Dominguez: „Sturm ist ein sehr historischer Verein und ich mag solche Klubs“

Das SturmNetz-Interview mit Juan Dominguez

Der spanische Mittelfeldspieler Juan Dominguez hat beim SK Sturm im Februar einen Vertrag bis 2020 unterschrieben. Wir durften mit dem Neo-Blacky ein Interview führen, in dem er seine ersten Eindrücke von Graz schilderte, seine Deutschkenntnisse „evaluierte“ und erzählte, wie der Transfer in die steirische Landeshauptstadt überhaupt zustande kam.

© Martin Hirtenfellner Fotografie

Juan, wie hast du dich in den Verein eingegliedert? Was sind die ersten Eindrücke von der Stadt?

Alle Eindrücke sind bisher sehr positiv. Meine Kollegen sind sehr liebevoll (Anm.: Dafür verwendet er das spanische Wort „majo“, das gleich ausgesprochen wird wie „Macho“. Dies führte beim Autor zuerst zu Gelächter, da nicht erwartet wurde, dass man seine Teamkollegen mit solchen Attributen beschreibt.). Sie behandeln mich wirklich sehr gut und geben sich Mühe, sodass ich mich gut und so schnell wie möglich anpassen konnte. Sehr sympathisch! Die Stadt ist spektakulär, sehr schön! Und die Bewohner sind sehr höfliche, gebildete Menschen – mit so einer Vielzahl an netten Personen habe ich nicht gerechnet. Den Verein finde ich auch erste Klasse. Aufgrund der Einrichtungen und der zur Verfügung stehenden Ressourcen merkt man, dass die Leute die Dinge richtig und organisiert machen. Ich denke, dass sehr professionell gearbeitet wird.

Ist es eigentlich schwierig, mit den Spielern am Platz zu kommunizieren? Oder ist das überhaupt kein Problem für dich?

Meistens kommuniziere ich auf Englisch, aber es gibt auch kurze Wörter, die ich auf Deutsch ausspreche, da sie während des Spiels sehr wichtig sind. Wie zum Beispiel: “ruhig”, “Mann” oder “komm”. Aber wenn ich im Spiel etwas genauer erklären will, dann verwende ich Englisch. Es ist einfacher, da es die ganze Mannschaft versteht.

Wie läuft es generell mit deinen Deutschkenntnissen? Kommst du gut voran oder befindet sich dieses Projekt noch in den Kinderschuhen?

Wir haben in der Woche zwei Deutschkurse nach dem Training. Ich muss die Sprache alleine erlernen, obwohl ich mit drei weiteren Kollegen den Kurs besuche. Die sind mir allerdings bereits einige Monate voraus. Daher versuche ich, diesen Umstand daheim beziehungsweise im Hotel oder auch jetzt hier mit Apps und Videos aus dem Internet zu kompensieren. Und langsam komme ich damit auch ganz gut voran. Aber es ist sehr schwer, viel komplizierter als Englisch zum Beispiel.

Wie ist der Transfer zu Sturm zustande gekommen? Wie war die Zeit bei Reus gegen Ende?

Das auf Englisch zu erklären, wäre unmöglich (lacht). Meine vorherige Mannschaft, Reus, hatte von August bis Jänner gravierende Probleme mit den Finanzen. Diese haben sich stets verschlimmert. Schuld daran ist der Vereinsinhaber, da die Spielergehälter über Monate hinweg nicht ausgezahlt wurden. Infolgedessen bestrafte die Liga Reus. Deshalb waren dann alle Spieler ablösefrei und unsere Verträge nichtig. Also konnten wir uns nach neuen Vereinen umsehen und da ich sowieso weg aus Spanien und eine neue Herausforderung annehmen wollte, kam mir die Option Sturm Graz sehr gelegen. Ich hatte einige Angebote aus verschiedenen Ligen, doch es ging mir darum, neue Erfahrungen zu sammeln – auch auf internationaler Ebene. Aufgrund dieser Faktoren habe ich mich dann für das Gesamtpaket Sturm Graz entschieden.

(c) Martin Hirtenfellner Fotografie – Der Spanier mit seinen neuen Teamkollegen

Hat es auch Angebote von anderen Vereinen innerhalb Österreichs gegeben?

Nein. Aus dem Ausland gab es verschiedene Offerten, aber innerhalb Österreichs ist nur Sturm an mich herangetreten.

Könntest du vielleicht genauer begründen, weshalb die Entscheidung zugunsten Sturms ausgefallen ist?

Österreich als Land gefällt mir sehr gut und hat meine Aufmerksamkeit geweckt. Ich wollte es noch genauer kennenlernen. Sportlich gesehen ist Sturm Graz eine Mannschaft, die sich für das internationale Geschäft qualifizieren kann. Es besteht also die Möglichkeit, auf europäischer Ebene zu spielen. Das war schon ein sehr wichtiges Kriterium für mich. Zudem ist  der SK Sturm eine der besten Mannschaften Österreichs und besitzt eine lange Geschichte. Er ist ein sehr historischer Verein und ich mag solche Klubs.

Das heißt, du hast Sturm bereits vor deiner Ankunft gekannt?

