,3 Klärungen auch wieder gefallen. Und Dante könnte auch ein Guter werden!

    0
  9. Schworza99 Schworza99 sagt:

    Ist sonst noch jemanden 7 Stellungsspiel aufgefallen? Mir kommt vor in manchen Situationen läuft er Neuer Like heraus und lässt die Bude komplette offen zurück…in den letzten Spielen öfters passiert.

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  10. Ivaneijew sagt:

    Die Frage die sich mir noch stellt ist, war die Leistung gestern möglich weil NEM quasi nicht zuständig war, oder besteht beim ihm tatsächlich noch Hoffnung?

    0
  11. rio sagt:

    Wenn das nicht einer dieser berühmten „Pyrrhussiege“ war! Jetzt bleibt einmal alles beim Alten und wir wursteln weiter, zumindest bis der LASK uns in die Realität zurück befördert. Für mich bringt dieser „last minute“ Sieg mehr Schaden, als ersehnten Nutzen!

    5+
  12. arrai sagt:

    6 von bislang 16 Kommentaren, die drauf verweisen, dass die Verfassenden sich eine Niederlage gewünscht hätten, damit der Trainer gehen muss…Sogs: sads noch ganz Banane? Bei aller Kritik an dem Topfen, den unser SKS in dieser Saison schon fabriziert hat, wärs mir doch lieber, dieses Trainerteam bekommt die Sache nun doch noch in den Griff, als dass wir in nun 1,5 Jahren das Trainerteam Nr. 3 vor die Tür setzen. Unter Günthers „wohin schaut der Bauer auf dem Traktor“ von damals ist mMn zu verstehen, dass es irrelevant ist, was in der Vergangenheit war. Vielleicht schafft es NEM ja noch, sich in seinem Verständnis von Fußball weiterzuentwickeln – so wie es auch der Lord im Sommer 2017 geschafft hat – oder vielleicht beginnen die Spieler zu checken, was er von ihnen will. Wenn das bestehende Trainerteam die Sache ab sofort in den Griff bekommt, dann ist es mir Powidl, was davor war und es ist mir allemal lieber, als wieder einen Neuen zu holen und drauf hoffen zu müssen, dass der nun endlich einschlägt…

    12+

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