Ja. Sturm Graz war speziell während meiner Zeit bei Deportivo La Coruna ein Name in Europa, der sehr geläufig war. Ich war seit meiner Jugend dort und die Glanzzeiten dieser beiden Vereine überschneiden sich, speziell wenn ich an die Champions League denke. Die beste Zeit Deportivos lässt sich ja ungefähr um das Jahr 2000 herum einordnen und damals war Sturm in Europa schon etabliert. Ihre erste Teilnahme müsste Ende der 90er-Jahre gewesen sein, wenn ich mich richtig erinnere.

Warum wolltest du aus Spanien weg?

Weil ich neue Erfahrungen machen und eine andere Challenge suchen wollte. In Spanien war ich im professionellen Bereich zehn Jahre lang aktiv, das ist eine sehr lange Zeit. Um zu wachsen – sowohl auf persönlicher als auch auf sportlicher Ebene – ist es wichtig, im Ausland seine Fähigkeiten zu erweitern.

Wie würdest du deinen Spielertyp beschreiben? Beziehungsweise mit welchen Qualitäten kannst du der Mannschaft helfen?

Ich bin Mittelfeldspieler oder eigentlich viel mehr ein Mittelfeldorganisator. Ich versuche, die Mannschaft mit kurzen Pässen oder durch bestimmte Kombinationen quasi zu dirigieren und zu lenken. Taktisch gesehen trage ich auf jeden Fall dazu bei, bei der Orientierung des Teams zu helfen, also wie ein Spielmacher oder ein Taktgeber sozusagen.

Was hältst du vom Ligasystem in Österreich? Dieses unterscheidet sich doch sehr von der spanischen Liga.

Das weiß ich selbst noch nicht, um ehrlich zu sein. Ich bin der Meinung, dass man das zuerst selbst erleben muss, um darüber urteilen zu können. Ob im positiven oder negativen Sinn, wird sich dann erst zeigen.

Du konntest jetzt schon ein paar Partien live miterleben. Unterscheidet sich die Spielweise in Österreich von jener in der spanischen Liga?

Es gibt viel mehr Unterschiede, als ich mir anfangs gedacht hätte. Für mich ist der größte Unterschied die Taktik. Hier ist sie schlicht und ergreifend anders. In Österreich wird recht direkt mit dem Ball gespielt, speziell in der Vorwärtsbewegung. In Spanien ist das Kurzpassspiel doch eher verbreitet, das liegt vor allem daran, dass es somit möglich ist, eine gewisse Grundordnung zu wahren. Zudem kann man damit die gegnerische Mannschaft ermüden, da sie ständig dem Ball hinterherlaufen muss. Die Spieler versuchen, individuell einzuschätzen, wann man von dieser Taktik abkommen und einen riskanteren Pass spielen kann. Die ganze Mannschaft greift zusammen an, aber verteidigt auch gemeinsam. Im Gegensatz dazu ist das in Österreich alles viel schneller und der Fokus liegt eher auf dem schnellen Umschaltspiel.

Welche Spielweise kommt dir eher entgegen?

Ich glaube, es ist sehr wichtig, eine gute Balance zu finden. Man sollte versuchen, diese beiden Stile miteinander zu verbinden. Man muss interpretieren, wann es richtig ist, schnelle kurze Pässe zu spielen, um den Gegner aus seiner Aufstellung zu bringen und in die Offensive zu gehen. Das ist die beste Art, um Fußball zu spielen.

Wie würdest du generell die Qualität der Liga einschätzen?

Ich würde sie als niveauvoll und hoch bezeichnen. Sie ist sehr gegensätzlich zu jener der spanischen Liga, aber es gibt gute Spieler, gute Teams und die Mannschaften produzieren eben guten Fußball. Zwar auf andere Art und Weise, aber trotzdem gut, wie ich finde. Ich bin schon positiv beeindruckt, muss ich sagen.

Was waren deine bisherigen Karriere-Highlights?

Nun, die Spiele die ich in der ersten spanischen Liga gespielt habe, waren eine sehr tolle Erfahrung, aber da sticht jetzt keines besonders hervor. Trotzdem bin ich darauf sehr stolz. Außerdem habe ich eine Trophäe bekommen und wurde als bester zentraler Mittelfeldspieler in der zweiten Liga ausgezeichnet. Darauf blicke ich schon sehr gerne zurück.

Was sind deine Ziele mit Sturm. Was willst du erreichen?

Zunächst einmal gilt es, alles Mögliche zu tun, um dem Team dabei zu helfen, die gesteckten Ziele zu erreichen. Ich möchte mich aber auch auf persönlicher Ebene weiterentwickeln und Dinge lernen, die im spanischen Fußball nicht so verbreitet sind. Damit ich mein Profil um verschiedene Charakteristika erweitern und somit als Mensch und Spieler weiterwachsen kann.

Dann hoffen wir, dass diese Dinge auch in die Tat umgesetzt werden. Danke für deine Zeit und das Interview.

Sehr gerne! Es war mir eine Freude.

 

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2 Kommentare

  1. schmitzi82 sagt:

    Bin Neugierig was Der so trauf hat!???

    0
  2. goodoldtimes sagt:

    Ich hab damals als Jugendlicher auf FIFA immer La Coruña gespielt, und wir haben auf einem Spanien-Urlaub nur meinetwegen die Stadt und sogar das Stadion besucht. Ich find’s super, dass ein Spieler mit LC-Vergangenheit jetzt bei Sturm spielt. Ich hoffe, der „Mittelfeldorganisator“ schlägt voll ein.

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